Hallo XXCCX
vielen Dank erst einmal für Deine Antworten und Geduld. Gestern konnte ich leider nicht mehr antworten wg. meiner lieben Mama (86) der es momentan gesundheitlich nicht sonderlich gut geht.
Doch will ich das heute nachholen und auf die Mühe die Du Dir gemacht hast eingehen.
Zuerst einmal möchte ich festhalten, dass ich Dich wesentlich reifer einschätze als viele andere junge Menschen in Deinem Alter. Daraus ergibt sich, trotz gleichen Alters, so etwas wie ein gedanklicher/geistiger "Generationenkonflikt". Du wirkst viel reifer, tiefgründiger als die meisten jungen Leute die ich in dieser Altersgruppe kenne. Daher wirkst Du auf Deine Altersgenossen etwas strange/fremdartig. Dieser Reifungs-, ja Bildungsprozess hat sich in den letzten Jahrzehnten immer weiter in die mittigen bis späten 20er bis hinein in die 30er des Lebensalters verlagert. Aufgewachsen in den fetten Jahren und viele mit Helikoptereltern im Rücken erfahren und wissen lange nicht was es heisst die volle Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Manche lernen es nie und deren Zahl steigt aus meiner Sicht, da es keinen so starken Druck mehr dahingehend gibt wie zu meiner Jugendzeit.
Du bildest hier für mich eine bemerkenswerte Ausnahme und hierfür erweise ich Dir meinen Respekt und meine Achtung

Wenn ich so zurückdenke sind wir uns gar nicht so unähnlich.
Auch ich hatte nicht allzu viele Liebeleien, weil ich meine tiefen Gefühle nicht verschwenden oder gar vor die Säue werfen wollte. Manche hielten mich sogar für anders herum, womit man ja damals nicht so offen umgehen konnte wie heute.
Sie konnten oder wollten nicht begreifen, warum ich eben "anders" war als sie.
Echte Zuneigung, ja Liebe war mir eben viel wichtiger als nur die schnelle Nummer. Und es ist erstaunlich, dass wenn ich so meine "alten Kameraden" heute betrachte, dass jene darunter, die nur das körperliche, den ONS sahen, heute entweder geschieden, alleine, ohne Kinder und Partner sind, geschweige denn jemals das Glück erleben dürfen Grosseltern zu werden.
Ich hatte Geduld und die zahlte sich aus. Meine Frau kam damals neu in die Clique und sie war ganz anders als die anderen Mädels. Anfangs fürchtete sich meine Frau sogar vor mir weil ich eben auch anders war als der Rest der Gruppe. Der keinen solchen Stuss redete wie die meisten nicht über den Durst trank und der wenn man ihm zuhörte offenbar mehr in der Birne hatte als die meisten. Erst neulich, als wir über alte Zeiten sprachen, sagte sie zu mir, dass ich da eigentlich gar nicht reingepasst habe..... Dabei war und geblieben bin ich, weil ich Menschen grundsätzlich interessant finde, es mir schon immer ein Bedürfnis war andere zu beobachten und zu ergründen warum sie tun was sie tun warum und wie sie denken, was sie sagen und wie sie es sagen.....
So "durchgeknallt" diese Clique von aussen betrachtet auch für so manchen gewesen sein mag, sie war ein Schnitt quer durch die Gesellschaft. In dieser Zeit habe ich viel gelernt weil ich den anderen gut zugehört und gelernt habe Stellung zu beziehen, ja Verantwortung zu übernehmen und auch unmissverständlich "Nein" oder "Halt/Stopp" zu sagen, wenn mir etwas gegen den Strich ging oder einfach unfair und ungerecht erschien, als wie die anderen einfach nur mit dem Strom dem MOB zu schwimmen, bzw. sich von ihm treiben zu lassen.
Ja auch ich hatte als "Alien", wie Du, ein soziales Bedürfnis irgendwo dazu zu gehören. Doch nachdem ich meine zukünftige Frau kennengelernt hatte, genossen wir unsere gegenseitige Liebe und Zweisamkeit, verschob sich der Fokus in unserer Freizeit darauf Zeit mit unseren Familien, Schwestern und Brüdern und deren Freunden zu verbringen. Es tat sich mir wie meiner Frau eine völlig neue Welt(sicht) auf.
Mit 20, so wie Du, hatte ich keinen blassen Schimmer, dass ich mit 22 die Frau meines Lebens kennenlernen würde, mich zwei Jahre später mit ihr verloben würde, mit ihr zusammen in unsere erste gemeinsame Wohnung zu ziehen, meinen Schatz weitere zwei Jahre später zu heiraten und noch mal zwei Jahre später überglückliche Mutter und Vater unseres ersten Sohnes zu sein.
Was macht es Dir so schwer Dich einem anderen Umfeld zu öffnen? Du muss ja nicht alles sofort und aufs Mal aufgeben

Vielleicht wäre es eine Alternative eine neue, eine ergänzende Gruppe von Menschen zu suchen, wie z.B. in einem Verein oder Hilfswerk, der/das Deine Werte (siehe unten) hoch hält oder deren Mitglieder vernünftiger, bzw. sinn- und Wert-voller mit dem Leben umzugehen verstehen?
Du könntest wie ich auch geduldig warten bis Du, wie ich, mehr oder minder zufällig auf eben die Eine triffst so wie ich?
Du könntest aber auch mal versuchen mit den Mädels die da sind in der richtigen Minute auch mal über Deine und ihre Werte, das was Dir und ihnen wichtig ist zu sprechen und sie fragen, was sie davon halten?
Je nach Verlauf erregt das vielleicht dann doch mal ein tiefer Interesse an Dir? Vielleicht nicht heute aber Morgen oder übermorgen.... Und wenn nicht, dann weisst Du mit Sicherheit, dass das nie und nimmer was werden könnte.
Bedenke dennoch: Alles was Du sagst hinterlässt eine Spur im Geiste des Gegenübers. Formt sich ein geistiges Bild von Dir im Kopf des Gegenübers, das eine Spur hinterlässt.
Du kannst es glauben oder auch nicht, durch diese Form der Kommunikation haben viele meiner alten Kamerad*innen in der Vergangenheit schon oft meine Telefonnummer gewählt oder bei einem Gläschen B. oder Wein meine Meinung und Lösungsansätze zu bestimmten, ja intimsten Anliegen in ihrem Leben in Anspruch genommen.
Offenbar habe ich viele Jahre zuvor eine geistige Spur gelegt, die zu meiner Tür führt und der so mancher gerne gefolgt ist wenn es Schwierigkeiten gab oder gibt. Denn diese Tür steht immer offen.
Ich sehe sehr viel Potenzial einen regen wie verantwortlichen Geist in Dir. Du weisst nur noch nicht wohin Dich Deine Reise führen wird. Doch wer weiss das schon? Wer weiss schon was Morgen ist? Niemand hat ein Glaskugel! So sehr man sie sich manchmal auch wünschen mag....!
Was wir jedoch haben, das sind unsere Werte die uns, wie Leuchttürme in stürmischer See, den Weg weisen und so unseren Kurs halten können.
Dieses Dilemma bereitet Dir im Moment kleine und auch grosse Sorgen. Sollte es aber nicht, denn alles wird sich richten zu seiner Zeit. Wenn Du Dir und Deinen Werten treu bleibst, so wirst Du Deinerseits für jemanden unweigerlich zum Leuchtturm, dessen Licht er folgt und ihn rettet vor dem Zerschellen an den schroffen Klippen des Lebens.....
Währenddessen
Du Dein Licht weiterhin beständig leuchten lässt überlege wie Du das Beste mit und aus dem machen kannst was Dir gegeben ist.
Besonders meinen jungen MA empfehle ich durchweg, um beruflich wie privat vorwärts zu kommen, mehr, bzw. mindestens soviel an der Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu arbeiten, wie sie sich bemühen weiteres fachliches Können zu erwerben.
Diese Empfehlung möchte ich auch an Dich weitergeben.
Meine Buchempfehlungen für Dich:
Simon Sinek:
"Start with Why" oder
"Frag immer erst Warum"Viktor Frankl:
"Sinn-voll heilen"Erich Fromm: "
Die Furcht vor der Freiheit"In diesem Sinne ganz liebe Grüsse
Achtsamkeit
PS: Vielleicht verrätst Du mir noch was Du bzgl. "Erwachsen-Sein" denkst

Wenn nicht auch nicht schlimm
