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Hallo Neustart, danke dass Du nochmal geschrieben hast - ehrlich gesagt, wüßte ich in Deiner Situation vermutlich auch nicht, was ich tun sollte.
Was in der Familie Deiner Frau abgeht ist ganz schrecklich und fürchterlich, und natürlich verstehe ich Deine Besorgnis und Deinen Handlungszwang - und ich verstehe auch, dass Du ganz sicher bist, Deine Tochter retten zu müssen und zu können - ich bezweifle weder Deine Gefühle noch Deine Verzweiflung. Wenn ich glauben würde "ach, der beruhigt sich schon wieder und erzählt nur Horrorgeschichten, weil er keinen Bock hat für Frau und Kind Unterhalt zu zahlen" - würd ich Dir nicht die Ohren abkauen bzw. die Augen verätzen
Gerade deshalb versuche ich Dich dazu zu bewegen, für Dich selbst auch Unterstützung und einen neutralen Berater (für Deine Seele, Deinen Kopf, Deine Gefühle) zu holen. Denn was Deine Tochter am allermeisten braucht sind Eltern die in der Verfassung und Lage sind vernünftige, verantwotungsvolle und liebevolle Entscheidungen zu treffen - die weit über ihre Beziehung und gemeinsame Vergangenheit hinaus gehen.
Ich kann über den momentanen Zustand Deiner Frau nichts sagen, aber ich lese aus Deinen Berichten, dass viele Deiner Entscheidungen, die Du jetzt gerade triffst, von Angst und Panik und Horrorvorstellungen und auch Wut und Ärger und Konfusion geprägt sind. Das ist nur allzu menschlich und verständlich - aber das macht nicht nur Dich völlig fertig sondern beeinflußt auch ganz massiv das Leben Deiner Tochter.
Z.B. selbst wenn ein Richter oder das Jugendamt entscheidet, Du kannst sie jedes Wochenende zu Dir nehmen (diese Regelungen gelten ja nicht für die Ewigkeit sondern werden auch je nach Bedarf und Antragsstellung angepaßt, wenn sich die Eltern nicht außergerichtlich einigen können) ....was dann?
Du hast im Moment einfach kein eigenes Heim, vielleicht nicht mal die Zeit (wenn Du z.B. auch am Wochenende arbeiten mußt), Du warst bisher vielleicht noch nie zwei volle Tage und Nächte allein mit Deiner Tochter oder irgendeinem anderen Baby etc...Weißt Du was ich meine? Ich verstehe vollkommen, dass DAS für Dich rein gefühlsmäßig, vergleichsweise völlig unwichtige Details sind, die Du ganz schnell "organisieren" könntest - aber: Das sind genau diese Details, die einem Jugendamt oder Familienrichter aufzeigen, ob ein Vater/eine Mutter, WENIGSTENS diesbezüglich vorbereitet und realistisch ist. Für die kleine Puppe ist Stabilität wichtig...es geht nicht darum ob Dir irgendwer glaubt oder nicht glaubt oder ob Du vielleicht wirklich der liebevollere Elternteil wärst (ob, wenn,vielleicht, vermutlich) -
Im Moment KANNST Du ganz praktisch nicht länger, als ein paar Stunden ein Baby versorgen, betreuen etc. Das ist kein Vorwurf oder sowas wie "Deine Frau kann das viel besser als Du" - das sagt für mich auch absolut nichts über Deine Liebe und Gefühle als Vater aus - aber wenn Du Dich bei Deinen Entscheidungen nur auf die emotionalen Komponenten konzentrierst, und die praktische Umsetzung aufschiebst/vernachlässigst oder gar völlig außer Acht läßt, dann sagt das auch ganz viel über DEINEN momentanen seelischen Zustand aus...dann denkst, planst und handelst Du auch nur für den Moment und aus dem Bauch heraus. Und DAS kann ebensogut dahin umschlagen, dass Du irgendwann "keinen Bock" oder "keine Kraft" mehr hast gegen Deine Frau anzugehen, bzw "einzugreifen" ..was dann? Sagst Du Deiner Tochter mit 18 dann "Deine Mutter wollte das nicht, die ist Schuld?"
Und nur weil ich weiß wie schwer, ja fast unmöglich es ist, eben nicht rein instinktiv alles zu tun was man meint tun zu müssen, bettel ich Dich an Dir für Dich Jemanden, eine Organisation, einen Arzt, Berater, Therapeuten oder oder zu suchen, der Dir hilft wieder eine halbwegs ausgegeglichene Balance herzustellen, der Dir aufzeigt wo Deine Grenzen sind, wo Du tatsächlich etwas tun kannst, und worauf Du ganz simpel keinen Einfluss hast etc.
z.B. sagst Du: Deine Frau wird von ihren Eltern fremdgesteuert und hat deshalb vermutlich auch ihre Therapien während der Ehe abgebrochen...das bedeutet auch: Du selbst "entmündigst" sie indem Du das als Fakt annimmst auch und traust ihr demzufolge gar nicht zu irgendeine Entscheidung aus ihrem Willen und Verstand heraus zu treffen. Anfänglich hast Du auch gesagt, ihre Eltern verhindern, dass sie mit Dir kommuniziert weil sie Deinen Einfluss auf sie fürchten...
Alleine DAS reicht aus um Deinerseits die ganze Situation falsch einzuschätzen und mit ihr umzugehen, als wär sie ein hilfloses, dummes, gestörtes Opfer, das unfähig ist ohne Dich oder Mami+Papi zu existieren...wenn Du ihren Eltern was zu sagen hast, dann sag das ihren Eltern.
Ich sage nicht, dass Deine Frau nicht tatsächlich missbraucht worden ist - was absolut furchtbar ist und mit Sicherheit traumatiesierend ist - aber aus meiner eigenen engsten Familie kenne ich auch den "Automatismus" mit dem die Frauen sich (ausgehend von meiner Mutter) Generation für Generation als hilflose Männeropfer definieren - d.h. sie tragen für keinen Krach, für keine Beziehungskriese, Scheidung oder die Existenz und dem Wohlergehen der Kinder eine tatsächliche Verantwortung - ihnen wurden die Kinder GEMACHT! Ihnen wurde angetan.... Keine Ahnung warum ich davon verschont wurde und warum ich auch Männer zu Freunden habe oder nicht auch "probiert" habe über eine Schwangerschaft zu einem schuldigen Ehemann zu kommen...Ich erzähl die Geschichte auch nicht, um zu zeigen, dass ich den Durchblick habe, und Du nicht...
Es geht nur darum, dass DU für Dich Deine Grenzen und Möglichkeiten erkennst...Du fragst warum Deine Frau dies tut und jenes nicht, warum sich ihre Aktionen von ihrem Zustand unterscheiden, warum sie einmal hü und dann wieder hott sagt etc, etc,...glaub mir, darauf würd ich Dir gerne Antworten geben...ich weiß wie sich das anfühlt, wenn man nach "Erklärungen" sucht wo es keine gibt. Aber:
a) kann ich das nicht und
b) soll/darf und kann keine Rolle spielen, wenn es um DEINE Entscheidungen, Handlungen und Pläne geht.
NUR deshalb bettel ich nochmal: Bitte, such Dir Jemanden, der Dir dabei hilft Dein eigenes Leben so zu organisieren, dass Du auch für Deine Tochter da sein kannst, dass Du für Dich UND die Kleine in Balance kommst und wieder zwischen "machbar, vernünftig, notwendig und ungeignet, nicht meine Baustelle unterscheiden lernst. Im Moment bist Du mehr damit beschäftigt und darauf fokussiert, das Leben Tun und Handeln und die Psyche Deiner Frau zu analysieren, als Dich mal nach einer dauerhaften und soliden Wohnlösung für Dich umzugucken.
DAS ist eine DEINER Baustellen, auch wenn Deine Frau jetzt plötzlich den Kontakt zu ihren Eltern abbräche und einem psychologischen Mediator zustimmte und und und...DU würdest immer noch zum Übergang bei Deinem Bruder wohnen (wieviele Monate sind das schon?)und Dich davor fürchten eine eigene Wohnung zu beziehen oder Dich um andere Alternativen zu kümmern...das sagt nichts über Deinen Charakter aus oder über Deine emotionalen Qualitäten als Vater aber sehr wohl was darüber, welche Prioritäten Du hast und wie Du ganz praktisch mit Deinen eigenen Problemen umgehst.
Ich hab keine Ahnung wie alt Du bist oder ob Deine Familie hinter Dir steht, ob Du einen Freundeskreis hast, der Dir auch praktisch unter die Arme greifen kann oder ob Du schon andere Beziehungen hattest und wieviel Erfahrung Du im Umgang mit Kindern hast - von daher rate ich einfach nochmal dazu erstmal DEINEN Kram auf die Reihe zu kriegen, für Dich und die Tochter - und weil ich weiß, dass man sowas nicht einfach aus dem Hut zaubert, ganz solide Unterstützung von Profis in Anspruch zu nehmen.
08.11.2007 17:50 •
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