Hallo Rücklicht - oh Mann, dieser Name ist so depressiv aber Du hast ihn nun mal gewählt.
Du bist zur Zeit in einer Ausnahmesituation. Allein eine Taumatherapie kann erst mal ALLES verändern. Wenn Du ein Gebäude wärst, wäre wahrscheinlich alles eingestürzt oder besser, Du bist noch am Einstürzen. Wenn das passiert ist, kannst Du anfangen, mal zu schauen, was ist denn noch da, dann beginnst Du, die Mosaiksteine zu finden, zu gucken, was ist es überhaupt und dann puzzeln, wieder aufbauen. Klingt mühevoll und langwierig? Genau - und Du willst alles auf einmal, da wirst Du nur enttäuscht. Wie lange hat es gedauert, bis Du so geworden bist, wie Du jetzt bist? Veränderungen gehen nicht wirklich schneller. Du musst ja erst mal erkennen, wo Deine Probleme liegen, warum liegen sie da, wie hättest Du es gern. Wenn Du das erkannt hast, wird es auch noch mal eine Weile dauern, bis Du das ernsthaft in Deine Gedankenwelt einbauen kannst. Danach wirst Du ab und zu in Situationen erkennen - ah, hier war doch was und dann musst Du lernen, wie Du dann anders handeln kannst, später kannst Du es dann anfangen einzusetzen und noch eine Weile dauert es, bis es für Dich selbst verständlich ist. Und bis dahin funktioniert das auch nur, wenn es Dir "schlecht genug" geht. Solange wir etwas aushalten können, verändern wir nicht. Das ist nämlich echt mühevoll. Ich will Dir nicht die Hoffnung nehmen, im Gegenteil, doch ich will Dich darauf aufmerksam machen, es geht nicht so schnell. Sei geduldig mit Dir und auch ein wenig mit Deiner Umwelt. Natürlich verstehen die das alle nicht so schnell. Und Du selbst bist ja auch durcheinander. Es ist noch nicht da, wo es hinsoll.
Du kannst auch weiterhin Gutes in Deinen Mitmenschen sehen. Das sollte Dich aber nicht hindern, DEIN Gutes zu sehen und Deine Interessen zu verfolgen. Vielleicht bist Du eine Weile mal extrem egoistisch, so bekommst Du ein Gefühl für Dich, wie es ist, wenn eigene Bedürfnisse erfüllt werden. Natürlich nicht wie die Axt im Wald.
Schuld ist überhaupt kein guter Lehrmeister, das blockiert völlig, macht willenlos und angreifbar. Egal, ob man wirklich Schuld ist oder es nur so fühlt. Davon musst Du Dich lösen, eine große Aufgabe, an der Du ja schon dran bist.
Wenn Du jetzt zwischen den Extremen schwankst, sieh es für eine Weile positiv, Du kannst ein Gefühl für beides entwickeln und irgendwann Deine eigene Mitte finden. Das wird nicht jedem gefallen, es geht aber um Dich. Wer Dir wichtig ist, dem kannst Du ja auch erklären, dass es zur Zeit für Dich schwierig ist. Wer Dich wirklich mag, wird weiter zu Dir stehen. Leben ist Veränderung, nichts bleibt, wie es war, warum sollte es Bei Dir dann anders sein? Je mehr Du zu Dir stehst, desto weniger werden die Leute an Dir herummeckern.
Es ist super schwierig, was Du da vorhast. Aber es lohnt sich. Ein Therapeut könnte Dir helfen, für Dich schwierige Situationen durchsprechen und mal gucken, wie es Dir dann damit ging. Helfen kann auch, wenn Du Dein Chaos von Gedanken und Gefühlen aufschreibst, und wenn es 25 Mal das Gleiche ist. Damit bekommst Du geordnete Gedanken und ein Gespür dafür, was Du wirklich brauchst, wo wirkliche Probleme sind, was einfach für Dich wichtig ist. Und es würde Dir helfen zu klären, was in Dir vorgeht und dann kannst Du es auch erklären.
Versuch vielleicht, nicht alles als Schmerz zu betrachten, sondern als etwas, das Dir etwas beibringt und setze gaaaanz viel Humor ein, der sicher öfter Galgenhumor sein wird. Wenn man über sich selbst gut lachen kann und sich selbst nicht so wichtig nimmt, ist vieles einfacher, denn man merkt, so dramatisch ist es nicht, wie Du auf andere wirkst. Stell Dir vor, Du betrachtest Dich selbst vom Sternenhimmel aus. Wieviel siehst Du dann noch? Es nimmt Dich nicht jeder so dramatisch wahr. Manches Schwere lässt sich so leichter bewältigen. Aber für DEIN Befinden bist DU das Universum, aber lass Dir Zeit. Und hör auf zu leiden. Man sagt immer, in jeder Krise liegt auch etwas Gutes. So krass man die Situation empfindet, später ist es echt so. Man hat was gelernt, was verändert und das Leben läuft anders.
Mach nicht zu viel auf einmal, die Aufarbeitung eines Traumas dürfte allein schon alle Kraft aufbrauchen. Und die ganze Psyche ist in Aufruhr, der Körper meist auch. Es ist normal, dass es Dir richtig sch... geht.
Fang an, jeden Augenblick bewusst zu genießen, wo es Dir nicht so schlecht geht. Mach es Dir bewusst - hey, jetzt ist es gerade nicht so schlimm... Das macht Kraft für das nächste Mal und Hoffnung, dass es nicht immer so bleibt. Nimm hübsche Kleinigkeiten des Alltags wahr und freu Dich einfach drüber - ein kleiner, hüpfender Spatz, ein Maikäfer, ein lachendes Kind, das bringt kleine Glücksgefühle. Einfach mal machen.
So, jetzt ist der kia-Roman zu Ende. Ich schick Dir für den Anfang eine Tüte Glücksgefühle - einfach mal lächeln - jetzt
Liebe Grüße, kia