Hallo!
Ich bin neu hier im Forum und habe mich – wie die meisten wahrscheinlich – hier angemeldet, weil ich ziemlich verzweifelt bin. Der Text, der nun folgt, wird ziemlich lange werden.
Aber ich verspüre das Bedürfnis mir einfach mal alles von der Seele zu schreiben, was mich bedrückt. Denn ich habe nicht wirklich jemanden, mit dem ich darüber reden kann.
Über gewisse Dinge ja, aber es gibt auch Probleme, über die ich noch nie mit jemanden geredet habe.

Ok, kommen wir nun zur eigentlichen Geschichte:
Ich bin mittlerweile 29 Jahre alt, wiege 88 Kilo bei einer Körpergröße von 1,84. Bin ziemlich durchtrainiert (ich würde behaupten besser als ein Hobbysportler) und habe teilweise (dazu später mehr) auch einen recht ansehnlichen, muskulösen Körper (aber nicht übertrieben muskulös, denn das finde ich selbst nicht gut. Auch mein restliches Aussehen kann sich sehen lassen. Ich kleide mich gut. Wenn ich will kann ich eine super Ausstrahlung haben und habe eine überdurchschnittliche gute Wirkung auf Frauen (rein vom Auftreten her) – (nein, ich bin nicht arrogant).
Soweit so gut… Es ist aber auch noch nicht so lange her, da habe ich 170! Kilo gewogen, bis zu 50 Zig. am Tag geraucht (mindestens 30) und war (natürlich!) ziemlich unsportlich. Das Rauchen habe ich übrigens auch aufgegeben.
Ja, ich habe sogar meinen ersten Marathon absolviert und derzeit trainiere ich für einen Triathlon.
Mein großer Traum (und ich bin sogar ziemlich überzeugt davon dorthin zu gelangen): Teilnahme und Abschluss eines Iron Mans (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen).
Klar, ich bin auch nach wie vor unheimlich stolz auf diese Leistung.
ABER: Diese positiven Gefühle werden mehr und mehr durch Reue ersetzt:
Warum in Gottes Namen, habe ich 27 Jahre lang mein ganzes Leben vergeudet?
Ich erkläre es mir oft mit meiner Erziehung. Ich wurde nicht geschlagen, misshandelt oder sonst was. Ja, ich hatte sogar eine wohlbehütete Kindheit. Und ich denke genau da liegt es Problem.
Von meiner Mutter wurde ich überbehütet. Sie hat alles für mich getan (Hotel Mama in Reinkultur). Leider habe ich auch bis 27 noch zu Hause in meinem Kinderzimmer gewohnt. DAS gepaart mit dem Verhalten meines Vaters mir gegenüber (er hatte oft keine großen Stücke auf mich gehalten), führten wohl zu meinem geringen Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl (insbesondere was den Umgang mit Menschen angeht). Mein Vater sagte oft zu mir ich MUSS abnehmen, ich MUSS aufhören zu rauchen usw. … Klar, dass das auf wenig Gehör stößt.
Gleichzeitig kochte meine Mutter (selbst adipös) aber sehr ungesund und hatte auch immer Süßigkeiten, Chips etc. in unsere Wohnung und hatte mir nie gezeigt, wie man sich gesund ernährt (ich war von klein auf dick). Paradox…
Mein Vater sagte auch oft, dass aus mir nie was werden würde und dass ich als Übergewichtiger keine Arbeitsstelle finden würde etc.
Ich war tatsächlich eine Zeitlang nicht gut in der Schule, was sich nach einem Schulwechsel wieder ins Positive gewendet hat. Fach Abi mit 1,5, Ausbildung mit 2 mit anschließender Festanstellung und einem sehr respektablem und überdurchschnittlichem Verdienst. Karrieremäßig sah es also lange Zeit sehr gut aus bis das Unternehmen in Schieflage geraten ist. Von ehemals 900 Mitarbeiter, auf nur noch 350! Selbst da war mein Arbeitgeber nach wie vor sehr zufrieden mit mir und wollte mich behalten. Ich habe aber dann selbst gekündigt, da ich psychisch mit dem Druck nicht mehr klar kam. Meine Angst vor einem Arbeitsplatzverlust war immens. Der drohende Verlust war (auch wenn mich mein AG halten wollte) sehr realistisch, da die Insolvenz schon lange drohte). Ich habe dann ein Studium (Vollzeit, aber fortführend zu meiner bisherigen Laufbahn) angefangen. Aber konnte dort noch keinen Fuß auf den Boden setzen.
Naja…. Zurück zu meinen Eltern: Sie haben einen Arbeitsplatzverlust quasi als das schlimmste was einem passieren könne hingestellt.
Und überhaupt: Sie (vor allem meine Mutter) sind sehr ängstliche Menschen. Übervorsichtig in JEGLICHER Hinsicht. Bloß kein Risiko eingehen usw. haben mir nie was zugetraut, mich nie was alleine machen lassen… WIE soll man da selbstbewusst werden?
Sie haben also auch selbst kein Selbstbewusstsein und ein geringes Selbstwertgefühl. Sie konnten es also auch nicht weitergeben.
Trotzdem werfe ich Ihnen das ziemlich oft vor. Und mein Verhältnis zu den Eltern wird auch immer schlechter und schlechter (was ich auf der einen Seite nicht will, auf der anderen Seite aber provoziere).
Was ich mir wünsche ist mehr oder weniger eine Art Entschuldigung für das, was sie mir angetan haben. Aber darauf warte ich leider schon lange vergebens (auch wenn meine Mutter sehr bedrückt über unser derzeit schlechtes Verhältnis ist; sie bringt eine Anerkennung dessen was sie mir angetan hat einfach nicht übers Herz).
Falls ihr jetzt denkt: So schlimm ist das doch alles gar nicht….
Ich bin noch nicht fertig.

Meine Eltern leben selbst sehr zurückgezogen und haben kaum soziale Kontakte. Konnte mir also auch keine soziale Intelligenz beibringen.
So kam es, dass ich in meinem bisherigen Leben zwar viele Bekanntschaften, aber eigentlich keine richtigen Freunde finden konnte. Ich kann mich einfach nicht öffnen, lasse keine tieferen Bindungen zu und blocke immer ab, wenn man sich irgendwie näher kommt (unabhängig vom Geschlecht).
Ich bin auch nie auch irgendwelche Discos/Party etc. mitgegangen (aus Angst der Fette würde sowieso nur alleine rumstehen).
Ich hatte auch noch nie eine Freundin und noch nie Sex. Was zum einen an den bisher geschilderten Dingen liegt, zum anderen aber auch daran, dass ich einen sehr kleinen P. habe. Und das ist das Problem wofür ich meine Mutter eigentlich am meisten „verabscheue“…. Warum hat sie hier nichts unternommen und ist öfter mit mir zum Arzt gegangen (außer einmal).
Ich meine… als fettes Kind bzw. Jugendlicher der sehr oft am PC saß, interessierte man sich nicht wirklich für das andere Geschlecht.
Aber trotzdem….. HALLO? Es ist doch klar, dass man als Mann mit sowas früher oder später Probleme bekommen würde, die ich damals noch nicht abschätzen konnte. Wieso tut sie mir sowas an?
Zwar habe ich nun ein attraktives Erscheinungsbild, aber sobald die Kleidung runter ist…  …. Sieht man nur Hautfalten und mein kleines Problem 
Das macht die Sache mit den Frauen natürlich nicht leichter als starkes Übergewicht.
Erschwerend hinzu kommt noch einsetzender, erblich bedingter Haarausfall. Und mit Glatze sehe ich schei. aus. Das habe ich schon getestet. Mir bleibt also nicht mehr viel Zeit…

Tja… Nun ist es so, dass ich in meiner derzeitigen Situation ständig darüber am Grübeln bin, warum ich nicht früher angefangen habe zu leben und das belastet mich sehr (fast schon zwanghaftes Grübeln).
Diese Phasen hatte ich zwar auch während meines Wandels (der ja noch andauert) immer und immer wieder, aber sie gingen vorüber.
Aber momentan hält die Phase schon sehr lange an. Und wird immer schlimmer. Ich bin sogar teilweise schon wieder in alte Muster zurück gefallen. Habe in den letzten 2 Monaten einige Zig. geraucht und habe 6 Kilo zugenommen.
Ja und selbst beruflich bzw. mit dem Studium läuft es überhaupt nicht.
Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich seit 2-3 Jahren eine unbehandelte Depression habe, die mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt ist.
Ich bin das gerade alles am Aufarbeiten, denn Gefühle haben bei uns in der Familie nie eine Rolle gespielt und wurden immer als Schwäche abgetan.

Falls ihr bis hierhin alles gelesen habt: Danke!
Wurde dann doch etwas länger als gedacht.
Der Entschluss mir professionelle Hilfe zu suchen steht eigentlich schon fest.
Ich wollte mir nur mal alles Von der Seele schreiben.
Über Tipps, wie ich mein Leben lebenswert gestalten kann wäre ich allerdings auch sehr dankbar 

So Long…

10.08.2014 02:31 • 15.10.2019 #1


4 Antworten ↓


Miiu Miau
Erstmal willkommen im Forum.

Ich habe deinen Beitrag ganz gelesen . Was mir auffällt ist, dass er irgendwie widersprüchlich ist und ich frag mich, wieso?
Der erste Teil hört sich an, wie ein Text für ein Partnergesuch, du beschreibst dich sehr selbstbewusst, vorallem Dein Aussehen und Deine körperliche Leistung. Man merkt hier, dass du darauf sehr stolz bist (zu recht ). Auch Hochachtung von mir für die unglaubliche Gewichtsabnahme. Beim Lesen kommt nur das Gedanke hoch: Was sucht der in einem Psychoforum...

Der zweite Teil Deines Textes hört sich dagegen völlig anders an. Da kommt deutlich Leid raus. Und der zuvor gewonnene Eindruck wird ordentlich revisiert.... Vorallem bei diesem Satz bin ich gestolpert:
Zitat:
Zwar habe ich nun ein attraktives Erscheinungsbild, aber sobald die Kleidung runter ist...Sieht man nur Hautfalten und mein kleines Problem
wo du doch zuvor geschrieben hattest:
Zitat:
Bin ziemlich durchtrainiert (ich würde behaupten besser als ein Hobbysportler) und habe teilweise (dazu später mehr) auch einen recht ansehnlichen, muskulösen Körper (aber nicht übertrieben muskulös, denn das finde ich selbst nicht gut.


Ich finde es gut, dass Du Dich für professionelle Hilfe entschieden hast. Und Du machst ja auch schon sehr viel selber für Dich z.B. Sport. Du bist also auf dem richtigen Weg . Ich denke, in einer Psychotherapie kannst Du auch was für Deinen Selbstwert tun . Wir neigen alle dazu unsere Makel wesentlich mehr zu bewerten, als andere das tun. Was in unseren Augen zu klein, zu dick oder zu unansehnlich ist, ist in den Augen anderer vielleicht gar kein Makel .

Ich wünsche Dir auf jeden Fall für Erfolg bei Deiner Therapeutensuche! Lass Dich hierbei nicht entmutigen, und informier Dich ruhig mall bei Deiner Krankenkasse, welche Vorrausetzungen die für den Kostenerstattungsantrag haben, falls Du nur auf Wartelisten stösst bei der Suche.

10.08.2014 10:07 • #2


Hey Miiu Miau,

vielen Dank für deine Antwort
Genau das was du schreibst ist auch ein weiteres Problem. Zum Thema "Was sucht der in einem Psychoforum..."
Mein äußeres Erscheinungsbild lässt absolut nicht darauf schließen, dass es innerlich so in mir tickt. Dadurch haben andere Menschen auch eine Erwartungshaltung an mich, die ich nicht erfüllen kann. Vielleicht sollte ich an meinem Erscheinungsbild arbeiten und es wieder schlechter machen xD

Irgendwie muss das Innere noch nachziehen, aber ich weiß nicht so recht wie...

11.08.2014 18:21 • #3


Spenst
Da ist überhaupt kein Widerspruch. Er hat einen durchtrainierten Körper und findet ihn toll, vorallem wenn er sich zu früher vergleicht. Daraus schöpft er etwas Selbstbewusstsein, weil es aus seiner Sicht nicht daran scheitern würde, wenn er eine Frau kennenlernen wollte. Auf der anderen Seite mangelt es ihm innerlich an Sicherheit. Er hat ja geschrieben, dass es an der Beziehung zu Hause liegt, und er praktisch keinen gesunden Umgang mit Mitmenschen gelernt hat. Hinzu kommt das psychische Leiden wegen dem "kleinen" P..

Für mich klingt alles nach zu viel Oberflächlichkeit. Eine Frau oder auch Freunde, wird man nicht wegen mit einem durchtrainierten Körper haben. Es ist immer die Persönlichkeit. Wenn du eine Frau findest, der es egal ist, welche Maße sich in deiner Hose befinden, dann solltest du vielleicht kurz überlegen, was dir wichtig ist im Leben, und ob es doch nicht sinnvoller wäre, einen Menschen zu haben, der sich in deine Persönlichkeit verliebt hat, als in deinen Körper. Da musst du auch für dich wissen, wie wichtig dir ein exaktes Aussehen nach deinen Vorstellungen ist.

11.08.2014 21:21 • #4


Odradek
Du hast eine Wahnsinnsleistung vollbracht, wenn du 80 kg abgenommen hast. Zeigst einen unheimlich starken Willen und echte Power. Sieh bitte nach vorne. Ich schätze, du kannst nahezu jedes Problem super lösen. Du solltest sehr stolz sein auf das, was du hingekriegt hast. Das ist nämlich eine Mega-Leistung. Das mit der Haut, da müssen Fachärzte ran, gönn dir das. Gönn dir das, die Hilfe und die OP, falls notwendig. Und alles andere kriegst du ebenfalls auf die Reihe. Ist jedenfalls mein Verdacht. Wenn du es willst, schaffst du alles. Meine Bewunderung hast du auf jeden Fall!

15.10.2019 16:37 • #5




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