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Hi,

lese hier schon eine Weile mit und möchte gerne mal dazu schreiben. Erst mal kurz was von mir, ich war lange Zeit auch sehr sehr einsam, an meinem Geburtstag hat sich kein Schwein um mich gekümmert, das Handy blieb still, vereinzelten Glückwünschen merkte man einfach an, dass sie nur obligatorisch waren. Ich war ein Pessimist, weil ich mir sagte, dass ich einfach keine Lust habe mit einer rosa Brille durch die Welt zu laufen. Am we saß ich oft einfach nur weinend zu Hause und hab mich gefragt warum und weshalb ich mein Leben einsam verbringen muss. Freunde hatte ich so gut wie keine, Einsamkeit war mein zweiter Vorname. Eine Freundin hatte ich doch, um den Kummer zu ertragen – ihr Name war Bierflasche. Ins Kino musste ich alleine gehen, ich hab mich nie getraut jemanden zu fragen ob er oder sie mitkommen möchte. Wen auch? Ein schei. Gefühl wenn man glückliche Menschen zu zweit, zu dritt usw. neben sich im Kino sitzen hat. Da entsteht ein richtiger Hass auf alles und jeden.
Der Grund warum viele einsam sind, ist nicht etwa, dass sie schlechtere Menschen wären und deshalb niemand mit ihnen zu tun haben will, sondern dass sie häufig kein Selbstvertrauen und kein Selbstwertgefühl haben. Aus diesem einen Grund stehen Menschen mit wenig Selbstvertrauen anderen immer misstrauisch gegenüber. Ein Kompliment können sie nicht annehmen, weil sie glauben ihr Gegenüber will sich damit nur einschmeicheln und es sei eh nicht ernst gemeint. Das Kompliment spielen sie dann herab. Stehen sie mal auf einer Party herum, was wohl selten vorkommt bei einsamen Menschen, dann denken sie, dass die anderen dort drüben, die gerade so laut lachen, eben über sie gelacht haben. Worauf ich hinaus will: Aus diesem Grund verhält man sich den anderen gegenüber reserviert, was dazu führt, dass die anderen, die ihr Kompliment allerdings ernst gemeint haben und über etwas völlig anderes gelacht haben, einen dann für einen etwas komischen Kerl halten und sich dann von selbst von der Person mit wenig Selbstvertrauen zurückziehen.
Der Weg aus der Einsamkeit? Ich denke ich habe ihn gefunden, ich hab mir eine handvoll guter Sachbücher zur Thematik gekauft und ihren Inhalt in mich aufgenommen und mit höchster Disziplin verfolgt. Am Anfang ging es erst mal darum sein eigenes momentanes Denken zu begreifen und zu verstehen was falsch läuft. Meiner Meinung nach gibt es nur einen einzigen und wahren Weg, nämlich das Selbstvertrauen und die Einstellung sich selbst gegenüber. Ich kenne hier niemanden, aber ich wage einfach mal zu behaupten, dass die wenigsten hier das Wort Selbstvertrauen kennen. Ich hatte auch kein Selbstvertrauen, selbst eine Mülltonne hatte mehr davon als ich.
Ich hab hier irgendwo gelesen, dass es Blödsinn ist sich erst mal selbst zu lieben. DAS ist der größte Irrtum überhaupt. Wer das nicht begreift, bleibt für immer einsam, da leg ich mich fest und verwette ohne Zweifel meinen Ar.. Wer nicht lernt sich selbst zu respektieren, sich zu mögen und zu akzeptieren, der wird nie eine Chance haben. Es ist nicht leicht, weil der innere Kritiker ständig gegen einen arbeitet und wenn man sich sagt „Ich mag dich“ dann kommt es einen vor, als würde man sich selbst verarschen. Wenn man sich selbst mag, mit sich und seinem Leben zufrieden ist und sich für wertvoll hält, dann wird man auch in den Augen anderer wertvoll. Was keinen Wert hat, will schließlich niemand haben. Wenn ich mich selbst nicht für attraktiv halte, wie sollen andere mich dann attraktiv finden.

Warum niemand mit einem einsamen Menschen zu tun haben will? Weil man es ihnen ansieht. Wenn ich durch die Fußgängerzone laufe, dann kann ich ganz genau sagen, wer einsam, wer neurotisch, wer schüchtern ist und wer Probleme mit sich selbst hat. Man sieht es den Menschen an, sie strahlen es aus und genau das schreckt andere Menschen ab.
Selbstvertrauen aufbauen und mit sich selbst zufrieden sein, das ist der Schlüssel. Der Rest kommt dann von ganz alleine, plötzlich wollen Menschen mit mir zu tun haben. Selbstvertrauen ist nicht angeboren, es ist lediglich eine Art soziale Hemmung, die man ablegen kann. Man kann es lernen.
Wenn ich jetzt zurückblicke, muss ich sagen es ist gar nicht mal so schwer. Das unheimlich Schwierige an der Sache ist es, die Ausfahrt aus dem Einsamkeitsteufelskreis zu finden.

Manchmal gibt es noch so einen kleinen gedanklichen Rückfall in alte Zeiten, dann wende ich stur meine gelernten Regeln an. Das erstaunliche daran – es hilft.
In den letzten zwei Wochen hab ich an zwei Frauen einen Korb verteilen müssen, tat mir sehr sehr Leid, ich hoffe auch dass ich das so lieb und schonen wie möglich hinbekommen habe, aber ich stand halt einfach nicht auf sie. In all den Jahren zuvor hat mich eine Frau nicht mal registriert. Ich war Luft. Heute weiß ich, dass ich viele Jahre mit meinen schei. Denkmustern verschwendet habe. Früher wurde ich gelebt, heute lebe ich.

21.05.2008 14:46 • 22.05.2008 #1


12 Antworten ↓


Super! Du hast ganz recht damit, so finde ich. Hattest Du einen Moment wo es klick gemacht hat? Wie lange hat dein Weg bis jetzt gedauert - zeitlich - seit du beschlossen hast, am Selbstvertrauen zu arbeiten? Welche Aktivitäten hast du unternommen, alleine? Spielt das Thema Eltern für Dich auch eine Rolle dabei?

Viele Fragen, ja. Ich würde gerne mehr von dir dazu lesen.

Weiterhin viel Erfolg!

21.05.2008 15:39 • #2



Die Lösung?!

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Wo es klick gemacht hat? Weiß nicht so recht, ich weiß nur dass ich während dem Lesen der Bücher festgestellt habe, dass ich bisher genau das Gegenteil gemacht und fast ausschließlich schlecht von mir gedacht habe.
Schlecht von sich zu denken schadet einem mehr als man vermuten könnte, das ist praktisch so als würde man sich absichtlich mit einer Rasierklinge schneiden, halt Selbstverstümmelung auf seelischer Ebene. Das man davon Schaden nehmen muss ist ja klar.

Ich schätze bishlang hab ich so ungefähr 5-6 Monate benötigt, bin aber noch nicht am Ende, hab mich jetzt aber auch nicht unbedingt beeilt. Denke man kann es aber auch schneller schaffen, ein anderer braucht hingegen wieder länger; ist halt relativ.

Eltern?? Nein, nie. Wichtig ist aber, dass du für dein vielleicht unzufriedenes Leben nicht dein Lebensumfeld verantwortlich machst. Den Fehler hab ich anfangs nämlich gemacht.

21.05.2008 18:55 • #3


Hi

woran erkennst du denn bitte, wenn du einem Menschen zufällig auf der Straße begegnest, ob er einsam, schüchtern oder was weiß ich nicht alles ist. Ist gibt viele Menschen die sich mehr oder weniger unbewußt relativ gut "tarnen" können.

21.05.2008 19:05 • #4


Hallo und danke für Deinen ausführlichen Beitrag.
Mit Büchern ist es vielleicht wie mit Medikamenten, man kann sie nicht einfach weiterempfehlen, aber sie haben weniger Nebenwirkungen als Medis und ich bitte Dich,hier mal Deine Buchempfehlungen reinzustellen, danke.
Gruß,
Scrooge, die heute mal ganz dringend eine Aufmunterung brauchen kann.

21.05.2008 20:23 • #5


Ich muß Dir voll und ganz Recht geben das man sich erst lieben, Respektieren und Achten sollte, aber wie soll denn das gehen wenn man sich so sehr selbst verachtet wie ich mich??
Ich sehe für mich keine Zukunft mehr, keine Lösung und keinen Weg der weiter geht.

21.05.2008 20:53 • #6


Zitat von scrooge:
Scrooge, die heute mal ganz dringend eine Aufmunterung brauchen kann.


Scrooge - wie kann ich Dich aufmuntern??

Liebe Grüsse, Lisa

21.05.2008 20:58 • #7


Liebe Lisa,

danke,daß Du fragst!
Meine Attacken kommen anfallsweise und meistens ohne direkten Anlaß. Ähnlich vielleicht wie Migräne, meistens geht es morgens gegen 3Uhr los. Ich fühle mich dann vollkommen überflüssig, meine Kinder sind erwachsen und außer Haus, meinen Job kann gut auch jemand anders tun, es ist also völlig unerheblich, ob ich existiere oder nicht.
Gestern war wieder ein solcher Tag, da kam "es" nachmittags. Ich weiß, daß es vorbei geht, habe mir schon einige Brücken gebaut um durchzuhalten und das Mitlesen in diesem Forum ist eine davon, danke.

@batterie007 und die Anderen: Ihr habt völlig recht, man muß sich selbst lieben. Was für eine Aufgabe! Meiner Ansicht nach ist es unendlich schwer, diese Liebe zu sich selbst zu lernen. Vorher mach ich den Flugschein...

Liebe Grüße an alle hier und vielleicht schaffen wir gemeinsam heute einen kleinen Schritt in die richtige Richtung, wer weiß?

Scrooge

22.05.2008 08:09 • #8


Liebe scrooge,

schon mal daran gedacht ehrenamtlich was zu machen und Menschen/Tieren zu helfen, die Hilfe nötig haben?

Auch das ist ein Weg sich selber zu finden und sich nicht so "nutzlos" zu fühlen.

Liebe Grüße
teichmaus

22.05.2008 10:34 • #9


Zitat von spook:
Wo es klick gemacht hat? Weiß nicht so recht, ich weiß nur dass ich während dem Lesen der Bücher festgestellt habe, dass ich bisher genau das Gegenteil gemacht und fast ausschließlich schlecht von mir gedacht habe.
Schlecht von sich zu denken schadet einem mehr als man vermuten könnte, das ist praktisch so als würde man sich absichtlich mit einer Rasierklinge schneiden, halt Selbstverstümmelung auf seelischer Ebene. Das man davon Schaden nehmen muss ist ja klar.


Im Alltag schwierig, das immer zu erkennen. Wenn man schlecht von sich selber denkt meine ich. Und das im richtigen Moment und sich dann anders verhalten können. Wie gehts dir damit in Alltagssituationen? Weil sich das schlechte Denken ja aufs Verhalten auswirkt. Schwierig das immer schnell genug mitzukriegen, es bewusst wahrzunehmen - findest du auch?

Ja, es hat irgendwie etwas von Selbstverstümmelung. Jedes Mal tötet man ein Stück der eigenen Seele. Schlecht von sich zu denken ist für mich eher wie ein Herumstochern in schon längst entzündeten Wunden, die man sich nicht unbedingt selbst zugefügt hat.

22.05.2008 10:51 • #10


@ teichmaus
ja, daran denke ich täglich, denn ich helfe haupt-, neben- und ehrenamtlich.
Trotz allem beschleicht mich das Gefühl, daß diese Arbeiten genauso gut jemand anderes erledigen könnte. Der Kern liegt ganz woanders, in mir selbst, das weiß ich.
Leider gibt es keine ich-liebe-mich-selbst-Tabletten und die Heißa - und Chakka-Bücher kratzen nur an der Oberfläche. Ich bin 4 Jahre lang zur Psychoanalyse gegangen, nun weiß ich, warum es ist, wie es ist, und warte auf die Erleuchtung, wie ist etwas ändern kann.
Gruß,
scrooge

22.05.2008 11:36 • #11


Zitat von sonnenstrahl1976:
Hi

woran erkennst du denn bitte, wenn du einem Menschen zufällig auf der Straße begegnest, ob er einsam, schüchtern oder was weiß ich nicht alles ist. Ist gibt viele Menschen die sich mehr oder weniger unbewußt relativ gut "tarnen" können.


Geb dir Recht, muss meine Aussage diesbezüglich wohl etwas relativieren. Man kann es nicht jedem ansehen. Ich war bzw bin selbst ein Mensch mit vielen Masken um über mein wahres Empfinden hinwegzutäuschen. Dennoch kann man am Verhalten und vor allem an der Körpersprache der Menschen viel ablesen


Zitat von batterie007:
Ich muß Dir voll und ganz Recht geben das man sich erst lieben, Respektieren und Achten sollte, aber wie soll denn das gehen wenn man sich so sehr selbst verachtet wie ich mich??
Ich sehe für mich keine Zukunft mehr, keine Lösung und keinen Weg der weiter geht.


Warum genau verachtest du dich??


Zitat von scrooge:
Hallo und danke für Deinen ausführlichen Beitrag.
Mit Büchern ist es vielleicht wie mit Medikamenten, man kann sie nicht einfach weiterempfehlen, aber sie haben weniger Nebenwirkungen als Medis und ich bitte Dich,hier mal Deine Buchempfehlungen reinzustellen, danke..


Ich will hier keine Werbung machen auch wenn's jetzt trotzdem so aussieht und wenn sich jetzt alle auf die Bücher stürzten, dann ist das sicherlich falsch, weil sie nicht jedem helfen werden. Alle würde ich nicht sofort kaufen, wenn überhaupt.


Rolf Merkle: So gewinnen sie mehr Selbstvertrauen
(Hat mir sehr geholfen, weil es die Taktik des inneren Kritikers gut entlarvt)

Shad Helmstetter: Anleitung zum Positiven Denken

Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücklichsein
(Ironie pur – hab den Inhalt noch nicht ganz kapiert)

Steve Biddulph: Männer auf der Suche
(wohl eher für Männer, zeigt aber gut auf wie ein „gesunder Mann“ ist u lebt)

Herman Hesse: Der Steppenwolf
(Mit der Hauptfigur Harry Haller konnte ich mich früher leider sehr gut identifizieren)

Herman Hesse: Die Antwort bist du selbst
(Antworten auf Briefe, die Hesse erhalten hat. Enthält sehr viel anderes, unter den 100 Antworten sind vielleicht nur 5 die sich auf Einsamkeit und das Steppenwolfsein beziehen und in denen er schreibt wie man davon loskommt. Es gibt nur einen Weg – sich selbst zu lieben und zu akzeptieren.)

Optional
Napoleon Hill: Denke nach und werde reich
(Beschreibt generell wie man erfolgreich wird, hat aber ein kleines gutes Kapitel zum Thema Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl)

Thommie Haas: Angriffsziel Frau (Ich weiß, der Titel klingt extrem furchtbar)
Oliver Kuhn: Der perfekte Verführer
Robert Greene: Die 24 Gesetze der Verführung
Die letzten drei Bücher hab ich nur gekauft, weil ich zudem auch mehr über Frauen erfahren wollte. Ich hatte keine Lust mehr „nett“ zu sein. Nett ist der kleine Bruder von schei..

Ich hab die Bücher meiner Meinung nach gut recherchiert u ausgesucht, weil es auf diesem Gebiet unglaublich viel Mist gibt, der nur darauf abzielt Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen; außerdem hasse ich es Geld für ein Buch auszugeben, das mir dann nix nützt. Ich hab kein Buch davon bereut.

22.05.2008 20:52 • #12


danke!
Bis auf die Verführungsbücher habe ich alle gelesen, Hesse beeindruckt mich immer noch am meisten.
Gruß
scrooge

22.05.2008 21:11 • #13



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