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Hallo an alle!
In dieser Sekunde müßte ich eigentlich für eine Prüfung lernen, die morgen stattfindet. Ich habe es auch versucht, aber letztendlich aufgegeben. Die Ursache ist, daß mir einfach jegliche Motivation fehlt. Für wen soll ich lernen? Für mich? Wozu? Ich bin unvollständig.

Ich wurde vor 30 Jahren in einen wohlhabenden Haushalt in einer besseren Gegend Berlins hineingeboren. Geschwisterlos, so daß von Anfang die Aufmerksamkeit der Familie voll auf mich gerichtet war. Während meine frühe Kindheit halbwegs normal verlief und ich auch ein guter Schüler was, bekam ich den vollen Druck ab dem Besuch des Gymnasiums zu spüren. Gleichzeitig begann der familiäre Niedergang. Mein Vater wurde zunehmend autoritärer, während meine Mutter zu trinken begann. Die Jahre vergingen mit einer Spirale der Hoffnungslosigkeit. Meine Eltern stritten, einmal schlug mein Vater meine Mutter krankenhausreif. Die 6 Rippenbrüche und die Lungenquetschung werden bis heute damit erklärt, daß meine Mutter "auf das Bett gefallen" sei.

Die häuslichen Traumata trug ich in die Schule, wo meine Noten in den Keller rutschten. Ich hatte zudem einen zynischen sadistischen Klassenlehrer, der bis zum Abitur über seinen "Lieblingsschüler" Witze machte, weil der nur noch in der Ecke saß und regelmäßig seine Hausaufgaben vergessen hatte. Mein Vater wurde nicht müde, mir zu erkären, was ich für ein Vollidiot sei, zugleich schraubte er, der große berühmte Ingenieur, die Ansprüche immer höher. Meine Mutter weckte mich, morgens bereits im Vollrausch, mit den Worten:"Steh auf, Du Stück schei.". In der elften blieb ich sitzen, das Abitur schaffte ich endlich als Jahrgangsschlechtester.

Immerhin hatte ich eine Liebe für die Kunst und die Chemie entwickelt. Aus beidem wurde nichts wegen meiner beschissenen Noten. Obwohl ich mich bestimmt für etwas anderes entschieden hätte, redete mir Vater so lange ein Ingenieursstudium ein, bis ich es begann. Er hatte mir schon mit 12 einen Elektronik-Baukasten geschenkt und heute ergibt das für mich alles einen Sinn...

Mit stattlichen 22 hatte ich meine erste Freundin. Ich muß dazu sagen, daß
ich sicherlich nicht auf den Kopf gefallen bin. 185 Größe und eine sportliche Figur runden das noch ab. Das ich durchaus vorzeigbar sei, höre ich auch öfters. Aber man trägt sein Elend eben mit sich rum, der Rest der Menschheit bekommt das ja mit. Wie auch immer, es hielt ein halbes Jahr und bis 26 war die Zeit von langen Single-Phasen und sporadischen Kurz-Beziehungen geprägt. Ich fühlte mich immer unvollständiger und war der Meinung, daß nur eine Beziehung mich komplettieren könnte.

Mit 25 schaffte ich es endlich, auszuziehen und der damaligen Hölle zu entkommen. Paradoxerweise klammerten meine Eltern stark und legten mir alle Steine in den Weg, um mich im Haus zu behalten (ich war finanziell noch von ihnen abhängig). Ich schaffte es nur mit Erpressung, indem ich drohte, nichts mehr für das Studium zu machen. Traurigerweise war das das Einzige, das wirkte. Sie ließen mich gehen.

Ab diesem Alter begann ich verstärkt, Antidepressiva zu schlucken und Psychologen aufzusuchen. Zugleich war mein Leben immer mehr von Alk. geprägt, bereits mit 22 hatte ich im Vollrausch meinen Wagen zu Schrott gefahren. Bis zum heutigen Tag schieße ich mich alle 3 bis 4 Tage ab, ich halte dem Druck (dem fremden und dem eigenen) nicht mehr anders stand.

Mit 26 lernte ich meine vorletzte Freundin kennen. Das gab mir viel und auf einmal funktionierte ich. Ich konnte meine Studienleistung drastisch verbessern und empfand plötzlich Lebensfreude. Bis ihr Chef sie zu einer Reise einlud. Und sie als Paar zurückkamen. Meine Welt brach zusammen. Da ich zu nichts mehr imstande war und kiloweise abnahm, ließ mich meine Psychiaterin in die Klappse einweisen. 7 Wochen Gehirnwäsche hatten etwas Erfolg, doch nach einem Monat steckte ich wieder im Loch und versuchte mir das Leben zu nehmen. Es brachte mir nur die Intensivstation und anschließend die geschlossene ein.

Eine Woche später lief mir meine letzte Freundin über den Weg...kurzum, wir waren über 2 Jahre zusammen, davon wohnten wir 1 Jahr gemeinsam und waren verlobt. Wieder funktionierte ich wie ein Uhrwerk, war "komplett", studierte plötzlich rekordmäßig, ging die ganze Zeit über arbeiten, hatte auch Lust drauf. Es war eine Farce...
Sie belog und betrog mich mehrmals in der Zeit und ist vor einem Dreiviertel-Jahr von einem Tag auf den anderen ohne Vorwarnung hier ausgezogen. Ich habe sie nie wieder gesehen.

Es folgte der nächste Zusammenbruch und der nächste Klinik-Aufenthalt bis letzen Dezember. Mit eisenharter Disziplin, schlimmsten Depressionen und täglichem Alk. habe ich dieses letzte Semester hinter mich gebracht und das Studium fast beendet.

Da ist nur noch diese Prüfung morgen...und ich werde sie nicht bestehen. Weil ich nicht will. Weil ich das nur für meinen Vater getan habe. Weil ich für diesen Beruf nicht geeignet bin. Weil er immer nur wollte, daß ich das Gleiche mache wie er. Der Kreis schließt sich.

Ich fühle mich wie der einsamste Mensch auf Erden. Ich lache nicht. Ich habe seit über 10 Jahren nicht mehr geweint. Ich bin nicht sauer. Ich sitze vor diesem Bildschirm und tue es doch nicht, weil es mich gar nicht gibt. Ich bin eine seelenlose Hülle geworden. Ich habe nie etwas für mich getan, weil ich gar nicht weiß, wie das geht.

Wie lebt man? Wie erkennt man sich? Wo fängt man an? Ich habe das Gefühl, das lernen zu müssen wie ein Kind laufen. In will in keine Klinik mehr. Ich will ja leben. Aber wie geht das? Ich will mir eine Freude machen und weiß gar nicht, was mir Spaß macht.

Und noch einmal: Wo fängt man an?

Solaris

10.07.2008 23:27 • 06.08.2008 #1


55 Antworten ↓


Hallo Solaris,

dein Bericht hört sich sehr traurig an, aber auch nicht sehr ungewöhnlich, leider.

Ich möchte dich dazu ermuntern, morgen in der Prüfung jedenfalls dein Bestes zu versuchen.

Immerhin hast du das so lange durchgehalten, da sollte es dir auf den einen Tag nicht mehr ankommen.

Ob und was du davon danach beruflich nutzen möchtest, kannst du dann immer noch SELBER entscheiden. Aber lass dir, falls es noch möglich ist, nicht von deinem Vater auch noch die Prüfung vermasseln.

Werden nicht auch z.B. in großen Theater- und Opernhäusern Elektroingenieure für die Technik gebraucht? Dort wird doch auch Kunst gemacht. Oder bei großen Musikveranstaltungen - kannst du da dein Studium bzw. Wissen nicht anwenden? Als Teil eines Eventmanagements, z.B. ? Es gibt mehr Beziehungen zwischen Kunst und Technik als man denkt. Ein abgeschlossenes Studium bringt dir da auf jeden Fall mehr an Ansehen (und meistens deswegen auch an Geld).

Versuch's doch morgen.

Liebe Grüße und dickes Daumendrücken,
GastB

10.07.2008 23:56 • #2



Der Kreis schließt sich

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Hallo Solaris,

ich schicke dir liebe nächtliche Grüße und wünsche dir, dass du hier Leute findest, die dir ein bisschen Lebensfreude vermitteln können. Wenn du noch zwei Beiträge schreibst, kannst du dir auch deine Fragen hier von den Experten beantworten lassen...

Ich drück´dir trotzdem die Daumen, dass du die Prüfung schaffst, irgendwie macht es doch einen Sinn... bestimmt. Und lass wieder von dir hören!

Liebe Grüße

Isis

11.07.2008 00:03 • #3


Lysira
Hallo Solaris,

willkommen im Forum.

Beim Lesen Deiner Geschichte musste ich ein paar Mal ganz schön schlucken. Du hast viel erlebt und dennoch beschreibst Du alles recht nüchtern. Du jammerst nicht, obwohl Du durchaus könntest.



Zitat:
Und noch einmal: Wo fängt man an?


auch wenn ich dafür vielleicht einiges an Unverständnis ernte, aber Du hast soeben angefangen zu leben.
Du hast beschlossen, diese Prüfung morgen nicht zu bestehen und damit den ersten Schritt in Dein eigenes Leben getan.

Bislang hast Du Alles versucht, um letztendlich vielleicht doch noch die Anerkennung Deiner Eltern zu bekommen. Deinen Vater sozusagen stolz zu machen. Aber vielleicht hast Du begriffen, dass Du diese Anerkennung gar nicht mehr willst?

Du hast Dein Leben um andere Menschen gedreht. Um Deine Eltern und um Deine Freundinnen. Für sie alle konntest Du gut funktionieren. Sobald Jemand Dir ein bisschen Nähe gab, konntest Du über Dich hinauswachsen, aber es war nicht für Dich. es war immer für die Anderen.
Wo warst Du in all der Zeit?

Jetzt hast Du zum ersten Mal vielleicht etwas getan, für Dich und nur für Dich. Den Entschluß gefasst, diesen Weg nicht weiter zu gehen, den andere von Dir erwarten.

Vielleicht ist es nicht vernünftig, nach soviel Arbeit den letzten Schritt nicht mehr zu machen. Vielleicht ist es nicht vernünftig, nun alles hinzuwerfen, aber in meinen Augen ist es eine Tür in die Vergangenheit, die Du schliesst um die Tür für eine Zukunft zu öffnen, die Du selbst gestalten kannst. Es ist nicht leicht, diesen Schritt zu gehen. Aber vielleicht ist es genau deshalb der Richtige. Manchmal muss man gegen den Strom schwimmen um sein Glück zu finden.


Ich kann Dir nur viel Glück und Kraft wünschen.
Lieben Gruss
Lysira

11.07.2008 00:08 • #4


Hallo Solaris!

Schon jetzt meinen Glückwunsch zur nicht bestandenen Prüfung! Klingt vielleicht makaber, aber ich denke, es ist genau das richtige! Tu, was Du willt und stehe dazu, so, wie es in meiner Signatur steht! Lerne was neues, was DICH interessiert und was DU willst, dann wird bestimmt und hoffentlich auch Lebensfreude und Spass bei Dir einkehren! Du wirst neue Leute und vielleicht auch Freunde kennen lernen, mit denen Du Dich über das, was Dir Spass macht austauschen kannst. DU kannst es schaffen, wenn DU es willst! Löse Dich von der Vergangenheit und schau in die Zukunft!
Ich jedenfalls wünsche Dir dafür ganz viel Mut und Kraft!

Sende Dir einen lieben Gruß und umarme Dich!

Schnute76

11.07.2008 00:21 • #5


freggle
hallo solaris...

ich bin zu tiefst getroffen von deiner geschichte. ich drück dich erstmal!
Ich hoffe, du hast dich prüfung gemacht und auch bestanden, denn du hast dich nicht umsonst jahrelang damit abgestresst. was du dannach machst, und du wirst sicher was anderes machen, wird einiges verändern, denke ich. so würde ich es auf jeden fall empfinden. denn dann machst du das, was DU willst.
du hast so viel schei. (entschuldigt diesen ausdruck) erlebt, dass es höchste zeit ist, das du das machst woran du spaß hast.
versuch dich zu erinnern, wie es war, als du gelebt hast in deinen beziehungen, wie du dich gefühlt hast. bei mir klappt es immer, ich versuche, wenn ich wieder eine meiner depis hab, mich zu erinnern an den geruch,töne,farben.... ich weiß, es hört sich total bescheuert an aber mir hilft es....

ich wünsche dir ganz viel kraft auf deinem weg und das du hier unterstützung findest....

lg freggle

11.07.2008 06:56 • #6


Ich habe vorhin das Schicksal entscheiden lassen und bin einfach zur Prüfung gefahren. Das Schicksal meinte es gut, ich habe bestanden. Ich habe mich nicht wirklich gefreut ( da ich das kaum noch kann ) , fühle mich aber doch irgendwie erleichtert.
Wenn ich die Schnittmenge aus euren Empfehlunge nehme, mache ich das Studium zu Ende und verbinde es dann mit etwas, daß mir mehr liegt.

Jetzt stehe ich gerade vor meinem klassischen Problem: Ich habe den Rest des Tages Zeit. Und würde gern etwas machen, das Spaß macht. Aber was zum Teufel macht Spaß? Ab und zu treffe ich mit Freunden. Aber es gibt nichts, daß Freude macht, wenn ich es allein mache. Kann man das lernen?

An dieser Stelle ein kleines Gedankenspiel, daß mir manchmal hilft:

Folgende Vorstellung: Angenommen, Ihr WÜßTEST, daß Ihr eines Tages Euer Glück findet. Eine Familie, Erfüllung, Den Traumberuf und Anerkennung. Wäret Ihr dann depressiv? Nein. GANZ GLEICH, was in der Vergangenheit passiert ist, Ihr wäret es nicht. Was zeigt uns das? Nicht die Vergangenheit prägt unsere Stimmung, sondern unsere ERWARTUNGSHALTUNG der Zukunft. Wir projizieren unsere Erlebnisse auf die Zukunft und verlieren die Hoffnung. Dabei ist die Zukunft ungeschrieben und alles ist möglich.
Seitdem ich diesen Zusammenhang erkannt habe, bete ich ihn mir tagtäglich vor. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Und letztendlich kann es nur besser werden.
Dieser Zusammenhang ist simpel und doch irgendwie verblüffend. Ist mir vor ein paar Monaten so aufgegangen. Was sagt ihr dazu?

So weit erstmal
Euer Solaris

11.07.2008 15:05 • #7


Hi Solaris!

Herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Prüfung!! Jetzt geht dein "eigentliches" Leben los. Nabel dich von allem ab, von dem du bisher glaubtest abhängig zu sein! Du kannst wirklich sehr stolz auf dich sein! Und wenn du jetzt was anderes machen willst: Mach es!

Wie wärs mit ner Reise? Da wo du schon immer hinwolltest!

Dein Gedankenspiel gefällt mir sehr gut. Ich werde es auch mal probieren. Ich kann mir gut vorstellen, dass man so seine depressiven Gedanken "manipulieren" kann.

Hast du noch Kontakt zu deinen Eltern?


LG Nadine

11.07.2008 15:19 • #8


Hallo Solaris78 !

Du schreibst:

Folgende Vorstellung: Angenommen, Ihr WÜßTEST, daß Ihr eines Tages Euer Glück findet. Eine Familie, Erfüllung, Den Traumberuf und Anerkennung. Wäret Ihr dann depressiv? Nein. GANZ GLEICH, was in der Vergangenheit passiert ist, Ihr wäret es nicht. Was zeigt uns das? Nicht die Vergangenheit prägt unsere Stimmung, sondern unsere ERWARTUNGSHALTUNG der Zukunft. Wir projizieren unsere Erlebnisse auf die Zukunft und verlieren die Hoffnung. Dabei ist die Zukunft ungeschrieben und alles ist möglich.
Seitdem ich diesen Zusammenhang erkannt habe, bete ich ihn mir tagtäglich vor. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Und letztendlich kann es nur besser werden.

Ich kann dazu nur sagen: DAS IST GUT, ABSOLUT SEHR GUT !

Danke, und viele Grüsse

Helpness

11.07.2008 15:53 • #9


Lieber Solaris... wer hätte nach der meisterhaft geschriebenen, aber sehr traurigen Geschichte von gestern Nacht nur im Ansatz daran denken können, dass in deinem gesenkten Köpfchen so ein genialer Einfall entstehen würde... *zwinker*...

Ich schließe mich allen Danksagungen an und freue mich einen schweren Stein, der seit gestern in meinem Herzen lag, froh und munter seiner Schwerkraft überlassen zu können!

Ein Glückwunsch zur bestandenen Prüfung von...

Isis

11.07.2008 16:06 • #10


Hallo Solaris,

herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Prüfung!!

Nicht auszudenken, wenn du nicht hingegangen wärest ...

--------------------

Deine Erkenntnis über die Projektion der vergangenen Erfahrungen in die Zukunft finde ich sehr richtig und nützlich.
Im Grunde machen wir ja die frühen Erfahrungen, um sie für später nutzen zu können.
Nur leider sind manche früheren Erfahrungen dafür untauglich, und diese sollte man zum Teufel schicken und andere Erwartungen aufbauen. Du bist ja offenbar schon auf dem besten Wege dahin.

-------------------

Zitat:
Und würde gern etwas machen, das Spaß macht. Aber was zum Teufel macht Spaß?

Diese zwei Sätze haben je einen Fehler, und zwar: es fehlt das wichtigsten Wörtchen: mir.

Zitat:
Und würde gern etwas machen, das mir Spaß macht.
Aber was zum Teufel macht mir Spaß?

Kannst du darin einen Unterschied erfühlen?

Lg
GastB

11.07.2008 21:23 • #11


Zitat von Solaris78:
Da ist nur noch diese Prüfung morgen...und ich werde sie nicht bestehen. Weil ich nicht will. Weil ich das nur für meinen Vater getan habe. Weil ich für diesen Beruf nicht geeignet bin. Weil er immer nur wollte, daß ich das Gleiche mache wie er. Der Kreis schließt sich.


Mit dem Kreis liegst du garnicht mal so falsch, sondern perfekt richtig. Hast vielleicht schon vom Retter-Opfer-Täter Dreieck/Kreis gehört?

Das kennt man auch aus so ziemlich allen Märchen schon, es gibt einen Bösen, einen Guten und einen der gerettet werden will, das ist die Misere unserer Menschheit auf den Punkt gebracht.

Du warst jahrelang das Opfer, deine Eltern die Täter und der Retter schien die "neue Freundin" zu sein, nach der du immer gesucht hast. Und was ist so schlimm an dem Kreislauf? Dass es am Ende immer schlecht ausgeht...

Deine Freundinnen waren für dich immer die Rettung aber in wirklichkeit hast du sie da reingezwungen, wurdest dabei zum Täter und hast sie dadurch zum Opfer gemacht, aber weißt du was das Opfer macht? Es schlägt in der Regel zurück. Das haben sie alle gemacht indem sie dich betrogen haben(sich einen Retter suchten!) dadurch wurdest du wieder das Opfer der Geschichte.

Und du als Opfer schlägst jetzt deinen Tätern(Eltern) zurück, indem du die Abschlussprüfung vermasselst, dadurch werden deine eltern zu opfern und du zu Täter...

Ich finde es faszinierend wie man diese Formel an allem anwenden kann, wer einmal in so einer Spirale gefangen steckt, muss sie brechen, sonst dreht sie sich immer weiter und hört nie auf.

Du hättest sie beenden können, mit einem guten Abschluss, aber du ziehst es vor der Rächer zu sein, nach all den Jahren als Opfer... -Wer weiß wen(bzw. welche Maßnahme) sie sich als Retter suchen um dich wieder zum Opfer zu machen...

Zitat:
Ich fühle mich wie der einsamste Mensch auf Erden. Ich lache nicht. Ich habe seit über 10 Jahren nicht mehr geweint. Ich bin nicht sauer. Ich sitze vor diesem Bildschirm und tue es doch nicht, weil es mich gar nicht gibt. Ich bin eine seelenlose Hülle geworden. Ich habe nie etwas für mich getan, weil ich gar nicht weiß, wie das geht.

Wie lebt man? Wie erkennt man sich? Wo fängt man an? Ich habe das Gefühl, das lernen zu müssen wie ein Kind laufen. In will in keine Klinik mehr. Ich will ja leben. Aber wie geht das? Ich will mir eine Freude machen und weiß gar nicht, was mir Spaß macht.

Und noch einmal: Wo fängt man an?

Solaris


Klingt alles furchtbar traurig, hattest harte Jahre hinter dir, aber das hilft auch nichts, was vergangen ist, ist vergangen! Das Leben geht weiter und wenn du wissen willst was du machen sollst, dann frag nicht uns, frag dich selbst, stell dich vor den Spiegel und frag dich einfach "Was kann ich tun damit ich mich besser fühle, damit mir das Leben wieder Spaß macht?" -Du wirst dich wundern, du wirst deine Antworten bekommen, ganz tief drinnen weißt du nämlich sehr wohl was du willst und wie es weiterzugehen hat, vielleicht weißt du nicht wie du es umsetzen wirst, aber du wirst ein Ziel haben, das hat jeder...

11.07.2008 23:35 • #12


Es passierte mir schon mal, dass ich nach einem Krankenhausaufenthalt nach hause kam - und plötzlich existenzielle Ängste hatte. Man gibt ja dort die eigene Verantwortung für sich an andere Menschen ab, man wird bekocht, umsorgt. Und so fällt es schwer wieder ganz allein Fuss zu fassen, an Hobbys, angenehme Gefühle oder Zukunftspäne ist dann gar nicht zu denken, die Welt ist ein einziger Stressfaktor geworden.

Es kann sicher auch durch ein langes Zusammenleben mit den Eltern passieren. Krankenhaus dazu gerechnet, wird das Problem noch größer.

Und so wie man einen weinenden Depressiven, der keine Kraft dazu hat sich in der Früh die zweite Socke anzuziehen kaum davon überzeugen kann, dass es gar nicht schwer ist, wird man auch einen Menschen mit Identitäts-Problemen vergeblich vor einen Spiegel stellen, er wird darin nichts sehen.

Es gibt eben diese Situationen, in denen man von alleine nichts mehr ausrichten kann - der Kreis ist geschlossen, so oder so. Die Zeit heilt - und Gespräche bringen weiter.

Warum dann nicht hier fragen?

Die Antworten fallen zwar schwer, aber es ist trotzdem jede Menge Positives auf dieser Seite zusammen gekommen..!

Isis

12.07.2008 01:13 • #13


Danke wieder für die Antworten!

@Satine222000

Die Idee mit der Reise ist nicht schlecht, kam mir auch schon. Da frage ich mich bloß, ob ich die mit einem Freund oder vielleicht mal allein machen sollte.
Zu meinen Eltern habe ich noch Kontakt. Es hat sich sogar etwas gebessert im Laufe der Jahre, wohl weil ich nicht mehr da wohne (und ich mich immer verziehen kann, wenn mir der Besuch da gerade nicht schmeckt) und die beiden offenbar auch mehr klarkommen als früher.

@isis-z

Du hast Recht, ich kann in dem Spiegel nichts erkennen. Es gibt Tage, an denen ich ziellos durch die Stadt laufe, um etwas zu entdecken, was mir Freude macht. Ich folge dabei mehr einer Art Instinkt, gehe mal links, mal rechts. Auf diese Weise versuche ich herauszufinden, was nett aussieht, sich nett anhört, nett riecht etc. Was für viele trivial ist, muß ich erst lernen.
Aber es stimmt, hier ist schon einiges positives zusammengekommen!

@Marcus

Retter-Opfer-Täter-Dreieck? Hört sich an wie aus einem Kripo-Lehrbuch. Aber manchmal sind rationale Gedankengänge ja gar nicht schlecht. Ob sich meine Freundinnen, besonders meine letzte, wirklich als Opfer fühlten, weiß ich nicht oder muß ich sogar bezweifeln. Da steckt allerdings ein weiteres Problem, dem ich mich noch stellen muß.

Insbesondere bei meiner letzten Freundin konnte ich ein nur allzu bekanntes Muster nachspielen: All die Zeit war sie dominant und herrschsüchtig und hatte die Zügel in der Hand. Sie konnte auch ein Engel und sehr liebenswert sein...wenn man es ihr recht machte. Das aber war aufgrund ihrer enormen Anspruchsbasis (sie war verzogen und verwöhnt) oft kaum erfüllbar. Aber um nicht wieder das quälende Gefühl der Einsamkeit verspüren und mein künstliches Klarkommen zu dieser Zeit aufgeben zu müssen, versuchte ich es bis zum Schluß.

Sie wies jedenfalls interessante Parallelen zu meinen Eltern auf. So daß ich mir die Frage stelle, ob es da einen Zusammenhang gibt. Zumal die Dame davor auch nicht gerade zimperlich mit mir umging. Das vergebliche Streben nach Harmonie? Nach Anerkennung?

Sollte ich bei meiner Partnerwahl bestimmten Mustern folgen, stellt sich die Frage, ob diese verschwinden, wenn man diese innere Einsamkeit überwunden hat? Weil man sich selbst kennt und auch weiß, wer zu einem paßt?

Diese Frage lasse ich hier mal stehen.

Viele Grüße
Solaris

12.07.2008 17:29 • #14


Ach, ich sehe grade du hast die Prüfung bestanden, na also, hast es beendet ;)

Jetzt stellt sich nur die Frage was du jetzt in Zukunft machen wirst...

Ich bin vielleicht der falsche um dir das jetzt zu sagen, aber Frauen wollen keinen der nach ihrer Pfeife tanzt, nichtmal die dominanten, die suchen sich Männer die noch dominanter sind, bzw wie bei dir, Männer die alles tun was sie wollen. Ne Beziehung ist ein geben und nehmen, wenn du zuviel in deine Wagschale legst und sie zu wenig in ihre, dann wird auf Dauer die Beziehung scheitern, da kannst du garnichts dagegen tun. Ich halte das auch generell so, wenn mir jemand einen Gefallen tut dann tu ich ihm auch einen umgekehrt erwarte ich das gleiche von meinen Kumpels(vielleicht hab ich deswegen nur ne hand voll?).

Und ein Tipp fürs weitere Leben: Hör auf es anderen immer Recht machen zu wollen, egal wem, denn egal was du tust, du hast dein bestes gegeben, dein bestes das du zu der jeweiligen Situation geben konntest!

12.07.2008 19:48 • #15


Zitat:
nichtmal die dominanten, die suchen sich Männer die noch dominanter sind


in einer beziehung geht es nicht um dominanz oder darum, wie devot der andere ist. eine ausgeglichene beziehung zeichnet sich dadurch aus, dass die partner gleichberechtigt sind und sich in ihren jeweiligen stärken oder schwächen ergänzen können.

12.07.2008 20:28 • #16


Zitat:
eine ausgeglichene beziehung zeichnet sich dadurch aus, dass die partner gleichberechtigt sind und sich in ihren jeweiligen stärken oder schwächen ergänzen können.


Warum ergänzen? Darf der andere nicht gleiche (ähnliche) Stärken und Schwächen haben? Geht es nicht um Achtung, Akzeptanz, Annahme des anderen, wie er ist? Erwartet man nicht zuviel, wenn der andere einen ERGÄNZEN soll? Bist Du allein nichts Ganzes?


Solitärbaum

12.07.2008 22:02 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

doch natürlich bin ich alleine ein ganzes, aber deswegen nicht vollkommen. ein starkes team ergänzt sich in der regel immer, d.h. nicht, dass jeder für sich nicht ein ganzes wäre. aber gemeinsam kann man oft mehr erreichen.

einer hat z.b mehr organisatorische fähigkeiten, der andere mehr praktische. man kann daher gegenseitig sich darin im denken und handeln ergänzen und lernen. so gäbe es hunderte von beispiele, die in keiner art und weise den einen partner abwerten.

13.07.2008 10:40 • #18


Zitat von Leaina:
Zitat:
nichtmal die dominanten, die suchen sich Männer die noch dominanter sind


in einer beziehung geht es nicht um dominanz oder darum, wie devot der andere ist. eine ausgeglichene beziehung zeichnet sich dadurch aus, dass die partner gleichberechtigt sind und sich in ihren jeweiligen stärken oder schwächen ergänzen können.


Das klingt ja alles wunderschön...

Allerdings ist dein Beziehungsbild dann noch komplexer und schwerer zu erreichen als das meines, ich schraube meine Erwartungen jedenfalls langsam aber doch runter.

13.07.2008 17:23 • #19


Gleichberechtigung sowieso. Respekt, Fairness, Mitgefühl.

Wer es nicht von der eigenen Familie vorgelebt bekommen hat, tut sich schwer und oft muss es einem erst richtig dreckig gehen um das zu begreifen... und noch dreckiger um zu kapieren, dass man erst genau hinschauen muss, wem man seine Sympathien schenkt.

Das geht vielleicht nur wenn man GANZ ist und frei vom eigennützigen Denken. Denn genau ab dort geht es mit der Blauäugigkeit und dem Schöndenken los.

... und dann kommen die Kripo-Spiele!... lach!

Grüße, Isi

13.07.2008 17:32 • #20



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