@hereingeschneit gut auseinandergepflückt und analysiert. Danke dafür.
Ich sehe das ebenso, dass man für seine Emotionen nichts kann. Allein das diese Emotionen ausgelöst werden, kann trotzdem verletzend sein. Und die Art wie ich mich verhalte und was ich zulasse hat auch was mit meinen Werten und inneren Grenzen zu tun.
Zitat von hereingeschneit: Bedenke bitte, dass sie nichts dafür kann, welche Emotionen der Mann bei ihr ausgelöst hat, sie kann nur entscheiden, wie sie damit umgeht und sie ging nicht fremd, aber sie hat sich erlaubt die schönen Emotionen in einer Erinnerung neu zu erleben.
Wir sind viele Gedankenexperimente durchgegangen, da meine Frau in vielen Situationen eifersüchtig reagierte und wir haben es mal so weit gesponnen, dass ich in einen offensiven Flirt gegangen wäre, meine Frau links liegen lassen hätte, der anderen Frau mein Sixpack gezeigt hätte wofür sie mir mit meinem Shirt geholfen hätte, ich der anderen Dame mit meiner Flirtbereitschaft und damit, wie weit ich gegangen wäre signalisierte, dass meine Frau neben mir gerade vergessen ist, selbst wenn ich sie ansonsten liebe und dann diese Schmeichelei über Wochen und Monate mit nachhause genommen hätte. Nur ein Gedankenexperiment. Meiner Frau ging es mit dem Gedanken überhaupt nicht gut. Das mit dem Shirt ist auch eine Grenze, welche sie lt eigener Aussage, normalerweise nicht überschreiten würde. Sie sagte, dass ihr das nie wieder passieren wird. Sie sagte jedoch auch, dass sie davor gesagt hätte, dass sie sowas nicht machen würde.
Ich kann für meine Partnerin, oder in dem Fall kann meine Partnerin für mich keinen unterschiedlichen Maßstab für uns ansetzen, da wir dann nicht auf Augenhöhe sind. Die Beziehung wird einseitig verschoben. Und sie tat dies leider, obwohl ich dabei war, was ich auch ein wenig respektlos empfinde.
Ich war mal bei einem JGA eines guten Freundes und wir lernten einen Junggesellinnenabschied in Prag kennen.
Wir waren in einem Club und es dauerte nicht lang, bis eine Hübsche aus der Gruppe, welche eh schon die ganze Zeit schaute, zu mir kam und fragte, ob wir tanzen wollen (ich war der einzige aus der Gruppe welcher eh schon am herumzappeln war). Ich zeigte auf meinen Ring und sagte auf englisch, dass ich verheiratet sei. Sie sagte dass das doch egal sei und es doch nur ums Tanzen geht. Ich tanze sau gern und so tanzten wir die nächsten 1-1,5 Stunden beinahe durchgehend. Einmal strich sie über dem Hemd über meine Bauchmuskeln, woraufhin ich den Kopf schüttelte um ihr zu signalisieren, dass das nicht geht. Einmal tanzten wir Bauch an Rücken und sie führte meine Hände an Ihre Brüste. Ich zog sie sofort weg, drehte die Frau wieder zu mir und drehte sie ab dann nur noch 360° um diese Situation zu umgehen. Nach ungefähr den 1-1,5 Stunden wollten meine Jungs und ich weiterziehen und ich verabschiedete mich per Handschlag von der Dame. Sie fragte nach meiner Nummer, welche ich ihr nicht gab, sie fragte ob ich Facebook habe, was ich verneinte woraufhin sie mir einfach einen Schmatzer auf den Mund gab. Ich schaute sie entsetzt an, drehte mich wortlos um und ging. Ich fands unmöglich und fühlte mich auf einmal mega beschissen, als hätte ich meine Frau gerade betrogen.
Meine Frau und ich haben das auch alles auseinandergenommen und sie war kurz eifersüchtig, erstens weil ich getanzt habe und zweitens die dann sowas abgezogen hat. Da sie aber weiß, dass ich einfach immer gerne tanze und wenn meine Frau keine Lust hatte, ich mit den anwesenden Müttern meiner Freunde tanze auf Partys, hat sie es schnell verdaut und gemerkt, dass ich auch wenn sie nicht dabei ist, ich ausgelassen bin und auch wenn ein bisschen Alk. im Spiel ist, meine Grenzen kenne und wahre und weiß, was sich gehört und was nicht. Nicht, weil meine Frau das herausfinden könnte, sondern weil ich das nicht will. So ein Mann will ich einfach nicht sein.
Mal ehrlich, die Frau hätte ich komplett ohne zutun im Sack gehabt. Das brauche und will ich aber nicht, weil ich weiß, was ich an der Beziehung und an meiner ganz besonderen Frau habe oder hatte.
Mich verletzt das Verhalten meiner Frau, da sie das anders, souveräner und loyaler mir gegenüber hätte handeln können. Ich bin auch nicht aus Stein, habe meiner Frau aber noch nie in ihrer Anwesenheit das Gefühl gegeben, dass eine andere Frau, egal wie verflucht hübsch sie auch war, eine Gefahr für sie und mich sein könnte (woher weiß ich das, ich habe sie in einem der aktuell endlosen Gesprächen gefragt ob ich ihr jemals das Gefühl gegeben habe). Weil ich gerade in solchen Begegnungen meine Frau lieber einmal mehr in den Arm nehme oder sie mit in ein Gespräch einbinde. Weil sie mir wichtig ist und ich nicht möchte, dass sie sich Sorgen über uns oder über Ihren Wert in der Beziehung macht.
Und vielleicht ist das sogar ein kleiner Baustein des Problems, da sie immer wieder mal Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl hat und mich zwischendurch O-Ton "als selbstverständlich" angesehen hat. Schätzungsweise weil ich ihr soviel Sicherheit vermittelt habe, dass uns grundsätzlich keine Frau gefährlich werden kann. So kommt sowas zustande und auch viele kleinere Situationen, die sich allesamt nicht gut angefühlt haben, welche ihr im Nachhinein leid tun und sie sich ändern möchte. Ich finde es schade, wenn sich zwei Menschen sehr lieben, einer davon sowas ohne Nöte zulässt und ein großes Stück des Fundaments zerstört.
Naja, noch gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass ich den ganzen Mist irgendwie verarbeiten und meinen Stolz herunterschlucken kann und wir das irgendwie wieder auf stabile Beine stellen können. Trotzdem denke ich in manchen Situationen auch darüber nach, ob es nach allem was war und wie verletzt ich war nicht einfacher ist, einen Schlussstrich zu ziehen und einfach, wenn man den ganzen Mist hinter sich gelassen hat und wieder bereit ist, mit einer neuen Frau tatsächlich nochmal von 0 anfängt. Nur eigentlich wollte ich das nie, seit ich diese Frau kennengelernt hatte...