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Eifersucht


Ich möchte im folgenden ein paar persönliche Gedanken zum Thema Eifersucht schreiben. Dabei ist mir klar das jeder Leser hier seine persönliche Sicht und Gewichtung seines Problems hat. Es ist darum keine allgemeine Aussage und schon gar keine vergleichende Wertung, sondern eine persönliche Sichtweise von mir:

Wenn jemand Höhenangst hat oder aus Furcht im Haus lebt, dann ist das ist das je nach Ausprägung eine mehr oder minder starke Beeinträchtigung seiner Lebensqualität. Keine Frage, der Betreffende leidet darunter. Aber, diese Störungen lassen sich normalerweise gut therapieren. Sie betreffen im wesentlichen auch nur die eine Person und haben insgesamt relativ geringe Auswirkungen auf ihr Umfeld.

Eifersucht ist hingegen eine Ausnahme. Sie ist für mich die einzige Störung die so schwer in das Umfeld der Person eingreift. Sie verändert nicht nur ihn sondern wirkt sich massiv auf seine sozialen Kontakte aus, wie den Partner, Familie und Freundeskreis. Sie ist also umgreifend, um die Person herum. Eifersucht ist also eine Ausnahmesituation. Während andere Störung primär eine Person betreffen, richtet sich Eifersucht gegen das gesamte soziale Umfeld der Person die davon betroffen ist.

Dabei ist das perfide das sie genau am schwächsten Punkt angreift. Während sich zB Höhenangst im familiären Bereich kaum auswirkt setzt Eifersucht genau im zwischenmenschlichen Bereich an. Sie richtet sich gegen ausgerechnet die Person die uns am nächsten steht. Damit ist sie für mich vergleichbar mit einer Autoimmunerkrankung wie AIDS. In beiden Fällen richten sich die Agressionen nach innen und zerstören ein funktionierendes System (Körper, Beziehung) von innen. In beiden Fällen ist keine Ursache zu erkennen. Die Erkrankung kommt oft unvorbereitet und der Betreffende steht ihr mehr oder weniger hilflos gegenüber.

Es geht hier nicht um gesunde Eifersucht, einer Form der Aufmerksamkeit auf den Partner, die zum Schutz der Beziehung vernünftig ist. Eine intakte Beziehung braucht diese für ihr Funktionieren und sie erfüllt dabei eine geradezu reinigenden Effekt um störende Einflüsse von aussen fernzuhalten. Das Überschreiten dieser natürlichen zwischenmenschlichen Schutzmassnahme ist das Thema. Wie schon Paracelsus sagte entscheidet allein die Dosis ob “ein Ding Gift ist oder nicht”. Genauso verhält es sich auch mit der Eifersucht.

Wo endet nun die gesund und wo beginnt die krankhafte Eifersucht? Diese Frage stellt sich für die Betroffenen natürlich zuerst und sie ist genauso schwer zu beantworten. Da jeder Mensch sein eigenes Verhalten hat und seine eigene Toleranzgrenze kann man kein allgemein verbindliche Linie festlegen wo die Grenze ist. Was dem einen noch in seinen Rahmen passt ist für den anderen möglicherweise schon zuviel. Das ist an sich nicht weiter schlimm, und jedes Paar diskutiert solche Dinge im Rahmen einer Beziehung ab und zu aus. Wenn beide dabei zu einer guten Lösung kommen ist die Krise überwunden und die Beziehung dadurch evtl sogar noch gestärkt. Man kennt sich jetzt wieder ein Stück besser und das nächste mal gibt es einen Konfliktpunkt weniger.

Anders ist es wenn das nicht möglich ist. Bei einem Eifersüchtigen ist die Reaktion anders. Hier gibt es statt einer offenen Umgehensweise und Klärung verschiedene Reaktionen. Dabei ist es für denjenigen egal ob tatsächlich ein auch einen äusseren Grund gibt Eifersüchtig zu reagieren oder nicht. Seine Reaktions- und Sichtweisen sind anders. dazu ein bisschen Hintergrund:
Das Menschliche Gehirn arbeitet nicht durchaus objektiv wie wir vielleicht meinen, sondern im Gegensatz höchst subjektiv. Das heisst, wir können unsere Sichtweise quasi programmieren. Einfach Beispiele sind der Pessimist, der in jedem Ding eine Bestätigung seiner negativen Einstellung sieht. Genauso verhält es sich mit dem Eifersüchtigen: Sein Gehirn arbeitet ebenfalls selektiv. Er ist auf der Suche nach “Fakten” die seine Eifersucht bestätigen können. Dabei kontrolliert er Handys, durchsucht Schubladen und den PC und ist ganz allgemein auf “Spurensuche”. Je nach Ausprägung und Stärke der Eifersucht wird der Partner dann 24 Std am Tag kontrolliert: Spricht er zu freundlich mit seiner Steuerberaterin oder wünscht er der Kassiererin etwa einen guten Abend? Schaut er auf der Strasse etwa zu lang in eine Richtung wo eine Frau steht oder macht er etwa einer die Tür auf?

Die Liste lässt sich praktisch endlos fortsetzen und Betroffene können ein Lied davon singen. Das ganze bleibt den Partner auf die Dauer natürlich nicht verborgen. Irgendwann kommen die ersten Bemerkungen über den zu freundlichen Gruss und irgendann endet das ganze in lauten Vorwürfen. Der Eifersüchtige wirft seinem Partner unkorrektes Verhalten vor und wenn sich die ersten dieser Diskussionen noch mehr oder weniger beilegen lassen bleibt doch eine Narbe zurück. Die Szenen wiederholen sich, gehen womöglich bis tief in die Nacht hinein und fressen auf die Dauer an der Basis der Beziehung.

Wie wirkt sich das auf den Partner aus? Er versucht zunächst sicher die Situation zu klären und zu entschärfen. Wenn er sich keine wirkliche Verfehlung wie einen Seitensprung zu schulden hat kommen lassen ist der Partner am Anfang sicher völlig überrascht. Er hält das ganze für ein Missverständnis. Das ändert sich allerdings, wenn sich die Situation wiederholt. Während er am Anfang noch an ein zweites Missverständnis glaubt, wird ihm im Laufe der Zeit klar das hier ein Dauerproblem entsteht. Vermutlich wird er zuerst sein Verhalten überprüfen, ob tatsächlich Grund für die Vorwürfe besteht. Wenn sich jedoch herausstellt das er sich in der Beziehung nichts zuschulden hat kommen lassen beginnt der letzte Teil des Dramas.

Dieser ist geprägt von immer mehr Spannung in der Beziehung. Es gibt immer mehr Kontrolle seitens des Eifersüchtigen. Die Szenen wiederholen sich immer schneller und werden immer emotionaler. Der Streit nimmt zu, die Spannung zwischen beiden wächst. Irgendwann kommt was kommen, muss, einer der beiden hält dem Druck nicht mehr stand und verlässt die Partnerschaft. Die Beziehung wurde durch die Eifersucht zerstört.

In diesem Prozess leiden dabei beide: Der Eifersüchtige leidet unter den vermeintlichen Verfehlungen des anderen, der sich vermeintlich nicht korrekt verhält. Der Partner hingegen fühlt sich in seinem Verhalten nicht akzeptiert und unter Druck und Beobachtung gesetzt. Der Eifersüchtige ist dabei kein “Aggressor” - auch wenn er dem anderen gegenüber so erscheint. Er ist vielmehr leidend. Seine empfundenen Schmerzen sind ja “echt” - wenn wir uns seine polarisierte Sichtweise in Erinnerung rufen. Sein Gehirn arbeitet quasi gefiltert und sucht mehr oder weniger nach Bestätigungen seiner einmal gefassten Meinung. Auf diese Weise entsteht ein Selbstverstärkendes Verhalten beim Eifersüchtigen. Durch seine neue Sichtweise bekommt er durch sich selbst immer mehr “Bestätigungen”. Die innere Kontrolle schwindet zusehends. Der Leidensdruck nimmt immer mehr zu. Irgendwann explodiert der Kessel und es kommt zu Streit.

Das Spannungsfeld wird aufgrund dieser Situation zwischen den beiden so gross das beim anderen oft Fluchttendenzen bestehen. Er arbeitet länger um nicht nach Hause kommen zu müssen usw. Dadurch wird das Vorfeld bereitet um einen Weg aus der Partnerschaft zu gehen. Wenn jetzt noch ein verständnisvolle oder auch interessierte Person von aussen an einem der beiden interessiert ist, ist es leicht an sie heranzukommen. Dabei entstehen dann Verhältnisse mit Außenstehenden obwohl der abgestammte Partner oft noch geliebt wird. Aber diese Liebe wird ihm verwehrt so das eine Art Ersatz im Aussen geschaffen wird.

Was können Betroffene dagegen tun? Als erstes sollte die Frage nach der Sachklärung stehen: Liegt wirklich eine Verfehlung vor wie ein Seitensprung, oder sind es kleinliche Ursachen? Was für beide Partner tolerabel ist entscheiden sie gemeinsam. Wenn es eine gemeinsame Basis gibt dann kann einerseits Ursachenforschung betrieben werden: Eifersucht kommt oft aus einem geringen Selbstwertgefühl. “Ich bin es nicht wert das man ich liebt” steht oft dahinter. Hier helfen Bücher (Eifersucht überwinden, Selbstvertrauen .. Doris Wolf & Merckle). Für eine Grundlegende Lösung hilft ggf eine Psychoanalyse. Diese dauert jedoch bis zu 2 Jahren und nicht jede Beziehung hält das noch aus. Darum ist der gang zu einem Verhaltenstherapeuten zu überlegen. Eine schnell wirkende Verhaltenstherapie ist als Sofortmassnahme hier schnell hilfreich, den Kreis zu durchbrechen.

Ich wünsche allen Betroffenen, sei es nun selbst Eifersüchtig oder Partner, zunächst das Problem offen zu erkennen damit ein Wege aus dieser Situation gefunden werden kann. Eifersucht lässt sich bekämpfen wenn auch vielleicht nie ganz heilen. Oft ist es ja gerade die Liebe die uns eifersüchtig werden lässt, die Verlustangst. Ich wünsche allen Betroffenen darum Vertrauen in ihren Partner und Stärke in sich selbst zu finden. Haben Sie vor allem Mut da Problem anzugehen, ann haben Sie auch Erfolg dabei, auch wenn Rückschläge kommen. Der Weg mag am Anfang schwer sein ihn zu gehen aber jeder Schritt ist auch ein Fortschritt.


Choose

04.01.2009 15:01 • 16.04.2009 #1


7 Antworten ↓


Erfolg


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Hallo Choose,

ich finde deine Sicht und Beschreibung der Eifersucht klasse. Ich sehe dies auch so und fühle entsprechend.

Ich bin auch schon allerhand Wege gegangen, von Kinesiologie, Reinkarnation, Gesprächstherapie, Familienaufstellung, zuletzt eine
Gruppentherapie. Mehrmals habe ich auch versucht mich von meinen Partner
zu trennen, aber mir wurde auch klar, dass dies nur weglaufen wäre und mit einem anderen Partner sicher wieder auftauchen würde. Vielleicht nicht so stark, denn mit meinem Partner hab ich mir schon eine besonders harte Lernaufgabe gestellt. Aber dadurch wurde ich gezwungen, da hinzuschauen, wo man eigentlich nicht hinschauen will.

Ich habe viel gelernt und bin immer noch dabei. Wir waren auch in einer Paartherapie, die mir auch ein paar neue Erkenntnisse gebracht haben. Jede Erfahrung mit o.g. Möglichkeiten war ein weiteres Mosaik auf meinem Weg. Ich bin von Natur aus ein sehr ungeduldiger Mensch Aber Pustekuchen, nichts mit schneller Heilung sondern Arbeit an sich, mann wie mühsam. Natürlich auch immer wieder Rückschläge, aber trotzdem habe ich mich langsam aber stetig geändert und traue mir immer mehr zu...ein schönes Gefühl!



liebe Grüße

08.01.2009 19:14 • #2


Goonie


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Hallo Choose!

Einer der allerbesten persönlichen Beiträge, die ich bisher je über Eifersucht gelesen habe.

Einfach KLASSE!!

27.01.2009 09:09 • #3


Sevilla


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@ Erfolg:

Was meinst Du denn damit, dass Du Dir bei Deinem Partner eine besonders schwierige Lernaufgabe gestellt hast? Ist er denn so ein "allerweltsliebling" und flirtet viel mit anderen Frauen? Und wo musstest Du hinsehen, wo Du nicht hinsehen wolltest?

Liebe Grüße

14.04.2009 10:46 • #4


Erfolg


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Hallo Sevilla,

ja mein Partner ist in der Frauenwelt sehr beliebt. Er ist ein ausgezeichneter Tänzer, d.h. wenn wir weggingen, holten andere auch fremde Frauen ihn zum Tanzen. Er flirtet gern, unterhält sich mit jeder, macht viele Komplimente etc. Ich war (bin) sehr eifersüchtig, mein Selbstbewußtsein wurde von Jahr zu Jahr weniger, mein Leidensdruck immer größer. Versuchte Trennungen haben auch nicht geklappt, weil wir Seelenverwandte sind und eine große Liebe füreinander empfinden. So war ich gezwungen, andere Wege zu gehen und mein Problem anzuschauen. Ich habe sehr oft gezweifelt und gedacht, mein Problem wäre weg, wenn ich mir einen anderen Mann suche, aber dies wäre nicht so. Denn Eifersucht hat immer mit einem geringen Selbstwert zu tun und wenn dies nicht aufgearbeitet wird, läuft man nur davon. Ich habe alles Mögliche ausprobiert und Einiges war sicher ein Mosaikstein aber letztendlich wirklich weitergebracht hat mich eine Gruppentherapie und eine professionelle Familienaufstellung.

Nicht umsonst trifft man immer wieder auf die selbe Art von Partner, dies wird solange passieren, bis man seine Lernaufgabe angepackt hat und sieht, dass es immer mit einem selber zu tun hat. Mein Partner musste dann auch die Eifersucht spüren, als ich meinen Focus auf mich gelegt habe, hatte er plötzlich Verlustangst und war sehr eifersüchtig. Plötzlich musste ich mich für alles rechtfertigen, waren Vorwürfe da, hab ich den Mann zu lange angeschaut, da zuviel gelacht etc. Wir hatten unsere Rollen getauscht und dies war für uns sehr lehrreich. Er verstand mich und umgekehrt.

Ich denke, wir können beide voneinander lernen und haben dadurch die einmalige Chance unsere Wunden aus der Vergangenheit zu heilen.

Geheilt bin ich noch nicht, dies ist ein langer Prozess. Aber ich kann dagegen steuern und anders reagieren und agieren. Und es geht mir wesentlich besser und dies ist in meinem privaten sowie auch im beruflichen Umfeld positiv aufgefallen.

Liebe Grüße
Erfolg

14.04.2009 17:53 • #5


Sevilla


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Hallo Erfolg!

Das ist ja super interessant mit dem Rollentausch! Könntest Du mir das vielleicht genauer erklären? Warum wurde denn Dein Freund plötzlich eifersüchtig? Hast Du Dein Verhalten geändert, als Du den Fokus auf Dich gelegt hast, und wirklich andere Männer länger angeschaut, oder hat er sich das nur eingebildet? Und hast du in diesem Moment seine Eifersucht nicht auch ein wenig genossen, nachdem Du doch die ganze Zeit so darunter gelitten hast? Was hat sich denn an Deinem Verhalten geändert, als Du den Fokus auf Dich gelegt hast? Hast Du Dich mehr auf Dich selbst konzentriert und gelernt Dich mehr zu lieben? Du hast doch aber deswegen Deinen Freund nicht plötzlich weniger geliebt, oder? Ist er denn immernoch eifersüchtig?

Liebe Grüße,
Sevilla

16.04.2009 16:14 • #6


Insomnia


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Hallo Choose,

ein sehr guter Beitrag und es stimmt auch, dass der Partner helfen könnte dem Eifersüchtgen bei der Bewältigung seiner Probleme zu helfen. Aber das muss man ja erstmal wissen. Ansonsten fühlt sich der Partner nur ständig angegriffen und weiß gar nicht wieso. Eifersucht kann sich auch noch ganz anders zeigen als wie beschrieben. Zum Bespiel in Demütigungen ala: Dich will doch so eh keiner mehr haben, weil du dick, hässlich oder blöd bist.

So wird vom Eifersüchtigen (oft Männer) systematisch das Selbstwertgefühl des anderen zu nichte gemacht. Kommt nicht selten vor.

Über einen Satz fall ich aber doch immer wieder:
"Oft ist es ja gerade die Liebe die uns eifersüchtig werden lässt, die Verlustangst."

Ich glaube nicht, dass die Liebe uns eifersüchtig werden lässt, sondern wir haben einfach Angst, dass uns das was uns gut tut, abhanden kommen könnte. Für mich hat das nichts mit Liebe zu tun, sondern mit Bedürfnissen.

Liebe Grüße
Insomnia

16.04.2009 16:46 • #7


Sevilla


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Hallo Choose,

mich würde ja interessieren, warum Du eigentlich hier bist. Hast oder hattest Du einen sehr eifersüchtigen Partner oder warst Du die Person, die unter Eifersucht gelitten hat? Erzähl doch mal was von Dir, natürlich nur, wenn Du möchtest.

Liebe Grüße,
Sevilla

16.04.2009 16:57 • #8




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