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Kasia2306
Hi Leute,
Letztes Jahr bin ich an Depressionen erkrankt und war auch in einer Klinik, sowie ich auch die Tagesklinik besucht habe. Eingestellt wurde ich auf Venlafaxin 150 mg und Quetiapin retard 200 mg. Ich hatte damals psychotische Symptome, welche aber nicht lange anhielten. Sämtliche Tests für Psychose, Schizophrenie usw. Wurden durchgeführt. Ich wurde mit der Diagnose : rezidivierende schwere depressive Episode, gegenwärtig schwer. Oder so ähnlich entlassen.

Seit Mai hab ich einen ambulanten Psychologen und gehe auch wieder arbeiten. Habe die Wiedereingliederung gut überstanden. Mein Psychologe kennt sich auch mit Medikamenten aus und so wie er mich wahrnimmt, könnte ich das Quetiapin langsam runter dosieren. Ich merke auch nur noch die Nebenwirkungen von dem Zeug. Bin ständig müde und groggy, bla bla. Kennt ihr alle. Mache Diät weil ich nächstes Jahr heiraten will und nichts passiert, ausser dass ich nicht noch mehr zunehme. Ist aber nicht mein Hauptgrund es abzusetzen, ich möchte einfach wieder mal morgens frisch und wach in den Tag starten, meine Gefühle richtig spüren und diese Gedämpftheit loswerden. Mir geht's seit Mai blendend und vielleicht reichen mir auch 50 oder 100 mg.

Nun gut, heute bei meiner Psychiaterin erzähle ich ihr das alles auch so. Da hat sie mit der Nase gerümpft und gemeint dass es keine gute Idee wäre mit dem runter dosieren und dass ich davon ausgehen kann rückfällig zu werden und sie davon abraten würde. Da hab ich entgegnet, dass ich doch wieder hoch dosieren könnte, wenn es mir schlechter gehen sollte. Nein das wäre dann zu spät und ich würde sofort rückfällig werden, da ich ja bipolar sei? Ich habe dieses Wort in Bezug auf mich noch niemals nie gehört! Das habe ich ihr auch gesagt. Da meinte sie dass man meine Krankengeschichte so zusammen fassen könnte? Dann hat sie mir widerwillig 150 mg verschrieben und mir quasi prophezeit, dass es mir schlecht gehen wird.

Was soll man davon halten? Klar Arzt wechseln sagt man so leicht, aber ich bin ja von ihr abhängig wegen der Rezepte, da bei uns in NRW die Wartezeit für einen Psychiater bei ca. 6 Monaten liegt.

Der Knaller ist noch, dass sie mich von 200mg auf 150mg runter dosieren will. Da ist es doch vorprogrammiert dass ich rückfällig werde oder? Hab gelesen man sollte um 10% reduzieren höchstens. Hab aber noch 50mg unretardiert da. Werde also mit 175 mg runter dosieren und dann erst 150 mg nach 2 Wochen oder je nachdem wie es mir geht.

Sehe ich das irgendwie falsch oder Unrecht? Ich denke ein guter Arzt würde seinen Patienten unterstützen, um von dem Zeug los zu kommen da es auch sehr viele Nebenwirkungen hat. Meine Ärztin will nur Geld machen glaub ich. Ich kann doch nicht ein Leben lang Tabletten nehmen.

Danke für eure Meinungen.

LG Kasia

25.07.2019 18:21 • 04.09.2019 #1


9 Antworten ↓


Safira
Hey Kasia, ich weiß nicht ob man hierbei das Wort Ärztepfusch in den Mund nehmen sollte. Wobei ich aber zustimme, ist die runterdosierung der Medis. Ich habe jetzt schon so oft gelesen wie dabei verfahren und viel zu oft mangelhaft bis gar nicht aufgeklärt wird. Leider. Je langsamer ausschleichen umso besser.

Es könnte ja sein das Deine Ärztin mit Rückfall Deine Grunderkrankung gemeint hat. Das sehe ich nämlich auch so. Also es besteht schon ein Risiko. Man fühlt sich eine Zeitlang besser und glaubt die Medis nicht mehr zu brauchen, schleicht diese aus und peng gehts wieder los. Hast Du schon mal überlegt, ob es Dir wegen den Medis besser geht? Kannst Du genau wissen ob die Medis keinen Nutzen haben?
Dein Klinikaufenthalt ist ja auch noch nicht so lange her. Ich würde einfach langsam machen an Deiner Stelle.

Hast Du dir das mit der Aussage Bipolar erklären lassen?

25.07.2019 18:38 • x 1 #2


la2la2
Zitat von Kasia2306:
Was soll man davon halten? Klar Arzt wechseln sagt man so leicht, aber ich bin ja von ihr abhängig wegen der Rezepte, da bei uns in NRW die Wartezeit für einen Psychiater bei ca. 6 Monaten liegt.

JEDER Arzt kann JEDES Medikament verschreiben. Probier mal ob dein Hausarzt dir die Tabletten (in gewünschter Dosis zum Ausschleichen) verschreiben würde. Dann gibts kein Grund mehr zu dieser Frau zu gehen.
Und sonst einfach nett lächeln und ihr sagen, dass du die Tabletten nimmst - aber in Wirklichkeit denken "LMAA" und langsam ausschleichen bis du bei 0,0 bist....


Zitat von Kasia2306:
Der Knaller ist noch, dass sie mich von 200mg auf 150mg runter dosieren will. Da ist es doch vorprogrammiert dass ich rückfällig werde oder? Hab gelesen man sollte um 10% reduzieren höchstens. Hab aber noch 50mg unretardiert da. Werde also mit 175 mg runter dosieren und dann erst 150 mg nach 2 Wochen oder je nachdem wie es mir geht.

Kommt drauf an, wie sensibel du auf Dosisänderungen bei dem Chemiekram reagierst....
Und es zählt einzig und allein dein Bauchgefühl, ob du zu schnell reduzierst oder nicht. Wobei du für beide Medikamente zum Ausschleichen jeweils 2-4 Monate einplanen solltest. Also 4-8 Monate bis du wirklich bei 0,00 angekommen bist. Wobei es auch 12 Monate werden können, wenn du sehr sensibel reagierst.

25.07.2019 18:42 • x 2 #3


Kasia2306
Vielen lieben Dank für deine Antwort.
Bin echt enttäuscht von dieser Frau wie du sie nennst. Ich weiß dass ich langsam ausschleichen muss. Werde es in 25mg Schritten machen und auf mein Bauchgefühl hören. Das macht mir richtig Mut

25.07.2019 19:44 • #4


Kasia2306
Zitat von Safira:
Hey Kasia, ich weiß nicht ob man hierbei das Wort Ärztepfusch in den Mund nehmen sollte. Wobei ich aber zustimme, ist die runterdosierung der Medis. Ich habe jetzt schon so oft gelesen wie dabei verfahren und viel zu oft mangelhaft bis gar nicht aufgeklärt wird. Leider. Je langsamer ausschleichen umso besser.Es könnte ja sein das Deine Ärztin mit Rückfall Deine Grunderkrankung gemeint hat. Das sehe ich nämlich auch so. Also es besteht schon ein Risiko. Man fühlt sich eine Zeitlang besser und glaubt die Medis nicht mehr zu brauchen, schleicht diese aus und peng gehts wieder los. Hast Du schon mal überlegt, ob es Dir wegen den Medis besser geht? Kannst Du genau wissen ob die Medis keinen Nutzen haben?Dein Klinikaufenthalt ist ja auch noch nicht so lange her. Ich würde einfach langsam machen an Deiner Stelle. Hast Du dir das mit der Aussage Bipolar erklären lassen?


Also die Ärztin ist Spanierin. Jetzt weiß ich auch nicht so wirklich was sie meinte. Ich hab natürlich gefragt und sie hat nur gesagt, so könnte man meine Krankheit zusammen fassen. Habe mir den Entlassbrief vom Krankenhaus durchgelesen und da steht nicht ein Wort von bipolar.... Dazu muss man noch erklären dass die Ärztin mir zuerst Sertralin verschrieben hat. Das vertrug ich überhaupt nicht. Dann kam Citalopram das wirkte scheinbar nicht und das wollte sie nicht verstehen, bis ich in der Notfallaufnahme in der Psychiatrie gelandet bin. Die Ärztin dort hat den Vorschlag mit dem venlafaxin in Kombination mit dem quetiapin gemacht. Darauf ging meine Psychiaterin endlich ein und hat mich auf diese Medikamente, jedoch in geringerer Dosis eingestellt. In der Klinik wurde ich dann hoch dosiert. Während meines Aufenthaltes hab ich jede Menge in meinem Leben geändert. Ich habe eine gewalttätigen Vater, der mich körperlich und psychisch fertig gemacht hat. Hab trotzdem jahrelang den Kontakt erhalten und bin seiner Liebe nachgelaufen, die ich natürlich nie bekommen habe. Habe den Kontakt zu ihm abgebrochen. Seitdem geht es mir sehr viel besser weil die Schauspielerei endlich ein Ende hat und ich abschließen kann. Zudem hat mein Stiefbruder einen unheilbaren hirntumor. Die Diagnose kam letztes Jahr. Man wusste nicht wie lange er noch hat. Inzwischen geht es ihm durch neue Therapiemethoden echt gut und der Tumor wächst schon seit einiger Zeit nicht mehr. Die Situation auf meiner Arbeit hat sich auch gebessert, wir haben einen zusätzlichen Mitarbeiter bekommen und ich werde sehr entlastet. Nächstes Jahr werde ich heiraten und in mein Partner stand mir die ganze Zeit zur Seite und hat mir trotz Krankheit einen Antrag gemacht. All meine Auslöser sind quasi bearbeitet und ausgebessert. Gesund bin ich natürlich noch nicht. Habe ja auch vor das venlafaxin weiter hin zu nehmen, das ist ja auch ein Antidepressivum. Damit geht es mir gut. Aber muss ich wirklich noch ein Neuroleptikum nehmen? Mir leuchtet das irgendwie nicht wirklich ein. Ich würde es zumindest gern versuchen es zu reduzieren auf 100 oder 50 mg. Da war ich nämlich nicht so fertig wie jetzt. Ich muss ja auch meinen Alltag wieder bestreiten können und das kann ich nicht wenn ich fast jeden Tag verschlafe und total benommen über die Autobahn fahre. Klar könnte ich rückfällig werden, davor hab ich auch größten Respekt. Finde es nur unfair, dass da gar keine Unterstützung seitens meiner Ärztin kommt. Vertraue meinem Psychologen auch total und denke, dass ich mit seiner Hilfe einen "Entzug" gut schaffen kann. Sollte es nicht klappen, dann ist es eben so, aber ich habe es probiert

25.07.2019 19:58 • #5


kritisches_Auge
Alles was ich schreibe sollte bitte nur als Brainstorming aufgefaßt werden.

Ich habe meine Freundin lange Jahre durch die Depression begleitet.
Ihre damalige Psychiaterin verschrieb ihr Abilify, die Folge waren willkürliche Zungenbewegungen, für sie nur furchtbar. Ich als Laie habe gegoogelt und festgestellt, dass das Medikament daran schuld sein kann und ich setzte meine ganze Energie dahin sie dazu zu bringen, sich zu wehren, es abzusetzen.
So geschah es auch, die Härte ist, dass die Psychiaterin es nicht nötig hatte ihr zu sagen,dass sie nie wieder ein Neuroleptikum einnehmen dürfte, da das Zungendrehen wiederkommen könnte und womöglich nicht mehr zu beseitigen wäre. Ich könnte mich, während ich dies schreibe, immer noch darüber aufregen, dass die Psychiaterin ihr das nicht sagte.

Diese Info bekam sie einige Jahre später von einem anderen Psychiater zu dem sie endlich ging.
Mit seiner Hilfe schleicht sie ihr Medikament aus, der Prozeß erstreckt sich schon fast zwei Jahre,im Augenblick nimmt sie die Mindestdosis und das nur zweimal in der Woche, das ist so wenig, aber das möchte er erst einmal beibehalten.

Ich schreibe das um zu zeigen wie kritisch der Psychiater gesehen werden muss, mir gefällt nicht, was du über deine Ärztin schreibst, es erinnert mich an die Psychiaterin meiner Freundin.
Suche eine Lösung die dich zufriedenstellt.

25.07.2019 20:11 • x 2 #6


Sei vorsichtig beim abdosieren! Retardierte und normale quetiapin zu mischen kann schwierig werden, weil sie ganz anders wirken!
Ich habe das quetiapin von 200mg auch in recht großen Schritten abgesetzt, weil es keine kleineren Dosierungen gibt. Ich habe es allerdings nicht gegen eine Psychose bekommen, sondern als wirkverstärker zum Antidepressivum für die erste Zeit.
Wie hat sich deine Psychose gezeigt? Wie lange bist du beschwerdefrei?
Liebe Grüße

25.07.2019 23:22 • x 1 #7


Kasia2306
Zitat von nektarine:
Sei vorsichtig beim abdosieren! Retardierte und normale quetiapin zu mischen kann schwierig werden, weil sie ganz anders wirken! Ich habe das quetiapin von 200mg auch in recht großen Schritten abgesetzt, weil es keine kleineren Dosierungen gibt. Ich habe es allerdings nicht gegen eine Psychose bekommen, sondern als wirkverstärker zum Antidepressivum für die erste Zeit.Wie hat sich deine Psychose gezeigt? Wie lange bist du beschwerdefrei?Liebe Grüße


Ich hatte nie eine Psychose. Ich habe das Quetiapin genau so wie du als Verstärker bekommen. Psychotische Symptome sind keine Psychose. Hatte minimale Sinnestäuschungen und Gedankenfluten. Das hab ich seit November nicht mehr

26.07.2019 12:20 • #8


Verstehe. Wenn du dich sicher fühlst probiere es mit dem langsamen absetzen! Meine Psychiaterin wollte anfangs auch nicht, dass ich ausschleiche, sie hatte Sorge wegen eines rückfalls. Ist aber alles gut gegangen, als ich auf 0 war, habe ich eine gute Woche extrem schlecht geschlafen, habe damals das unretadierte quetiapin für ein paar Tage genommen.
Liebe Grüße

26.07.2019 12:36 • x 1 #9


Atropina
Guten Abend,

ich kann den Wunsch verstehen Quetiapin abzusetzen.
Ich war im Absetzprozess. Gerade bei 50 mg und naja seit letzter Woche bin ich wieder bei 150 mg. Ich habe gelernt sehr gut auf mich zu achten und ich bin sehr auffällig geworden.

Ich möchte dir nur raten: nimm dir Zeit zum Absetzen. Mir wurde geraten erst nach 2 Jahren einen Absetzversuch zu starten, da in diesem Zeitraum die Rückfallwahrscheinlichkeit hoch ist.

Vielleicht setzt du dich auf die Warteliste für einen anderen Psychiater und kannst vielleicht die Zeit noch aushalten oder wie oben beschrieben mit deinem Hausarzt überbrücken.

Ich wünsche dir viel Kraft.

04.09.2019 21:39 • x 1 #10




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Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser