Hallo Max456,
der Beruf des Therapeuten ist ja einer, in dem sich auch (leider leider) viele Zeitgenoss*innen tummeln, die ihr Ego in die Therapie tragen, auf einen Stuhl neben den Klienten setzen und während der Sitzungen auf Patienten loslassen. Denn was ist es anderes, sich mit der "Stoppuhr" hinter den Patienten zu stellen und ihn mit anderen zu vergleichen Für mich ein echtes No-go.
Vertraue auf Dein Bauchgefühl, dass dies nicht richtig ist. Ein guter Therapeut zeichnet sich ja genau dadurch aus, mit Empathie Dein Tempo wahrzunehmen und, wenn nötig, auch mal einen kleinen verbalen "Schubs" zu geben. Immer jedoch mit Respekt. Und auf Augenhöhe mit Dir.
Ich hatte verschiedene Therapieformen bei drei verschiedenen Therapeuten (seit 1997). Erst die letzte - Traumatherapie - ist sowohl von der Therapie als auch der Therapeutin das Richtige für mich. Meine allererste war eine Narzisstin (tiefenpsychologische Gesprächstherapie oh mein Gott

). Als Kind narzisstischer Eltern, weiß ich leider erst heute in der Rückschau, woran ich das erkenne. Sie scherte sich kein Deut um mich. War verbal übergriffig. Hat mich wirklich gefährlich retraumatisiert. Damals hatte ich davon keine Ahnung. Kam in einer aktuten Krisensituation zur Therapie. Die zweite war für mich und meine Themen ebenfalls die Falsche. Mit ihr gab es keine größeren Probleme, außer dass sie mir immer wieder "prophezeit" hat damals, dass ich noch "zehn, fünfzehn gute Jahre vor mir hätte"...

Was für ein BS
💩 Ach ja, und meine Mutter hatte sie auch sofort in Schutz genommen, als ich ihr von meiner (verbalen) Abtr****** im Alter von ca. 30 Jahren erzählte. Da hat sie mir sofort, in der Sekunde erklärt, wie meine Mutter das gemeint haben könnte. "Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich keine Kinder mehr bekommen!" Äh ja. Ein Narzisst sieht niemals ein, dass/wenn er etwas falsch macht. Meine Mutter hatte also mitnichten gemeint, dass sie keine gute Mutter sei und deswegen lieber keine Kinder hätte haben sollen, sondern dass sie die missratene Brut nicht mehr bekommen würde... Äh ja.
Zu den Erfolgen einer Therapie: Auch bei meiner jetzt sehr guten - fachlich und menschlich - dauert es. Es dauert, weil Traumata nicht in wenigen Wochen oder Monaten geheilt werden. Utopisch. Mir kommt es immer wieder vor wie diese Aufzieh-Spielzeugautos. Du ziehst sie auf, auf, auf, und dann, wenn du sie auf den Boden setzt, sausen sie wieder ein ganzes, sichtbares Stück vor. Patient - das Wort kommt aus dem Lateinischen von Geduld. Und ja, seelische Patienten brauchen viel Geduld und Mitgefühl mit sich selbst.
Bitte lass Dich von dem Menschen, der sich Dein Therapeut nennt, nicht ausbremsen. Ich denke auch, dass Du eine andere Qualität von Begleitung, Unterstützung und Ermutigung brauchst.
Alles Liebe
PS
Eine weltweit viel zitierte und hochgelobte Therapeutin namens Alice Miller ("Das Drama des begabten Kindes") hat einen Sohn, der die Kindheit bei dieser Mutter in einem Buch schildert. Das glaubt man ja kaum, dass dieselbe Frau, die so sachkundig über Kinder anderer Menschen schreibt und sie beschützt, selbst ihre eigenen Kinder traumatisiert. Doch genau so war es.