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Umbrella
Liebe Community,
ich habe mich überwunden hier meine Probleme niederzuschreiben. Vielleicht bekomme ich ein paar Ratschläge, die mir ein wenig Hoffnung geben oder ein klein bisschen Mut, aus dem Loch zu kommen, in dem ich momentan drin stecken. Jedenfalls tut es mir ein wenig gut meine Gedanken zu ordnen und alles aufzuschreiben. Ich bedanke mich schon vorab an diejenigen, die sich die Zeit nehmen sich mein Text durchzulesen. Vielen Dank.

Grundsätzliches zuerst: ich bin 25 Jahre alt, weiblich, gelernte Hotelfachfrau und, wegen der Schließung meines ehemaligen Arbeitsplatzes, arbeitslos. Ich zähle die Punkte auf, die mir Kummer bis hin zu Verzweilung bringen. Die Dinge, die dafür verantwortlich sind und es weiterhin schlimmer machen.

Ich habe die Befürchtung, dass ich psychisch krank bin. Ob Angststörung, Depressionen oder bipolare Störung; Sebstdiagnose ist schwer. Ich weiß, dass ich es mir nicht einbilde, denn meine psychische Instabilität empfinde ich nicht als normal. Außerdem bringt es mich ständig weitere Probleme und zwingt mich in einen Teufelkreis.

Ich wache morgens auf und komme nicht aus dem Bett, denn ich weiß keinen Grund warum ich überhaupt aufstehen soll. Am liebsten würde ich meine ganzen Probleme wegschlafen besser gesagt die ganzen Gedanken und Sorgen, die mir durch den Kopf schwirren. Es wächst mir einfach alles über den Kopf und ich schaffe es nicht allein. Mein Freund hilft mir nicht, außer paar Stellenanzeigen raussuchen und dass ich umsonst bei ihm wohnen kann. Aber meiner Meinung ist das das Minderste, denn ich bereite ihm ein angenehmes Leben, wenn er von der Arbeit nach Hause kommt. Ich putze, wasche, koche und bin sein Hundesitter. Nach Feierabend muss er sich nur noch um seine Sachen kümmern und die Freizeit.

Den ganzen Tag bin ich antriebslos, wie gelähmt und so müde, dass es nicht normal ist und ich eigentlich genug Schlaf hatte. Ich weiß, dass ich wichtige Sachen erledigen muss z.B. Bewerbungen schreiben. Manchmal schaffe ich es oder nicht. Je nachdem ob ich ein bisschen Kraft dafür aufbringen kann. Allein schon Einkaufen oder mit dem Hund Gassi gehen, fordert Überwindung und Anstrengung. Und von Kenzentration kann gar keine Rede sein; es fällt mir einfach schwer. Ich weiß nicht ob man manche Tage als „gute“ Tage bezeichnen kann. An denen schaffe ich mich ein bisschen von meinen Sorgen abzulenken. An anderen Tagen fühle ich mich einfach leer. Mein Kopf schaltet sich für das Geschehen um mich aus. Und was gerade passiert oder was passieren wird interessieren mich nicht. Ich will nur meine Ruhe. Ein paar Augenblicke um mein Hirn abzuschalten und Luft zu holen.

Kommen wir zu meinem Freund. Ich weiß, dass er nicht der Richtige für mich ist, aber fällt mir schwer mich von ihm zu trennen. Vielleicht ist es aus Gewohnheit und Bequemlichkeit oder die Angst vor Veränderungen. Kann sein dass ich ihn auch nicht verletzen will. Jedenfalls gibt er einfach mir nicht die Liebe und Unterstützung, die ich brauche. Er kümmert sich am liebsten um seinen Kram: Fitness, Auto und Zocken. Ich fühle mich da wie ein fünftes Rad am Wagen. Ich habe es langsam satt um Aufmerksamkeit zu betteln. Mitlerweile mache ich es auch nicht mehr. Ob um Zärtlichkeiten oder Sex. Ich bin es mir Leid. Von allein kommt von ihm nichts. Keine Umarmung, keine netten Worte und wenn dann nur ein Küsschen zum Abschied oder Begrüßung. Wenn wir mal kuscheln oder küssen, dann kommt es allein von mir und das meistens nur auf der Couch, wobei eher nebensächlich. Es fühlt sich an als würde er meine Gegenwart nur tolerieren. Es ist so selten dass er von alleine nach Zweisamkeit sucht. Ich fühle mich eher als eine WG Kumpel, die bei ihm leben darf, den Haushalt macht und Hundesitter. Nicht als Freundin. Er kommandiert mich nur rum, meine Meinung scheint ihm nicht so wichtig zu sein und Entscheidungen ob groß oder klein trifft er ohne mich mit der Einstellung, dass ich ohne Widerworte mitziehe. Ich gehe aber bei Vielem mit. Vielleicht in der Hoffnung dass es ihn glücklich macht, aber ich denke er sieht es als Selbstverständlichkeit. Ich habe keine Ahnung. Er redet selten über seine Sorgen, die sich aber nur ums Geld drehen oder andere materielle Dinge. Was in ihm vorgeht sagt er nie. Mein Freund ist ein Kopfmensch, Gefühle zeigt er selten. Wenn dann nur Glück, wenn er etwas kauft oder über was Lustiges lacht etc.

Ich bin der Typ, dem es schwer fällt über Probleme und Sorgen zu reden aus Angst auf Verachtung, Beurteilung und Verlusten. Ja, ich fresse alles in mich hinein, weine fast jeden oft, trauere, sorge mich um alles und jeden und schaffe es infach nicht alleine aus diesem Loch zu kommen. Ob es meine Beziehung ist, die Tatsache dass ich arbeitslos bin oder weitere Dinge wie Rechnungen, die mir über den Kopf wachsen. Ich habe letztens mit meiner Mutter darüber geredet, noch nicht über alles, denn es ist alles zuviel auf einmal. Dennoch bin ich froh, dass sie mich versteht und ich begreife es einfach nicht warum ich immer Angst habe einfach zu reden. Es fällt mir so schwer. Ich habe so viele Ängste, vor ungewohnten Situation oder Neuem. Mich belastet am meisten, dass ich innere Panik bekomme, wenn ich z.B. zu einem Vortsellungsgespräch fahre oder zum Arbeitsamt und in einem Bus sitze. Engegefühl in der Brust, höhere Herzschlag, bekomme nur schwer Luft und es hält eine Weile an nachdem ich ausgestiegen bin. Ich weiß nicht den Grund warum es passiert, ich frage mich in dieser Situation immer: Warum? Aber es geschieht dann einfach. Und, dass der Bus dann voller Menschen ist, macht die Situation auch nicht besser. Ich empfinde ihre rachen Blicke als stechend, verurteilend. Natürlich könnte ich mein Führerschein machen, aber ja ich hab Panik davor zu fahren. Theorie habe ich schon hinter mir, aber hab alles abgebrochen wegen der Angst mich ins Auto zu setzen und loszufahren. Auch wenn ich mit meinem Freund unterwegs ist und etwas schneller fährt oder zu nah an einem vordenen Auto auffährt, kommen mir Gedanken in den Kopf dass gleich etwas passiert; ein Unfall.

Ab und an habe ich einen solchen Hass auf mich, dass ich nicht in der Lage bin mich zusamenzureißen. Dass ich nicht schaffe aus meinen Problemen zu entkommen und dass ich meinen Eltern Sorgen bereite und ich Fehler mache. Ich fühle mich wie ein Versager, der nie was richtig macht. Ich habe das Gefühl dass ich vor Problemen weglaufe. Oder vielleicht schaffe ich es einfach nicht, dass alleine zu bewältigen? Mein Freund hat letztens zu mir gesagt, dass er nicht versteht wie ich „chillen“ kann, bei den Geldsorgen und ohne Arbeit. Ich konnte in den Moment nichts sagen. Bzw ich wollte es nicht. Er würde es eh nicht verstehen, was in mir vorgeht. Dass ich mich für ihn aufopfere und nie Gedanken über mich mache, was mir gut tut.

Ich bin kein selbstbewusster Mensch, war ich selten. Meist nur auf der Arbeit. Seitdem ich letztes Jahr meine Pille wechseln musste, weil meine Alte nicht mehr produziert wird, habe ich zugenommen. Trotz Arbeit, die mich auf Trapp hielt. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich mehr gegessen habe als sonst. Aus Frust oder um mich für paar Minuten glücklich zu stimmen. Jedenfalls habe ich seitdem fast 20 Kilo zugenommen. Natürlich kommt es auch noch dazu, dass ich seit meiner Arbeitslosigkeit mich weniger bewege. Aber seitdem hat mein Selbstvertrauen sich noch mehr zurückgezogen. Ich fühle mich nicht mehr attraktiv, wie ich es mit meinen 57Kilo damals war. Ich war im Normalbereich, schlank, aber nicht zu dünn und habe mich wohl gefühlt, was jetzt momentan nicht so ist.

So. Das ist das war mir momentan einfällt. Der Text fühlt sich an, dass ich mich nur bemitleide. Rede ich mir das alles nur ein? Ich möchte doch einfach nur, dass alles gut wird. Dass ich wieder normal ticke und denke. Ich will mir auch psychologische Hilfe holen. Aber erstmal schaffen mit meinen Eltern darüber zu reden. Wenn ich schon mit ihnen nicht offen sein kann, wie kann ich denn mit einem fremden Menschen über alles reden? Sie sind die einzigen die mir zuhören, auch wenn ich Fehler mache. Sonst habe ich niemanden.

Ich bedanke mich nochmals für jeden, der sich das durchliest.
Schöne Grüße

15.03.2017 14:42 • 15.03.2017 #1


2 Antworten ↓


Perle
Hallo Umbrella,

zumindest scheinen Deine Eltern Dir ja zuzuhören und Dich auch zu verstehen. Das ist schon mal sehr gut! Das über sich selbst sprechen ist für keinen von uns einfach aber man kann es üben. Wichtig ist, dass Dein Gegenüber sich die Zeit zum Zuhören nimmt und Dich nicht gleich mit tausend gut gemeinten Ratschlägen bombardiert. Ich habe übrigens die Erfahrung gemacht, mich Fremden gegenüber offener zu verhalten als meiner eigenen Familie, vielleicht schwingen da einfach zu viele Gefühle mit.

Ich könnte mir schon vorstellen, dass Du evtl. in einer depressiven Episode steckst, es klingt so danach. Jedenfalls stellst Du zurzeit Dein Leben in Frage und das ist erstmal nicht das Schlechteste, auch wenn es anstrengend ist und Dich gerade lähmt. Du spürst, dass sich Gravierendes ändern muss und Du weißt auch, dass nur Du allein das in Angriff nehmen kannst. Es scheint Dir über den Kopf zu wachen. Du bist unsicher wie Du diese Schritte gehen sollst und das ängstigt Dich. Viele von uns stecken jeden Tag in ähnlichen Situationen, Du bist also nicht allein damit.

Ich würde es gut finden, wenn Du mit Hilfe einer Therapeutin Deine Themen beleuchten würdest. Dann wird mit Sicherheit einiges deutlicher für Dich werden und auch Dein Selbstwertgefühl wird wachsen, so dass Du dann die nötige Kraft für Veränderungen hast.

Alles Gute, Martina

15.03.2017 15:04 • #2


Icefalki
Das Wichtigste das du tun kannst, ist zu reden. Mit einem Arzt, den Eltern, dem Freund. Von alleine wird es nicht besser. Gestehe es dir zu, dass du Hilfe brauchst.

Es gibt durchaus Wege, die dir helfen können, dazu braucht es aber den Willen, diese zu gehen. Das ist eigentlich alles.

Hier bekommst du viele Infos, kannst dir alles durchlesen. Wie dein Weg dann aussieht, bestimmst du ganz alleine.

15.03.2017 15:52 • #3




Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser