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Bin jetzt nicht der Forenschreiber, aber meine kaputte Psyche beeinträchtigt mich nun schon so lang, dass ich auch hier bei euch aktiv werden will.

Wie der Titel sagt, war heute mein erster Arbeitstag nach meinem Psychiatrieaufenthalt (Depression + Angststörung). Ich bin erst seit 2 Tagen wieder zu Hause und arbeite auch vorerst nur 3 Stunden.

Und daher meine Frage: War es für euch auch so anstrengend? Ich war ziemlich überrascht, wie sehr ich kämpfen musste, selbst die 3h durchzuhalten. Obwohl alle super lieb und nett waren, wollte ich die ganze Zeit nur weinen oder mich verkriechen.
Wie erging es euch bei euren ersten eigenen Schritten im Alltag?

06.10.2025 14:51 • 12.10.2025 #1


9 Antworten ↓


Zitat von Broetchen:
Bin jetzt nicht der Forenschreiber, aber meine kaputte Psyche beeinträchtigt mich nun schon so lang, dass ich auch hier bei euch aktiv werden will. ...

Anfangs hatte ich auch enorm Probleme, alles wurde emotional. Mit der Zeit hatte sich das ganze aber wieder eingependelt. Wichtig zu Wissen: Wir sind keine Maschinen, auch wir dürfen Fehler machen, und es darf uns auch schlecht gehen. Gib dem ganzen etwas Zeit. Arbeite weiterhin an dir, und was ich jedem raten kann, Ausdauersport zu machen.

Alles Gute!

A


Erster Arbeitstag nach Psychiatrie

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@Flousen Danke dir! Das ist ein guter Hinweis von dir! Fahre schon extra mit dem Rad auf Arbeit (2 x 16km) um die überschüssige Energie am Morgen abzubauen.
Aber schön solche Erfahrungen zu lesen. Die Berichte in den Foren die ich bisher gelesen habe, waren sehr pessimistisch. Danke!

Zitat von Broetchen:
@Flousen Danke dir! Das ist ein guter Hinweis von dir! Fahre schon extra mit dem Rad auf Arbeit (2 x 16km) um die überschüssige Energie am Morgen ...

Es gibt leider viele die sich verstecken und schnell aufgeben. Wer wirklich etwas erreichen möchte schafft es auch!

Hut ab, das ist doch super. Powert wenigstens etwas aus. Bau dir Intervalle ein, für den Rückweg, so eine Strecke wird auch schnell zur Gewohnheit.

Mir hat es sehr geholfen das man bei der Wiedereingliederung ja immer die Möglichkeit hat abzubrechen.
Ich han das ganze auf 6 Wochen verlängert was mir sehr gut getan hat.
Wichtig ist auch das man sich am anfang nicht zu viel zumutet und erst wieder langsam reinkommt.
Viel Glück dabei

Hier mal ein Update zu meinem Thema, das Funktionieren im Anschluss an einen langen stationären Aufenthalt. Vielleicht findet sich eine(r) von euch darin wieder:

Ich bin mit einer mittleren Depression und Angststörung entlassen worden. In der Klinik hatte ich noch viele Ängste, aber auch Hoffnung.
Leider ist es wohl typisch, dass es draußen erstmal schlechter läuft. Die ganze Reizüberflutung und die fehlende Struktur haben mich ziemlich überfordert.
Mein erster Tag auf Arbeit war, obwohl nur 3 Stunden, super schwer. Danach habe ich erstmal Stundenlang geweint. Der nächste Morgen war dann ebenso schwer. Ich konnte vor lauter Weinen nicht losfahren. Also habe ich auf Arbeit abgesagt. Da es mir gegen Mittag besser ging, bin ich dann spontan doch losgefahren und das war eine gute Entscheidung.
Ich bin extra mit dem Fahrrad gefahren, weil Sport das beste AD ist.
Ich habe jetzt auf Arbeit vereinbart, dass ich am Anfang erst kurz vor Mittag auftauche, da das Morgentief mit seinen Ängsten noch zu stark ist! Heute, Tag 3, hat das gut geklappt.

Huhu, danke, dass du das hier teilst. Ich werde bald in einer ähnlichen Situation sein. In zwei Wochen startet meine Tagesklinik und anschließend plane ich auch die Wiedereingliederung an der Arbeit.
Ich denke am Anfang wird es auch bei mir so sein, dass es mir psychisch/körperlich schlecht geht aufgrund von Nervosität, was einen erwartet und auch aus Angst dem gewachsen zu sein. Letzteres ist glaube ich mein größtes Problem, dass ich es mir aktuell nur schwer zutrauen kann, dem kompletten Arbeitsalltag wieder gewachsen sein zu können...

@sandracookie
Du hast da etwas angesprochen, über das man sich vor Wiedereintritt klar sein muss. Es absolut normal, nach so einer langen Zeit nervös zu sein. Das geht auch psychisch stabilen Menschen so. Allerdings ist dieses Gefühl Aufregung sehr nah an dem Gefühl Angst.
Ich musste mir die Woche immer wieder bewusst machen, dass der flaue Magen oder der Frosch im Hals Aufregung bedeutet und nicht dass eine Panikattacke startet. Wir horch ja ständig in uns hinein und scannen alle körperlichen Signale aus Angst vor der Angst.
Beispielsweise habe ich die Treppe zum Büro genommen und hatte oben angekommen einen erhöhten Herzschlag. Sofort erinnert sich mein Gehirn, dass bei der letzten Panikattacke auch mein Herz schneller geschlagen hat. Mein Körper hört das Wort Panik und schon geht die Gedankenspirale los... Ihr kennt das wahrscheinlich.

Die Woche war schwer und ohne Beistand hätte ich das nicht geschafft. Ich habe viel geweint und noch mehr Gedankenstopps gesetzt.
Am Schlimmsten ist die Unruhe, die beinahe permanent da ist. Ich spüre sie nur leicht, doch wie Tropfen einen Stein aushöhlen, so zermürbt es auch mich.
Ich denke das kommt vom gereizten Nervensystem. Falls ein interessierter Leser das Gefühl kennt, dann kann ich ihm raten, viel zu reden, sich Trost und Verständnis zu suchen sowie das Nervensystem durch Summen oder meditieren zu beruhigen. Auch Sport oder nur spazieren wirkt heilend.

Zitat von Broetchen:
nur spazieren wirkt heilend.


ja, kann ich bestaetigen, ich finde das ganz toll, wie Du das alles geschafft hast, Du wirst Dich bestimmt immer mehr dran gewoehnen und es wird einfacher

@Broetchen
Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Aufregung/Angst/Panik liegen wirklich eng beieinander und es kostet verständlicherweise viel Energie da zu unterscheiden und sich jedes Mal bewusst zu werden, dass es nicht wieder die Panikattacken sind.
Zitat von Broetchen:
dann kann ich ihm raten, viel zu reden, sich Trost und Verständnis zu suchen sowie das Nervensystem durch Summen oder meditieren zu beruhigen. Auch Sport oder nur spazieren wirkt heilend.

Gut, dass du da Beistand hast und auch einige Tools hast, die dir helfen damit umzugehen. Vieles wie spazieren kommt einem ja immer banal vor, aber kann so viel für die Seele tun, wenn man das wirklich ernst nimmt und regelmäßig macht.
Das wird auch eine meiner Herausforderungen genug Selfcare im Alltag und auch die Arbeit an sich. Als ich noch nicht krank geschrieben war, hatte ich auch Panikattacken vor Ort und es könnte viele Trigger geben, aber ich hatte auch schon andere Zeiten dort (bin seit 2018 am selben Arbeitsplatz) und ich will auch nicht mehr weglaufen aus Angst vor der Angst...

Ich wünsche dir, dass du weiterhin am Ball bleiben kannst und dass es dann mit der Zeit immer leichter werden wird.

A


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Prof. Dr. med. Ulrich Hegerl
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