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201816.02




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Hallo!

Ich mache es kurz. Die Überschrift steht für sich.

Kurz zu mir:
Ich habe seit Ewigkeiten Depressionen.
Lange Zeit hatte ich auch eine Zwangserkrankung, doch die ist eigentlich so gut wie vollständig besiegt (Das Ganze hat, wenn überhaupt, nur noch eine Art "Tick"-Charakter und ist harmlos).
Seit etwas über drei Jahren bin ich zudem stark in Trauer um meinen verstorbenen Vater. Das ist quasi die DRITTE psychische Baustelle meines Lebens.

1) Depression
2) Zwangserkrankung
3) Trauer

Die Zwangserkrankung und auch die Trauer erlebe ich jedoch als etwas Dynamisches. Erstere ist, wie gesagt, eigentlich völlig in den Hintergrund getreten und auch meine Trauer macht derzeit (so extrem sie seit Jahren auch ist) eine Art Entwicklung durch.

NUR die Depression scheint regelrecht an mir zu kleben. Ich vergleiche sie mit einer grünen, klebrigen Masse, die ich mal berührt habe und nun nie wieder los werde.
Sie ist wie ein Schatten, der mich ewig begleitet.

Ich glaube sogar, dass ich damals überhaupt erst eine Zwangserkrankung entwickelt habe, weil ich ein Ventil für meine Depression brauchte.
Und auch meine Trauer ist mit Sicherheit auch DESHALB so stark, weil sie sich mit meiner Depression vermischt. Beispielsweise habe ich starke Schuldgefühle und vermute inzwischen, dass deren Stärke auch eher der Depression zuzuschreiben sind, als der Trauer. Dass ich quasi "krank" denke.

Daher frage ich mich nun, ob man überhaupt in der Hoffnung gegen eine Depression ankämpfen sollte, dass sie eines Tages ganz verschwindet und nie wiederkommt.
ODER ob man nicht viel eher akzeptieren sollte, dass sie FÜR IMMER bei einem bleiben wird. Mal stärker, mal schwächer.

Quasi so wie meine Trauer. Diese werde ich wahrscheinlich auch NIE VOLLSTÄNDIG loswerden. Ich hing sehr an meinem Vater und die ganzen Umstände seines Todes waren sehr traumatisch für mich.
Aber wie gesagt: Obwohl ich seit über drei Jahren ganz extrem trauere, scheint sich da was zu verändern.

Die Depression hingegen bleibt.
Immer.
IMMER?

Was meint IHR zu meiner These?

Auf das Thema antworten


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  16.02.2018 21:04  
Saphirblau hat geschrieben:
Die Depression hingegen bleibt.
Immer.
IMMER?

Was meint IHR zu meiner These?


Hey,
das lässt sich aus der Ferne sehr schwer beurteilen. Ein paar Fragen um es etwas besser einschätzen zu können:

1. Seit wie vielen Jahren hast du die Depressionssymptome?
2. Gibt es irgendwelche Zusammenhänge oder naheliegende Gründe, wann die Depressionssymptome stärker oder schwächer sind?
3. Sind die Depressionssymptome durchgehend oder waren sie auch schonmal komplett weg?
4. Welche Behandlungsversuche gab bereits? Was haben sie gebracht?
5. Haben auch andere in deiner Familie Depressionssymptome?
6. Was wurde bislang an organischer Diagnostik durchgeführt?
7. Hast du neben den 3 genannten Sachen irgendwelche anderen chronischen Symptome oder bekannte Erkrankungen?





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  16.02.2018 21:12  
Danke für deine Antwort!

Also meine These war ganz allgemein. :)

Sie bezog sich nicht nur auf MICH. ;)



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  16.02.2018 21:19  
Habe zufällig mal ein Buch dazu gelesen aus Interesse. Ist sehr zu empfehlen:
Holger Reiners "Das heimatlose Ich"
Der Autor litt 20 Jahre unter schweren Depressionen und ist sie komplett los geworden und privat und beruflich sehr erfolgreich geworden.
http://www.spiegel.de/panorama/gesellsc ... 61041.html





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  16.02.2018 23:07  
Danke für den Tipp!
Werde ich definitiv lesen!



  17.02.2018 10:58  
Hallo!

Ich glaube, dass man diese Traurigkeit und Tiefe bei einer Depression nie ganz verliert. Es ist wohl ein bisschen wie ein Charaktermerkmal. Trauer über den Verlust eines Menschen ändert sich mit der Zeit. Aber bei Dir vermischt es sich ja noch mit Deiner Grundtrauer. Wenn man nicht auf Medikamente zurückgreifen will, dann erlebt man einfach alles ungefiltert und ohne Antrieb bekommt man wenig Möglichkeit, sich auch wieder aufzurappeln. Woher sollte der auch kommen? Mit kleinen Schritten immer ein bisschen in die Aktivität. Und diese kleinen Dinge, die möglich waren, feiern. Dann kommt ein wenig Licht in den Tag. Ich mag die dunklen Täler und die Sinnlosigkeit auch nicht, aber manchmal hab ich auch euphorische Momente, und die sind dann super, das kann jemand "Gesunder" gar nicht so fühlen. Ich glaube also, dass Manches der Depression immer irgendwie bei uns ist, aber nicht immer gleich stark. Es gibt ja auch Gründe, warum wir so sind wie wir sind. Dieses Stillgelegt sein schützt uns auf eine besondere Art vor dem Leben. Vielleicht brauchen wir das. Es macht schon einen Sinn, irgendwie. Aussöhnen und akzeptieren. Das bist Du und anders kriegst Du Dich im Moment nicht. Traurig zu sein hat seine Berechtigung, gerade wenn es um Verarbeitung geht. Wenn man eine innige Beziehung zu Eltern/einem Elternteil hat/hatte, sie würden niemals wollen, dass wir in Trauer oder Schuld hängen bleiben. Dafür haben sie uns nicht in die Welt gesetzt und es hat keinen Nutzen. Für niemand. Ich wünsch Dir alles Gute!



  17.02.2018 11:27  
Deine These ist richtig und falsch.

Sie ist richtig, denn eine Heilung findet oft nicht statt und sie ist falsch, weil es auch nicht selten zu einer Heilung kommt.

Die Gründe sind sehr vielfältig.
Es gibt nicht die eine Depression. Dahinter steht auch immer ein Mensch mit seiner ganz speziellen Geschichte. Auch deswegen kann man nicht sagen, er/sie kann geheilt werden und er/sie nicht. So etwas gibt es nicht.

Oft, sehr oft, liegt das Problem darin, dass man nicht den richtigen Therapeuten oder die richtige Therapeutin findet.
Es ist nicht leicht. Oft ist es Glücksache, ob man den oder die richtige Ther. findet.

Psychotherapien - auch bei anderen Krankheiten - scheitern oft daran, dass die Ther. nicht willens sind oder nicht fähig bzw. nicht den Mut aufbringen, sehr tiefe, verborgene Bereiche der Seele zu berühren.
Das führt dazu, dass die Gründe der Depression unentdeckt bleiben.

Dieser Umstand wird dann gerne versteckt und auch von sog. "Expertenseite" behauptet, eine Depression sei nicht heilbar.
Durch diese "Theorie" braucht man sich dann als Therapeut nicht der Wahrheit auszusetzen und kann bequem das Verborgene weiterhin unentdeckt bleiben lassen, ohne ein schlechtes Gewissen spüren zu müssen.

Auch für viele Betroffene kann das angenehm sein, denn das erwähnte Verborgene ist kein Zuckerschlecken, ganz im Gegenteil. Es kann ganz schlimm sein.

Dann zahlt man einen Preis für diese Zurückweisung des Eigenen und schluckt vielleicht viele Jahre lang Medikamente oder versucht irgendwelche individuelle Strategien zu entwickeln, wie man am besten noch mit dieser Situation zurecht kommt.

Es ist zudem nicht so, dass man nur den richtigen Therapeuten zu finden bräuchte - was schwer genug ist -, um geheilt zu werden.
Nein. Kein Tharapeut der Welt, auch nicht der allerbeste, kann eine Garantie geben.
Auch deswegen sind Prognosen nichts als ein Ratespiel.
Allenfalls kann man davon sprechen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmer Therapeut einem wirklich helfen kann, höher sein kann. Dennoch wird das "Ergebnis" nicht voraussagbar bleiben.

Auch ein Betroffener entscheidet mit, was aus dem Ganzen wird. Das muss auch gar nicht bewusst vor sich gehen.
Das mag widersprüchlich klingen, aber es ist doch die eigene Entscheidung (das Zurückschrecken).
Die Angst vor dem Verborgenen kann so immens groß sein, dass man lieber da nicht weiter rühren will.
Man rettet sich in die Behauptungen, dass ja auch schon "Experten" meinen würden, Depressionen seien nicht heilbar. Nich alle Fachleute sind dieser Meinung, aber es sind nicht wenige, die dies behaupten (darunter auch weltweit anerkannte, sehr berühmte).

Kurz: Eine Voraussage ist nicht möglich.
Glauben kann man hingegen alles, was einem gerade so passt, was die allermeisten Menschen auch sehr gerne tun.





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  17.02.2018 12:28  
@Kiliane40

Das hast du sehr schön geschrieben.
Diese Euphorie von der du gesprochen hast, kenne ich auch. Jedoch kommt sie derzeit gar nicht mehr zum Vorschein.

Mir geht es seit ein paar Tagen ganz besonders schlecht, weil ich (mal wieder) Streit mit meiner Mutter hatte. Diesmal hat sie mir jedoch Dinge an den Kopf geworfen, die unverzeihlich sind. Ich liege komplett am Boden, bin fassungslos über ihre fehlende Empathie.

Sie und mein Vater waren seit ein paar Jahren geschieden. Ich lebe schon lange allein. Immer wieder gab es Phasen, in denen ich den Kontakt zu ihr abgebrochen hatte. Doch damals hatte ich meinen Vater noch.
Nun stehe ich ganz alleine da.

Sie redet sehr schlecht über ihn. Für sie ist er ihr gehasster Ex-Mann. Sie versteht nicht, dass er MIR jedoch sehr viel bedeutet. Immer noch! Über den Tod hinaus. Das wird auch immer so bleiben.

Aufgrund des gleichen Themas (Vater!) habe ich auch zu allen anderen Verwandten keinen Kontakt mehr. Hier jetzt alles zu schreiben würde den Rahmen sprengen. Nur kurz:

Die haben mich alle völlig allein mit meinem todkranken Vater gelassen! Ich habe dadurch traumatische Sachen erlebt! Um ein Haar wäre ich auch komplett alleine mit ihm auf der Palliativstation gewesen, als er gestorben ist. Nur weil ich grosses Theater gemacht habe ( was mir meinem Vater gegenüber jetzt sehr leid tut), musste er nicht alleine ( bzw. mit nur MIR an seiner Seite) sterben. Meine beiden Geschwister und ein Onkel waren da, als mein Vater seine letzten Atemzüge gemacht hat.

Ich fand, dass die ganze Familie es diesem Mann VERDAMMT NOCHMAL schuldig gewesen ist, an seiner Seite zu sein. Er hat sein Leben lang sooo viel für die gesamte Verwandtschaft getan.
Jetzt könntet ihr fragen: Sehen das die Verwandten denn auch so?

JA!
DAS ist ja das Schkimme!
ALLE wissen, was sie meinem Vater zu verdanken haben und wie gut er als Vater, Bruder etc. war.

Jedoch hatte niemand ausser mir ein ausgeprägtes Gewissen. Es war allen schlichtweg zu lästig, sich um ihn zu kümmern. Ich sei ja schliesslich ledig, ICH könne/müsse das tun.

NIEMAND hat daran gedacht, dass ich seit vielen Jahren depressiv bin und was es für mich bedeutet hat, in so einer Phase allein zu sein. Ich bin an meine Grenzen gegangen, war jedoch auch hin und wieder überfordert.

Ich verzeihe denen allen nicht. Anstatt sich zu schämen, schlagen sie mit voller Wucht zurück, wenn ich ihnen Vorwürfe mache. Niemand denkt daran, was es bedeutet .......

...... ach, ich will den Rahmen hier nicht komplett sprengen.
Zusammengefasst fühlt es sich ganz schrecklich an, was ich gerade durchmache.

Ich hatte nur noch Kontakt zu meiner Mutter (weil es nicht anders ging), will aber den Kontakt nach ihren miesen Worten, die sie mir vorgestern an den Kopf geworfen hat, abbrechen.

Ich stehe ganz alleine da. So einsam wie nie.
Ich habe eine enorme Wut. Diese Wut frisst mich auf.

Wie gesagt: Trotz allem empfinde ich die Trauer als etwas Dynamisches. Aber die Depression schein keinerlei Wandlung durchzumachen. Es WIRKT nur phasenweise so, als würde sie in den Hintergrund rücken. Dann kommt sie wieder.

Ich habe früher mal CITALOPRAM genommen. Das wirkte nur anfangs ein wenig. Dann nicht mehr.
Nun nehme ich seit 15 Wochen LAIF 900 BALANCE. Bisher keine Wirkung bzw. ich habe den Verdacht, dass sich mein Gemüt verschlechtert.



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  17.02.2018 12:31  
Citalopram ist meiner Meinung nach mehr Beruhigungsmittel gegen Ängste und Zwangsstörungen.

Dann eher Fluoxetin, Sertralin, Venlafaxin, bupropion oder Tranylcypromin, phenelzin, Clomipramin

Citalopram macht bestenfalls gleichgültig und müde.





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  17.02.2018 12:33  
Okay, das mit dem Citalopram werde ich mir merken. ;)


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