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Seegurke673

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Hallo,

ich habe ein Problem, das ich monatelang mit mir allein rumtrage. Ich hab mich in den vergangenen Monaten sehr schlecht gefühlt. Aber eigentlich weiß ich noch nicht einmal, ob man das "schlecht fühlen" nennen kann. Eigentlich hab ich gar nichts gefühlt. Quälende Leere in meinem Kopf, eine merkwürdige Entfremdung von meiner Umwelt. Ich hatte oft das Gefühl, Gedanken und Handlungen würden unabhängig voneinander erfolgen und ich habe oft, überwältigt von der Lebensmüdigkeit, gedacht die Kontrolle zu verlieren.

Vertrautes erschien mir plötzlich fremd und unbekannt. Die Umwelt nahm ich wie in einem Traum wahr, in dem ich keine Bindung nach Außen herstellen konnte. So als wäre die Umwelt nicht mehr greifbar, nicht real. Ich hab mich zurückgezogen, weil ich nichts mehr für meine Mitmenschen empfand. Völlig apathisch. Mein Körper war schwer und träge.

Gleichzeitig fühlte ich eine innere Getriebenheit, eine starke Unruhe, als würde ich unter Strom stehen. Das quälendste war, dass ich in jeder Sekunde, von morgens bis abends, sich aufdrängende, hartnäckige Suizidgedanken hatte. Erst war da diese eine Brücke in meinem Kopf, dann eine imaginäre Pistole, die ich an meinem Kopf halte. Ich fing an, zu planen und mir jeden Handgriff ganz genau auszumalen. Einmal wachte ich am Morgen auf und der Drang sich umzubringen war so stark, dass ich wie versessen nach einem Seil gesucht habe. Als ich keines fand, schlief ich mit dem festen Vorsatz ein, später ein Seil im Baumarkt zu kaufen. Als ich aufwachte, war ich erschrocken darüber und mir wurde bewusst, dass ich ein psychisches Problem habe.

Als der innere Drang stärker wurde, suchte ich nach einem Ventil und fing an, mir die Arme aufzukratzen, mich an den Armen und Beinen zu schlagen. Ich bin 24 und habe mich vorher noch nie selbst verletzt. Ich hab es noch nie nachvollziehen können, wieso Menschen sich die Arme aufschneiden, aber nun machte ich das selbst. Die Hämatome und Kratzer an den Armen konnte ich bei meinen monatlichen Infusionen immer geschickt verbergen. Als MS-Patientin hab ich das Privileg, alle 4 Wochen vor einem Neurologen/Psychiater zu sitzen und ich habe es trotzdem nicht geschafft, ihm von allem zu erzählen. Ich kann über jedes körperliche Gebrechen, sei es auch noch so peinlich, ohne Scham reden. Aber wenn es um die Seele geht, krieg ich kein Wort raus.

Mitte Januar wachte ich eines Morgens auf und fühlte mich plötzlich wie geheilt. Ich konnte wieder was empfinden, mich freuen, die Gedanken waren weg und eine innere Ruhe stellte sich ein. Es war so, als hätte sich meine Hirnchemie verändert, fast euphorisch fühlte ich mich. Als hätte ich mein Leben wieder zurück. Letzte Woche war ich beim Neurologen und habe natürlich nichts erzählt. Irgendwie sah ich keine Notwendigkeit mehr.

Jetzt komme ich ins Grübeln, weil ich alles aus einer größeren Distanz betrachten kann. Ich weiß, dass depressive Episoden mit hoher Wahrscheinlichkeit wiederkehren. Es ist schwer, dem Neurologen etwas zu erzählen, was man noch nie laut ausgesprochen hat.

Oder schätze ich die Gefahr eines Rückfalls falsch ein? Sollte ich lieber Gras drüber wachsen lassen und das als einmalige Phase abtun? Ich weiß nicht, wie ich das alles im Nachhinein einordnen soll.

28.02.2019 19:54 • 28.03.2019 #1


4 Antworten ↓


petrus57

petrus57


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Sei zufrieden, dass du deine depressive Phase hinter dir gelassen hast. Ich würde da jetzt auch nicht weiter nachbohren. Sich damit zu viel zu beschäftigen tut nicht gut.

Manche Menschen mit Depressionen bekommen nur eine depressive Phase andere mehrere. Kannst ja erst wieder mit deinem Arzt darüber sprechen, wenn du wieder eine Depression hat.

PS:
Hattest du irgendwelche Tabletten genommen, die die Suizidgedanken ausgelöst haben könnten? Bei mir waren es Antibiotika.

01.03.2019 09:04 • #2


Luna70

Luna70


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Herzlich willkommen bei uns.

Ich denke, es wäre schon nötig, dass du mit einem Arzt darüber sprichst. Das war ja scheinbar nicht nur eine depressive Episode, sondern auch mit selbstverletzendem Verhalten und mit Zwangsgedanken verbunden. Ich bin absoluter Laie, von daher ist das natürlich nur meine unfachmännische Meinung, aber deine "Spontanheilung" ist eher ungewöhnlich. Eigentlich ist der Weg aus einer Depression doch eher steinig und langsam, zumal du keine Medikamente dagegen genommen hast.

Könnte deine Symptome vielleicht Nebenwirkungen von einem Medikament sein, dass du wegen deiner MS bekommen hast?

01.03.2019 09:10 • x 1 #3


a commodity


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hallo.


Das von Luna gesagte, das es sich wahrscheinlich um eine Nebenwirkung eines Medikaments handeln könnte, dachte ich auch schon bereits.

Auch mir geht es ähnlich wie dir.
Vor einer Woche ging es mir richtig schlecht, dann Tage später wieder, begann ich das Licht zu sehen und dann? Dann war alles plötzlich wieder Klar! Diese so starken Depressionen waren wie weg geweht! Boy, hab ich mich drüber gefreut! Aber seit heute Nachmittag, gehts mir wieder Berg ab schlecht. Bei jetzt, bin ich wieder ganz unten angekommen! Als wäre man wie in Watte gepackt.

Ich war auch schon -Vorring auf dieser Forums Seite bereits drei mal gewesen, ich wollte hier was schreiben, konnte es aber nicht, ich wusste nicht einaml mehr wozu, so schlecht geht es mir aber jetzt hatte ich das Unbedingte Bedürfnis, zu schreiben. Ich bind müde, ich will einfach nur schlafen aber so bald ich mich in die Dunkelheit hinlege, bin ich wieder hell wach.

28.03.2019 00:05 • #4


Minimalist

Minimalist


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Hi Seegurke673,

Du solltest unbedingt zu einem Psychiater gehen. Ich habe da den Verdacht auf eine gewisse Diagnose bei Dir, was eine gewisse Erkrankung betrifft, weiß aber nicht, ob ich diese Diagnose hier hinschreiben sollte (oder darf), weil ich kein Psychiater bin.

Hole Dir am Besten jetzt schon einen Termin bei einem Psychiater, weil es wohl Wochen dauern wird, bis Du den Termin wahrnehmen können wirst.

Gruß

Minimalist

28.03.2019 04:24 • #5



Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser


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