Hey,
in einem Buch über Depression las ich mal so ungefähr:
"Die Melancholie ist die charmante Schwester der Depression."Ich las das Buch mitten in einer definitiv mittelgradig-depressiven Episode und musste mir eingestehen, dass ich, soweit ich zurückdenken konnte, einige stark melancholische Wesenszüge hatte. Und bis zum Ausbruch der Depression empfand ich die Melancholie, die bei mir auch merkbar Selbstmitleidsanteile hatte, eher als
tröstend - es war
wertvoll für mich: da war noch jemand, der sich um mich kümmerte - nämlich
ich...

Das änderte sich mit der Depression vollständig, da war nix mehr mit Selbst-Mitleid oder Mitgefühl für mich etc. Wie @Pauline333 es treffend formuliert - keine Verbindung mehr zu irgendwelchen Ressourcen. Für Selbstmitleid (was ich weiterhin als nicht so negativ bewerte wie heutzutage üblich) braucht man eine
sehr gute Verbindung.
Wo ist nun die "Grenze"? Sofern es überhaupt eine erkennbare Verbindung bzw. Trennung zwischen den beiden Begriffen gibt, würde ich sagen, dass ein tendenziell melancholischer Menschentypus generell
anfälliger (prädisponierter) für die Entwicklung einer Depression ist, viel mehr aber auch nicht. Entgegen der oberflächlichen Logik glaube ich aber auch, dass gerade Menschen mit der Neigung zum Selbstmitleid diese Ressource in
Selbst-Mitgefühl umgestalten können und sie dergestalt im Umgang mit Depression als hilfreiches Werkzeug "nutzen" könnten.
Das zumindest zu prüfen und ggfs. auszuprobieren, sähe ich als Aufgabe eines Therapeuten an.