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Hallo,
Cipralex gehört zu den SSRI, und das sind gerade jene ADs, die besonders antrieb
steigernd sind - im Gegensatz zu den älteren, sog. trizyklischen ADs, die fast ausnahmslos müde machen. Dafür haben SSRI aber andere Nachteile:
Einschleichsymptome: oft Übelkeit und Angst, Schlafstörungen, manchmal paradoxerweise anfangs extreme Müdigkeit. Das sollte sich alles aber nach ein paar Tagen geben, außerdem ist einschleichen wörtlich zu nehmen, man fängt erstmal mit der halben Dosis z.B. an.
Absetzsymptome: Auch wenn man sie langsam absetzt (und das muss man), kann es zu Absetzsymptomen kommen (wieder Angst, Übelkeit, Alpträume, stromschlagähnliche Empfindungen etc.). Das trifft zwar nur eine Minderheit und geht auch wieder vorbei, aber man sollte es trotzdem wissen.
Sexuelle Funktionsstörungen und Libidoverlust: typisch für alle SSRI, inoffiziell sind mindestens 50 % der Patienten davon betroffen.
Wechselwirkungen: potenziell gefährliche Wechselwirkungen mit an sich harmlosen Substanzen, die auf Serotonin wirken (Johanniskraut, Migränemedikamente, NEMs mit Tryptophanen oder Triptanen, 5-HTP).
Wirksamkeit: Generell ist die Wirksamkeit von SSRI bei Depressionen in letzter Zeit sehr hinterfragt worden. Grund waren Manipulationen von Wirksamkeitsstudien zur Zulassung von einigen SSRI in den USA. Metastudien haben ergeben, dass die fraglichen Medikamente zwar immer noch signifikant wirksamer sind als Placebo, aber nicht auf dem von der FDA geforderten Niveau.
Ansonsten gilt Cipralex als der Ferrari unter den SSRI, hat relativ wenig Neben- und Wechselwirkungen. Ich habe es mal genommen, leider ohne Behandlungserfolg (bei Angst und Zwängen). Vertragen habe ich es aber sehr gut, auch das Ein- und Ausschleichen waren bei mir völlig problemlos. Ich halte es für ein Medikament, mit dem man einen ersten Medikamentenversuch machen kann. Es ist nichts, das erst eingesetzt wird, wenn etliche andere schon versagt haben.
Liebe Grüße
Christina
13.09.2008 15:23 •
#2
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