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Hallo zusammen,

ich wende mich an euch, weil es mir grad überhaupt nicht gut geht, aber das kennen sicher einige von euch auch die unter einer Depression leiden.

Bei mir wurde vor einem halben Jahr eine mittelschwere Depression festgestellt. Ich mache seit dem auch eine Verhaltenstherapie, in der ich schon 12 Sitzungen hatte. Ich habe Vertrauen zu meiner Therapeutin und wir verstehen uns sehr gut.

Ich habe mich zur Therapie entschieden weil ich absolut nicht klar gekommen bin das mich mein Verlobter nach 5 1/2 Jahren Beziehung für eine verheiratete Frau mit Kindern verlassen hatte. Er hat auch nach der Trennung fast 1 1/2 Jahre mit meinen Gefühlen gespielt und mir immer wieder Hoffnung gemacht.

Leider merke ich,dass es mir aber nicht wirklich besser geht. Ich halte mich an die Tipps und Tricks die sie mir nennt, nur leider kommen immer wieder neue Situationen dazu die mich komplett aus der Bahn werfen. Kennt ihr das Gefühl wenn man sich freut, weil man eine Sache geschafft hat und plötzlich kommt der nächste Hammer?

An Heiligabend gab es einen großen Streit innerhalb der Familie, am 1 Feiertag hat sich meine beste Freunde per WhatsApp gemeldet und meinte " hey ich brauche Abstand du ziehst mich total runter" obwohl ich ihr eh schon nicht meine tiefsten Gedanken mitgeteilt habe.

Wie geht ihr mit dem allein bzw. dem einsamkeit Gefühl um?

29.12.2017 12:04 • 29.12.2017 #1


3 Antworten ↓


Hallo meine Liebe,
ich bin zwar nicht mehr depressiv aber kann deinen Auslöser und deine Gefühle verstehen. Ich hatte zwar nicht die gleiche Situation, da ich noch nie verlobt war, aber ändert ja an der Depression erstmal nichts.
Weißt du denn den Grund warum er dich für eine andere Frau verlassen hat? Sowas macht man ja nur, wenn man mit etwas in der Beziehung wirklich unglücklich ist. Das er danach mit dir gespielt hat, ist aber leider nicht nur seine Schuld, sondern auch deine. Als er dich für eine andere verlassen hat, hättest du den Kontakt zu ihm einfach für immer beenden müssen, ich mein warum solltest du da noch Kontakt haben wollen, nach so einer Aktion?

Zu den Tipps und Tricks der Psychologin kann ich nicht viel sagen, da ich nie psychologische Hilfe in Anspruch genommen habe, da ich trotz schwerer Depression immer den Ehrgeiz hatte es selbst zu schaffen.

Deine "beste Freundin" war dann wohl nicht deine Freundin. Ich habe immer meinen besten Freunden davon erzählt und die sind nach wie vor meine besten Freunde.

Ich persönlich gehe mit dem alleine sein oder einsam fühlen so um, dass ich mir viele Aufgaben stelle, die ich zu erledigen habe, die mich als Mensch weiter bringen entweder auf körperlicher oder spiritueller Ebene. Aber das beste Mittel für Einsamkeitsgefühle ist immer noch das Beitreten in neue Vereine. Fang einen neuen Sport an, melde dich als freiwilliger Helfer für Obdachlose oder Kranke. Denn Anderen zu helfen ist ein unglaublich effektives Mittel gegen Einsamkeit und Depression.

29.12.2017 13:10 • #2


Danke für deine Antwort.

Also den Grund warum er das gemacht hat, den kann ich nur erahnen weil er hat ihn mir nicht gesagt. Er hat ja auch als alle schon wussten ( seine Familie und gemeinsame Freunde ) das sie zusammen sind es immer noch geleugnet.

Kurz vor der Trennung ist bei mir Zöliakie festgestellt worden. Ich habe jahrelang darunter gelitten und habe mich natürlich falsch ernährt. Das war auf jeden Fall schwierig für die Beziehung. Ich vermute nun das es ihm zu anstrengend war, weil es leider auch ne Zeit noch gedauert hat bis ich alles umgestellt habe und sich mein Körper davon erholt hat....

Ja ich gebe dir recht das nicht nur er schuld war. Ich konnte nichts gegen meine Gefühle machen und habe mich dazu sehr manipulieren lassen durch ihn, weil er wusste genau welche Knöpfe er drücken musste...

Das mit meiner besten Freundin belastet mich sehr weil ich sie seit 20 Jahren kenne und wir schon vieles erlebt haben.

Wie hast du das geschafft ohne Therapeuten ?

29.12.2017 13:21 • #3


Okay schade, dass er nicht ehrlich war und dir den Grund oder Gründe genannt hat. Ist nicht sonderlich erwachsen von ihm..

Ja Zöliakie ist anstrengend, eine Freundin von mir hat das leider auch. Ich glaube nicht, dass deine Zöliakie ausschlaggebend war für seine Entscheidung, es wird eher etwas in die Richtung Unzufriedenheit in der S.ualität, das Gefühl von eingeengt sein oder was auch immer gewesen sein.

Das mit deiner besten Freundin kann ich mir nicht erklären..

Naja ein Therapeut macht am Ende nichts anderes, als dir neue Ansichten zu geben und dein Verhalten anzupassen, sodass du auf Reize anders reagierst. Ich erkläre das immer gerne anhand folgendem:
Alles was wir als Mensch tun, alle unsere Wünsche, Trauer und desgleichen rührt aus einem der zwei Gründe: Entweder um Schmerzen zu vermeiden oder um Wohlbefinden zu gewinnen. All unser handeln basiert auf diesem Prinzip.
Das Problem dabei ist nur, dass wir lieber kurzfristiges Wohlbefinden bevorzugen als langfristiges, welches erstmal mit Schmerzen verbunden ist. Ein Beispiel hierfür wäre: Du hast eine Idee für ein Geschäft, aber es würde dich sofort 25000 Euro kosten, dieses zu gründen, das schreckt 99% der Menschen ab, da sie hier Schmerzen im Sinne von Geldverlust sehen, anstelle des Profits, den man nach einer gewissen Zeit und Arbeit erwirtschaftet. Dementsprechend gründen 99% das Geschäft nicht. Das hat rein etwas mit dem Bezug zu tun, womit wir Menschen eben Schmerzen oder Wohlbefinden definieren. Das schöne bei diesen Gefühlen ist, man kann sie auf alles andere anwenden und umprogrammieren. Hast du jemals was super gerne gemacht und es hat dir viel Freude bereitet und dann 10 Jahre später würdest du dir lieber in die Hand beißen, als diese Tätigkeit nochmal zu machen, obwohl du sie damals so gerne gemacht hast?
Das ist ein einfaches Beispiel dafür, wie man seinen Kopf(in diesem Fall unterbewusst) umprogrammiert hat und plötzlich Schmerzen mit etwas verbindet obwohl man vorher Wohlbefinden damit verbunden hat.

Der erste Schritt zum umprogrammieren findet in deinem aktiven Bewusstsein statt, denn dein Unterbewusstsein löst deine Depression aus. Das Kennst du wahrscheinlich selbst, dir geht es eigentlich ganz gut, bis auf einmal Gedanken und Trauer irgendwie tief aus dir an die Oberfläche strömen und dich vollkommen überwältigen. Man ist plötzlich nicht mehr Herr seiner Gedanken und Gefühle. Der erste Schritt zur Besserung ist da, das aktive Gegenlenken der aktiven Gedanken. Du musst dir in deinem aktiven Bewusstsein immer positiv zureden, komme was wolle. Sprich dir kommen all die schlechten Gedanken hoch, dann konzentrierst du dich auf alles wofür du dankbar bist im Leben und ja, der Grund am leben zu sein ist auch ein Grund. Du musst alle neuen Dinge wie Sport, zureden, positive Gefühle verstärken etc. für mindestens 30 Tage am Stück konsequent durchziehen, erst dann werden sie in deinen Alltag und dein Unterbewusstsein integriert.

Und du musst am Beheben der Ursache arbeiten. In deinem Fall ist die Ursache, das unglücklich sein was Beziehung mit Partner und Freunden angeht. Das mit den Freunden lässt sich leichter beheben, aber das mit der Beziehung braucht leider Zeit. Da hilft wie ich schon beschrieben habe einen anderen Fokus zu finden. Etwas neues durch das du dich definieren kannst, dass kann deine Arbeitsziele sein, Freizeitaktivitäten, Hilfsakitivitäten etc.

Ich hoffe ich hab mich nicht irgendwo verquasselt

29.12.2017 15:30 • x 1 #4





Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser