11

Life95

20
15
Hey, ich bin schon länger am überlegen ob ich Antidepressiva nehmen soll bzw. mir verschreiben lassen soll. Ich war immer der Meinung, dass man darauf verzichten sollte. Auch, weil man ja so oft negatives hört. Dennoch hat sich die letzten Monate meine Ansicht geändert. Bin da jetzt offener für. Ich weiß auch, dass es viele gibt, die ohne Antidepressiva nie aus der Depressionen rausgekommen wären. Deshalb kann man das immer nur schwer pauschalisieren. Wollte mal wissen wie eure Erfahrung so mit Antidepressiva ist. Wie lange habt ihr sie eingenommen bzw. nehmt ihr sie schon ein? Welche Nebenwirkungen? Wie ist das absetzen? Hattet ihr positive oder negative Erfahrungen damit?

20.08.2018 16:29 • 15.09.2018 #1


18 Antworten ↓


Iro-Nie


941
334
Morgens Citalopram - abends Mirtazapin.

Habe sie gut vertragen, keine Nebenwirkungen, Ausschleichen kein Problem.
Die Einnahme dieser Medikamente lag nur bei einigen Monaten. Wie es bei Langzeiteinnahme aussieht, weiß ich nicht.

20.08.2018 17:02 • #2


Kmart

Kmart


64
3
44
Zitat von Life95:
Auch, weil man ja so oft negatives hört.?




Und da wären wir auch schon beim Problem. Wer erzählt denn Negatives? Es gibt ein paar renormierte Wissenschaftler/Ärzte, die die Wirkung anzweifeln, aber das gibt es bei auch bei Krebs, Impfungen usw. Ca. 99% der Gegner von Medikamenten sind Verschwörungstheoretiker, mit deren Intellekt keine Diskussion nötig ist, oder Scharlatane, die irgendeinen Hokuspokus verkaufen wollen und die ach so böse Pharmaindustrie schlecht reden.

Wenn wir bei den Fakten bleiben: In der klinischen Praxis hilft das Zeug etwa 2/3 aller Patienten, manche müssen eine Weile suchen, bis sie etwas für sich haben. Nebenwirkungen sind selten und wenn dann nur kurzfristig. Ausnahmen gibt es immer.

Meine Erfahrung: Habe über 12 Jahre 4 verschiedene ADs benutzt, hochdosiert teilweise und wieder abgesetzt. Hatte nie Nebenwirkungen, keinen Ärger beim Absetzen. Die Wirkung ist so: Es hat mich nie geheilt, es gab auch immer Phasen, in denen es mir schlecht ging. Aber: Das war kein Vergleich zu vorher. Vorher lag ich rum, konnte NICHTS machen und die Gedanken drehten sich im Kreis. Auf ADs hatte ich Antrieb und die Gedanken waren nicht mehr da. Schlecht ging es mir noch, aber ich glaube, da muss man auch selbst was ändern. Und als ich das getan hatte oder die Ursache weg war, gings mir besser und zwar so gut wie seit langem nicht mehr.

24.08.2018 21:41 • x 2 #3


BellaM85


3704
15
1358
Hi!
Wenn es dir nicht gut geht, du dauerhaft irgendwie eingeschränkt bist in deinem Leben wegen deiner Ängste, Depressionen usw dann würde ich sie nehmen warum auch nicht. Du musst sie ja nicht für immer einnehmen sondern erstmal eine zeitlang. Du wirst irgendwann merken wenn es dir besser geht und dann kann man auch wieder absetzen. Ich hab das damals auch so gemacht hab das auch ein Jahr genommen und es hat mir geholfen. Wenn es mir heute wieder so schlecht gehen würde, würde ich sie auch wieder nehmen.
Diese Theorien das man gegen das Zeug ist, finde ich ist Quatsch. Dann dürfte man auch keine Herz Medikamente, Verhütungsmittel usw nehmen wird auch alles hergestellt!

LG und alles Gute?

25.08.2018 09:39 • x 1 #4


Icefalki

Icefalki


14465
11
11375
Ich denke, manchmal liegt es auch daran, dass die Einnahme von Antidepressiva die Krankheit offiziell machen, etwas, das man doch gar nicht haben will. Gleichzeitig, da man sich ja eh in einem Ausnahmezustand befindet, Angst davor hat, was nun wieder so passieren könnte. Und wenn das nicht hilft, man vermeintlich keine Alternativen mehr hat.

Meine Erfahrung war durchweg positiv. Hätte ich mir mal früher helfen lassen, wäre mir jahrzehntelanges Leiden erspart geblieben.

Ich hab die Dinger ca. 4 Jahre eingenommen. Ausschleichen ging dann in Etappen, mal genommen, mal nicht und raus waren sie. Hab aber sehr viel therapeutisch an mir gearbeitet.

Und sollte wieder ein Rückfall kommen, kannst du sicher sein, dass ich sofort wieder damit beginne. Bin immer noch beim Psychiater in Behandlung, seit 14 Jahren und das bleibt auch so. Nie wieder in diesem Elend versinken, dafür tu ich alles.

25.08.2018 10:21 • x 1 #5


Ana-A303


Meine Erfahrungen mit bereits 7 verschiedenen AD's waren keine Besserung. Im Gegenteil, bei einem ganz bestimmten ging es mir richtig schlecht. Bei den anderen habe ich nichts gemerkt außer Nebenwirkungen. Deshalb ziehe in Betracht, etwas Pflanzliches zu versuchen in der Hoffnung, dass es dann etwas besser wird. Jeder muss seine eigenen Erfahrungen damit machen.

25.08.2018 10:47 • #6


ichliebekuchen

ichliebekuchen


675
468
Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen, durch die Psychotherapie ist so viel Mist in mir hoch gekommen, mir ging es so schlecht, das ich teilweise stundenlang nur geweint habe. Das war eindeutig kein Leben mehr, zumal Vollzeit Nachtdienst und drei Kinder.
Bin dann vom Psychiater eingestellt worden ( Sertralin) und innerhalb von ein paar Wochen ging es mir DEUTLICH BESSER.

Will nicht übertreiben aber die SSRI's haben mit das Leben gerettet und ich bin dankbar, das es so gute Medikamente gibt!

25.08.2018 10:54 • x 2 #7


Carpediem75


52
13
4
Zitat von Ana-A303:
Meine Erfahrungen mit bereits 7 verschiedenen AD's waren keine Besserung. Im Gegenteil, bei einem ganz bestimmten ging es mir richtig schlecht. Bei den anderen habe ich nichts gemerkt außer Nebenwirkungen. Deshalb ziehe in Betracht, etwas Pflanzliches zu versuchen in der Hoffnung, dass es dann etwas besser wird. Jeder muss seine eigenen Erfahrungen damit machen.


Hallo Ana
Ich habe mir das auch schon oft gedacht aber pflanzliches kommt ja nicht an ein AD ran.. Ich weiß nicht wie tief deine Depressionen sind aber bei mir sind sie trotz AD noch sehr präsent.... Es ist schwer...
Lg
Nicole

25.08.2018 11:00 • x 1 #8


Carpediem75


52
13
4
Zitat von ichliebekuchen:
Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen, durch die Psychotherapie ist so viel Mist in mir hoch gekommen, mir ging es so schlecht, das ich teilweise stundenlang nur geweint habe. Das war eindeutig kein Leben mehr, zumal Vollzeit Nachtdienst und drei Kinder.
Bin dann vom Psychiater eingestellt worden ( Sertralin) und innerhalb von ein paar Wochen ging es mir DEUTLICH BESSER.

Will nicht übertreiben aber die SSRI's haben mit das Leben gerettet und ich bin dankbar, das es so gute Medikamente gibt!


Hallo,
Darf ich fragen wieviel sertralin du nimmst?
Ich bin bei 75mg und die depressiven Phasen kommen leider immer wieder
Lg
Nicole

25.08.2018 11:02 • #9


Ana-A303


Zitat von Carpediem75:

Hallo Ana
Ich habe mir das auch schon oft gedacht aber pflanzliches kommt ja nicht an ein AD ran.. Ich weiß nicht wie tief deine Depressionen sind aber bei mir sind sie trotz AD noch sehr präsent.... Es ist schwer...
Lg
Nicole


Hallo Nicole,
ja, das ist es leider. Denke, das muss man einfach ausprobieren...meine sind schon seit vielen Jahren da (seit 1997) mal mehr, mal weniger, momentan sehr viel mehr, aber durch eher körperliche Beschwerden..ich versuche, einen anderen Weg zu finden.

25.08.2018 11:33 • #10


aldia249

aldia249


1478
11
766
Zitat von Life95:
Hey, ich bin schon länger am überlegen ob ich Antidepressiva nehmen soll bzw. mir verschreiben lassen soll. Ich war immer der Meinung, dass man darauf verzichten sollte. Auch, weil man ja so oft negatives hört. Dennoch hat sich die letzten Monate meine Ansicht geändert. Bin da jetzt offener für. Ich weiß auch, dass es viele gibt, die ohne Antidepressiva nie aus der Depressionen rausgekommen wären. Deshalb kann man das immer nur schwer pauschalisieren. Wollte mal wissen wie eure Erfahrung so mit Antidepressiva ist. Wie lange habt ihr sie eingenommen bzw. nehmt ihr sie schon ein? Welche Nebenwirkungen? Wie ist das absetzen? Hattet ihr positive oder negative Erfahrungen damit?

Hey, ich denke auch, man darf eine Einnahme auf keinen Fall pauschalisieren und pro/contra, allein deshalb nicht, weil es auch auf Art und Dosierung des ADs ankommt.
Was spricht den der Arzt bei dir, was es denn werden soll?
Ich nehme seit 2016 Valdoxan 25mg und Trimipramin 4mg. Sind beide sehr niedrig dosiert. Mir gehts super damit und naher denk ich mir "don't change a running system". Hab auch keine Nebenwirkungen.

25.08.2018 11:39 • #11


ichliebekuchen

ichliebekuchen


675
468
Hallo Nicole, hab mit 50 mg angefangen und bin dann schrittweise hoch auf 200 mg. Hab insgesamt 18 Monate 200 mg genommen.
Mein Psychiater hat sich zwar gewundert, das ich so hochdosiert Sertralin vertrage aber ok ( bin 1,59 groß und wiege 56, ich glaube, die Faustregel ist 1 mg pro Kilo Körpergewicht?)
Hat mir super geholfen!
Als Notfall Medikament hab ich Tavor genommen, auch immer 2,5 mg, weniger hat mir auch nichts gebracht, keine Ahnung, warum ich nur so hochdosiert klar komme

25.08.2018 11:41 • #12


Kmart

Kmart


64
3
44
Zitat von Carpediem75:
Hallo,
Darf ich fragen wieviel sertralin du nimmst?
Ich bin bei 75mg und die depressiven Phasen kommen leider immer wieder
Lg
Nicole




Das ist auch nicht ungewöhnlich. Die allerwenigsten nehmen einfach eine Pille und sind wieder happy. Warst du schon in Therapie? KVT oder sowas? Medikamente halten dich vom Abgrund fern, aber in die grünen Wiesen kommst du nur, wenn deine Ursachen beseitigt sind. Bei war es unter ADs wie ein "normaler" Mensch, der schwere Zeiten durchmacht. Aber ich konnte zumindest aufstehen, essen usw.

25.08.2018 15:20 • x 1 #13


DepriMan

DepriMan


38
4
14
Hallo,

ich nehme seit einigen Tagen Citalopram und merke schon jetzt, dass meine Suizidgedanken nicht mehr vorherrschend sind und ich bis jetzt auch nicht mehr heulen muss wie die Tage davor. Mach dich nicht von negativen Berichten abhängig - wenn Antidepressiva helfen, dann ist es doch gut.

10.09.2018 11:24 • x 1 #14


Chillangel

Chillangel


518
3
345
Ich hatte Trimipramin wegen absoluten Schlafmangels, und das ging auch einigermaßen; dennoch waren die Nebernwirkungen scheußlich, es schien mir wie die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Pillen sind wegen der meist durchschlagenden Neben- und Nachwirkungen keinesfalls eine Daueroption. Will sagen, dass Medikamente zunächst zwar helfen können, aber sie bleiben Krücken, sind nicht das gleiche wie das normale Leben. Dennoch können sie als vorübergehende Krücken im Notfall hilfreich sein.

13.09.2018 15:31 • x 1 #15


zWo3

zWo3


128
1
95
@Chillangel

Deine Antwort ist nur bedingt richtig, das weist du glaub ich auch selbst oder? Jemand der Diabetes hat braucht sein Insulin, wieso sollte man da von einer vorübergehenden Krücke sprechen? Ebenso gibt es genügend Leute die Probleme mit der Schilddrüse haben? Auch diese Menschen müssen zum teil ihr Lebenlang "Pillen" nehmen.

Und genauso gibt es Menschen die ein Lebenlang AD's nehmen müssen weil Sie sonst einfach nicht "Lebensfähig" sind. Und auch nicht Funktionieren. Bitte versteh das.

Daher finde ich deine Aussage zu Pauschalisiert.

Ansonsten AD's sind eine Hilfe wenn man Sie annehmen kann. Leider wirkt jedes bei jedem Menschen anders. Da heist es nur Probieren.. Probieren.

Die Medikamente als Teufelszeug zu betiteln wie es viele Menschen tun ist schlichtweg Naivität und Dummheit gepaart mit Sturheit.

Wünsche allen nur das beste.

Lg

15.09.2018 10:54 • #16


Chillangel

Chillangel


518
3
345
ZWo3

Stimmt. Es sollte auch gewiss nicht diejenigen verunglimpfen, die ohne derartige Medikamente nicht können. Ich kann es derzeit ja selber nicht.

LG, CA

15.09.2018 11:01 • #17


aldia249

aldia249


1478
11
766
Zitat von Chillangel:
Ich hatte Trimipramin wegen absoluten Schlafmangels, und das ging auch einigermaßen; dennoch waren die Nebernwirkungen scheußlich, es schien mir wie die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Pillen sind wegen der meist durchschlagenden Neben- und Nachwirkungen keinesfalls eine Daueroption. Will sagen, dass Medikamente zunächst zwar helfen können, aber sie bleiben Krücken, sind nicht das gleiche wie das normale Leben. Dennoch können sie als vorübergehende Krücken im Notfall hilfreich sein.

Man sollte das nicht pauschalisieren. Ich nehme aktuell 2 Medikamente auf extrem niedriger Dosierung und das mittlerweile auch über Jahre. Ich habe keinerlei Nebenwirkungen oder sonstige Einschränkungen. Ich schlafe gut und genehmige mir auch gerne ein Glas Rotwein am Abend. Meine Lebensqualität ist ziemlich gut. Das liegt natürlich nicht nur an den Medikamenten aber doch unterstützen sie das natürlich.
Warum sollte ich darauf verzichten?
Edit:
Upps seh grad... das war genau der Beitrag 2 über mir.. wurde mir gerade mobil irgendwie nicht angezeigt

15.09.2018 11:17 • #18


Chillangel

Chillangel


518
3
345
@aldia249

Schon gut. Ich habe mich unglücklich ausgdrückt und damit auch zu pauschal.

Man kann das natürlich noch detaillierter ausführen, und ich denke auch, man sollte unterscheiden:
Manche Medikamente muss man lebenslang nehmen, da hat man kaum eine Wahl - das gilt z. B. für sonst nicht einstellbaren Bluthochdruck.
Andere wie Kopfschmerzmittel würde niemand durchgängig über lange Zeit einnehmen wollen - und vermutlich auch nicht können, ohne seinen Organen zu schaden.

Psychomedikamente - das gilt wohl für Antidpressiva und auch für niederpotente Neuroleptika - in extrem niedriger Dosis und das über Jahre, ohne sie je heraufsetzen zu müssen, dagegen hätte ich sicher nichts einzuwenden. Ich selbst bin aber auf Höchstdosis, und da kann ich für mich auch nicht mehr von guter Lebensqualität sprechen.

Das Reizwort "Krücke" werde ich für Medikamente in Zukunft vermeiden; ich hätte besser von einem "Behelf" gesprochen, der möglichst vorübergehend sein sollte - vor allem eben bei Benzos, die sich zur Dauereinnahme ja nicht eignen.

LG

15.09.2018 12:05 • x 1 #19



Univ.-Prof. Dr. med. Isabella Heuser


Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag