neko

531
10
(find es ja ganz prickelnd in dieser phase dann mal diesen schönen "medikamente, pfui"-thread zu lesen )

weil... nach einem noch grauenvolleren wochenende... angst, trotz begleitung und weinen und richtig schön in mir gefangen zu sein, trotz aussprechen - bin ich mittlerweile auf dem level, dass ich richtig ernsthaft überlege, mir antidepressiva verschreiben zu lassen.

ich hab noch nie richtig arge medikamente genommen - meine notfallsberuhigungstabletten auch nur 2x je ne halbe in langer zeit...

aber jetzt... fühlt sich der ganze berg leben so unschaffbar an. und ich hab angst, wenn das so weitergeht, was dann mit mir passiert.


also diejenigen, die nicht nur mit der angst zu kämpfen hatten - wollt ihr mir ein wenig von eurer ad-erfahrung erzählen? nebenwirkungen, wirkungen, erfolge?

bitte!

28.02.2011 08:24 • 28.02.2011 #1


2 Antworten ↓


Söckchen


Hi Neko,
fast 8 Jahre habe ich mich gegen Medikamente gewehrt und immer damit begründet, "es" ohne Medikamente schaffen zu müssen, da sie ja die Ursache nicht behandeln. Außerdem habe ich echte Angst vor Abhängigkeit.
2009 ging es mir dann so übel, bin bei der Therapeutin zusammen geklappt, es ging nichts mehr! Sie brachte mich dann zur Hausärztin und beriet mit ihr was ich für Medikamente bekommen könnte. Einzig mein Willen nichts zu nehmen, wo das Suchtpotenzial bekannt ist war ungebrochen! So bekam ich mein erstes Medikament...
Nachdem ich mit der konstanten Gewichtszunahme nach etwa 10 Wochen sehr unzufrieden war, bekam ich ein anderes Medikament verschrieben. Davon brauchte ich 1 einizige Tablette um mit allen Nebenwirkungen ins Krankenhaus gebracht zu werden.
Also ließ ich mich nur noch auf das mir bekannte und gut vertragene Medi ein...keine weiteren Versuche mehr...
Dieses habe ich bis Dezember 2010 genommen, und hatte zu keiner Zeit wirklich den Eindruck das sie mir helfen. Habe einige Kilos zugenommen, die mir dann deutlichst zuviel wurden, habe noch immer nicht besser geschlafen, Depressionen wurde auch nicht besser und mein Radius mit Ängsten vor die Türe zu gehen wurden immer kleiner.
Seit nun etwa 2 Monaten bin ich wieder frei von Medikamenten, war im Kopf abhängig von Ihnen, denn das Absetzten verbarg manche Rückschläge, so das ich immer wieder welche nahm. Bis ich es echt satt war...und sie weggeschmissen habe!

Dies ist meine Erfahrung zu Medikamenteneinnahme, es hätte mir helfen können, doch mein Weg soll ohne Medikamente sein. Wenn Du das Gefühl hast es auszuprobieren zu wollen, dann lasse Dich von Deinem Arzt beraten, stelle alle Fragen die Du dazu hast, bemerke Deine Befürchtungen etc.pp.

28.02.2011 10:06 • #2


Christina

Christina


2931
4
3
Hi Neko,

meine Medikamentenerfahrungen sind durchaus positiv, mindestens aber nicht negativ. Als erstes AD habe ich Citalopram (später Cipralex) ausprobiert, das mir leider nicht geholfen hat. Aber außer etwas Übelkeit am Anfang und generellem Libidoverlust hatte ich keinerlei nennenswerte Nebenwirkungen. Nach fünf Monaten habe ich es ohne Probleme ausgeschlichen.

Dann hatte ich wieder eine medikamentenfreie Phase, unterbrochen von Versuchen mit Opipramol. Das wirkte sedierend, senkte aber auch meinen Blutdruck. Ich war damit dauermüde und schlapp, hatte gleichzeitig einen Pulstreiber (so dass ich nicht schlafen konnte) und die angstlindernde Wirkung war nicht berauschend (immerhin vorhanden). Antidepressiv wirkt Opipramol sowieso nicht. Kann man aber ausprobieren, weil man es auch bedarfsweise nehmen kann.

In einer schlimmen Phase mit hoffnungslosen Angstzuständen, Grübeleien und Depressionen habe ich mich mit meiner Neurologin dann auf einen Versuch mit Trevilor (Wirkstoff Venlafaxin) geeinigt. Ich habe es ganz vorsichtig eingeschlichen (sollte man auch) und sehr langsam die Dosis bis auf die Standarddosis erhöht. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass einem innerhalb einer halben Stunden nach dem Schlucken der ersten Tablette so schlecht werden kann... Für alle Fälle hatte ich aber Domperidon für den Magen, so dass sich das gut abfangen ließ. In den folgenden Tagen besserte sich das, die Einschleichwirkungen waren zwar da, aber wirklich in einem erträglichen Rahmen. Bei den Dosissteigerungen kamen sie etwas schwächer immer mal wieder. Verstärktes Schwitzen als Nebenwirkung hat sich mehrere Monate gehalten. Libido (anfangs komplett weg) hat sich auf niedrigem Niveau wieder eingestellt. Und jetzt mal zu den positiven Effekten bei mir: Schon die erste Tablette hat die Grübeleien und damit verbundenen Angstzustände abgebogen. Selbst wenn ich mich darauf konzentriert habe, hat mein Hirn nicht mehr in diese Gedankenspirale "reingefunden". Es hat sich für mich also wirklich gelohnt. Gewichtsmäßig hat sich bei mir übrigens mit keinem der ADs was verändert.

Für "Notfälle" habe ich zu Hause (und in der Handtasche) Benzodiazepine. Die halte ich für angebrachter als ADs, wenn man zwar immer mal wieder "Krisen" hat, aber die dauerhafte Grundstimmung okay ist. Setzt natürlich voraus, dass man so mit den Dingern umgeht, dass man sich nicht in die Abhängigkeit/Sucht hinein manövriert.

Zitat von neko:
find es ja ganz prickelnd in dieser phase dann mal diesen schönen "medikamente, pfui"-thread zu lesen
Lass dich davon nicht verrückt machen. Wenn du die Beiträge liest, siehst du ja, dass es i.d.R. nicht vernünftige Überlegung und rationales Abwägen sind, die zur Medikamentenverweigerung führen, sondern Angst (vor Wirkungen und Nebenwirkungen sowie vor Kontrollverlust) und mangelnde Sachkenntnis. Und manchmal muss man sich auch fragen, was genau diejenigen, die "es ohne schaffen", denn ohne (bisher) geschafft haben. Wenn das weniger ist als ein normaler Alltag, lohnt es sich m.E. nicht unbedingt, es ihnen nachzumachen.

Last but not least: Das Nervigste an der AD-Einnahme ist, dass man u.U. eine Weile suchen muss, bis man eines gefunden hat, das bei akzeptablen Nebenwirkungen die gewünschte Hauptwirkung hat. Das kann eine ziemliche Durststrecke werden. Und wegen möglicher Einschleichwirkungen solltest du immer beim Arzt darauf bestehen, dass er dir gegen diese Nebenwirkungen etwas dazu verschreibt.

Liebe Grüße
Christina

28.02.2011 15:49 • #3



Dr. med. Andreas Schöpf