Pfeil rechts
2

Hi zusammen,

schön, dieses Forum gefunden zu haben.

Will mich erstmal kurz vorstellen. Bin 34, weiblich, voll berufstätig...und habe anscheinend Beziehungsangst, die jetzt immer wieder zu Depressionen, Verliebtheitsräuschen und dann wieder zu grausamen Liebeskummer-Phasen geführt hat.

Meine Beziehungsstory:

- Erste große Liebe mit 17. Unglaublich verliebt, er war alles für mich, er war natürlich "etwas was ganz Besonderes". Waren erst zwei Jahre nur befreundet, dann hatte ich einen anderen Freund und da biss ER endlich an. Wir waren dann drei Jahre zusammen, die Beziehung scheiterte dann aber an seinen extremen sexuellen Vorlieben, mit denen ich nicht umgehen konnte. Unter größten Qualen und mit vielen Schuldgefühlen habe ich mich von ihm getrennt, ich bin vor Liebeskummer fast eingegangen, musste ein Semester an der Uni pausieren, bekam eine stressbedingte Hautkrankheit, sprich, ich war echt fertig.

- In dieser Phase begann die Beziehung mit meinem nächsten Freund, ein sehr liebevoller und fürsorglicher Mensch, an den ich mich in dieser schwierigen Zeit unendlich geklammert habe. Teils aus Liebe, teils aus Dankbarkeit vielleicht. Wir waren elf Jahre zusammen, aber ich habe immer versucht, ihn sehr aggressiv auf Abstand zu halten, war phasenweise aber auch enorm anhänglich. Als ich mit ihm zusammengezogen bin, bekam ich erstmal eine tiefe Depression, die ich aber erst im Nachhinein als Reaktion auf das Zusammenziehen sehe. Ich hatte immer Angst "nicht genug Raum und Zeit" für mich zu haben. Eigentlich wollte ich ein eigenes Zimmer in der Wohnung, aber er hat das abgelehnt und mich als "unpartnerschaftlich" bezeichnet. Er war immer zu dicht an mir dran, saß neben mir, wenn meine Freundinnen zu Besuch waren, hat nicht kapiert, was ein "Mädelsabend" ist...ich bekam irgendwann keine Luft mehr. Ich bin zwar nie fremdgegangen, fantasierte aber immer von einer "freien Liebe" mit anderen Männern. Trotzdem genoss ich auch die Nähe zu ihm und fühlte mich sehr, sehr abhängig von ihm. Als ich die 30 überschritten habe und immer mehr Freunde von uns heirateten und Kinder bekamen, packte mich vollends die Panik und ich verschwand mehr oder weniger in einer Nacht- und Nebelaktion. Ging für eine Weile in eine andere Stadt, wo ich weiter für meine Firma arbeiten konnte. Dann kehrte ich nicht mehr in die gemeinsame Wohnung zurück, obwohl ich diese Wohnung und das Leben mit ihm immer als "mein Zuhause" gesehen habe. Ich war hin- und hergerissen und hatte immer das Gefühl, dass ich "die Böse" bin und er "der Gute". Das alles wollte ich hinter mir lassen, aber auch seine Lebensvorstellungen (Haus, Kinder) waren mir einfach zu konventionell. So ein vorgefertigter Lebensweg schnürt mir alles ab.

- Ich habe noch einige Monate viel versucht, wollte ein Paartherapie vorschlagen, aber da war nichts zu machen bei ihm. Seitdem bin ich Single, habe ein neues Leben mit eigener Wohnung begonnen und fühle mich besonders mit dem Alleinwohnen relativ wohl, aber es gibt auch Abende, die ich mit Zig. und Alk. verbringe, weil irgendwas sich dann eben doch nicht gut anfühlt...

- Nach einem Jahr dann eine neue Bekanntschaft. Der tollste Typ, den ich mir nur vorstellen kann, er ist einfach DER MANN. Aber leider (auch) beziehungsunfähig, hatte seit zehn Jahren keine längere Beziehung mehr, hat versehentlich ein Kind gezeugt, konnte sich aber nicht zu der Beziehung mit dieser Frau entschließen, alles sehr kompliziert...Natürlich ist er aber unendlich faszinierend und auf seine unkonventionelle Art sehr liebenswert, er hat das Herz am rechten Fleck, so krass das alles auch klingen mag. Wir hatten ein paar Monate einen Mix aus Sexbeziehung und respektvoller Freundschaft und als ich das Gefühl hatte "jetzt sind wir doch eigentlich zusammen", war er von jetzt auf gleich weg, beendete alles mit einer SMS! Ich war am Boden zerstört. Dann näherten wir uns wieder an, aber er besteht darauf, dass er nicht verliebt sei, nur fühlt es sich oft halt anders an. Meine Vernunft sagt mir, dass das nie was wird, dass er nicht zu ändern ist und eigentlich macht, worauf er Lust hat. Sex, kühle Distanz, sehr freundschaftliche Gespräche, mal wieder Sex...und dann gibt es auch Treffen, da ist er so mies drauf und distanziert, dass ich mich frage, was überhaupt noch sein Beweggrund ist, mich zu sehen. Aber ich liebe ihn so sehr. Ich KANN nicht aufhören zu hoffen, dass doch noch was aus uns wird. Ich habe ihn lieber IRGENDWIE in meinem Leben, als gar nicht. Und hoffe ständig, einen Zugang zu ihm zu finden.

- Während dieser Zeit habe ich versucht, auch für andere Männer aufgeschlossen zu sein, hatte hier und da mal Sex oder auch mal ein Date mit einem "lieben netten Mann mit ernsthaften Absichten". Auf Romantik reagiere ich aber geradezu allergisch, wenn jemand zu nett zu mir ist und ich Erwartungen wittere, packe ich den Dolch aus. Es ist mir selbst unheimlich, wie hart und gemein ich dann werden kann, wie ich sogar nach einem ersten Date schon das Bedürfnis habe, hinterherzutreten und unnötige Dinge zu sagen. Ich gebe mir eigentlich Mühe, offen zu bleiben, aber an IHN kommt einfach keiner ran.

Familiengeschichte: Ich bin ein absolutes Nesthäkchen, extrem viel jünger als meine Schwestern. Ich habe meiner Mutter nicht in den Kram gepasst, was ich nur unterschwellig mitbekommen habe. Ich war der Sargnagel für ihre Freiheit. Sie hätte sich aus der Ehe mit meinem Vater lösen können und war auch nicht glücklich. Meine Schwestern waren beide schon Teenager...kein schlechter Zeitpunkt also für den Absprung - und dann kam ich. Ich habe meine Eltern nicht nur unglücklich erlebt, aber meine Mutter wurde immer abhängiger von meinem Vater, er hat sie furchtbar eingeengt und kontrolliert, sie konnte sich in keiner Hinsicht entfalten, nicht sie selbst sein.

Da ich seit zwei Jahren Therapie mache, habe ich vieles schon erkannt und analysiert. Im Kopf.
Problem ist nur: In meiner Gefühlswelt kommt das nicht an.
A) Komme ich nicht von dem Mann los, den ich so liebe, der mir aber keine Perspektive gibt.
B) Macht mir der Gedanke an eine klassische, feste Beziehung mit viel Nähe einfach nur PANIK
C) Kommt mir jetzt aber leider die tickende biologische Uhr in die Quere
D) "Eigentlich" wünsche ich mir ganz dringend einen Mann in meinem Leben und könnte vor Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit manchmal halb eingehen, tu aber andererseits nichts dafür, eine normale, stabile Beziehung anzustreben.

Es fühlt sich alles so verfahren an... ich bin traurig.

Viele Grüße
Eure Tigerin

18.04.2014 21:13 • 19.04.2014 x 1 #1


2 Antworten ↓


das ganze ist sehr verstrickt, verstrickt vorallem weil du gar nicht weist was du willst...................also doch, den mann, der selber beziehungsangst hat, noch stärker als du, viel stärker....so, was bringt dir das jetzt? nix....jemand der noch stärker mit solchen ängsten verbunden ist als du, ist gift.....du hast schon genug damit zu kämpfen..du brauchst jemand der dich auffangen kann. kann er das? nein...er hat selber genug probleme...loslassen? schwierig aber machbar...

es gibt auch nicht klassische beziehungen...evtl. mit bindungsängstlichen menschen..die aber so reflektiert sind, dass sie dir gut tun....ist das der andere den du liebst? abgesehen davon, wer schreibt vor was richtig und was falsch ist. hollywood...? genau

deine uhr..nun gut...bis 40 geht das....willst du ein kind? stell kein kind vor deine ängste..das geht schief...erst du...das wär nicht fair für ein kind..

eine normale beziehung ist ein ziel, aber wohl innert nützlicher frist nicht zu erreichen...was wäre wenn die nächsten 10 jahren dies nicht möglich ist? du aber die zeit für dich nutzen könntest zum dich entwickeln und nachzuerwachsenwerden...nicht böse gemeint...die angst ist was von früher...dieses früher darf älter werden...und das braucht zeit...

es ist ein sehr langer weg....geh ihn...

19.04.2014 01:23 • x 1 #2


Hallo Bilbo,

danke für deine Antwort.

Du hast recht, es ist wirklich sehr vertrackt. Meine Therapeutin plädiert auch dafür, dass ich "erstmal zu mir selbst finden" soll, bevor ich ein Kind riskiere oder mich weiter in diese permanenten Männergeschichten verstricke. In vielen Lebensbereichen, vor allem was soziale Kontakte und mein Selbstbewusstsein im Beruf angeht, hat sich in der Therapie auch unendlich viel getan.

Aber das Thema "Beziehung zu Männern" ist meine Achillesverse geblieben und nun geht die Therapie leider unweigerlich zu Ende.

Ich weiß halt nicht, wie dieses "zu mir selbst finden" genau aussieht. Oder wie du sagst "mich entwickeln" und "erwachsen werden" (ist schon ok . Da sagst du schon was Wahres. Mein Nickname "Tigerin" ist ein Traum. Eigentlich bin ich ein Tigerbaby, das zwar um sich kratzt und wild ist, aber im tiefsten Herzen eben doch ein bedürftiges Kind ist.

Das mit dem Kind kann ich nicht locker sehen. Es ist eine Erfahrung, die ich gerne machen würde und ich empfinde das auch ganz biologisch. Ich merke eine Art "biologischen Fortpflanzungsdrang", etwa seit einem Jahr. Und ich würde mir diesen Mann, den ich liebe, auch als Vater wünschen. Womit er interessanterweise auch kein Problem hätte, auch wenn er keine Beziehung will. Das kommt auch noch dazu. Der Köder hängt vor meiner Nase. Du hast absolut recht: ich sollte das Kind nicht vor meine Ängste stellen. Aber ich habe das Gefühl, nicht mehr gelassen auf den "richtigen Zeitpunkt" warten zu können und habe Angst, dass Kinderlosigkeit der Preis werden könnte, den ich für meine Macken zahlen muss. Auf der anderen Seite ist ein Kind natürlich die krasseste Bindung überhaupt. Da gibt's dann kein Zurück und natürlich versetzt mich auch das in Panik. Einmal war es wirklich haarscharf an der Kante. Als ich dann auf meine Tage gewartet habe, schwankte ich zwischen Sehnsucht und dem Wunsch, dass es passiert sein könnte... und völliger Panik. Also das gleiche in grün. Wie bei den Männern.

Du meinst, eine "normale Beziehung" sei innerhalb "der Frist" nicht zu erreichen? Hilfe, wieso das denn... Mir wäre ja auch eine nicht-klassische Beziehung am liebsten. Viel Freiheit, viel Distanz...aber trotzdem mit einem "ich liebe dich" und einem "ich habe vor, bei dir zu bleiben". Ich dachte auch, das wäre mit dem jetzigen Mann, den es da "irgendwie" in meinem Leben gibt, möglich. Aber er hat glaube ich zu viel Angst, dass ich das nicht ganz ernst meine und ich ihn doch "fangen" will.

Ja, mich von ihm lösen ... glaub mir, meine Freundinnen und meine Therapeutin bearbeiten mich in dieser Hinsicht wie die Verrückten. Ich weiß es auch, aber es geht nicht. Ich liebe diesen Menschen voll und ganz und möchte mir nicht ausmalen, wie es ist, wenn es da zu einem völligen Bruch kommt. Diese Wochen, diese Monate...ich habe es letztes Jahr ja ansatzweise schon erlebt und konnte den Kopf kaum mehr über Wasser halten. Und das soll ich selbst anzetteln? Der Gedanke ist mir so unmöglich und ich reagiere auch sehr böse und bockig, wenn mir das jemand vorschlägt. Auch auf meine Therapeutin werde ich dann richtig wütend, obwohl ich weiß, wie kindisch und beknackt das ist.



Tigerin

19.04.2014 09:41 • #3




Dr. Reinhard Pichler