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Sunrise7
Mitglied

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Hi,
Ich bin 18 Jahre alt und verlobt.
Ich leide seit Jahren an Zwangsgedanken. Sie kommen immer wieder, und lassen nicht nach. Als ich 14 Jahre alt war, hatte ich ständig die Angst zu sterben, habe ständig Panikattacken bekommen und litt unter Angstzuständen. Dann hat es paar Jahre nachgelassen. Jetzt bin ich glücklich verlobt und es kommen Gedanken, das ich mein Freund betrogen habe, ich habe große Angst. Ich erzähle ihm auch alles was ich denke und er versteht das und vertraut mir. Ich kann mir aber selbst nicht vertrauen und empfinde immer mehr Hass für mich selber. Ich fühle mich schlecht wenn ich eine männliche Person Grüße, anlächle, oder wenn ich mich unterhalte. Da ich in einem Wohnheim wohne versuche ich jeder männlichen Person aus dem Weg zu gehen, nicht zu grüßen, nicht zu schauen, weil mir sonst schlimme, manchmal sexuelle Gedanken in den Kopf kommen und für mich alles fremdgehen ist. Danach vertiefe ich mich in diese Gedanken und glaube langsam daran das ich meinem Freund mit jemandem fremd gegangen bin. Zurzeit habe ich den krankhaften Gedanken das ich ihn mit meinem Direktor fremdgegangen bin, und ich hab immer das Gefühl ich sollte Bestätigung suchen und andere Leute oder die betroffenen Leute fragen weil ich sonst keine Ruhe bekomme.
Ich liebe meinen Verlobten sehr und möchte ihn nicht verlieren. Mein einziger Wunsch ist es die Gedanken und Ängste loszuwerden und aufhören mich selbst so sehr zu hassen.

08.12.2025 x 1 #1


9 Antworten ↓


Somatom
hey Sunrise - ich kenne Zwangsgedanken von früher.

Das Problem ist wirklich man kann nicht aufhören zu denken, je mehr du das willst, desto stärker werden die Gedanken. Auch wenn es komisch ist, versuche die Gedanken Gedanken sein zu lassen und hör auf dich dagegen zu wehren und ich verspreche dir sie werden weniger.

Es gibt so ein typisches Therapiebeispiel: denke einmal nicht an einen rosaroten Elefanten. Das geht nicht, jeder stellt sich einen rosaroten Elefanten vor.

Bist du in Therapie?

x 1 #2


A


Zwangsgedanken Angst vor Fremdgehen

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Abendschein
Bevor das alles weiter ausufert, würde ich eine Therapie machen.

x 2 #3


M
Zitat von Sunrise7:
Da ich in einem Wohnheim wohne versuche ich jeder männlichen Person aus dem Weg zu gehen, nicht zu grüßen, nicht zu schauen, weil mir sonst schlimme, manchmal sexuelle Gedanken in den Kopf kommen und für mich alles fremdgehen ist.

Willkommen @Sunrise7 !

Das ängstliche Vermeiden des Blickkontaktes schafft den Nährboden für (vermeintlich) schlimme bzw. sexuelle Gedanken: Die Vermeidung erzeugt ein Vakuum, eine Weder-noch-Bubble, die Raum bietet für Spekulationen jeglicher Art. Somit wird also genau das Gegenteil von Sicherheit erreicht - nämlich Unsicherheit durch Ungewissheit.

Bewusst Kontakte zu ermöglichen und dabei zu lernen, dass derlei Kontakte absolut ungefährlich sind, verhindert das oben beschriebene Vakuum.
Zitat von Sunrise7:
Danach vertiefe ich mich in diese Gedanken und glaube langsam daran dass ich meinem Freund mit jemandem fremd gegangen bin.

Was man oft im Geist erwägt, dahin neigt sich der Geist. Dies ist einer der Grundmechanismen des Denkens und somit auch des zwanghaften Denkens. Im Gegensatz zu Zwangshandlungen (die idR auf Zwangsgedanken basieren) ist das Vermeiden von Zwangsgedanken noch schwieriger. Dabei muss man aber bedenken, dass auch ihnen der Nährboden entzogen werden kann. Man arbeitet also in der Therapie nicht direkt an den Zwangsgedanken sondern am Milieu derselben. Eine Milieuarbeit besteht insbesondere darin, dass man (echte!) Erlebnisse ermöglicht, die imstande sind, das Denken (und damit das Zwangsdenken) grundsätzlich zu regulieren. Beispiel siehe oben (Blickkontakt zu Nachbarn).
Zitat von Sunrise7:
Zurzeit habe ich den krankhaften Gedanken das ich ihn mit meinem Direktor fremdgegangen bin, und ich hab immer das Gefühl ich sollte Bestätigung suchen und andere Leute oder die betroffenen Leute fragen weil ich sonst keine Ruhe bekomme.

Ein Klassiker der Zwangsmechanismen: Das Auf- und Entladen des Konfliktes - die Gedanken erzeugen den Konflikt, das Reden darüber entspannt ihn. Betroffene müssen verstehen, dass die Inhalte der Konflikte zweitrangig sind. Maßgeblich für den Erhalt des Zwangs ist das hier im Beispiel beschriebene Auf und Ab: Wo kein Konflikt, da keine (notwendige) Konfliktlösung, da kein Zwang.
Du musst diesen Mechanismus verstehen! Mit diesem Verständnis während eines laufenden Konfliktes (und dessen Lösung) relativiert sich Deine Eingebundenheit in das jeweilige Thema. Du wirst Betrachter des Konfliktes und bist nicht mehr Teil oder gar Opfer des Konfliktes.

Zitat von Sunrise7:
Ich liebe meinen Verlobten sehr und möchte ihn nicht verlieren. Mein einziger Wunsch ist es die Gedanken und Ängste loszuwerden und aufhören mich selbst so sehr zu hassen.

Wer sich selber hasst kann notwendigerweise keinen anderen lieben - er kann höchstens abhängig von ihm werden und das ist keine Basis für eine Partnerschaft. Wer sich hasst, kann sich nicht vorstellen, dass er von jemand anderem geliebt wird.
Problem: Der zwanghafte Geist integriert Beziehung/Partnerschaft in den Zwangskreislauf. Dabei wird der Partner nach und nach ein Zwangsobjekt. Das gilt es, frühzeitig zu verhindern und ihn hierüber aufzuklären.

Das Therapieren von Zwängen kannst Du ambulant oder stationär machen, wenn Du meinst, Hilfe zu brauchen. Ich an Deiner Stelle würde mich zuerst selber um das Verständnis von Zwängen generell bemühen. Je besser Du sie selber verstehst, umso schwächer werden sie. Zu beachten ist jedoch: Kein Mensch ist vollständig frei von Zwängen. Wir müssen Dinge tun und denken, sonst funktionieren wir auf Dauer nicht. Allerdings gibt es eben Auswüchse, die schlicht unangemessen und somit pathologisch werden. Wer zu übermäßigen Zwängen neigt, muss nach meiner eigenen Erfahrung lebenslang achtsam bleiben - aber nicht ängstlich. Letztlich haben wir es stets im Griff, sofern wir denn wollen.

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S
@Somatom
Hi, danke für die Antwort.
Nein ich bin nicht in Therapie, da ich vergeblich schon ein halbes Jahr auf ein Therapieplatz warte, auch die Krankenkasse hat versprochen zu helfen, was aber im Endeffekt nicht so gewesen ist. Deswegen Versuche ich mir irgendwie selber zu helfen, das klappt aber nicht

#5


F
Wenn du deinen Verlobten liebst, dann heißt das noch lange nicht, dass du nur reine Gedanken zu deinem Mann hast. Es ist ganz natürlich, dass auch andere Männer für dich sexuell attraktiv erscheinen. Versuche nicht diese Gedanken zu verdrängen und als etwas Schlechtes aufzufassen, denn genau das ist ein Zwang gegen dich selbst und gegen dein natürliches Empfinden. Du wirst abwägen, dass dir dein Freund mehr wert ist, weil es mit ihm eine dauerhafte Beziehung gibt und ein stabiles Vertrauensverhältnis. Versuche locker mit dir und deinen Gedanken umzugehen, nichts Dramatisches darin zu sehen und das Positive an deinen Mann zu erkennen.

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S
@Ferrum danke dir, das war sehr hilfreich

x 1 #7


Fravely
@Sunrise7
Gab es in deiner Kindheit einen sexuellen Missbrauch?

#8


S
@Fravely nein , gab es nicht

#9


Fravely
@Sunrise7
Okay, das mit den sexuellen Zwangsgedanken, Panikattacken, Angstzuständen usw. hörte ich schon mal in diesem Bezug.

x 1 #10


A


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