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anna violetta

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Hallo ihr Lieben,

ich habe einige Fragen. Und ich sage gleich zu Beginn: BITTE macht mir keine Vorwürfe, so à la "Du bist doch noch viel zu jung", "Geh arbeiten", "Hör auf zu vermeiden" etc. ...

Kurz meine "Eckdaten":
Ich werde im November 30 Jahre alt. Habe seit meiner frühen Kindheit eine Panikstörung, generalisierte Angststörung, immer wiederkehrende Depression, Derealisation/ Depersonalisation.
In den vergangenen 4 Jahren war ich 4 Mal in stationärer Behandlung (allein dieses Jahr 3 Mal) und habe ambulante Therapie gehabt (muss aktuell "aussetzen" wegen der Krankenkasse).
Seit Dezember 2014 bin ich von der Krankenkasse ausgesteuert und im Januar 2016 läuft mein ALG I aus...
Frage: Was kommt dann? Stehen mir überhaupt noch irgendwelche finanzielle Hilfen zu?
Ich bin weiterhin arbeitsunfähig und werde in naher Zukunft wohl auch nicht wieder arbeiten gehen können.
Eigentlich bin ich als Hausfrau ja soweit zufrieden und mein Mann verdient nun nicht so schlecht, als dass wir verhungern würden... aber: Ich will ja schon auch etwas zum Lebensunterhalt beitragen.
Arbeitet jemand von euch von zuhause aus?
Wenn ja, in welchem Bereich?
Was denkt ihr, in welchem Job könnte ich (selbstständig) was machen, wenn ich wieder stabiler bin.
Bzw.: Wer von euch ist auch schon so lange arbeitsunfähig wie ich (mittlerweile fast 2 Jahre)?
Und was passiert, wenn mein ALG I im Januar 2016 ausläuft?
Muss ich dann jetzt ALG II beantragen?
Oder würdet ihr an meiner Stelle Rente beantragen?
Ich weiß, ich bin noch jung und bei dem Wort Rente denkt man ja eher an Menschen älteren Alters, die schon viel geleistet haben... Aber ich meine all meine Fragen wirklich ernst und hoffe so sehr, dass mir hier möglichst viele Menschen ehrliche Antworten geben können... Und bitte antwortet auf die Fragen und verurteilt mich nicht, weil ich in meinen junge Jahren schon über Rente nachdenke...

Vielen Dank schonmal.
Eure Anna

16.10.2015 08:08 • 30.10.2015 #1


18 Antworten ↓


rainbow2

rainbow2


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Anna ich kann Dir nur sagen Rente heißt raus aus allem ...und das ist schlimm ...meine Meinung ...ich würde versuchen etwas zu machen ..

16.10.2015 08:13 • x 1 #2


Luna70

Luna70


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Hast du dich schon mal mit dem Thema Erwerbsminderungsrente befasst? Es gibt dafür Voraussetzungen, du musst bestimmte Beitragszeiten erfüllt haben usw.

Hier ist ein Link:

http://www.deutsche-rentenversicherung. ... faelle.pdf

Soweit ich weiß, wird ohnehin nach einer gewissen Zeit wieder geprüft, ob du noch erwerbsunfähig bist. Es ist nicht so, dass die Rente einmal bewilligt wird und dann für immer gezahlt wird. Von daher ist es keine Entscheidung fürs ganze Leben, den Antrag zu stellen. Ich denke, es ist egal ob du 30 oder 50 bist. Diese Rente ist vorgesehen, wenn man keinen Beruf ausüben kann. Ob man nun relativ früh oder erst nach vielen Jahren erwebsunfähig wird, hat man sich ja nicht so ausgesucht. Allerdings ist diese Rentenhöhe wirklich sehr gering, zum Leben reicht das nicht. Wenn dein Mann Einkommen hat, wirst du ALG II vermutlich nicht bekommen, sein Einkommen wird ja angerechnet.

Du musst dich nicht dafür entschuldigen, dass du nicht arbeiten kannst. Ist das in deiner Umgebung die Meinung, man müsste sich nur mal "zusammenreißen", dann wird das schon? Es kommt mir so vor, als würdest du denken du musst dich rechtfertigen. Hier im Forum musst du das ganz sicher nicht. Die Leute hier wissen doch, wie es ist.

16.10.2015 08:32 • #3


Heller_Wahnsinn

Heller_Wahnsinn


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Sehe es genauso wie Anna violetta, Rente ist, wenn wir ehrlich sind, Ende der Fahnenstange, es sei denn, man wäre im rentenüblichen Alter, rüstig und fit und gesegnet mit einen Selbstbewusstsein ob der vielen vielen Arbeitsjahre, die man auf der Uhr hat. Dann mag Rente kein Abstellgleis sein sondern etwas, was man genießen kann und wo man das Gefühl hat, es sich verdient zu haben. Aber für einen jungen Menschen hat es doch etwas von einem Offenbarungseid, der Einsicht, ich krieg's nicht gebacken. Wenn man jetzt mit Leib und Seele Hausfrau ist, Haus und Garten versorgt, 3 Kinder großzieht und überall ehrenamtlich tätig ist, dann wird sich dieses unangenehme Gefühl der Nutzlosigkeit auch nicht einstellen.

Bei mir ist es so, dass ich mir auch nicht mehr wirklich zutraue, in einem Team zu arbeiten, weil ich die zwischenmenschlichen Spannungen einfach nicht mehr kompensieren kann, und Spannungen gibt es überall, genauso, wie praktisch überall Teamplayer gefragt sind, der ich nun mal nicht bin und auch nie sein werde. Daher habe ich in der Zeitung inseriert und meine kaufmännische Ausbildung plus Fremdsprachenkenntnisse angepriesen. Neben ein paar dubiosen Anrufen kam aber auch einer, der seriös erschien, und seitdem, es ist inzwischen über 5 Jahre her, arbeite ich auf Minijob-Basis von zu Hause aus, erledige Bürokram für eine Mini-Firma. Das sind ein paar Stunden in der Woche, und das Geld dafür kann ich für meine Wünsche ausgeben, da mein Mann inzwischen auch gut verdient.

An Selbständigkeit solltest Du eher weniger denken, denn das ist etwas, was schon gesunde und stabile Menschen ordentlich belastet. Da Du nicht schreibst, was Du für eine Berufsausbildung hast, kann man Dir auch nicht so gut raten. Ein Heimjob bietet sich vor allem dann an, wenn man eine kaufmännische Ausbildung hat oder irgendwas mit IT, je nachdem, was Du kannst. Was Du auf jeden Fall bedenken solltest: Wenn Du Dich in ein Arbeitsverhältnis begibst, solltest Du auch in der Lage sein, die Anforderungen zu erfüllen. Kein Arbeitgeber möchte unzuverlässige Mitarbeiter, auch wenn diese von zu Hause arbeiten. Zwar kann keiner was für seine psychische Erkrankung, aber der zukünftige Arbeitgeber kann noch viel weniger dafür, und es ist nur fair, einen Job anzustreben, in dem man auch die erforderliche Leistung erbringen kann. Sonst fällt man nicht nur anderen zur Last, die mehr arbeiten müssen für die eigenen Fehlzeiten, man tut sich auch selbst keinen Gefallen damit.

Falls es Dir eher darum gehen sollte, wieder aus der Aussteuerung der KK herauszukommen um sie wieder in Anspruch nehmen zu können, dann mußt Du sozialversicherungspflichtig arbeiten und auch in die KK einzahlen, ich glaube mindestens ein Jahr.

16.10.2015 08:37 • #4


anna violetta

anna violetta


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Ich danke euch für all eure Antworten, vor allem dir, Luna70!

Noch ein paar Infos zu mir: Ich habe Abitur, eine Ausbildung zur Lacklaborantin (2005- 2008) und bin Sozialpädagogin (Studium Soziale Arbeit 2008-2011). Schon da ging es mir so schlecht, aber ich hatte immer das Gefühl, ich muss das ja machen...
Von 2011 ab habe ich dann nur als Erzieherin gearbeitet, bis Ende 2013, wo dann einfach gar nichts mehr ging...
Ich meine, hey, so als Hausfrau habe ich auch echt viel zu tun und ich mag es wirklich, Hausfrau zu sein.
Aber Luna, du hast vollkommen recht... ich denke, ich muss mich rechtfertigen... Mein Mann steht hinter mir- Gott sei Dank... aber bei meiner Mutter, bei meiner Schwester, bei vielen vielen Mitarbeitern in den Kliniken hatte und habe ich das Gefühl, ich muss mich rechtfertigen, dass ich nun schon so lange arbeitsunfähig bin und dass, obwohl ich "ja noch sooo jung" bin...

Ich sehe es aber auch so wie du, Heller_Wahnsinn: "Wenn Du Dich in ein Arbeitsverhältnis begibst, solltest Du auch in der Lage sein, die Anforderungen zu erfüllen. Kein Arbeitgeber möchte unzuverlässige Mitarbeiter, auch wenn diese von zu Hause arbeiten. Zwar kann keiner was für seine psychische Erkrankung, aber der zukünftige Arbeitgeber kann noch viel weniger dafür, und es ist nur fair, einen Job anzustreben, in dem man auch die erforderliche Leistung erbringen kann. Sonst fällt man nicht nur anderen zur Last, die mehr arbeiten müssen für die eigenen Fehlzeiten, man tut sich auch selbst keinen Gefallen damit."


Wo soll ich denn bitte eine Arbeit anfangen, wo ich dann in der ersten Woche mal z.B. nicht kommen kann oder auf der Arbeit vor lauter Angst nur noch unkonzentriert bin...?! So war das ja bei meiner Stelle als Erzieherin... ich war dort nur noch ängstlich und damit beschäftigt, mir nichts anmerken zu lassen... Das hat mir so unglaublich viel Kraft gekostet... Und ich habe NICHTS, wirklich gar nichts mehr auf die Reihe bekommen...

Ich bewundere alle Menschen, die arbeiten gehen und ihrem Alltag tagtäglich voller Kraft hinbekommen.
Aber ich schaffe das nicht. Ich bin nicht "so". Ich bin halt anders...

Was macht ihr so als Beruf?

Viele Grüße und danke nochmal für eure Antworten!

Anna

16.10.2015 11:57 • #5


lisi29

lisi29


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Hallo Anna Violetta,

ich habe eine Freundin mit Depressionen, sprich, sie kann zwischenzeitlich auch nicht arbeiten. Jetzt ist sie schon seit über einem Jahr daheim, will aber wieder was machen und hat jetzt natürlich Angst, wie das dann wird, falls es ihr wieder schlechter gehen sollte.

Sie hat sich dann bei der Arbeitsagentur erkundigt und wohl erfahren, dass es Betriebe/ Unternehmen gibt, die gezielt auch Leute mit derartigen Erkrankungen einstellen.

Heißt also, dass zumindest eine Art "Betreuer" im Unternehmen über deine Krankheit Bescheid weiß und man somit auch nicht unter diesem großen Druck steht, nicht aufzufallen oder auf gar keinen Fall daheim bleiben zu können, wenn es einem schlecht geht.

Ich weiß jetzt leider nichts Genaueres, weil wir das Thema nur mal angeschnitten haben.
Vielleicht kannst du dich ja dahingehend mal erkundigen, wenn das interessant für dich wäre.

Liebe Grüße,
Lisi

16.10.2015 12:13 • x 1 #6


EhemaligerUser


Hallo!

Vielleicht würde Dir die Arbeit in einem anderen Bereich,z.B. Büro o. Einzelhandel ja mehr liegen bzw. weniger Angst machen.
Könntest Du dir das vorstellen?

Gruß
phagophobie

16.10.2015 13:19 • #7


Luna70

Luna70


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Ich hatte noch den Gedanken, vielleicht könntest du dich als Tagesmutter registrieren lassen und zuhause Kinder betreuen. Würdest du dir das zutrauen? Das müsste ja nicht für ganze Tage sein, viele Mütter suchen auch Betreuung für ein paar Stunden nach Kindergartenschluss, bis sie selbst nach Hause kommen.

16.10.2015 13:38 • #8


Vintage Flocke


Arbeit von daheim aus : TS
Meine ich ernst.

Habe vor 2 Wochen die Erwerbsminderungsrente beantragt. Mit 36 Jahren. Allerdings habe ich neben den 7 psychiatrischen Diagnosen auch körperliche Erkrankungen.

16.10.2015 13:40 • #9


anna violetta

anna violetta


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Danke für all eure lieben Ideen und Vorschläge.
Das Problem ist, dass ich überfordert wäre als Tagesmutter. Mein Mann hat 2 Kinder, und ich habe zu wenig Energie für die Arbeit mit Kids und dann mit Kids im privaten Bereich noch.
Einzelhandel oder Büro ist ja auch schei. für mich, weil ich da ja auch wieder mit Menschen/ Kollegen/ Chefs zu tun habe. Ich komme auf sowas einfach nicht klar... ;(

Vintage Flocke: Wo hast du den Antrag gestellt?
Persönlich irgendwo oder wohin hast du deinen Antrag geschickt?

Liebe Grüße, Anna

16.10.2015 13:49 • #10


Vintage Flocke


Man macht dafür einen Termin bei der Deutschen Rentenversicherung in der eigenen Stadt. Da bekommt man alles gesagt was zu tun USt.

16.10.2015 13:56 • x 1 #11


anna violetta

anna violetta


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Danke, Vintage Flocke. Das werde ich dann nächste Woche mal in Angriff nehmen.

17.10.2015 07:54 • #12


anna violetta

anna violetta


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So, letzte Woche hatte ich einen Beratungstermin wegen der Rente.
Und am 18.12. habe ich einen Termin in meiner Stadt im Rathaus, um dann den Antrag für die Rente zu stellen.
Ich bin ja gespannt...
Halte euch auf dem Laufenden.

LG. Anna

30.10.2015 08:56 • #13


dont_panic

dont_panic


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Mir ist noch nicht ganz klar, WOZU du überhaupt die Rente beantragen willst ?
Wird dann nicht auch der Verdienst des Mannes angerechnet, so daß eh nichts übrig bleibt ?

Zitat von anna violetta:
aber: Ich will ja schon auch etwas zum Lebensunterhalt beitragen.

Ist es bei der Rente nicht eher der Staat, der etwas zum Lebensunterhalt beiträgt ?

Soll kein Vorwurf sein, aber warum konzentrierst du dich nicht lieber auf diese Geschichte mit der Heimarbeit, da gibt es doch bestimmt Möglichkeiten...

30.10.2015 09:14 • #14


Vintage Flocke


Viel Erfolg.
Erst einmal ist es ein Haufen Bürokratie.
Tip: nimm alles an medizinischen Unterlagen mit das deine Erkrankung beweist. Wurde nach Lücken im Rente Verlauf geguckt?

30.10.2015 09:14 • x 1 #15


dont_panic

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Zitat von anna violetta:
... aber bei meiner Mutter, bei meiner Schwester, bei vielen vielen Mitarbeitern in den Kliniken hatte und habe ich das Gefühl, ich muss mich rechtfertigen, dass ich nun schon so lange arbeitsunfähig bin und dass, obwohl ich "ja noch sooo jung" bin...


Ich bin gerade noch über diesen Satz gestolpert.
Wenn das dein Antrieb ist, könnte es dann nicht nach hinten losgehen ?
Denn unter Umständen wird dir dann nicht nur vorgeworfen, daß du nicht arbeiten gehst / gehen kannst, sondern auch noch, daß du ihnen "auf der Tasche liegst" !

30.10.2015 09:26 • #16


Vintage Flocke


Beantrage bitte nicht die Rente wenn du dir nicht zu 150 % sicher bist. Es ist echt n Kampf. Dazu gehört Rechtfertigung und das Aushalten von Häme und Unverständnis.

Kannst du wirklich nicht mehr als 3 Stunden daheim arbeiten?
Hast du alles an Therapien ausgeschöpft?

30.10.2015 10:24 • #17


anna violetta

anna violetta


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Ich würde die Rente nicht beantragen, wenn ich arbeiten könnte.

An Therapie habe ich alles ausgeschöpft, was ging und was geht.

30.10.2015 10:55 • #18


anna violetta

anna violetta


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dont_panic: Nein, bei der Rente wird der Verdienst meines Mannes nicht mit angerechnet.

30.10.2015 10:56 • #19




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