Zitat von Linus42:Meine Güte, habe ich ein Drecks Leben....Es geschieht nichts Schönes
So lieber Linus,
vielleicht brauchst Du auch einfach mal einen Tritt in den Allerwertesten. Ich kenne Dich nicht, ich kenne Deinen bisherigen Lebensweg nicht.
Glaub mir, ja, das ist eine doofe Zeit. Und dass deine Mama wieder ein Durchgangssyndrom hat ist auch doof.
Aber Du scheinst Dich permanent im Tal der Tränen zu befinden und auch in jedem Post, in dem es mit deiner Mutter bergauf geht befindest Du dich wieder drin. Der Satz, den ich oben zitiert habe, finde ich schlicht weg nicht fair. Vielen vielen Menschen auf der Welt und vielleicht sogar in deiner nächsten Umgebung gegenüber.
Deine Mutter hatte ENORM viel Glück. DU hattest ENORM viel Glück. Deine Mutter ist sehr schnell von Intensiv auf Normal und von Normal in die Reha gekommen. Deine Mutter hat überlebt. Ohne Schäden. Du bist gesund. Sie ist sonst auch gesund. Du hast eine Arbeit (und wenn sie dich so nervt, such dir eine, die weniger nervt! Du bist erwachsen und kannst das jederzeit tun). Du hast Geld für Essen und ich gehe davon aus, dass Du auch ein Dach über dem Kopf hast. In Deinem Leben passieren jeden Tag wundervolle Sachen (zum Beispiel wenn Du wieder aufwachst und immernoch gesund bist, immernoch unter der warmen Bettdecke liegst, immernoch genug Geld hast, um Dir ein Frühstück zu machen, Deine Mutter immernoch in der Reha ist und nicht wieder auf Intensiv oder schlimmeres). Mit all diesen Dingen hast Du ENORM viel und ENORM viel Glück, das alles zu haben. Und alles andere ist beeinflussbar. Wenn Du deine Arbeit doof findest: Steh auf und such Dir eine andere! Wenn ich es richtig verstandene habe, scheinst Du sehr qualifiziert zu sein und einen tollen Lebenslauf zu haben. Wenn Du doof findest, dass Du keine Partnerin und nicht genug Freunde hast: Geh raus! Lerne Leute kennen! Wenn Du meinst, Du bist dazu nicht in der Lage: Überdenke, ob Du Dir auf andere Weise helfen lassen solltest als jetzt (vielleicht eine andere Art der Therapie? Eine Tagesklinik? Mal vorübergehend Medikamente?).
Und ein gutgemeinter allgemeiner Tip: Informiere dich ein bisschen über Achtsamkeit. Und praktiziere sie.
Vielleicht würde es Dir auch helfen, dich in Bereichen zu engagieren, wo Menschen Hilfe brauchen. Mit Flüchtlingen. Mit verwaisten Angehörigen. Mit schwerkranken und sehr armen Menschen.
Das mag hart klingen, aber es macht mich immer wieder wütend, wenn Menschen sagen, sie haben nix und alles ist schlecht. Meine Eltern arbeiten beide in der Notaufnahme eines Kopfklinikums. Motorradunfälle, Hirntumore, Schlaganfälle, Kopfschüsse. Sie haben uns immer gesagt, wenn ihr nicht dankbar sein, was ihr seid und habt, kommt mal mit uns zur Arbeit. Das hat geholfen.
Ich war gestern auf der Beerdigung meiner Freundin. Sie hatte Brustkrebs. Zwei Mal schon. Zweimal Chemo, OPs und Bestrahlungen. Sechs Jahre lange. Diagnose unmittelbar nach der Geburt ihrer kleinen Tochter, die jetzt 6 wird. Zwei mal galt sie als Krebsfrei. Am 28.2. war sie zur Nachsorge und man hat ihr gesagt, der Krebs ist zurück. In der Brust, in den Lymphknoten, in den Knochen, in der Leber. Man kann nichts mehr machen, genießen sie ihr Leben. Eine Woche später ist sie in ihrem letzten Urlaub mit Freunden verstorben. Mit 41. Ihr Mann, 34 Jahre alt, sitzt jetzt allein da mit der kleinen Tochter. Nur mal so als kleine Anregung...
Vielleicht denkst Du in einer ruhigen Minute mal darüber nach, was Du vielleicht doch alles hast und findest deinen Frieden mit dir selbst...