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Liebe Psychic Gemeinde!
Hier ist es also: meine Vorstellung, mein Werdegang, mein Untergang. Ich möchte diesen Beitrag nutzen um mich kurz vorzustellen, um mir selbst aufzuzeigen was passiert, autobiografisch. Ich habe keine Erwartung an Antworten, vielleicht erkennt sich jemand wieder, vielleicht kann jemand objektiv die schwere meiner Probleme einschätzen oder mir raten was zu tun ist. Es wird etwas länger da ich ganz vorne anfange.

Ich bin 36, verheiratet, habe 2 wunderbare Töchter, einen guten Job, keine Geldsorgen. Alles super. Fast.

Mein Leben:

Ich bin bei meiner Mutter aufgewachsen. Sie litt unter starken Depressionen und war stark Alk..
Rückblickend wäre ich sicher ein Fall gewesen wo das Jugendamt hätte eingreifen müssen, das ist aber leider nie passiert. Obwohl meine Mutter nüchtern sehr liebevoll war und ich sie sehr geliebt habe hat der Alk. meine ganze Kindheit zerstört. Ich war als Grundschulkind bereits größtenteils auf mich allein gestellt. Nach der Schule war meine Mutter bereits so voll Schnap., dass sie schlief. Die Wohnung war verwahrlost, die Zeit geprägt von wechselnden Geschlechtspartner, Selbstmordversuchen meiner Mutter und täglichen Alk.. Die wenigen Phasen wo sie es schaffte mal ein paar Wochen nicht zu trinken schlug ihr Zwangsverhalten in übersteigertes Putzen um. Es wurde alles klinisch gereinigt. Der Backofen auseinandergeschraubt um ihn zu reinigen, der Toilettentopf abgeschraubt um !darunter! zu putzen. Ich musste woanders schlafen um nichts dreckig zu machen. Nicht selten wurden diese Phasen dann von einem Alk. unterbrochen. Ich stand also als Kind vor der Situation, dass meine Mutter besoffen auf der Couch geschlafen hat und ich tagelang ohne feste WC-Schüssel / Backofen klarkommen musste.
In den wachen Phasen meiner Mutter hörte Sie dann stundenlang so laut Depri-Musik, dass uns vom Vermieter der Strom abgestellt wurde. Es war schon hart.
Das ganze direkte Leid war schon belastend, schlimmer war jedoch fast, dass wir in einem kleinen Dorf von Bessergestellten gewohnt haben. Da meine Mutter oftmals torkelnd den Dorfkiosk besucht hat der unmittelbar an meiner Grundschule der Anlaufpunkt meine Schulfreunde war und es oftmals zu Kontakten kam führte mich damals in eine gewissen soziale Isolation. Ich entwickelte zur Kompensation bereits damals gewisse Verhaltensauffälligkeiten die man heute wohl als ADS zusammenfassen würde. Habe als Kind diverse Selbstmordversuche meiner Mutter miterlebt, habe sie in geschlossenen Einrichtungen besucht ein ständiges Auf und Ab.
Mein Vater hat sich nie richtig für mich interessiert, glücklicherweise hatte ich eine tolle Oma bei der ich viel Zeit verbracht habe, und die sicher auch der Grund ist warum ich ein halbwegs normaler Mensch und kein Junkie oder Asozialer geworden bin.
Mit 16 Jahren hat meine Mutter was mit ihrem Schwager angefangen ist eine Stadt weiter gezogen und hat mich in unserem Dorf in der heruntergekommenen Wohnung sitzen gelassen. Da sie keine Miete/Strom mehr gezahlt wurde die Wohnung geräumt und ein Großteil meiner Besitztümer durch den Vermieter entsorgt. Das was man mit 16 Jahren als nötigste betrachtet (Computer, Anziehsachen) habe ich gerettet und bin dann bei meiner Oma untergekommen. Kurz darauf habe ich meine Frau kennen gelernt, bin zu ihr gezogen und habe mein eigenes Leben selbst in die Hand genommen. Den Kontakt zu meiner Mutter habe ich abgebrochen. Im Laufe der Jahre hat sie sich ab und zu mal bei meinem Vater gemeldet oder Briefe geschrieben. Mal aus irgendwelchen Therapien heraus später sogar aus den Gefängnis weil sie einen ihrer wechselnden Partner mit einem Messer angegriffen hat. Ich habe den Kontakt jedoch nicht erwidert. Einige Jahre später (meine erste Tochter war geboren) hat sie meinen Vater angerufen und erfahren, dass Sie mittlerweile Oma ist, sie hat angefangen zu weinen. Das war das letzte Lebenszeichen von ihr. Wieder Jahre später haben wir durch einen Interneteintrag einer Pfarrgemeinde erfahren, dass sie verstorben ist. Der Sterbezeitpunkt lässt sich mit dem letzten Telefonat vereinbaren. Ich denke sie hat sich damals umgebracht.

Zwänge

Mein Leben lief ungehindert weiter. Vor der Geburt meiner Tochter war eigentlich alles in Ordnung, ich bemerkte jedoch dass ich ähnliches Zwangsverhalten beim Putzen entwickelte wie damals meine Mutter. Es schlichen sich Zwangsverhalten und Kontrollzwänge ein. Ich musste stundenlang den Tisch abputzen, 2 Rollen Zewa pro Tag verbauchen. Dinge immer wieder anheben um darunter nochmal abzuwischen. Ich war und bin ein ziemlicher Computerfreak / Zocker. Ich schraubte jeden Tag meinen Computer auf um zu schauen ob alles in Ordnung ist, da ich befürchtete irgendwelche Minibauteile könnten von der Platine abgebrochen sein. Hörte ich ein Knacken in der Wohnung dachte ich Oh nein etwas ist in meinem PC abgebrochen. Ich schraubte ihn wieder auf um alles mit der Taschenlampe zu kontrollieren. Insbesondere Elektronik hob ich hoch um sie zu schütteln / zu drehen weil ich hören wollte ob dort Bauteile lose seien.
Schon ziemlich freakig aber nicht so belastend, dass es für mich und meine Frau nicht zu ertragen gewesen sei.
2004 ist meine geliebte Oma an Krebs verstorben, nein jämmerlich zu Grund gegangen. Im Alter von 66 Jahren. Sicherlich auch ein Schlüsselmoment für mich.
2011 wurde meine erste Tochter geboren. Der Putzzwang war schnell Geschichte. Es gab nun wichtigeres im Leben. Stundenlang Fingerabdrücke von Tischen zu wischen bei einem kleinen Baby was alles vollsabbert war dann nicht mehr drin. Der Putz / Kontrollzwang verschwand fast vollständig. Es schlug in etwas viel schlimmeres um, in etwas was mir fast meine Lebenskraft und -freude rauben sollte;
Meine Krebsangst
Seit 2011 leide ich unter einer massiven Krebsangst. Ich sehe den Grund sicherlich in der Geburt meiner Tochter. Ich besitze nun etwas so wunderbares, das erste Mal etwas wirklich lebenswertes, das schürt meine Angst zu sterben / Leid über mich und die Familie zu bringen.

Es folgten zahlreiche Krebsbefürchtungen vereinzelt auch andere Krankheiten, wobei ich sagen muss, dass mich normale Krankheiten nur insofern ängstigen wie es auch rational normal ist. Bei Krebs ist die Angst aus dem Ruder gelaufen. Ich denke seit 10 Jahren jeden Tag an Krebs. Morgens beim aufwachen, Abends beim einschlafen. Auf Konzerten, auf Feiern. Ich denken Wie kann ich hier sitzen und lachen, wo ich doch wahrscheinlich einen Tumor habe Es ist nur schwer auszuhalten.
Komprimiert hier meine bisherigen Krebse sowie Behandlungen:
Hautkrebs (13x), Sarkom im Bein, Nagelmelanom, Prostatakrebs(2), Hodenkrebs(2x), Leukämie, Lymphdrüsenkrebs, Nebenhodenkrebs(15x), Darmkrebs(2x), Speicheldrüsenkrebs(3), Tumor Kieferhöhle, Tumor Gaumen, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Hirntumor, Tumor hinter dem Auge, Aderhautmelanom, Tumor Haarfolikel, Ziliakörpermelanom (Auge), Diverse weitere, spezielle Hauttumorarten, Noduläre Melanome, weisse Hautkrebse, Fibrosarkome, Blasenkrebs, Knochenkrebs, Hepatitis (2x), Tumor in Niere. Tumor Oberarm (war ein gutartiger Tumor, ein Pseudosarkom)
Wenn ich so überlege fehlt eigentlich nur die Lunge, dann hätte ich alles durch.
2017 war ich wegen Hirntumor / Hepatitisverdacht bei einem Internisten. Dieser verschrieb mir Opipramol, welches ich seitdem nehme. Leider nur unregelmäßig. Trotz der kleinen Dosierung haut mich das Medikament sehr raus, ich bin dann immer sehr müde.

Die Befürchtungen werden alle von diversen Selbstuntersuchungen, täglichen Vergleichsfotografien und Googlerecherchen begleitet. Ich lese wissenschaftliche Arbeiten, studiere Behandlungswege. Fotografiere am Tag teilweise hunderte Male meine Augen / Muttermale. Lege Verlaufsfotostrecken an. Das nimmt an schlimmen Tagen 1-2 Stunden pro Tag in Anspruch.
Die Befürchtungen brachten natürlich auch dutzende Arztbesuche und Untersuchungen mit sich. Ich hatte einen Knubbel am Nebenhoden ca 6mm gross. Ich war beim 15! Ärzten deshalb. Jeder hatte eine andere Diagnose, alle waren aber einig es sei harmlos. Irgendwann fand ich einen Arzt der aufgrund der daraus resultierenden psychischen Belastung einer OP zustimmte. Ich entschied mich für eine Hodenfreilegung und Biospie unter Teilnarkose (PDA).
Ein Fleck auf der Sklera im Auge machte mich auch sehr wahnsinnig, war bei mehr als 10 Ärzten und sogar in der Uniklinik weil ich einen Tumor befürchtete.
Weiter gab es 2 Darmspiegelungen, 2 Hepatitis Tests, Ultraschall, Blutuntersuchungen, 13 entfernte Muttermale, eine Gaumen OP, Arm OP, Ultraschall, MRT, Blutuntersuchungen. ich könnte stundenlang weiter machen.
Aktuell ist es wieder das Auge sowie die Angst vor einem Tumor im Hirn oder hinter dem Auge. Meine Pupillen sind unterschiedlich gross (Anisokorie), Druckgefühl hinter dem Auge, episodenweise laufe ich tagelang mit dem Gefühl des betrunkenseins rum (Benommenheitsschwindel, hatte ich auch 2017 schon mal für 2-3Monate).
Vor 2 Wochen war ich zum Schädel MRT. Alles ok, kein Tumor, auch nicht hinter dem Auge. Der Benommenheitsschwindel ist nach einigen Tagen HWS Übungen verschwunden, Überweisung zum Orthopäden. Die leicht unterschiedlichen Pupillen wohl angeboren. Auch auf alten Fotos scheinbar leicht zu erkennen.

Grund aufzuatmen? Nein. Ich sitze hier und sortiere Papiere. Ich stolpere über einen alten Arztbericht aus der Augenklinik zur Untersuchung auf einen Tumor im linken Auge. Ich lese den Bericht: Rechtes Auge (also nichtmals das Auge bei dem ich eine Krankheit befürchte) weist eine Pigmentablagerung auf dem Augenhintergrund auf. Der Bericht ist von 2016. 4 Jahre alt. Ich habe diese Stelle 4 Jahre nicht kontrollieren lassen. Vielleicht ist es ein Aderhautmelanom und ist in den 4 Jahren gewachsen. Ich bin wieder drin. Werde nächste Woche einen Augenarzttermin machen und bis zu dem Termin das schlimmste befürchte.
Bis dahin laufe ich wieder (wie fast immer) wie ein totgeweihter Zombie rum. Unfähig sein Glück, den Moment, die Kinder zu genießen. Aufgefressen von Sorgen.
Sollte der Arzt trotz meiner Befürchtungen- feststellen, dass es sich um kein Aderhautmelanom handelt werde ich innerhalb von 1-2 Tagen was neues finden. Ich halte immer 2-3 Dinge vor von denen jeweils das Prominenteste die Angst beherrscht. Unweigerlich kommt es dann zu einer Situation die mich triggert. Ein Post auf Instagram, ein Schicksalsschlag im Bekanntenkreis, ein Beitrag im TV.
Der Grund der Angst ist, dass ich so sehr an dem Leben hänge, bewirkt dass ich das Leben garnicht mehr leben kann.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag!

16.02.2020 09:56 • 19.02.2020 x 4 #1


11 Antworten ↓


Willkommen hier im Forum @ühüh
Vielen Dank für deine ausführliche Vorstellung.
Da hast du in der Kindheit viel schlimmes erlebt. Zum Glück hattest du eine Oma, die dich aufgefangen hat und bei der du dich wohl gefühlt hast. Gut möglich, dass ihre Krebserkrankung und ihr schlimmer Tod bei dir ein Trauma ausgelöst haben und du als Folge jetzt unter einer krankhaften Krebsangst leidest. Hast du schon mal an professionelle Hilfe gedacht, also an eine Psychotherapie?

16.02.2020 10:50 • x 2 #2



Krebsangst seit 10 Jahren und es nimmt kein Ende

x 3


Sonja1234
Lieber Ühüh,

Danke für deinen Bericht. Du trägst eine unglaubliche Last und ich verstehe dich so gut. Bei mir sind diese Ängste erst vor 3
Monaten aufgetaucht, aber ich habe schon etliche Untersuchungen und Krebsarten hinter mir.

angst-vor-krankheiten-f65/akzeptieren-dass-man-gesund-ist-wie-schaffen-t100815.html

Ich nehme nun ein Antidepressiva Escitalopram, was mir nach 3 Wochen bereits geholfen hat. Zudem mache ich eine Verhaltenstherapie.
Meine aktuelle Angst ist Brustkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Lymphdrüsenkrebs. Ich bin mir rational bewusst wie absurd das ist. Aber es kommt nicht an.
Wenn du magst können wir uns gerne ausstauschen.
Ich habe auch zwei Kinder und bin 29 Jahre alt.
Mein Glaube daran in ein normales Leben zurückzufinden wird immer kleiner, aber für meine Kinder will ich es schaffen.

Was hast du bereits probiert um die Angst zu besiegen? Wie geht deine Frau mit deinem Problem um?

Ganz liebe solidarische Grüße
Sonja

16.02.2020 14:13 • x 1 #3


marialola
Hallo Ühhüh, danke für deinen Beitrag. Das kenne ich alles und bei mir ist es ähnlich.
Ich habe in meiner Kindheit gelernt, dass es keine Sicherheit gibt, dass ständig, aus dem Nichts heraus,
unvorstellbar grausige Sachen passieren. Ich bin sicher, da ist unser Leiden begründet.
Das ist eine extreme Qual, ich verstehe dich vollkommen.
Auch ich liebe das Leben so sehr, weil es mir nach überstandener Kindheit so wunderbar gut ging.
Daraus mag unsere große Angst resultieren, dieses große Glück zu verlieren.
Ganz sicher ist das so.
Wenn man dann noch Menschen hat, die man sehr liebt, wird die Angst vor einer tödlichen Krankheit noch wesentlich potenziert.
Das sollte uns klar sein, das trifft auf uns beide zu.
Ich erinnere mich an Ereignisse, wo ich friedlich mit meiner Ma sitze und mein Vater stürmt rein und schlägt sie mit der Faust ins Gesicht.
Das war nur einer von sehr vielen traumatisierenden Vorfällen.
So etwas zerstört das Urvertrauen, das wir ins Leben haben sollten.
Nichts war sicher, nichts war verlässlich, nichts war gut.
Auch bei uns begann die soziale Ausgrenzung.
Auch bis zur Räumung der verwahrlosten Wohnung durch den Gerichtsvollzieher.
Auch in einer sehr feinen, bürgerlichen Gegend.
Meine Ma hat zeitlebens sehr gelitten, hatte immer krasse Krankheiten, die mic/ extrem ängstigten und sie starb dramatisch und qualvoll.
Auch ich hatte den Segen in eine wunderschöne Partnerschaft zu kommen, bestes Leben überhaupt.
Und daraus resultiert die panische Angst, dieses Glück wieder zu verlieren.
Bei dir ist das sicher auch so.
Ich hatte aber schon als Kind extreme Krebsangst und Panik vor allem, was mit Ärzten zu tun hat.
Das ist dann vielleicht der Unterschied zwischen uns, ich habe vor Ärzten und Diagnosen mehr Angst, als vor dem Sterben. Weil ich glaube, dann ist eh alles vorbei, wenn man etwas findet.
Das stürzt mich in abgrundtiefe Panik.
Dann kommt Google und schon ist es aus und vorbei.
Ich hatte aber immer wieder lange Phasen absolut Ruhe vor der Angst und mir ging es immer jahrelang total super.
Dazwischen immer wieder tiefe Episoden der Todesangst, wo ich zu nichts mehr fähig bin.
Es ist dann, als hält mir einer ein Maschinengewehr an den Kopf.
Ich zittere und könnte nur noch hilflos weinen.
Ja, ich glaube, es ist die riesige Angst bei uns, nach der schlimmen Kindheit, wo ständig furchtbares geschah, dem man hilflos gegenüberstand, dass man nun dieses große Glück verlieren könnte.
Ich verstehe dich so gut.
Ich rede, außer mit meinem Partner und meinem sehr lieben Arzt mit keinem darüber.
Es zeigte meine Erfahrung, dass auch nur geringe Andeutungen den moralischen Zeigefinger hervorlocken, ganz blöde Bemerkungen, die meisten Freunde sind irgendwie alle Hobbypsychologen oder kommen mit Esoterik Blabla.
Es tut gut, dass hier einmal darüber in geschützter Atmosphäre zu sprechen.
Ich wünsche uns einen Weg, um endlich wieder unbeschwert leben zu dürfen.

17.02.2020 12:30 • x 1 #4


NIEaufgeben
Ich würde dir ganz dringend zu einer Therapie raten..
Vielleicht sogar stationär in einer Klinik.....

Alles gute

17.02.2020 15:28 • x 1 #5


Zitat von ühüh:
Liebe Psychic Gemeinde!Hier ist es also: meine Vorstellung, mein Werdegang, mein Untergang. Ich möchte diesen Beitrag nutzen um mich kurz vorzustellen, um mir selbst aufzuzeigen was passiert, autobiografisch. Ich habe keine Erwartung an Antworten, vielleicht erkennt sich jemand wieder, vielleicht kann jemand objektiv die schwere meiner Probleme einschätzen oder mir raten was zu tun ist. Es wird etwas länger da ich ganz vorne anfange.Ich bin 36, verheiratet, habe 2 wunderbare Töchter, einen guten Job, keine Geldsorgen. Alles super. Fast.Mein Leben:Ich bin bei meiner Mutter aufgewachsen. Sie litt unter starken Depressionen und war stark ...

Das alles kommt mir sehr bekannt vor! Jemand wo kein Hypochonder oder ähnliches hat versteht das nicht. Ich habe auch eine furchtbare Vergangenheit und seid 5 Jahren ist mein Leben perfekt und "eigentlich" müsste ich glücklich sein. Also alleine bist du hier mit Deiner Angst definitiv nicht. Mein Therapeut sagt, dass man zwar mit Verhaltenstherapie viel erreichen kann, aber man sollte halt trotzdem die Vergangenheit also Deine inneren Kinder heilen.

17.02.2020 17:14 • x 1 #6


Wow! Danke für eure Beiträge. Es ist ein tolles Gefühl auf Leute mit ähnlichen Problemen zu treffen. Im Alltag fühlt man sich leider meist allein damit. Zwar durchforste ich seit Jahren diverse Foren, jedoch diese eher aufgrund der in Frage stehenden Krankheitsbilder.

Gerne möchte ich auf eure Beitrage reagieren:

@soleil Die Anmeldung und mein Beitrag war vielleicht ein erster Schritt. Nach nunmehr 10 Jahren muss ich einsehen, dass sich die Probleme nicht in Luft auflösen. Ich habe heute einen Termin bei einem Psychotherapeut gemacht, leider ist dieser erst am 01.06.2020. Ich denke aber in Anbetracht der Jahre kommt es auf die paar Montate auch nicht mehr an.

@Sonja1234 Liebe Sonja, ich habe mir auch deinen anderen Beiträge durchgelesen. Ich kann dich sehr gut verstehen. Ich habe außer die von einem Internisten verschriebenen Opipramol noch nichts versucht. Ich glaube, dass ich charakterlich recht stark bin. Ich dachte daher bisher, dass ich das alles mit mir selbst ausmachen kann, eben diese Last tragen muss. Ich persönlich kann mich nicht mehr an ein unbeschwertes sorgenfreies Leben erinnern. Trotz meiner geschilderten Kindheit war ich stets ein lockerer, lustiger Typ, das wurde in den letzten Jahren immer weniger. Meine Frau ist mega verständnisvoll, aber ich glaube sie kann es alles nicht nachvollziehen. Wenn Sie einen Knoten in der Brust tastet reicht es ihr diesen bei der nächsten Routineuntersuchung anzusprechen. Ich würde direkt den Kontakt zur nächsten Uniklinik suchen. Ich beneide Sie um Ihre Unbeschwertheit. Eine Unbeschwertheit die ich niemals mehr finden werden, auch wenn meine Ängste irgendwann im Griff sind. Ich weiss eben dieser Gefahren, ich kenne Tumororte, Rezidivraten, Überlebensquoten von Tumoren von denen andere nichtmal wissen, dass diese existieren. Dennoch hält Sie meine oftmals gedrückte Stimmung aus. Sie erkennt allein an meinem Blick dass es "wieder soweit ist". Sie tut mir schon Leid, da sie natürlich auch äußerst sensibel auf meine Verfassung reagiert. Wenn Sie mich auf der Arbeit anruft fragt sie zum Beispiel direkt wie es heute um mich steht. Es tut mir Leid, dass ich ihr das zumute. Gerne höre ich mehr von dir und deine Sorgen!

@marialola Danke für deinen Beitrag. Ich glaube du hast Recht. Deine Schilderung mit deiner Mutter und dem Faustschlag, das zerstörte Urvertrauen. Ich glaube das ist es. Auch wenn ich bisher der Meinung war, dass meine Kindheit zwar schlimm war aber mir nicht nachhängt ist es wohlmöglich genau der Punkt. Ich sehe keinen Bedarf meine Erlebnisse als Kind aufzuarbeiten, zu erzählen, nichtmal zu verdrängen. Grundsätzlich belasten diese mich nicht. Vielmehr glaube ich daran derart gewachsen zu sein, dass mir so manches "schlimme" im Leben anderer Leute nur ein müdes Lächeln abfordert. Aber dieses "Urvertrauen" was du ansprichst mag darin begründet sein. Nichts war sicher bei mir, mein Zuhause war nicht sicher, auf meine Mutter war kein Verlass, es war nichtmal Verlass darauf, dass sie sich nicht innerhalb der nächsten 2 Tage umbringt und ich alles verliere was ich als Kind so sehr geliebt habe, meine Mutter. Jeden Moment konnte alles anders sein. Meine Mutter war nicht auf meiner Einschulung der Grundschule, nicht auf meiner Umschulung zur weiteren Schule, auch nicht bei meinem Abschluss. Nein sie lag im Bett und hat betrunken geschlafen. Ich wurde nach einer Klassenfahrt nicht vom Bus abgeholt und stand als kleiner Butschi draussen und habe vergebens gewartet obwohl meine Klassenkameraden alle schon in die Autos ihrer Eltern eingestiegen sind und sich darauf gefreut haben im warmen Kinderzimmer mit ihren Spielsachen zu spielen. Ich konnte mich als Kind auf nichts verlassen und musste immer mit dem schlimmsten rechnen, und leider ist oftmals -das für mich als Kind- schlimmste eingetreten. Immer wenn ich bei meiner Oma war habe ich versucht meine Mama zu erreichen damit ich nach Hause kommen darf, darauf gehofft dass Sie nüchtern ist. Leider war das nur selten der Fall. Dieses Gefühl was ich damals hatte, bei jedem Versuch sie zu erreichen, diese Angst, diese Angespanntheit ist 1:1 das Gefühl was ich heute erlebe wenn ich Befunde erfrage, wenn ich darauf warte, dass der Arzt rein kommt und mir sagt dass ich keinen Krebs habe. Dieses Verhaltensmuster zeigt sich eventuell genau in meinen aktuellen Problemen. Dein Beitrag hat mich sehr bewegt. Ich wünsche dir alles Gute!

@NIEaufgeben Auch dir danke ich für deine Einschätzung. Es kommt hier in soeinem Forum nicht rüber und ich habe sicher ernste Probleme, jedoch sehe ich einen Klinikaufenthalt nicht als zielführend an. Ich stelle keine Bedrohung für mich noch für andere dar, mich stationär einweisen zu lassen wird kaum meine Ängste lösen. Trotz der Einschränkungen meistere ich meinen Alltag, bin voll berufstätig und "komme klar" aber es muss sich definitiv was ändern um mein Glück wieder spüren zu können, meine Familie geniessen zu können.

@Sarahh Srah, danke für deine leiben Worte. Ich wünsche dir alles Gute und hoffe dass du wieder ein sorgenfreies Leben leben kannst!

Schönen Abend!

17.02.2020 19:07 • x 3 #7


Ich glaube auch, dass dieses Hypochondrische etwas mit dem Urvertrauen im allgemeinen und natürlich sich selbst gegenüber zu tun hat.

17.02.2020 19:41 • x 1 #8


Sonja1234
Lieber ühüh,

Ich verstehe jedes Wort was du schreibst. Auch ich kenne alle 5-Jahres-Überlebensraten für meine beliebtesten Krebsarten. Jeder Erfahrungsbericht im Internet wurde von mir studiert. Ich kenne zu jedem Krebs eine Geschichte aus dem Interner, wo es zu Fehldiagnose kam. Es ist ein Jammer.
Ich finde es toll, wie du dich mit deiner Vergangenheit auseinandersetzt. Wer in der Kindheit kein Vertrauen ins Leben fassen konnte, keine Verlässlichkeit und Sicherheit erfahren durfte, der hat es im
späteren Leben natürlich damit auch nicht leicht.
Auch bei mir ist es so: Mein Leben ist perfekt. Alle meine Träume haben sich erfüllt. Und je schöner es wird, desto extremer werden meine Ängste. Vielleicht ist das das Unterbewusste Gefühl, so viel Glück nicht verdient zu haben? Oder es nicht glauben zu können, dass es so schön sein kann?

Ich bin aktuell in Verhaltenstherapie und merke in Minischritten Verbesserung.
Seit 2 Tagen hab ich es wieder mit Leukämie: blaue Flecken, zweimal Zahnfleischbluten und einmal etwas rot im Taschentuch und schon läuft die Maschine. Das hat den Bauchspeicheldrüsenkrebs abgelöst, von daher fast eine Erleichterung. Morgen steht der Termin in der Uniklinik an, wo meine Brustknoten biopsiert werden. Also mal wieder ein Horror jagt den nächsten.

Aber das Gute:
Die Sonne scheint, meine Kinder sind gesund, ich lebe, ich gebe nicht auf!


Alles gute!

19.02.2020 15:02 • x 1 #9


Zitat von Sonja1234:
Lieber ühüh,Ich verstehe jedes Wort was du schreibst. Auch ich kenne alle 5-Jahres-Überlebensraten für meine beliebtesten Krebsarten. Jeder Erfahrungsbericht im Internet wurde von mir studiert. Ich kenne zu jedem Krebs eine Geschichte aus dem Interner, wo es zu Fehldiagnose kam. Es ist ein Jammer.Ich finde es toll, wie du dich mit deiner Vergangenheit auseinandersetzt. Wer in der Kindheit kein Vertrauen ins Leben fassen konnte, keine Verlässlichkeit und Sicherheit erfahren durfte, der hat es imspäteren Leben natürlich damit auch nicht leicht. Auch bei mir ist es so: Mein Leben ist perfekt. Alle ...

Das Gefühl um so schöner mein Leben ist, oder zb. wenn ich meinen Mann umarme dann kommt sofort die Angst in mir auf, dass bald alles vorbei sein könnte. Ich habe auch überhaupt kein Urvertrauen. Momentan denke ich dass ich Magenkrebs habe, weil immer ein komischer Geruch von meinem Rachen hochkommt. Wobei das ganze wie mir bereits jemand ganz toll geschrieben hat auch einfach nur durch die Angst kommen kann. Alles gute für morgen!

19.02.2020 15:14 • #10


Sonja1234
So ist es liebe Sarah. Jeder glückliche Moment geht mit der Angst einher, diese Momente bald nicht mehr erleben zu dürfen. Und damit nimmt man sich so viel..

Wie ist es bei euch mit körperlichen Schmerzen? Ich empfinde teilweise recht ausgeprägte Schmerzen, teilweise verschwinden sie nach Arztbesuch wieder . Für mich ist es immer noch unfassbar, dass die Psyche sowas hervorrufen kann.

Grüße

19.02.2020 15:47 • x 1 #11


Hy ihr lieben also bei mir ist alles recht neu. Schmerzen habe ich nicht aber ein Druck immer an einer Stelle nicht immer ab und an. Ich versuche mich so gut es geht abzulenken und vertraue den Ärzten sonst leide ich und meine Kinder. Und wie soll ich sagen es ist nicht mehr soooo schlimm wie am Anfang habe immer mal andere Symptome aber hey die hatte ich auch vorher ohne das ich es mit Krebs verbunden habe, deshalb nehme ich es nicht mehr so wahr.

19.02.2020 15:59 • #12



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Dr. Matthias Nagel