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Hallo Leute,
ich bin heute per Zufall auf dieses Forum gestossen und dachte mir, ich könnte ja auch mal etwas über mich erzählen. Man weiß ja nie inwiefern einem das helfen kann. Ich selbst bin 23 Jahre alt und männlich aber nun zu meiner Geschichte , ich hoffe,dass wenigstens ein paar von euch Lust haben hier zu lesen.

Ende 2008 war ich gerade frisch mit meiner damaligen Freundin zusammen gezogen. Wir studierten beide an der selben Universität und das 2te Semester hatte gerade begonnen. Es war sogar der erste Uni-Tag nach den Semesterferien.
Ich fühlte mich den ganzen Tag schon ziemlich schlapp und freute mich auf eine gute Tasse Kaffee und Entspannung vor dem PC. Meine damalige Freundin verabschiedete sich von mir, da sie Abends arbeiten musste.
Ich erinner mich nicht mehr genau an den Abend, aber ich weiß noch,dass ich mich plötzlich sehr beschissen gefühlt habe. Ungefähr so, wie es mir heute noch manchmal geht. Aus heiterem Himmel wurde mir schlecht, ich bekam Herzrasen, fing an zu zittern und hatte einfach plötzlich unheimliche Angst. Da es mir irgendwie blöd vor kam den Notarzt zu rufen, fuhr ich selbst ins Krankenhaus und wurde dort über Nacht da behalten. Bis auf leicht erhöhte Werte der Schilddrüse wurde aber nichts festgestellt und ich wurde am nächsten Morgen entlassen. An diesem Abend ging es dann wieder los, plötzliche extreme Unruhe, Angst, Schwindel und wieder ab ins Krankenhaus. Wie die meißten ja vielleicht selbst kennen wiederholte sich das Spielchen noch ein paar Mal. Auch ettliche Arztbesuche und neue Symptome kamen hinzu. Ich konnte Nachts nicht mehr einschlafen, schwitze unheimlich Nachts,ich hatte heftiges Sodbrennen und Halsschmerzen am nächsten Morgen, meine Arme schliefen Nachts ein, ich hatte heftigste Bauchschmerzen, hellen Stuhlgang, Schwindel-Attacken, konnte kein Auto mehr fahren da jede Straßenunebenheit mich " aus dem Gleichgewicht brachte " . Ich hatte wirklich endlose Untersuchungen durch, entwickelte extreme Ängste vor Krankheiten und dem Tod da mir einfach kein Arzt helfen konnte oder wollte. Immer wurde es auf die Psyche, den Stress in der Uni oder sonstige Problemchen geschoben. Ich solle mich nicht so anstellen, dass würde dann schon weg gehen. Mir ging es immer schlechter, bis mein Hausarzt bei mir eine vergrößerte Milz feststellte und im Blut der Eppstein Bar Virus ( Pfeiffer Drüsenfieber ) entdeckt wurde. Auch bekam ich endlich Schilddrüsen Tabletten nach dem ein Endokrinologe bei mir Hashimoto diagnostizierte.
Mit Beginn der Therapie verschwand so gut wie jede Symptomatik. Meine starke Unruhe war weg, die Rückenschmerzen,Bauchschmerzen und vorallem der Schwindel waren von heute auf morgen weg. Ich stecke damals wohl wirklich in einer heftigen Unterfunktion. Heute weiß ich,dass das Hashimoto durch das Pfeiffer Drüsenfieber entstanden ist. Außerdem habe ich seit dem das Karpal Tunnelsyndrom sowie eine Reflux Störung weg.
Ich war damals so erleichtert endlich ein Grund für mein körperliches Befinden gefunden zu haben,dass sich auch meine Angststörung fast komplett zurück entwickelte. Damals wusste ich aber auch noch nicht,dass zB Benommenheit in Situationen wie beim Einkaufen o-ä ein typisches Zeichen für die Angststörung ist. Ich dachte damals dass das vom Pfeiffer Drüsenfieber kam und nach dem ich dass damit abtun konnte, verschwand das auch komplett.
In den letzten 3 Jahren konnte ich also wieder recht gut leben. Ich hatte manchmal Tage an denen es mir nicht gut ging. Ich muss dazu sagen,dass ich scheinbar viel Luft in den Magen einatme, wahrscheinlich auch begünstigt durch den Reflux. Immer wenn ich viel Luft im Magen habe, werde ich extrem unruhig und fühle mich einfach sch.. Anders kann ich das kaum beschreiben. Auch schreie ich Nachts phasenweiße oder wache mit Herzrasen auf. Aber so alles in Allem ging es mir eigentlich sehr gut, ich habe sogar mit Krafttraining angefangen und hab dort den ein oder anderen persönlichen Erfolg erzielen können.
Bis zum letzten Oktober war also alles super in meiner Welt. Bis ich aus heiterem Himmel wieder eine Panikattacke hatte. Diese fühlte sich aber komplett anders an als beim ersten Mal. Ich hatte plötzlich ein heftiges Brennen in der linken Brust und dachte natürlich sofort an einen Herzinfakt. Also ab ins Krankenhaus und wie zu erwarten konnte hier nichts gefunden werden. Ich fand mich damit ab und konnte noch eine Woche ganz normal zur Uni gehen und meinen Hobbys nachgehen. Bis ich dann eines Abends alleine bei mir in der Wohnung war und es wieder los ging. Heftige Unruhe, Hyperventilation mit taubem linken Arm, Angst und einfach nur Panik. Also Notarzt kommen lassen und im Krankenhaus gelandet. Hier wurde dann bei meinen Schilddrüsen Werten ein leicht erhöhter Wert gemessen der auf eine Überfunktion hindeutet. Ich muss vielleicht dazu sagen,dass es bei meiner Krankheit Hashimoto Schübe gibt in denen Schilddrüsengewebe abstirbt und somit mehr Hormone ins Blut gelangen als eigtl nötig. Danach sackt man dann in eine Unterfunktion ab, da ja weniger Gewebe da ist um die Hormone zu produzieren die gebraucht werden.Naja darauf hin wurden mir also die Hormone gekürzt und es ging mir immer dreckiger. Ich sollte also circa 4 Wochen später ins Krankenhaus auf die endokrinologische Station. Hier wurde wieder mal ein Vorsorge EKG gemacht und dann SCHOCK. Es hieß ich hätte wahrscheinlich ein Herzinfakt gehabt den man im EKG sehen kann und müsse sofort auf die Kardiologie. Dort wurde ich dann 1 Woche komplett auf den Kopf gestellt. Das heißt Herz MRT,Herz Ultraschall,Belastungs EKG, Herzenzyme im Blut mehrmals gemessen und und und. Sie konnte nichts finden und ich hatte nun regelmässig jeden Tag Panikattacken. Im Nachhinein weiß ich,dass dies vorallem wegen der Schilddrüse war. Das Herabsetzen der Hormone war wohl einer der größten Fehler die man hätte machen können. Naja jedenfalls wurde dort nichts gefunden und sie entliesen mich nach Hause. Ab diesem Zeitpunkt fiel ich komplett in ein Loch. Ich hatte einfach nur noch Angst. Ich wollte mich nicht mehr anstrengen, gab mein Sport komplett auf und verlor so in kurzer Zeit 8 kg.Ich wurde extrem wehleidig, mieß gelaunt und hatte nur noch diese schrecklichen Gedanken.Dummerweiße fand man dann in einem Kontroll MRT vom Kopf auch noch Entmarkungsherde und ich wurde wieder für 1 Woche mit der Verdachtsdiagnose Multiple Skelerose in eine neurologische Klink eingewiesen. Auch dort stellte man mich auf den Kopf und konnte durch eine Nervenwasser Untersuchung MS erstmal ausschliessen. Diese Entmarkungsherde kann sich keiner erklären, d.h ich muss nun alle 6 Monate zum Kontroll MRT. Super Sache, denn diese zusätzliche Angst hat natürlich nicht wirklich dazu bei getragen dass es mir besser ging. Iwann wurde mir dann Opipramol verschrieben, was ich aber nach 3 Monaten komplett wieder abgesetzt habe. Ich habe davon Kreislaufprobleme bekommen und konnte mein Herzschlag im ganzen Körper spüren. Gut,das kann ich heute auch noch ab und zu aber es beunruhigt mich nicht mehr so stark auch wenn es total eklig ist.
Um das ganze mal ein wenig abzukürzen. Mittlerweile musste ich die Schilddrüsen Hormone sogar noch mehr erhöhen als ich sie vorher schon hatte und damit ging es schon mal ein gutes Stück Berg auf.Ich kann mittlerweile auch wieder in die Uni gehen oder mal ein Bierchen trinken zu Freunden. Auch habe ich zum Glück an der Universität ein Therapieplatz bekommen der mir so eigentlich ganz gut hilft ( auch wenn ich aktuell auf der Suche nach einer Hypnotherapie bin ) . Es hat sich quasi einfach ein wenig beruhigt mit meiner Krankheitssache. Auch wenn wie gesagt diese EKG Veränderung immer noch besteht die vorher nicht da war( wurde immer wieder gemessen und macht natürlich Angst ). Auch habe ich seit dem ständig vergrößerte Lymphknoten ( laut Arzt und Ultraschschall aber nicht bedenklich ) , wieder heftige Probleme mit Reflux und Karpaltunnel ( beides war in den letzten 3 Jahren auch eher kaum ein Problem ) .Ich fühle mich aktuell einfach immer mal wieder ziemlich krank und schlapp, habe ein Brennen hinter der Stirn. So 3-4 Stunden Uni und mir geht es total bescheiden. Es ist einfach so als würde ietwas in mir stecken was mich bei der geringsten Anstrengen total fertig macht. Ich kann es einfach nicht erklären. Auch meine Laune ist öfter mal ziemlich beschissen obwohl die heftige Grübelei schon länger zurück liegt. Alles in Allem also schon wesentlich besser und müsste ich es in Prozent ausdrücken würde ich denke ich bei 80 % liegen. Leider lässt mich halt diese EKG Veränderung nicht los, denn seit dem traue ich mich einfach nicht mehr richtig an Sport heran was vorher ein Großteil meines Lebens bestimmt hat. Darum fühle ich mich auch ziemlich Unwohl in meiner Haut, da ich mich einfach nicht mehr attraktiv finde :/ Ein Teufelskreis also den ich nur langsam durchbrechen kann. Auch habe ich ab und zu noch diese Benommenheit, natürlich gerade beim Einkaufen oder in der Mensa. Wie man das halt so von einer Angststörung kennt.
Naja zum Ende hin wurd es dann doch noch sehr chaotisch Aber so ist das im Moment, ich kann mich einfach nicht sehr lange konzentrieren.
Danke fürs Lesen
lg

26.04.2012 21:21 • 30.04.2012 #1


7 Antworten ↓


Hallo,

zu deiner Geschichte fällt mir im Moment nur eins ein: unglaublich

26.04.2012 22:18 • #2



Herzinfarkt durch Panikattacke - Schildrüsen Hormone

x 3


Das höre ich leider auch oft von Ärzten :/ Zu meinen körperlichen Symptomen findet einfach keiner eine Lösung. Also bleibt mir momentan nur selbst an der Psyche zu arbeiten auch wenn mich das alles oft in den Wahnsinn treibt . Ich könnte noch viel mehr aufführen aber das würde wohl den Rahmen sprengen. Ich habe im Moment einfach nur die Hoffnung dass bald Gras darüber wächst und ich iwann wieder normal leben kann

26.04.2012 22:24 • #3


Also dran zu arbeiten finde ich doch besser als Gras drüber wachsen zu lassen.
Also ich weiß aus eigener Erfahrung, dass einem die Psyche schon den einen oder anderen Streich spielen kann. Andererseits ist ja schon organisch nicht alles in Butter bei dir, aber bei wem ist das schon, wenn man genau hinschaut.

Ich hatte schon Zeiten, da wusste ich nicht, was mir lieber gewesen wäre. Irgend ein Befund, der meine Ängste bestätigt hätte, oder eben nichts zu finden. Kann schon zum Verzweifeln sein.

Ich nehme seit etwa einem Monat Lasea. Mir hat es bisher ganz gut geholfen. Vielleicht wäre das auch bei dir einen Versuch wert, um wieder 'n bisschen ins Gleichgewicht zu kommen.

LG

26.04.2012 22:44 • #4


Ich muss ehrlich gestehen,dass ich mit Tabletten einfach keine gute Erfahrung gemacht habe. Außerdem möchte ich es aus eigener Kraft schaffen und habe da mittlerweile auch für mich extrem große Schritte gemacht. Ich meister meinen Alltag aber eben nicht mehr so unbeschwert wie das mal war. Aber ich denke das kennt hier so ziemlich jeder
Mit Gras darüber wachsen lassen meinte ich auch eher mehr Ruhe zu bekommen. Diese Hetzerei von einem Arzt zum Anderen in den letzten Monaten war sehr aufwühlend und Kräfte raubend. Sicherlich war es nötig, immerhin spinnt sich mein Körper ja einiges zusammen. Trotzdem habe ich fest gestellt,dass dieses ständige weiterbohren einfach nur noch mehr Ängste schürrt. Es fällt mir nicht jeden Tag leicht mich damit abzufinden,dass ich urplötzlich und für alle Ärzte unbegreiflich solch eine EKG Veränderung bekommen habe. Auch diese ungewöhnliche Veränderung im Gehirn ist nicht einfach so zu vergessen. Aber mit jedem Tag an dem ich weniger darüber nachgrübel geht es mir besser. Wie gesagt fühle ich mich nicht ganz auf 100 % aber immerhin "lebensfähig" . Es gab Punkte da konnte ich keinen Tag alleine sein und an einen Abend mit Freunden war gar nicht zu denken. Da hat mir nur der Gedanke an ein bisschen Bewegung schon so Angst um mein Herz gemacht,dass ich sogar mein Liebesleben auf 0 herunter gefahren habe. Total schrecklich und selbst zerstörerisch. Im Hinterkopf denke ich immer " Wenn diese EKG Veränderung weg ist, dann wirds dir schon viel besser gehen " . Aber was ist wenn sie nicht mehr weg geht ? Iwie werde ich damit leben müssen und iwann werde ich wohl auch den Ärzten vertrauen müssen, dass Sport mich nicht umbringen wird Ich meine ein bisschen mach ich ja schon wieder aber 3-4 mal die Woche 2 Stunden Kratf und Ausdauertraining ist einfach vom Kopf her nicht drin. Mit einer der schlimmsten Gedanken für mich ist aber immer " Wieso kann ich nicht so unbeschwert sein wie andere ? " . Und dabei belügt man sich so schön selbst, denn wer weiß schon wie andere die selbe Situation empfinden, welche Sorgen diese Menschen plagt und wie krank sie evtl sind ! Durch den damaligen Krankheitsausbruch ist mir aufjedenfall klar geworden,dass wir alle sterblich sind. Und damit scheine ich noch nicht so wirklich klar zu kommen denn vorher hab ich mich dann doch irgendwie immer unsterblich gefühlt.

26.04.2012 23:00 • #5


der angstmann
Mir scheint, dass zusätzlich zur Angsterkrankung sich auch Symptome einer Depression bemerkbar machen. Gerade diese "Ich komm da nicht mehr raus-Gedanken", scheinen dich immer mehr zu quälen?

27.04.2012 07:35 • #6


Hallo,
ich habe mir deine Geschichte mehrmals durchgelesen.
Die klinnt ja wirklich Unglaublich.
Nein, im Ernst,vielleicht solltest du die Uni einmal Unterbrechen und dir einen normalen Job suchen.
Vielleicht in einem Altersheim oder sonst wo, wo du gezwungen bist,anderen zu helfen.
Warum ich dir das Rate?
Nun du bist so sehr mit dir selbst beschäftigt.
Hast du wirlklich eine Freundin?
Ich frage ja nur,weil du alle deine Körperfunktionen so gut kennst.Deine Werte und überhaupt alles an dir kennst.
Kennst du auch andere Menschen??
Wenn du keinen Sport treiben willst, ist das okay.Gehe dann eben spazieren. Denke nicht nur in Extremen.Man muss keine grossen Leistungen täglich leisten.Besser jeden Tag zuverlässig alles ordentlich erledigen.
Du wirst sehen, der Stress den du hast, weil du nur mit dir sebst beschäftigt bis verschwindet.
Gehe ohne grosses Ziel hinaus. Spaziere. Setze dich im Park auf eine Bank und beobachte Menschen. Menschen die auch nicht perfekt sind,aber Menschen die einfach nur den Tag geniessen und den Tag leben.
Viele deiner beschriebenen Syntomen können auch von zuviel Alk. herführen.
Ich denke da an Sodbrennen und Herzrasen. Das kann beim Abbau von Alk. auch eintreten.
Also, mein Rat,Finger weg von Medikamenten und zuviel Alk.. Gehe jeden Tag etwas spazieren und alles wird gut.
Herzlichst Chaetzli

27.04.2012 11:32 • #7


Also , ich bin weder Alk. ( trink durch die Ängste sowieso gar nichts mehr ) , noch nehme ich Medikamente ( habe das AD Opipramol erfolgreich abgesetzt ) und ja ich habe viele Freunde und eine sehr liebenswerte Freundin.Der Reflux wird übrigens durch den nicht richtig schliessenden Magenmuskel ausgelöst, dass wurde vor 3 Jahren bei einer Magenspiegelung festgestellt.

Da ich an Hashimoto leide ( eine Autoimmunkrankheit bei der sich die Schilddrüse langsam auflöst ) muss ich meinen Körper genau kennen. Vorallem muss ich mich mit Blutwerten auseinandersetzen um die richtige Dosierung zu finden, denn stimmt sie nicht,geht es mir richtig beschissen.

Mein Studium möchte ich nicht aufgeben. Aus einem einfachen Grund : Mir geht es wesentlich besser seit dem ich wieder zur Uni gehe und einen "normalen Alltag" habe wie andere Menschen auch. Ich mag die Uni, ich mag meine Freunde dort und vorallem interessiert mich mein Studiengang ( Wirtschaftsingenieur ) .

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In 3-4 Wochen habe ich wieder ein MRT Termin vom Kopf und dem Rückenmark zur Kontrolle der Entmarkungsherde. Natürlich ist jetzt wieder Gedanke da, dass sich die MS noch entwickeln könnte. Also es ist definitiv möglich laut der Ärzte. Aber so verrückt wie ich mich deswegen mache muss es ja eigentlich auch nicht sein.

30.04.2012 12:53 • #8




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