Ich sehe das ähnlich wie ihr: zu wissen, woher die eigenen Ängste kommen, mag ja ganz aufschlussreich sein, aber beseitigen oder mildern kann das die Angst eben meistens nicht. Oder nur marginal.
Da müssen JETZT Strategien her, wie man mit der Angst umgeht und ich glaube, diese Strategien gibt es nur begrenzt, weil die Angst zu uns gehört wie ein Körperteil.
Ich durchschaue sogar den Mechanismus meiner Ängste ganz genau und trotzdem gelingt es mir nicht, sie zu handeln.
Gestern z.B. hatte ich einen Tag lang im Büro relativ wenig Stress. Und prompt habe ich mich wieder auf meine Lungengeschichte gestürzt ( ihr habt es ja mitbekommen).
Der Körper und der Geist sind an "Alarm" gewöhnt und irgendwoher muss dieser Zustand ja kommen.
Und gibt es keinen Stress von außen, dann machen wir uns halt den Stress im Kopf, so einfach ist das.
In der Phase, als z.B. deine Tochter auszog, Lianna, und du deswegen regelrecht in Trauer warst, hattest du, verglichen zu sonst, sicher relativ wenig Krankheitsängste, oder ?
Die brauchtest du ja nicht, wenn du hattest ja den bekannten Zustand des "Ungemachs", wenn auch diesmal durch den Auszug deiner Tochter.
Heute hatte ich dann wieder viel Stress im Büro und meine Krankheitsängste waren fast verschwunden.
Gestern noch ein total fertiges Häuflein Elend wegen meiner überstandenen Krankheit, heute fast nichts mehr davon vorhanden.
Das ist doch an sich schon bedenklich.
Ich bin mir inzwischen sicher, dass wir lernen müssen, das zu akzeptieren, denn ich sehe derzeit - zumindest für mich - keine Chance, dieser Angst dauerhaft (auch nicht durch Therapie) zu entkommen.
Gedanken lassen sich nun mal nicht abstellen. Punkt.
Und egal, welche Strategie man anwendet: der Gedanke ist schneller. Und wenn er erstmal da ist, dann setzt er einen auch unter Druck.
Ich halte es dennoch für richtig, dass wir unsere Ängste aushalten lernen. Permanentes Rückversichern verschlimmert Ängste, soviel steht fest.
Und jeden Pups beim Arzt abklären zu lassen, unterhält und verstärkt die Angst. Es ist, wie Öl in das Feuer zu gießen, wenn man sich ständig durch Arztbesuche rückversichert.
Deswegen: außergewöhnliche Beschwerden EINMAL abklären lassen und Fürze einfach Fürze sein lassen.
Bzw. mit bereits abgeklärten "Beschwerden" ( oder was wir dafür halten..) einfach Frieden schließen.
Ich habe das mit meinem Muttermal praktiziert und ich bin stolz, dass ich das bisher so durchziehe.
Der Arzt sagt, es sei in Ordnung und damit will ich das Ding bis zur nächsten Kontrolle vergessen.
Würde ich es jetzt zur Sicherheit entfernen lassen oder permanent mit der Lupe kontrollieren, dann würde ich wieder in dieses Rückversicherungsverhalten verfallen und das hält meine Ängste am Leben, statt ihnen zumindest mal den Mund zu verbieten.
Das will ich einfach nicht !
Lianna, ich weiß, wie es dir wegen deinem "Komma" geht, aber versuche mal, ganz diszipliniert zu dir selbst zu sein und dir zu sagen: Schluss damit.
Vier Ärzte sagen, dass alles in allerbester Ordnung ist, die Blutung ist keine Blutung, sondern maximal eine leicht verletzte Schleimhaut, und nun soll dich die Angst gefälligst mal gerne haben, denn sie hält sich absolut unberechtigt in deiner Gegenwart auf.
Wir müssen an unserem Umgang mit der Angst arbeiten, nur dann kann es uns besser gehen.
Leute, ich drück euch
