Zitat von joe899: Wie meditiert ihr?
Ich meditiere nicht im eigentlichen Sinne, sondern mache Atem- und Wahrnehmungsübungen. Ich versuch mal, das aufzuschreiben:
Ich setze mich aufs Sofa und kuschel mich unter meine Kuscheldecke (ich kann das am Besten im Sitzen). Dann versuche ich, mir ein ´"Wohlfühlgefühl" zu vergegenwärtigen (das braucht Übung). Bei mir ist es so, dass es dann irgendwie im Körper "brummt", deshalb nenne ich es mein "Brummgefühl". Dann lege ich eine Hand auf mein Herz und eine auf meinen Bauch. Ich steuere dann bewusst meinen Atem und atme gleich lang ein und aus, wobei ich darauf achte, dass sich Brust und Bauch ungefähr gleich weit vorwölben. Wenn ich im Atemrythmus drin bin, stelle ich mir bei jedem Einatmen vor, dass der Atem mein Herz umfließt und streichelt. Beim Ausatmen ebenso. Zwischen den Atemzügen vergegenwärtige ich mir das Brummgefühl. Wenn ich merke, dass die Gedanken abschweifen, sage ich mir "Das ist jetzt nicht dran, geh mal zurück zu Deinem Atem". Nach ein paar Minuten bin ich dann fokussiert, der Geist ist zur Ruhe gekommen, Puls, Herzschlag und Atem gleichen sich an und werden ganz ruhig. Zum Schluss genieße ich noch ein paar Minuten die Ruhe in meinen Gedanken und tauche dann ganz langsam wieder aus der Übung auf. Das Ganze nennt sich auch "Kohärente Herzatmung).
Zitat von joe899: wie läuft so eine Körperpsychotherapie ab? Sind das Heilpraktiker oder Psychologen, die das machen? Ich glaube solche eine Therapie wäre auch das Richtige für mich...
Generell ist es so, dass eine Körperpsychotherapie nicht von den Gesetzlichen KK übernommen werden, Du musst es selbst zahlen. Manchmal gibt es auch kassenzugelassene Therapeuten, die eine Zusatzausbildung darin haben, die können dann natürlich über die Kasse abrechnen. Ergo bieten diese Therapieform i.d.R. nur Heilpraktiker für Psychotherapie an. Das ist ein weites Feld und und da tummeln sich auch einige schwarze Schafe.
Es ist daher wichtig, am Anfang genau nachzufragen, welche Ausbildung und welche Berufserfahrung der Therapeut hat. Es gibt auch die Deutsche Gesellschaft für Körperpsychotherapie, die hat einige Therapeuten auf Ihrer Seite, da kann man nach PLZ suchen. Ansonsten: Bauchgefühl einschalten und ausprobieren.
Ich kam damals bei meiner Verhaltenstherapie nicht weiter, und die Therapeutin hat mir meinen jetzigen Therapeuten empfohlen. Sie hatte mit ihm in einer BfA-Rehaklinik zusammengearbeitet. Er hat insgesamt über 10 Jahre in verschiedenen Kliniken gearbeitet - daher war mein Vertrauen von Anfang an ziemlich groß.
Generell läuft eine Körperpsychotherapie nicht viel anders ab als andere Therapien - es gibt viele Gesprächsanteile, es gibt tiefenpsychologische Anteile, es gibt verhaltenstherapeutische Anteile. Zusätzlich wird aber immer der Aspekt der Wahrnehmung, des Atmens und der Achtsamkeit mit dazu genommen. Es wird also nicht nur z.B. über eine Situation gesprochen, sondern der Therapeut hakt immer wieder über den Körper ein (Wie fühlt sich das jetzt an? Wo fühlen sie das?). In manchen Stunden machen wir nur Körperarbeit - z.B. beim Erlernen der kohärenten Herzatmung, wie ich sie oben beschrieben habe. Das Üben wir dann zusammen. Man darf in dieser Therapieform keine Scheu vor Berührungen haben - der Therapeut muss einen öfter mal berühren, um bestimmte Dinge zu verdeutlichen, z.B. wo man hin atmen soll.
Mein Therapeut hat zusätzlich noch jahrelang Kampfsport gemacht, und er lässt einige (theoretische) Grundlagen aus dem Kung-Fu mit einfließen (z.B. wie ich meine Stand-Punkt im eigentlichen und übertragenen Sinne halten kann). Letztens waren wir im Chi Gong unterwegs, da ging es darum, das Chi (die Lebensenergie) zwischen den Handflächen zu spüren und wie zu einem kleinen Energieball zu formen (die Übung hat mich aus den Latschen gehauen, ich war hinterher so energiegeladen, dass ich am liebsten Bäume gefällt hätte).
Durch die Arbeit mit dem Körper habe ich wieder Kontakt zu mir selber bekommen und kann mich wieder spüren. Dadurch ist auch der Umgang mit Emotionen wieder möglich. Und ich habe dadurch gelernt, meinem Körper wieder zu vertrauen und ihn nicht mehr als Maschine und Feind anzusehen. Er weiß viel besser als der Verstand, was er tut. Leider wird er zu oft durch den Verstand gedeckelt. Ich habe Techniken gelernt, um mein vegetatives Nervensystem zu beruhigen und dadurch die Grundlage geschaffen, dass ich mich dann mit den eigentlichen Therapiethemen beschäftigen kann.
Uff, langer Text... ich denke, dass war es erst mal. Wenn Du noch Fragen hast - immer her damit.