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Hi,

Ich bin es mal wieder (zweiter Beitrag) und möchte eine Frage an alle stellen, ob euch meine Situation bekannt vorkommt.

Kurz zu mir, ich bin Mitte 30, verheiratet und habe Kinder. Seit dem Tot meines Vaters leide ich wohl unter einer Herzneurose mit Panikattacken, die sich aber seit Jahren komplett ruhig verhalten haben, dank einer Verhaltenstherapie. Nun sind sie wohl wieder da und ich lebe ständig in der Angst doch etwas am Herzen zu haben, obwohl ich nun schon untersucht wurde (ekg, echo, Belastungs EKG, Blut). Soweit war alles ohne Befund.

Heute Nacht hatte ich aber trotzdem wohl eine kleine Panikattacke. Ich wurde wach und dachte nichts böses. Da fing das Kribbeln im Bauch an, was sich über den gesamten Körper ausbreitete. Auch die Brust wurde ein wenig eng, aber ich habe versucht die Ruhe zu bewahren und sagte zu mir selbst, dass da nichts ist. Bleib cool und lass es ziehen. Nach eineinhalb Stunden konnte ich wieder einschlafen aber die Symptome haben mich am nächsten Morgen fröhlich begrüßt. Dennoch war ich stolz es ausgesitzt zu haben und sagte mir, dass wenn das echt war du jetzt tot wärst. Aber du lebst noch. Ich ging sogar so weit mit meiner Familie auf einen Ausflug zu fahren, also kurz auf einen Bauernhof bei uns. Das ging soweit auch ganz gut bis wir wieder im Auto waren. Plötzlich kam ein Schwächeanfall, wie ich Ihn selten erlebt hatte. Ich dachte, ich kann das Lenkrad nicht mehr bewegen und zu Hause dann kaum das Glas halten. Kennt das jemand von euch, diese akuten Anfälle? Seit dem hat mich wohl die Angst wieder klein gekriegt. Ich dachte nur: Teufel, frisst oder stirbt. Und dann bin ich 15 Minuten auf den Crosstrainer Vollgas geben. Nun ja, ich lebe immer noch und es ging an sich ganz gut. Aber danach sind die Symptome wieder da und ich weiß nicht weiter. Bin so hin und her gerissen, ob das nun Angst ist, oder aber wirklich das Herz. Vielleicht findet sich ja jemand wieder.

Grüße

30.07.2021 19:35 • 30.07.2021 #1


6 Antworten ↓


Thomas_83
15 Minuten Crosstrainer bei einem akuten Herzanfall... also, ich weiß ja nicht, ob du da wirklich was am Herzen haben kannst
Möglich ist alles, ich bin kein Kardiologe. Aber es ist auch möglich, dass dir ein Dachziegel auf den Kopf fällt... nur machen wir uns darüber nicht andauernd Sorgen, die Wahrscheinlichkeit ist einfach unterirdisch.

Versuch nicht, die Angst einfach auszuhalten und sie vorbeiziehen zu lassen. Fühle sie, wenn sie da ist. Einfach nur reinfühlen, Körperempfindungen beobachten (nicht bewerten), und auf Schreckensgedanken wie mein Herz ist kaputt, ich sterbe bestimmt verzichten. Einfach nur fühlen, was gerade da ist, ohne es weg haben zu wollen. Es wird dann irgendwann aufhören...

30.07.2021 20:54 • x 3 #2



Plötzliche Schwächeanfälle

x 3


Hallo Thomas,

da bin ich absolut bei dir! Mit einem Herzinfarkt sind solche Nummern auf dem Crosstrainer nicht möglich, schon gar nicht auf so einer Belastungsstufe. Daher mache ich das ja auch, um mir trotz Angst das Gegenteil zu beweisen. Das ist ein Tipp vom Therapeuten gewesen für Akutsituationen. Er sagte, wenn der Körper Sie in Alarmbereitschaft versetzt und sagt Sie sollen rennen, na dann rennen Sie. Bauen Sie das Adrenalin ab, dass Sie völlig vernebelt und erleben Sie was dann folgt. Nämlich nichts.

Aber tatsächlich habe ich keine Angst vor einem akuten Herzanfall. Dafür bin ich leider schon zu gut informiert. Die Angst besteht eher vor Herzkrankheiten, die man nicht sofort findet wie Rhythmusstörungen, AV Block, Vorhofflimmern, etc. und dem größten Problem, dem plötzlichen Herztod.

Dazu kommt, dass Gefühle/Symptome spüren eine Sache ist, klar zu denken während sie einen völlig überfallen eine andere. Wenn gefühlt der Kreislauf in den Keller fällt, die Beine wackeln, man so dermaßen schwitzt und man kaum noch zwei drei Schritte laufen kann. Sich dann einfach hinzustellen und zu spüren, was gerade da ist will ich erstmal sehen.

Besonders bei diesen Schwächeanfällen, bei denen man denkt, gleich ist es vorbei und du liegst flach. Da läuft der Körper auf Hochtouren und mit Denken und fühlen ist nicht mehr. Wenn du das geschafft hast bin ich mehr als neidisch und ich würde gerne erfahren wie. Manchmal weiß ich vor Symptomen nicht mehr, wo mir der Kopf steht und ich habe jeden verdammten Tag Symptome ohne Ende. Wenn dann die Angst dazu kommt verliere ich den Glauben daran körperlich gesund zu sein....

Hast du das in einer Therapie gelernt Thomas? Deine Einstellung ist so bewundernswert!

Grüße

30.07.2021 21:23 • #3


Thomas_83
Sterben ist vermutlich nicht schlimm, die Angst davor schon
Und ein plötzlicher Herztod ist ja wohl ein Geschenk des Himmels. Du bist in drei Sekunden weg, du merkst ja nicht mal was. Und der ganze Rest, den du aufgezählt hast, endet ja auch in Kammerflimmern (also plötzlicher Herztod), alles erstrebenswerte Todesursachen meiner Meinung nach.

Es erfordert viel Übung, aber ja, ich habe das geschafft. Gerade wenn der Körper auf Hochtouren läuft, bleibt man einfach stehen und beobachtet den Körper dabei, wie er auf Hochtouren läuft. Und genau in dem Moment ist der Spuk vorbei. Angst erzeugen nämlich nur die Gedanken, die in die Zukunft schauen (z. B. "mein Herz könnte gleich stehen bleiben" -> Zukunftsmusik, ist schlichtweg nicht der Fall im Moment. Aber das ist ein angsterzeugender Gedanke, der den Körper weiter auf Hochtouren laufen lässt). Es ist unmöglich Angst zu haben, wenn man einfach in der Gegenwart lebt. Denn in der Regel ist da überhaupt nichts, wovor man Angst haben muss.

30.07.2021 21:32 • x 1 #4


Deine Einstellung ist wirklich interessant und bewundernswert! So hat Angst natürlich keine Chance. Aber da die Panikattacken im Rahmen einer Panikstörung auftauchen wird die das nur bedingt interessieren. Zudem kommt, dass ich noch nicht in der Lage bin die Angst mit den Symptomen gleich zu setzen. Für mich kommen gefühlt erst die Symptome und danach die Angst, eben generalisiert.

Das zeigt, dass ich wahrlich noch nicht so weit bin wie du. Aber es ist sehr schön zu lesen, dass es geht und man es lernen kann. Das macht Mut, also danke dafür. Auch wenn es in einem Schwächeanfall sehr schwer vorstellbar ist mit solchen Kreislaufproblemen einfach weiter zu machen. Ich hoffe daher, dass ich durch die Therapie dahin komme, wo du bist.

Zumal ich das Ganze ohne Medikamente durchziehen muss, aber auch will. Denn ich bin so vegetativ sensibel, dass Nebenwirkungen förmlich explodieren. Aus diesem Grund ist mein Therapeut der Meinung das unbedingt ohne Medis zu machen. Zumal diese das Problem nicht lösen würden.

Also jeden Tag kämpfen.

30.07.2021 21:54 • #5


Thomas_83
Ne... eben nicht. Kämpfen ist absolut das falsche Wort und erzeugt sofort wieder Anspannung und Angst. Jeden Tag einfach auf dich zukommen lassen. Wenn du jeden Tag kämpfst, ist das, als würdest du jeden Tag einen Ball unter Wasser drücken. Das kannst du nur verlieren.

Natürlich können auch erst die Symptome da sein, das steht außer Frage. Du wirst vor lauter Anspannung vermutlich total flach atmen. Dadurch wird dir irgendwann total schwindelig und dann erst kommt die Angst. Das kann überall anfangen. Mit Kreislaufproblemen setz dich einfach hin und bereite dich darauf vor ohnmächtig zu werden. Und dann lass es passieren... lass halt los

30.07.2021 21:58 • x 1 #6


Deine Worte in Gottes Ohr und so leicht gesagt. Wie geschrieben gehen die Symptome bei mir übelst ab. Kaum auszuhalten. Aber deine Worte geben Mut.

30.07.2021 22:38 • #7




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