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Hallo ihr lieben,
ich hoffe mal auf eine wenig Beruhigung und Resonanz von euch.
Also, erstmal. Ich hab schon einige verschiedene Symptome hinter mir und auch Ängste. Das aktuellste ist die Angst vor ALS. Das würde aber ausgeschlossen. Mein neuestes Symptom seit etwas über einer Woche ist, dass ich plötzlich Sprachprobleme habe, also teilweise verwaschen Rede und oft denke, dass es undeutlich rauskommt. Dazu kommt das Gefühl, bei manchen Lauten, wie s oder sch Probleme zu haben. Auch nicht immer, aber andauernd wieder. Und ich habe das Gefühl, es wird täglich schlimmer. Gestern hab ich beim Neurologen ein EMG der zunge gehabt und die Gesichtsnerven wurden gemessen, alles normal. Er sit sich sicher, dass die Sprachprobleme psychisch bedingt sind. In meinem Umfeld ist es noch keinem bewusst aufgefallen, auch nicht beim extra darauf achten. Ich kann zum beispiel auch singen oder vorlesen, dabei merke ich komischerweise garnichts. Inzwischen ist es für mich so schlimm, dass es mir davor graut, mit jandem zu sprechen. Und das schlimme ist: ich bin Lehrerin und darauf angewiesen.

Nun meine Frage: Kennt das jemand als psychisches Symptom und hat selbst Erfahrungen damit gemacht?

Es wäre toll, wenn sich jemand findet, der ähnliches durch hat.

19.02.2021 09:46 • 25.02.2021 #1


7 Antworten ↓


moo
Hallo Winni,

Zitat von Winnilein:
Nun meine Frage: Kennt das jemand als psychisches Symptom und hat selbst Erfahrungen damit gemacht?


der Gesamtkomplex Sprache hat mich schon immer fasziniert und ich glaube, dass in der Tat sogenannte Sprach-"Probleme" (?) ein Spiegel der jeweiligen geistigen Situation sein können. Wenn man sich vor Augen führt, welch unglaublich mächtiges aber auch subtiles Werkzeug die Sprache ist, kann man schon ins Schwärmen kommen und die Menschheit (versehentlich?) als Krone der Schöpfung etc. bezeichnen.
Sofern man nicht völlig manipulativ vorgeht (wie z. B. Verkaufsgenies oder Wahlkampfprofis) und die Worte intuitiv einsetzt, kann die Sprache als Schnittstelle zwischen Geist und Körper dienen. Bedenke, dass der Geist ja auch vorwiegend sprachlich denkt (und träumt).
Sowohl meine Ausdrucksweise als auch mein akustisches Sprachbild ist enorm von meinem Geisteszustand geprägt und das finde ich folgerichtig und sogar hilfreich. Bei mir schleichen sich z. B. seit einigen Wochen zunehmend "Unsauberkeiten", untreffliche Begriffe und auch mal Wortdreher ein. Ich führe das auf die seit Monaten sehr ungewohnte Corona-Lage zurück. Ich meinem Fall führt es zu deutlich weniger sozialen Kontakten und vor allem der mediale Input besteht ja gefühlt zu 80% nur noch aus rund 20 Worten: Corona, Ausgangsbeschränkungen, Impfkampagne etc. Da wird man doch zumindest "maulfaul", wenn nicht sogar geistig träge! Das ist übrigens auch ein Grund dafür, dass ich mich hier im Forum wieder angemeldet habe - wenngleich auch Lesen und Schreiben kein echtes Gespräch ersetzen können.
Ein "verwaschenes" Sprachbild habe ich sehr schnell bei relativ niedrigen Temperaturen. Wenn ich länger als 15 Minuten bei unter +10 Grad C draussen bin, bringe ich den Unterkiefer deutlich langsamer auf, d. h. meine Worte wollen schneller raus, als der Sprechmuskelapparat es zulässt. Das habe ich übrigens erst seit ca. 5 Jahren und hat wohl sicher mit dem Alter zu tun. Ich kann mir auch vorstellen, dass so etwas durch langes Lüften in Klassenzimmern winters zustande kommen kann.
Zu guter Letzt haben wir Angstfreaks ja bekannterweise eine übersteigerte Fokussierung auf die z. T. abwegigsten Symptome. Dass es lt. Deinen Bekannten offensichtlich nur Dir auffällt, lässt die Vermutung zu, dass das "Sprachproblem" vielleicht wirklich im wahrsten Sinne "hausgemacht" ist.

Abschließend noch ein Sprichwort, das ich mir gerne und oft selber zuflüstere:

"schei. da nix, dann feit da nix!"
(Für Non-Bavarians: Mach Dir nicht so viele Gedanken, dann gibt´s auch keine Probleme!)

19.02.2021 10:38 • #2



Plötzliche Sprachprobleme

x 3


Schlaflose
Zitat von Winnilein:
Nun meine Frage: Kennt das jemand als psychisches Symptom und hat selbst Erfahrungen damit gemacht?


Ja kenne ich, und ich bin/war auch Lehrerin.

19.02.2021 11:36 • #3


Schlaflose, wie hat sich das denn bei dir geäußert?

19.02.2021 11:40 • #4


Romulus100
Zitat von Winnilein:
Schlaflose, wie hat sich das denn bei dir geäußert?


Da du untersucht bist, solltest du dich von dem Gedanken, dass eine Krankheit dahinter steckt verabschieden und es als Symptom akzeptieren, aber nicht mehr weiter verfolgen.

19.02.2021 11:51 • #5


Schlaflose
Bei mir kam das unmittelbar durch Lehrerberuf, weil es für mich vom ersten Augenblick an ein Horror war, vor einer Klasse zu stehen und zu reden. Es fing schon im Referendariat an, dass meine Stimme brüchig wurde und immer wieder ganz versagte. Ich war deswegen auch ein paar Monate bei der Logopädie und habe da durch Atemtechnik gelernt, das einigermaßen in Griff zu bekommen. Und später passierte es immer wieder, wie du das beschreibst, dass meine Zunge nicht so wollte wie ich, also dass ich manchmal, in besonders stressigen Situationen regelrecht lallte oder stotterte aber auch, dass mir Wörter nicht einfielen, ich einen Satz anfing und nicht weiterkam u.ä.. Das passiert mir aber auch in anderen sozialen Situationen, wenn ich reden muss. Ich habe eine soziale Phobie und eine ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung.

19.02.2021 11:53 • #6


Danke, schlaflose.
Gibt es denn noch mehr Erfahrungen oder Betroffene?

19.02.2021 12:00 • #7


Ja, mich, Winnilein. Ich habe das auch seit gut 10 Tagen. Seitdem quält mich (wieder) die Angst vor ALS. Am Anfang hatte ich ein ständiges Zucken in der linken Schulter, wenn ich mich auf dem Ellenbogen aufgestützt habe, Dann hatte ich das Zucken mal hier, mal da. Ich habe nach den Symptomen gegoogelt und bin natürlich auf ALS gestoßen. Die Angst hatte ich vor einigen Jahren schon mal. Dieses Mal habe ich mich intensiver damit beschäftigt und gelesen, dass es auch eine bulbäre Form gibt, die sich durch Sprachstörungen zeigt.

Und als ich darauf geachtet habe, fiel mir auf, dass sich die Spitze meiner Zunge irgendwie taub anfühlt und ich die Zunge nicht mehr so schnell bewegen kann wie vorher. Ich habe das Gefühl, das ich bestimmte Wörter nicht mehr richtig aussprechen kann und sich meine Aussprache merkwürdig anhören muss. Da ich derzeit beruflich sehr viel telefonisch abwickeln muss, bin ich extrem gestresst, weil ich immer denke, dass der Gegenüber das bestimmt merkt und sich wundert. Wenn Gespräche dann von der anderen Seite schnell beendet werden, glaube ich, dass meine merkwürdige verwaschene Aussprache daran Schuld sein muss. Ich habe auch das Gefühl, dass es jeden Tag schlimmer wird. Ich versuche bereits, bestimmte Anrufe zu vermeiden.

Mein Mann, der meine panischen Angstzustände kennt, meint, da wäre nichts und ich würde völlig normal sprechen. Aber ich bemerke das merkwürdige Sprechen sehr wohl und kann nur noch daran denken. Alternativ könnte es Parkinson oder MS sein, da auch meine Finger leicht zittern und ich überall Ameisenlaufen und Taubheit spüre. Außerdem merke ich, dass ich nicht mehr so geschickt mit meinen Händen bin. Die Angst macht mich wahnsinnig. Je stärker sie wird, desto stärker werden auch die Symptome. Ich traue mich nicht zum Arzt, weil das hier in UK trotz privater Krankenversicherung ein Wahnsinnsaufwand ist, einen Spezialisten zu sehen.

Meine Angst ist derzeit am oberen Limit. Ich kann daher sehr gut nachfühlen, wie es Dir geht, noch dazu als Lehrerin.

25.02.2021 23:35 • #8




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