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Bootcut
Hallo in die Runde. Das ist mein erster Beitrag, also möchte ich mich kurz vorstellen.
Mein Name ist Sue, ich bin 43, alleinerziehend, habe einen fabelhaft geratenen 15 jährigen Sohn. Aktuell ist bei mir alles in bester Ordnung, besser lief es nie. Geld stimmt, Arbeit macht Spaß, allen geht es gut, ich habe liebe Freunde und mein Sohn und ich sind ein tolles Team.
Ich leide unter SD-Unterfunktion, die aktuell nicht behandelt ist (lange Geschichte, aber Termin im Okt)
Ebenfalls muss ich wohl, und hier sehe ich auch die Ursache, noch dazu sagen, dass ich (psychisches) Opfer des Attentates vom Berliner Weihnachtsmarkt bin; hier auch in Behandlung war und auch ein Gutachten über eine psychische Störung erstellt wurde.

Das letzte Jahr lief gut. Das Jahr nach dem Anschlag hatte ich ständig das Gefühl, ich bekäme einen Herzinfarkt. Oder es läge ein Stein auf meiner Brust. Diverse Untersuchungen liefen natürlich ins Leere, nach den Feiertagen und ein paar Sitzungen beim Krisenzentrum für die Opfer ging es mir auch wieder gut.
Bahnfahren, was ich täglich mache, war nie ein Problem. NIE!

Nun waren wir dieses Jahr in den USA. Alles schön. Es ging mir nie besser. Wir kamen zurück und ich hatte die ganze Zeit ein Unwohlsein. Das habe ich anfangs auf den jet-lag (9 h Unterschied) geschoben. Dazu kamen wässrige Durchfälle. Die kamen und gingen.
Es ging dann irgendwann damit los, dass ich (und nur morgens!) in der Bahn das Gefühl hatte, ich hätte Durchfall. Den hatte ich dann meist auch, hab es immer noch irgend wie in die Firma geschafft. Aber wirklich mit A++-zusammenkneifen, wenn ich das mal so sagen darf.


Vor drei Wochen kam gleiches Gefühl wieder, diesmal gepaart mit dem Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden. Meine Hände wurden taub, alles fing an zu kribbeln. Ich hab mich dann zitternd aus der Bahn ins nächste Hotel geschleppt und dort erstmal die Toilette belagert, habe im Foyer 2 h gesessen und mir dann ein Taxi gerufen, weil eine Weiterfahrt mit der Bahn nicht möglich war. Ich bin dann nach Hause, alles gut. Nächsten Tag in die Firma, alles gut.


Am folgenden Montag das gleiche wieder. Nur, dass ich diesmal nicht mal weit gekommen bin mit der Bahn. Bin direkt umgekehrt und zum Arzt. Die hat mich eine Woche krank geschrieben, alle Tests (Blut, Stuhl) unauffällig. Überweisung zum Orthopäden. Termin steht noch aus.

Gut, diesen Dienstag sollte ich dann wieder arbeiten gehen. In der Woche zu Hause alles ok. Ich bin in der Zeit allerdings nicht mit der Bahn gefahren (nur mit Taxi, alles gut) Ich hab es nicht mal auf den Bahnhof geschafft. Auf den Treppen versagten meine Beine. Also ich mir ein Taxi in die Firma gerufen. Fahrt gut, Arbeit gut, Rückfahrt mit der Bahn hervorragend.
Die Situation wiederholte sich dann vorgestern.
Gestern bekam ich die Panickattacken dann auch im Taxi. Ebenfalls auf der Rückfahrt in der Bahn.
Heute habe ich meine Ma mit an den Bahnhof genommen. Als mentale Unterstützung quasi. Ich habe eine Stunde gebraucht, um überhaupt die Wohnung zu verlassen, noch eine Stunde auf dem Bahnhof, um festzustellen, dass ich nicht in die Bahn steigen kann.
Und jetzt sitze ich hier... habe der Angstambulanz in einem großen KH auf den AB gesprochen... und weiß nicht mehr weiter.

Ich weiß nicht, woher das auf einmal kommt. Wenn ich morgens aufstehe ist alles ok. Ich habe zwar ein Unwohlsein, also ich fühle mich nicht ganz fit, aber ich meistere den Morgen. Sobald mein Sohn aus dem Haus ist, mache ich mich für den Tag fertig. Und dann fängt es an. Ich merke es im Magen, es ist ein Gefühl wie große Aufregung. Sobald ich draußen bin, kann ich kaum die Spur halten, habe einen Drall nach rechts, kann Punkte nicht fixieren, je näher ich dem Bahnhof komme, desto schlechter geht es mir. Ich fang dann an zu zittern, wie gesagt die Hände werden taub.

Alles ist ohne Befund. Blut, Stuhl. Augen sind in Ordnung (trage Brille) EKG ohne Befund. Beim HNO war ich schon, hier stundenlage Test zwecks Innenohr wegen Drehschwindel. Nichts.

Ich gehe gerne arbeiten, ich mag meine Arbeit und meine Kollegen. Was soll ich bloß machen? Bis man einen Termin beim Psychologen bekommt, vergehen doch Wochen. Soll ich mich jetzt wochenlang krankschreiben lassen? Ich komme ja nicht mal in die Nähe der Firma (Laufen und Fahrrad keine Option, zu weit weg und ein Auto habe ich nicht) Jeden Tag Taxi geht ordentlich ins Geld. Und damit löse ich ja das Problem nicht.

Wir wollen am WE (also meine Eltern und ich) mal das Experiment machen, dass ich mal woanders mit der Bahn hinfahre, bisher war es immer nur der Arbeitsweg. Also ob sich da im Kopf irgendwas abspielt im Sinne von "passiert nur, wenn ich in die Arbeit fahre" oder ob ich das tatsächlich immer habe.
Ich habe vorhin schon so viel geheult, ich komme mir so bescheuert vor und vor allem habe ich Angst, dass man mir nicht helfen kann. Ich habe hier schon so viel gelesen von anderen Usern. So traurig das ist, es ist für einen immer beruhigend, wenn man sieht, ja ok, du bist nicht alleine damit. Aber ich kann doch jetzt hier nicht jahreland zu Hause hocken? Was kommt denn als nächstes, dass ich keinen Supermarkt mehr betreten kann?
In der Firma sind Gott sei Dank alle sehr entspannt. Mir macht keiner Vorwürfe, alle helfen mir, ist für alle auch in Ordnung, dass ich jetzt wieder ausfalle.

Vielleicht hat jemand ähnliches erlebt, mich würden eure Geschichten vielleicht sogar Erfolge und Tipps sehr interessieren.
Liebe Grüße und Danke fürs Lesen

28.09.2018 13:01 • 06.10.2018 #1


20 Antworten ↓


Safira
Hallo Bootcut, also erstmal herzlich willkommen in unserer goldenen Mitte.
Das was du beschreibst hört sich für mich nach einer PTBS an. Dein Kopf ist in Alarm Bereitschaft und zeigt das auch. Er ist quasi auf Dauer Alarm eingestellt und schlägt bei der kleinsten Gefahr aus.

Du sagst dass du in der angstambulanz gewesen bist. Hast du denn sonst irgendein Arzt wie z.b. Psychiater aufgesucht? Das würde ich auf jeden Fall mal tun.

28.09.2018 13:09 • #2



Plötzliche Angszustände bei Verkehrsmitteln

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kritisches_Auge
ich habe einmal eine Frage: wie nah hast du das Attentat auf dem Berliner Weihnachtsmarkt erlebt?

28.09.2018 13:18 • #3


Bootcut
Hallo Safira, danke.
Und auch hallo an das kritische Auge.

Ich kann euch beiden antworten, weil das eine mit dem anderen zu tun hat.
Die Sitzungen, die ich bisher hatte, waren lediglich in der Trauma-Ambulanz und haben mir sehr geholfen. Die sind, das möchte der Staat so, weil der das ja zahlt, auf 6 Stück beschränkt. Wie gesagt, bis auf die... ich sage mal typischen "Kleinigkeiten", die ein solches Erlebnis mit sich bringen (Angst vor lauten Geräuschen, Angst vor Lkws, Angst vor fremden/nicht-verständlichen Stimmen, Angst, dass mein Kind alleine zurückbleibt) war nichts weiter. Also ich meide schon Situationen (wie Weihnachtsmarkt, natürlich) aber ich bin und war bis vor drei Wochen in meinem Leben nicht weiter eingeschränkt. Ich bin ja auch 10 h nach L.A. geflogen, habe inzwischen diverse Kurzreisen hinter mir, war auf einem Konzert... Ich versuche allerdings zu vermeiden, dass z.B. meine Eltern und ich eine Fahrt im Auto machen, ohne meinen Sohn, aus Angst, dass uns allen was passiert und er bliebe zurück (der KV ist 2016 gestorben) Eine Angst, die ich vorher nicht hatte.
Ich habe erstmal versucht, diese Attacken selbst irgendwie hinzubekommen, wie es sicherlich hier auch fast jeder mal versucht hat. Also morgens keinen Kaffee mehr, weil der putscht auf, lieber n Tee ohne Zucker. Frühstücken. Früher schlafen gehen...Auf bestimmte Nahrungsmittel achten usw. (ja, habe auch Unverträglichkeiten aber die sind alle abgeklärt), kein Alk..

Wie nah war ich dran... sagen wir es so, wären meine Freundinnen und ich damals auch nur 10 m weiter gelaufen, würde ich hier nicht mehr schreiben. Also wir haben von Anfang an alles mit ansehen müssen. Und auch das "danach"

28.09.2018 13:30 • #4


Safira
eine PTBS tritt nicht unweigerlich nach dem Erlebnis auf, sondern erst Monate oder Jahre später.

Haben die das in der ambulanz nicht angesprochen? Ich finde Du solltest da was unternehmen. Erster Schritt wäre Psychater und sich dann um einen geeigneten ambulanten Therapeuten kümmern. Glaube mit 6 Sitzungen kommst Du nicht weit wenn Du schon solche Probleme hast.
Auch wenn es keine PTBS sein sollte kann eine Psychotherapie in Deinem Fall nicht schaden.

28.09.2018 13:36 • #5


kopfloseshuhn
Das klingt für mich auch nach einer ptbs.
Das kann auch Jahre später kommen.
Das schließt diese... ich sag's mal wie es ist...minibehandlung direkt danach leider nicht aus!
Was du jetzt brauchst ist kompetente Hilfe und traumatherapie!
Ganz herzliche grüße

28.09.2018 13:39 • #6


Bootcut
ja eben, auf der Suche nach einem Psychiater bin ich gerade, siehe Anruf in der Angstambulanz.
Dass solche Sachen auch Jahre später auftreten können, das wurde mir gesagt und ist mir auch bewusst. Nur dass es ausgerechnet "mein" einziges Verkehrsmittel sein muss, mit dem ich in die Arbeit komme... das lähmt mich so ein bißchen. Diese Verlustängste, die ich jetzt habe, ja die gehören für mich auch dazu.
Oder dass ich z.B. 10 m nach hinten gehe, wenn auf der Straße ein Lkw fährt oder ich bei lauten Geräuschen sehr schreckhaft bin, sicher auch Nachfolgeerscheinungen.

Das letzte Jahr lief gut. Bis sich der Jahrestag näherte. Da bin ich dann, wie gesagt, mit Herzinfarktgefühlen zum Arzt.
Dieses Jahr lief hervorragend. Insofern hatte ich jetzt, bis auf die erneute Sitzung wegen dem Gutachten, nicht mehr großartig das Gefühl, ich müsse mich behandeln lassen.

Es gab auch keinen Auslöser in den letzten Wochen. Keine komischen Begebenheiten in der Bahn oder so.

28.09.2018 13:46 • #7


Safira
Was für ein Gutachten meinst Du jetzt genau? Hat es da irgendwas mit Dir gemacht als es erstellt wurde oder was Du gelesen hast?

28.09.2018 13:51 • #8


kritisches_Auge
Du solltest dir keine Vorwürfe machen, deine Reaktion ist völlig " normal " und natürlich.
Ich bin ja kein Fachmann sondern nur interessierter Laie, in meinen Augen wäre eine Verhaltenstherapie für dich absolut notwendig.

Bitte mache dir keine Vorwürfe!

Eine Therapeutin hatte einen Patienten der nach dem Vorfall in München bei dem nicht anwesend sondern weit entfernt war, eine Phobie vor Verkehrsmitteln. Es war geplant, dass sie mit ihm Zug fuhr.

Ich habe schon oft darüber gelesen,dass der Therapeut mit dem Patienten Dinge unternimmt die ihn ängstigen und so wird die Angst stufenweise abgebaut.

Und ich denke du solltest so schnell wie möglich in Therapie, ich wünsche dir baldige Hilfe.
Den ersten Schritt kannst du selber machen indem du dir keine Vorwürfe mehr machst sondern die Angst als Folge akzeptierst.

28.09.2018 15:17 • #9


kopfloseshuhn
Zitat von Bootcut:
Nur dass es ausgerechnet "mein" einziges Verkehrsmittel sein muss, mit dem ich in die Arbeit komme... das lähmt mich so ein bißchen.

So ist das mit der Psyche. Wenn sie schreit, schreit sie laut. Und dann mit Dingen, die einem wichtig sind. Wäre ja aus der Sicht zweckfern, wenn sich die Angst etwas aussuchen würde, dass keine Aufmerksamkeit auf sich lenkt.
Es tut mir wirklich leid, was du da durchmachen musst und das Gutachten hat sicher nochmal einen Teil wachgerüttelt. Insofern kann man das schon als Trigger sehen. Und auch ein Jahrestag kann Trigger sein.
Versuch gut zu dir zu sein. Rücksichtsvoll und verständnisvoll.
Ganz liebe grüße

28.09.2018 15:46 • x 1 #10


Hallo

So hat die Angststörung bei mir begonnen, in der Bahn. Ich rate dir, umgehend eine Verhaltenstherapie zu starten, die mache ich gerade auch, suche dir eine Psychologin oder einen Psychhologen, wo dies anbietet. Ich muss auch mit der Bahn zur Arbeit und musste mir neue Möglichkeiten suchen. Zwischenzeitlich haben sich die Ängste auf andere Bereiche ausgebereitet.

Ein Tipp betr. den Gedanken, denn diese steuern die Angststörung. Wenn du am Morgen einsteigtst in die Bahn denke so:

Das wird schon gut gut, ich fahre gerne Bahn und früher hatte ich auch keine Probleme.

01.10.2018 10:36 • #11


Bootcut
Hallo Ihr Lieben, am Freitag hatte ich noch einen Rückruf von der Angstambulanz und habe Psychologen- und Therapietermine bekommen - leider erst für Ende November. Man war sehr nett zu mir, das Gespräch war super und man hat mir auch noch links zu progressiver Muskelentspannung geschickt, welche ich auch bereits durchführe. Leider merke ich dabei, dass es mir wahnsinnig schwer fällt, mich zu entspannen, zu lösen. Ich bin zappelig hoch 100.

Termine also im November. Die Frage ist - was passiert bis dahin.

Ebenfalls riet man mir, da es im Nov eben auch auf eine Verhaltenstherapie und Gruppensitzungen hinaus läuft, was für mich total ok ist (ich lege auch nen schimmeligen Käse aufs Fenster bei Vollmond, wenn mir jemand sagt, dass das hilft...) mich der Situation, natürlich im Dabeisein von Personen wie Eltern oder enge Freunde, zu stellen. Ich würde sehen - mir wird nichts passieren.

Und wenn doch? Umfallen in der Bahn wäre mir gar nicht peinlich.
Mir im Berufsverkehr in die Hose zu machen, schon. Und dann braucht niemand mehr denken, dass ich jemals wieder in diese Bahn steigen werde.

Nachdem ich diese Anfälle ja jetzt auch im Taxi bekam, das Verkehrsmittel, auf das ich auf dem Weg zur Arbeit ausgewichen bin, haben meine Eltern und ich am WE eine Testfahrt in die Firma im Pkw gemacht, alles gut.
Am Sonntag hatten mich dann Freunde nach einer gemeinsamen Unternehmung gefragt, bei der ich nie widerstehen kann - ich musste absagen. Allein schon bei dem Gedanken eine Bahn zu besteigen, wurde mir schlecht. Ebenfalls, als ein Freund von mir mich abends zum Essen einlud. Ich war dann mit meinem Sohn essen - bis auf eine kleine "ich-mache-mir-gleich-in-die-Hose-"Attacke, die schnell vorüber ging, ebenfalls alles gut.
Kaum zu Hause hatte ich wieder schwallartigen Durchfall...

Heute früh wachte ich schon mit diesem merkwürdigen Bauchgefühl auf. Ein erneuter Versuch, zusammen mit meiner Mutter in ein Verkehrsmittel zu steigen, scheiterte schon beim Verlassen des Hauses. Also haben meine Eltern mich in die Firma gefahren. Auf halben Wege wieder das Gefühl, gleich in die Hose zu machen, Kontrollverlust, Schwindel. Konnte ich aber mit hektischen Gesprächen und sich über die Situation lustig zu machen, irgendwie wegatmen.

In 1,5 h muss ich nach Hause. Ich habe mir jetzt ein kleines Ziel gesetzt. Ich möchte einen bestimmten Bahnhof erreichen. Erstmal bis dahin, nicht weiter. Wie lange das dauert ist egal, mich hetzt nichts.
Ich hatte ebenfalls die Idee in die Firma zu laufen. Das ist ein Weg von 2,5 h. Einmal quer durch die Stadt. Meine Idee ist, dass mir das vielleicht so dermaßen auf den Nerv geht, dass ich freiwillig in die nächste Bahn steige, weil ich merke, wie irrwitzig das alles ist, was ich da mache...
Die Fahrten mit meinen Eltern sind auch jetzt erstmal zeitlich begrenzt, denn diese fahren in einigen Wochen in den Urlaub.
Ich selbst habe keinen Urlaub mehr, den ich bis Nov nehmen könnte, mal davon abgesehen, dass ich mir nach der ersten Kennenlernsitzung sicherlich keine sofortige Heilung versprechen muss.
Krankschreiben ist keine Option für mich, damit tu ich mir sicherlich keinen GEfallen. Ich gehe ja auch gerne arbeiten und ich löse damit das Problem nicht.

Wollte euch nur auf dem Laufenden halten und für die lieben Nachrichten bisher danken.

Zum Thema Vorwurf und Schuld: Ich gebe mir keine Schuld und ich mache mir auch keine Vorwürfe, damals dort gewesen zu sein bzw. jetzt diese Attacken zu haben. Ich weiß, dass ich dafür nichts kann. Ich fühle mich nur so machtlos. So ... eingeschränkt. Mein Leben war sorgenfrei bis vor einigen Wochen.

01.10.2018 16:47 • #12


Ja, laufe! eine gute Idee, denn Sport hilft. Ich habe auch Dinge angefangen zu vermeiden, habe so etwas Druck abgebaut. Ich hatte auch 2 Monate lang jeden Morgen und jeden Spätnachmittag Durchfall, nur weil ich wusste, jetzt muss ich dann auf die Bahn. Aber ich konnte das Problem zu Hause und im Geschäft lösen. Nimm dir den Druck und laufe, das tut verdammt gut. Akzeptiere einfach diese Lösung für den Moment.

01.10.2018 16:57 • #13


AnnaBend
Hallo..Leider wirkt sich das meist auf die Sachen aus die man am liebsten macht,bei mir war es vor acht Jahren mit dem Auto fahren..Bin am liebsten Auto gefahren und am besten schnell mit lauter Musik über die Autobahn...
Heute fahre ich nur,wenn ich unbedingt muss und mich wirklich keiner fahren kann..und Öffentliche Verkehrsmittel fahre ich schon seit über 14Jahren nicht mehr...
Versuch so schnell wie möglich einen Riegel davor zu schieben..Vermeiden macht es nur schlimmer und wenn du es zulässt,dass deine Angst dich beherrscht wird es um so schlimmer wieder daraus zu kommen..

01.10.2018 17:15 • #14


Safira
dann würde ich lieber mit dem Fahrad fahren E-Bike natürlich

ich habs mir letzens schon gedacht aber nicht getraut anzusprechen. Hast Du schonmal an Einlagen oder Windeln gedacht? Ich wäre sofort in der Dro. wenn ich Angst hätte mir auf der Strasse in die Hosen zu machen. So ein Reizdarm macht einem ja schon echt das Leben schwer

01.10.2018 20:19 • #15


Bootcut
ja, ich habe tatsächlich auch schon an Windeln gedacht, da muss nichts peinlich sein. Ich werde mir auch welche bestellen...

Seit meinem Posting von vorhin haben sich allerdings noch ein paar Sachen ergeben. Ich habe mein Thema heute in der Firma in der Geschäftsleitung per mail angesprochen. Also dass ich mein Zuspät-Kommen und Fehlen erkläre und entschuldige. Man hat ganz toll reagiert. Man hat mir einen home-office-Platz angeboten bzw. eine Krankschreibung durch den Betriebsarzt bis zum Termin im Nov. Ebenfalls habe ich unsere Firmenpsychologin, die eigentlich für Burnout zuständig ist, kontaktiert (das war auch ein Tipp der GF, an die Frau hatte ich als Übergangslösung gar nicht gedacht)
Das ist ganz toll und hat mir allein schon dahingehend geholfen, dass der Druck weg ist. Dass mich z.B. keiner ernst nimmt oder ich meinen Job verliere. Meine Firma und die Leute, die da arbeiten, sind wirklich der Wahnsinn, ich bin so dankbar. Aber das löst mein Problem nicht. Eher noch löst es Schuldgefühle den Mitarbeitern gegenüber aus, die seit Jahren um einen home-office-Platz bitten und auch gegenüber meiner Kollegin, mit der ich direkt zusammen arbeite, würde ich mich schlecht fühlen.
Ok, da sind sie jetzt, die Vorwürfe und Schuldgefühle. Wenn auch auf eine andere Art kritisches_Auge

Aber was ich gemacht habe wollte ich noch erzählen. Vielleicht hilft das ja auch irgendwann mal jemandem hier.
Ich bin also aus der Firma raus und habe mir gesagt: Du fährst nicht mit der Bahn, du läufst. Sofort waren die Magenschmerzen weg, die mich ab dem letzten Posting wieder geplagt haben. Also bin ich gelaufen. Und es kam, was kommen musste: Irgendwann war mir kalt, ich hatte keine Lust mehr und ich war durchgeschwitzt bis auf die Knochen. Also bin ich zum nächsten Bahnhof. Es kam eine Bahn, die leer war, also hab ich mich da reingesetzt, ohne wen anzuschauen, mein Handy geschnappt und gespielt. Ich bin ein paar Stationen gefahren, ausgestiegen. Habe ein paar Bahnen abgewartet auf eine, die wieder leer ist. Bin in die eingestiegen, und auch wenn es mir dabei nicht gut ging und ich dann die ganze Zeit über dem mitgeschleppten Nintendo meines Sohnes hing - ich habe es bis zu meiner Haltestelle geschafft.

Danach war ich fertig wie nach einem Marathon.

Da ich mir die Fahrt in der überfüllten Bahn morgen noch nicht zutraue, fahren mich wieder meine Eltern. Nach Hause werde ich es versuchen wie heute. Es kann schiefgehen aber auch wieder klappen. Aber offenbar KLAPPT es ja... irgendwie.

01.10.2018 21:52 • x 1 #16


AnnaBend
Herzlichen Glückwunsch..Feier deinen Erfolg und fühl dich auf gar keinen Fall schuldig...Es geht um dich und deine Zukunft..Ich drücke dir weiterhin die Daumen..

01.10.2018 22:02 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Hm ich war schon dabei, hier nen ewig langen Text zu schreiben. Aber das bringt eh nix. Ich kenne die Symptome, die du hier beschreibst.Ich weiß nicht woher es bei mir kommt. Aber lange Rede kurzer Sinn. Ich habe über die Jahre in verschiedenen Kliniken sehr viele Leute mit ähnlichen Symptomen kennen gelernt und stehe mit einigen auch noch in Kontakt.

Und was soll ich sagen? Bei 99% gingen diese Symptome wieder restlos weg. Gerade wenn eine solche klare Ursache, wie bei dir vorlag, habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich die meisten, bei entrechender Behandlung wieder restlos davon erholen.

Ohnmächtig wurde bisher keiner meiner Bekanten und einer der ein ähnliches Problem mit dem Durchfall hatte, auch bei dem ist es nie passiert ,dass er in die Hose gemacht hat. Es ist zwar manchmal wirklich anstrengend , aber du wirst es durchstehen.

Ich wünsche dir ,dass es bald besser wird. Wichtig ist wirklich, dass du kein Vermeidungsverhalten an den Tag legst.

Gruß Dernebu

01.10.2018 22:25 • #18


Bootcut
kurzes update. Am Montag habe ich aufgrund Ortsabwesenheit einen Telefontermin mit unserer Firmenpsychologin.
Meine Rückfahrten bewältige ich tatsächlich mit der Bahn, bisher ohne große Vorkommnisse, aber das "fertig-sein"-Gefühl danach ist grauenhaft.
Morgens geht immer noch - gar nichts. Meine Eltern fahren mich weiterhin in die Firma. Heute hatte ich im Auto einen ganz schlimmen Anfall. Ich könnte kotzen.

Morgen "muss" ich Bus fahren. Ich habe mich mit einer Freundin zum Essen verabredet, ich habe sie ein Jahr nicht gesehen. Sie hat selbst schon unter Attacken solcher Art gelitten, ich denke, sie wird mich verstehen.

05.10.2018 21:56 • #19


Safira
das schlimmste was Du jetzt machen könntest wäre, wenn Du den Angstauslösenden Situationen aus dem Weg gehst. Setze Dich Ihnen am besten täglich aus (ich weiß wie bescheuert sich das anhört) wenn Du es nicht tust und Dich ihnen immer mehr entziehst, umso schwerer wird es sein wieder ins alte Leben zu finden und der Angst in den A... zu treten.
Also bleib dran und kämpfe.

05.10.2018 23:22 • #20



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