Pfeil rechts

Hallo zusammen,
ich habe seit einigen Monaten Panikattacken.
Besonders wenn ich im Zug, im Kino oder im Hörsaal sitze. Ich muss mich dann permanent ablenken und nicht raus zu rennen.

Ich habe keine Erklärung dafür, woher das plötzlich kommt. Wie ihr euch vorstellen könnt, ist mein Leben dadurch sehr eingeschränkt. Ich muss mich jeden morgen zwingen in den Zug zu steigen, zur Uni zu fahren und dann im Hörsaal sitzen zu bleiben. Leider bekomme ich von den Vorlesungen kaum etwas mit, da ich damit beschäftigt bin meine Angst zu unterdrücken.

Ich studiere Medizin und habe demnächst wieder Praxiseinsätze. ich habe riesen Angst, dass die Attacken dann auch bei der Arbeit auftauchen. Im Moment bin ich ja nicht voll verantwortlich und weiß, dass es zwar unangenehm wäre, wenn ich mich zurückziehen müsste, aber ich würde damit niemanden in Gefahr bringen.
Was aber, wenn ich mit dem Studium durch bin? Wie soll ich einen Job machen, bei dem ich zu jeder Zeit voll konzentriert sein muss?

Ich denke nicht, dass die Panik vom Studium oder der Arbeit kommt. ich habe vorher 6 Jahre als Krankenschwester auf einer Intensivstation gearbeitet und bin auch in stressigen Situationen nie panisch geworden. Auch im Studium lief Anfangs alles super.

Was macht ihr so, wenn ihr in Situationen seid, in denen ihr ruhig und leise dasitzen müsst und plötzlich Panik bekommt? Sind hier noch mehr Studenten, die besondere Panik in Hörsälen bekommen?

Freue mich über jegliche Antworten.

22.09.2014 12:07 • 25.09.2014 #1


10 Antworten ↓


SilkeF
Hallo Karrrri
Leider muss ich deine Frage bejahen, ja, ich kenne dein Problem. Ich bin selber Anästhesieschwester an einer Uniklinik in der Schweiz und kenne die Panikattacken in Hörsäälen, Sitzungszimmer, Zügen etc. Ich versuche dir in der Kürze einige Tipps , welche ich bei mir anwende, weiter zu geben. Was ganz wichtig ist, dass du weiterhin versuchst, mit dem Zug in die Uni zu gehen. Vermeidungsverhalten bringen dich überhaupt nicht weiter. Es braucht ganz viel Energie, aber nur die Erfahrung, dass die Panik dir nichts anhaben kann, lässt es irgendwann leichter werden. Ich habe mir ein Buch gekauft mit dem Titel:angstfrei in 2 Schritten, die Angstlösende Tiefenatmung. Das hilft mir sehr und ich versuche, in solchen Situationen diese Atmung anzuwenden und mir vor Augen zu führen, dass die Panik zwar unglaublich unangenehm ist, aber mir eigentlich so nichts passieren wird. Ich persönlich gehe mittlerweile auch zu einer Psychologin , gehe so oft wie möglich raus in die Natur und habe gelernt, mich den einen oder anderen Personen zu offenbaren, auch an der Arbeit. Ich wünsche dir von Herzen alles Gute und viel Erfolg im Studium!

22.09.2014 13:42 • #2



Plötzlich Panickattacken (in Hörsälen, Kinos, )

x 3


Vielen Dank für deine Antwort.
Ich habe leider große Probleme damit zu glauben, dass mir das Ganze nichts anhaben kann. Was ich noch nicht geschrieben habe, ist, dass ich ca. seit einem Jahr zeitweise unter Atemnot leide. Vor einigen Wochen kam Bluthusten dazu. Ich war beim mehreren Ärzten und keiner konnte einen Grund finden. Zum einen bin ich beruhigt (da man ja gerade als Krankenschwester schnell an ein Bronchial-Ca denkt), aber andererseits denke ich, dass so was auch nicht einfach so kommt und auch nicht nur durch die Psyche. Wenn ich also einen Panikanfall habe, bin ich mir jedes mal unsicher, ob es wirklich nur ein Panikanfall ist oder ob doch was körperliches dahinter steckt und es nicht einfach vorbeigeht.
Atemübungen habe ich probiert, aber da ich mich dann eben auf die Atmung konzentriere und es eben die Atmung ist, die mir am meisten Angst macht, wird es dadurch nur schlimmer.
Ich habe auch schon einiges versucht, aber mir ist aufgefallen, dass es mir, je mehr ich mich damit beschäftige, immer schlechter geht. Ich habe z.B. nebenbei Psychologievorlesungen zu dem Thema besucht. Ich hatte die Hoffnung, dass ich es dann besser verstehe und es hilft wenn ich während dessen auch noch in einer potenziellen Angstsituation bin. Leider scheine ich alles was ich dort höre und vorher noch nicht hatte, direkt als Symptom dazuzubekommen, nur weil ich dann weiß, dass es vorkommen kann. Mir ist natürlich theoretisch klar, dass ich das selbst verursachen.

Kommt bei dir auch manchmal Panik auf, wenn du unter Stress arbeitest oder ist es eher so, dass du panisch wirst, wenn es gerade mal ruhig ist?

Liebe Grüße

22.09.2014 14:34 • #3


Hallöchen,

noch eine Studentin mit PA hier, ich studiere Sozialarbeit/Sozialpädagogik im siebten Semester, bei mir traten die PA nach vermehrten Stress im dritten Semester auf. Es war nicht der Stress von außen sondern der Dran immer perfekt sein zu wollen. Sehr gute Leistungen an der Uni zu erbringen aber gleichzeitig noch eine super Mama zu sein. Bei mir war es genauso, PA im Zug, in der UBahn, im Hörsaal, im Seminar, in Gruppenarbeiten mit Studierenden. Horror, so dass ich dachte, mein Studium aufgeben zu müssen. Aber es ich sage dir, es geht alles wieder. Bin seit über einem Jahr in Therapie, leider kommt man nicht drum herum sich mit der Angst zu konfrontieren. Und solange du versuchst die Angst zu unterbinden, wird sie wohl noch bestehen bleiben.
Auch wenn es seeeeeehr schwer fällt, aber du musst versuchen die Angst zuzulassen und sie auszuhalten. Wenn die Welle der Pa über dich schwappt, halt es aus..ABER: steigere dich nicht hoch, akzeptiere bewusst in diesem Moment, dass die Angst da ist, aber nehme sie auch als die Angst war, nicht als eine Katastrophe oder eine Bedrohung und du wirst sehen, die PA ist nach wenigen Minuten vorbei. Solange du diese aber immer unterdrückst werden deine Ängste wahrscheinlich nicht so schnell verschwinden. Das Gehirn muss lernen, dass die Pa nichts gefährliches ist und das lernt es erst wenn du die Angst bewusst zulässt, sie aushälst und sie beobachtest...

LG

22.09.2014 15:29 • #4


anna violetta
ich habe auch sozialarbeit/soziale arbeit studiert... mit dem zug zur uni fahren, im hörsaal sitzen, gruppenarbeit, referate und und und, es war alles der HORROR für mich.
habe das studium durchgezogen und erfolgreich abgeschlossen. habe dann in dem beruf der erzieherin gearbeitet, bin aber seit november 2013 leider arbeitsunfähig...
war schon stationär in einer klinik und bin ambulant in therapie seit über einem jahr.
irgendwie habe ich noch keinen weg für mich gefunden, wie es besser werden kann. ich kenne aber von mir auch das gefühl, dass ich gegen die panik ankämpfen will. zugelassen habe ich es auch schon öfters und mir gedacht "alles ist endlich. auch die panik geht wieder vorbei!".
aber ihr kennt doch sicher auch tage, wo man manchmal halb am verzweifeln ist wegen diesen zuständen, oder?

wie könnt ihr schlafen?
nehmt ihr medis oder nicht?

lg, anna

24.09.2014 13:48 • #5


Hallo, danke für die Antworten.
Es ist auch nicht so, dass ich die Situationen meide. Ich fahre regelmäßig mit dem Zug zur Uni und bisher bin ich auch noch nie aus dem Hörsaal gelaufen. Aber besser wird es dennoch nicht. Mittlerweile kommen die Panikattacken auch, wenn ich zu Hause bin. Es sind vor allem Situationen, in denen ich zur Ruhe komme. Sonst bin ich eigentlich kein ängstlicher Typ. Ich gehe hobbymäßig Tauchen und Fallschirmspringen. In diesen Situationen bekomme ich nie Panik. Auch wenn ich in den Zug steige und mir sage, dass ich gleich eine Panikattacke bekommen könnte und das dann aushalten werde, passiert nichts. Sobald ich aber wieder passiv werde und einfach an nichts denke geht's wieder los.

Zu deiner Frage Anna: Wenn ich nicht einschlafen kann, nehme ich nie etwas. Ich glaube ich habe zu große Angst evt. die Kontrolle über mich zu verlieren. Das einzige was mir hilft ist Musik zu hören. Besonders so alte Lieder, die ich als Teenager gern gehört habe.

25.09.2014 11:25 • #6


hi,

hmm, also bei mir flammt es auch immer wieder auf. Vor allem wird mir Angst und Bang weil ich jetzt mein Anerkennungspraktikum machen muss. Es ist dann die Angst vor der Angst....
Manchmal bekomme ich eine kleine panikattacke mitten im Vorstellungsgespräch, die Beine fangen fürchterlich an zu zittern, habe das total Fluchtgefühl und Herz klopft wie wild, danach fühle ich mich meist unterzuckert. Dieser Anfall dauert meist nur wenige Minuten dann geht es weg, sobal ich merke, das Gegenüber merkt ja nix und ich kann noch normal antworten. Trotzdem ein schreckliches Gefühl. Wie lange dauern die Attacken bei dir, wenn du sie zulässt und dich nicht besonders ablenkst, aber dich auch nicht hereinsteigerst?

Zu der Frage von Anna, ich nehme auch keine Medis, ich sollte am Anfang citalopram nehmen, habe mich auch nie getraut. Habe auch nie Tavor oder so ausprobiert aus dem gleichen Grunde wie karrri.
Das einzige was ich mal ausprobiert habe war opipramol 50 mg vor dem Schlafengehen über drei Wochen. Ich konnte von der ersten Nacht super schlafen, aber sonst hat es meine Ängste nicht minimiert. Glaube da hätte ich eine höhere Dosis nehmen müssen. Achso und dann habe ich ein halbes Jahr Johanniskraut genommen. Die Ängste waren dadurch nicht weniger, aber ich musst nicht mehr so oft weinen habe positiver in die Zukunft geschaut.
Zudem hatte ich einen ambulante Therapie und war auch letztes Jahr für 5 wochen in er psychosomatischen Klinik, was mir sehr gut, als ich rausgekommen bin, bin ich zwei Tage später an die Uni gefahren, weil das Semester wieder angefangen hat.

25.09.2014 11:35 • #7


Ach Karri um nochmal auf das Zulassen der Ängste einzugehen.
Du schreibst:
"Ich muss mich dann permanent ablenken und nicht raus zu rennen."
du läufst zwar nicht raus, aber du lenkst dich ab, diese Methode sollte ich auch anwenden, als ich mich über Wochen fast gar nicht mehr rausgetraut habe... damit ich überhaupt wieder unter Leute komme. Dann hieß es aber Ängste zulassen ohne sich abzulenken, nur so lernt das Gehirn aufs Neue das keine Gefahr besteht und die Ängste werden weniger...

25.09.2014 11:39 • #8


Romulus100
Zitat von karrrrri:
Besonders wenn ich im Zug, im Kino oder im Hörsaal sitze. Ich muss mich dann permanent ablenken und nicht raus zu rennen.



Hey, ja ich kenne das, studiere auch, hatte meine schlimmsten PA's im Zug und im Kino, auf der Uni bin ich nicht so oft, weil ich nicht viel Pflichtveranstaltungen habe, hatte aber natürlich dennoch Angst im Hörsaal.
Hab die Angst mittlerweile auch schon ein 3/4 Jahr und nach wie vor nicht überwunden, was ich allerdings überwunden habe, sind die PAs. Der einzige Weg wie es funktioniert sie loszubekommen, ist sich ihnen komplett auszusetzen und einfach nichts zu tun. Lass die Panik über dich hinwegfegen, für keine Handlung durch, lass das Herzrasen kommen, es bringt dich nicht um, hör auf deine Symptome und warte bis es vorbei ist. So habs ich überwunden und von einem Tag auf den anderen keine PA mehr gehabt. Es ist auch schwierig, weil sich Panikattacken in ihrer Form verändern, aber sie tun dir nichts, sie wollen praktisch nur spielen
Mitterlweile habe ich noch immer mal mehr und mal weniger starke Angstzustände, aber auch hier kann man nicht mehr tun, als es auszusitzen, nicht wegrennen und sich jeden Tag neu überwinden und sich in Situationen der Angst begeben. Hatte auch Momente in Hörsäle, wo ich dachte ich sterbe, bin dann einfach drin geblieben und habe gehofft das es besser wird. In meiner schlimmsten Angstzeit, war mir so schwindlig dass ich nicht mal in den Saal gehen konnte. Anyway, immer daran denken, es ist nur Angst, du erzeugst sie selber und die anderen Menschen werden es nicht merken, man sieht einen die Angst nicht an, die konzentrieren sich ja auch nicht auf dich.

Liebe Grüße

Romulus

25.09.2014 15:16 • #9


Wenn ich die PA zulasse, dann dauern sie wirklich bis die Situation vorbei ist. Länger warten und sehen, ob sie auch so aufhören, kann ich normalerweise nicht, da ich ja nun mal aus dem Zug aussteige, wenn ich da bin bzw. den Kinosaal nach dem Film verlassen muss.
Und klar, lenke ich mich auch mal davon ab, statt jede PA zuzulassen. In manchen Situationen kann ich halt nicht ne Stunde oder Länger einfach dasitzen und nur in der Situation verweilen. Wenn ich beispielweise im Labor ne Attacke bekomme, muss ich trotzdem weiterarbeiten und um weiterzumachen, muss ich dann schon über die Aufgabe nachdenken und nicht nur in meiner Angst bleiben. im Kino ist es möglich das auszuhalten, aber bisher hat das wie gesagt nicht geholfen.

25.09.2014 16:08 • #10


Romulus100
PAs dauern bei dir stundenlang? Bist du sicher, dass es dann wirklich auch eine PA ist und nicht eine starke Angstattacke? Bei mir dauerten die PAs aller höchstens eine halbe Stunde. Sicher habe ich manchmal auch alle Zustände, Schwindel, Herzklopfen etc. aber es ist dennoch keine PA, den Unterschied merke ich.
Wenn es solange dauert, kannst du tatsächlich nicht ewig in der Situation bleiben, aber hast du zb im Zug schon einmal probiert, einfach nichts zu tun, komplett deine Gedanken auf die PA und einen Zustand zu lenken, statt zb nervös zum Nachbar zu schauen?

25.09.2014 16:13 • #11



x 4




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag


Dr. Reinhard Pichler