Beata

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Hallo,
ich möchte euch einmal mein (e ) problem(e) schildern, und mal hören, was ihr dazu sagt.

Bei mir hat alles angefangen so um die Neujahreswende. Plötzlich hatte ich furchtbare Angst vor dem Tod. Ich hatte mich da vorher nie so mit beschäftigt, aber kam es dann, dass ich darüber nachgedacht hab und halt schreckliche angst hatte zu sterben (nicht weil ich irgndwelche körperlichen Probleme hatte, sondern allein die Vorstellung). Wenn ich abends alleine war, war es noch schlimmer.
Als die Schule dann wieder anfing, wurde das auch besser, wahrscheinlich weil ich abgelenkt wurde.
Als ich kurz darauf zur Schule fuhr, hatte ich das Gefühl als wenn ich ganz schlecht Luft bekommen würde. Also ich hab zwar gemerkt, dass ich Luft bekomm, aber es war wie ein Knoten in der Brust. Ich atmete zwar ganz ruhig ein, hatte aber das Gefühl, als wenn unten nichts ankommt.
Bin dann zum Arzt, der hat mir ein bronchienerweiterndes Spray gegeben und jut.
Zu Hause fühlte ich mich dann immer schlapper, schon vom Treppensteigen erschöpft und hatte immer öfter Herzrasen und sowieso einen erhöhten Ruhepuls.Dazu kamen auch immer wieder schwindelgefühle.
War dann auch beim Kardiologen, der hat organisch nichts festgestellt, mir aber einen Betablocker verschrieben um die Herzfrequenz zu senken (Ich spüre das Herz auch immer ganz doll klopfen, also ist es schon schwierig nicht daran zu denken, wenn man es immer spürt) Hatte schon vorher einen Calciumantagonisten (seit ca. 2 Jahren), der hat das also nicht aus heiterem himmel mal ebenso verschrieben.
Mein Blutdruck ist dadurch auch eher niedrig ( so 95/60 regulär), weshalb der Schwindel ja nicht sonderlich wundernswert ist.

Ich war ein paar Tage damit krankgeschrieben, hat nichts verändert und so bin ich dann wieder zur Schule, schreibe schließlich bald abitur.
Da hatte ich morgens schon so ein unwohles Gefühl, hab halt Gedacht, hoffentlich passiert da nichts in der Schule.
Seitdem hab ich immer wieder solche "Attacken" (weiß nicht, ob man das so nennen kann, das kann nämlich auch schon mal 1-2 stunden gehen) : Mir wird schwindelig, ich bekomm herzrasen, schweißige Hände, habe angst, dass ich umfallen könnte. Meistens verlasse ich dann panickartig den raum und versuche frische Luft zu bekommen. das zieht sich jetzt schon seit 3-4 wochen hin. Ich habe totale Angst, dass mir in der Schule was passiert, dass ich sterben könnte und mir keiner helfen kann.
Ich gehe auch nicht mehr alleine durch die Gänge und fühle mich wohler , wenn meine beste Freundin bei mir ist. Aber wenn sie zB morgens mal nicht im Bus ist, wird mir schon wieder mulmig, weil ich angst hab, dass sie nicht kommt und ich dann trotzdem alleine in der Schule bin. Ähnlich auch bei Fächern, die ich nicht mit ihr gemeinsam habe.
Ich habe bis jetzt noch nie länger als 4 stunden am stück durchgehalten und ich weiß auch nicht , was ich machen soll. Was trinken, oder traubenzucker nehmen hilft nicht.Wenn ich versuche ganz tief zu atmen wird mein herzrasen davon eher schlimmer, weil ich es dann auch noch doller spüre.
Ich schreibe schon am 26. Feb . meine erste Prüfung. Ich habe eigentlich keine Angst, dass ich das Abi nicht bestehe, ich habe einen guten Notenschnitt und auch viel gelernt. Aber ich habe Angst, dass ich die Prüfung an sich körperlich nicht durchstehe.
Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll. Ich bin den ganzen Tag nur am heulen, selbst im unterricht.

Weiß jemand Rat?
Gruß
Beata

15.02.2010 20:55 • 15.02.2010 #1


3 Antworten ↓


MentaleDispersion

MentaleDispersi.


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Man sagt ja immer, man soll sich seinen Ängsten stellen...Das ist zwar einfach gesagt, aber schwer umzusetzen, ich spreche aus Erfahrung.

Also auf deine Prüfungen bezogen, kann ich dir nur raten, dich bis dahin gesund zu ernähren, Alk. weg zulassen und womöglich viel Sport und Entspannung zu machen. Ob das bei dir hilft, kann ich dir nicht sagen, zumindest verringert es bei mir die Anspannug.

Ich hatte letzte Woche auch eine Prüfung, allerdings an der Universität und ich habe mir den Abend davor natürlich Panick geschoben, aber ich habe es geschafft, mich in ein Gefühl hineinzusteigern, in dem ich mir dachte - Es ist doch egal!! Was kann denn schon passieren? Entweder ich geh da jetzt rein und liefer mein gelerntes Wissen dort ab, oder ich kriege Panick und versaue alles, also hielt sich meine Angst in Grenzen und alles lief "relativ" normal ab.

Das ist natürlich nur eine meiner Erfahrungen, aber ich hoffe, ich kann dir damit irgendwie Mut machen, denn es ist möglich und gerade bei Prüfungen, wenn du auch gelernt hast.

Viele Grüße

15.02.2010 22:07 • #2


Pilongo


Hallo Beata,

Ich war genau in der gleichen Situation wie du, leider.
Wie du hatte ich zu Neujahr Panikattacken, konnte kaum noch Vorträge halten, fühlte mich allerdings in der Schule wohler als daheim. Trotzdem musste ich mein Abi schreiben, trotz Panikattacken.
Ich kann dir bloß sagen: Es wird nicht angenehm werden, aber du wirst es überstehen. Du wirst absolut nicht sterben. Der Körper hält das aus.
Du musst außerdem nicht das Abi schreiben, wenn du nicht willst. Ein Therapeut kann dich krank schreiben und dann kannst du das Abi im nächsten Jahr machen und vorher gesund werden. Mein Therapeut hat mir das auch angeboten, aber ich wollte nicht. Ich wollte mein Abi machen, egal, wie schlimm es sich anfühlt. Und das war auch das Beste, meiner Meinung nach, was ich hätte machen können, denn so hab ich gelernt: Die Angst hält dich nicht davon ab, das zu machen, was du willst. Sie kann dich nicht bremsen, du kannst trotzdem dein Leben nach deinen Wünschen gestalten. Das war ein Durchbruch-Gedanke, ich wurde mir meiner eigenen Macht über die Angst dadurch erst bewusst, und nach dem Abi wurden die Attacken auch stetig weniger, heute bin ich sie los.

Den Prüfungen selber bin ich beigekommen, indem ich ganz viel zu Trinken mit genommen hab, vorher schöne und lustige Musik gehört hab, und ansonsten nach dem Motto: Augen auf und durch!
In den Tagen vor den Prüfungen hab ich ganz bewusst jeden Abend eine Stunde lang entspannt und regelmäßig Sport gemacht, um die Anspannung los zu werden. Attacken hatte ich trotzdem, aber vielleicht wären's noch mehr gewesen, wenn ich nicht so viel und bewusst entspannt hätte.
Ich hatte in manchen Prüfungen Panikattacken, in manchen nicht. In Deutsch hatte ich die ganzen 6 Stunden lang Herzrasen und war kreidebleich und nass geschwitzt, dass die Lehrer mich schon Heim schicken wollten. Aber ich bin da geblieben. In der mündlichen Prüfung, die ich erst Abends hatte, war ich so aufgeregt, dass ich es kaum ausgehalten hab, und trotzdem hab ich 14,5 Punkte abgesahnt und die Prüfer voll überzeugen können. Trotz Panikattacken.
Es hat sich schlimm angefühlt und ich dachte, ich würde sterben, aber der Körper des Menschen kann so viel aushalten, da schaden ihm die paar Stunden Herzrasen kein bisschen, glaub mir. Überleg mal, wie unsere Vorfahren gelebt haben, was DIE Alles aushalten mussten, Panik und Spannung rund um die Uhr, und die habens auch überlebt. Dann schaffst du das auch!
Und am Ende, nach der Prüfung, war ich immer total stolz auf mich und glücklich, der Angst die Stirn geboten zu haben. Ich hab gemerkt, dass mir nichts passiert, egal, wie groß meine Angst auch sein mag.
Wieder ein riesen Schritt in der Therapie, der mich voran gebracht hat. Das Abi war quasi sowas wie meine Booster-Heilung.

Aber, und das leg ich dir ans Herzen: Lass nicht mehr so an dir herum doktorn, die Betablocker und all das helfen dir nicht gegen die Angst, du merkst ja selber, dass es eher schadet als hilft. Dass du dein Herz so intensiv wahr nimmst hat nix mit dem Herzen zu tun, das liegt nur an dir und daran, dass du dich selber beobachtest. Hatte ich auch. Such dir dringend einen Therapeuten, der mit dir gemeinsam an der Angst arbeitet und dir zeigt, wie man mit ihr umgeht. Schustere nicht an deiner Gesundheit herum. Pack das Problem da, wo es wirklich ist, nämlich an der Wurzel und an der Seele. Hab ich auch sofort gemacht -und es hat mir sehr gut geholfen.
Hier ist eine Liste mit Therapeuten in deiner Umgebung, die für die Kasse arbeiten: https://www.psychic.de/psychotherapeuten.php
Meine Kasse hat 25 Stunden übernommen, was erst mal nach wenig klingt, aber es reicht locker. Ich hab die 25 Stunden garn icht alle gebraucht.

Ich hab damals gleich 30 aus meiner Region angerufen und bei jedem aufs Band gesprochen und vor Allem klar gemacht, wie dringend es ist, weil das Abi kurz bevor steht und ich schnelle und nachhaltige Hilfe brauche. Ich hab darum gebeten, mich nur zurück zu rufen, falls sie auch wirklich längerfristige Termine frei haben. Unter 10 Therapeuten von den 30 haben zurück gerufen, und noch weniger davon konnten mir wirklich dauerhafte Termine zusagen -also hab ich den erstbesten genommen und hatte Glück, denn ich kam super mit ihm zurecht
Quantität ist also angesagt, und maßlose Übertreibung.
Am Besten greifst du direkt zum Telefon.

Liebe Grüße,
Bianca

15.02.2010 23:24 • #3


Pilongo


Achja, und falls du noch unsicher warst: Ja, das klingt sehr nach Panikattacken! Wenn du die Therapeuten durchtelefonierst, sag das ruhig gleich dazu. Hab ich auch gemacht. "Hallo, mein Name ist Bianca B.; ich leide seit dem Tod meines Vaters plötzlich an Panikattacken und schreibe im Mai schon mein Abitur. Es ist also sehr dringend, ich brauche Hilfe. Bitte rufen Sie mich nur zurück, wenn sie auch längerfristig Termine frei haben, meine Nummer ist:"
So ungefähr hab ich's gemacht.

15.02.2010 23:37 • #4



Dr. Hans Morschitzky