Vielen Dank für eure Rückmeldungen!
Zitat von mirona41:Reduzierst du denn einfach so deine Medikamente, oder ist das unter ärztlicher Aufsicht? ... Wielange hast du denn Lorazepam genommen?
Das Lorazepam nehm ich jetzt sicher seit 8 bis 10 Jahren. Mein damaliger Neurologe/Psychiater war sich schon auch darüber klar, dass er nicht so ganz nach den Regeln der ärztlichen Kunst handelt, indem er mir die ständig verschreibt, aber ihm war auch klar, in welcher Situation ich bin und dass ich irgendwie keine Möglichkeit habe, diese Situation zu lösen. Und ich hab die Dosis die ganzen Jahre nicht erhöht.
Über die erwähnte Situation hatte ich in meinem ersten Posting gar nichts geschreiben, es war sowieso schon so lang und so ein Durcheinander. In den ganzen Jahren mit Kliniken und Psychotherapie hab ich natürlich eine ganze Menge gelernt, auch über die Ursachen meiner Ängste. Ich habe eine 11 Jahre älteren behinderten Bruder und das hat dazu geführt, dass ich schon als Kind immer diejenige war, die funktionieren musste. Und wenn ich versucht habe, über irgendwas mit meiner Mutter zu reden, dann kam immer sofort die gleiche Leier "hab ich denn mit deinem Bruder nicht schon genug Sorgen und Probleme, musst du jetzt auch noch mit Problemen kommen" usw. usf. und so hab ich sehr früh gelernt, alles mit mir alleine ausmachen zu müssen. Ich war nie wichtig, ich war nur ok, wenn man so wenig wie möglich von mir bemerkt hat. Und immer mehr bin ich für meine Mutter zur Möglichkeit geworden, ihren Frust abzureagieren. Solange mein Vater noch lebte, hat er auch viel abgekriegt, aber nach seinem Tod war halt nur noch ich greifbar. Was mir meine Mutter schon alles an den Kopf geworfen hat! Ich hätte mein ganzes Leben lang nur Unsinn und Dummheiten gemacht, und sie würde ja von mir sowieso nur angelogen, ich würde lügen, wenn ich den Mund aufmache, so was Fettes wie ich würde ja auf der ganzen Welt nicht noch mal rumlaufen (dazu muss ich sagen, sie hat Größe 46 und ich 48!). Einmal hab ich sie gefragt, ob ich in ihren Augen überhaupt was richtig gemacht hätte im Leben, und da fiel ihr nach sehr langem Überlegen als Einziges ein, naja, dass ich mein Abitur geschafft hätte, das sei ja ok gewesen.
Dann habe ich 1995 meinen jetzigen Mann kennengelernt, und da wars dann ganz aus. Ein Ausländer, und noch dazu einer, dem man das auch ansieht (mein Mann stammt aus Tunesien) - das geht nicht, das darf die Nachbarschaft und die Verwandtschaft nicht erfahren, sie müsste sich ja in Grund und Boden schämen und wegziehen, denn diese Schande könnte sie nicht ertragen usw. Mein Vater sagte dazu damals "der kommt mir nicht ins Haus, und ich will ihn auch gar nicht sehen". Das hat sich dann irgendwann relativiert, sie haben ihn kennengelernt und hatten auch nichts mehr dagegen, wenn er sie besuchte, und er war derjenige, der mir immer gut zuredete "hab Geduld, die müssen sich erst an mich gewöhnen, gib ihnen Zeit und das wird schon ...". Aber es wurde nichts, meine Mutter konnte nicht aufhören, zu sticheln und zu provozieren, bis selbst mein Mann irgendwann sagte, er hält das nicht mehr aus, und er betritt ihr Haus nicht mehr (da war mein Vater schon einige Zeit tot).
Im Grunde ist es so, dass ich nach jedem Besuch bei meiner Mutter völlig aufgelöst und fix und alle nach Hause komme und mein Mann mich dann erst mal wieder auffangen muss. Er ist wirklich das Beste, was mir überhaupt passieren konnte, wir sind jetzt seit über 10 Jahren verheiratet und sehr glücklich miteinander (wenigstens dieser Teil meines Lebens ist in Ordnung). Ohne ihn hätte ich diese ganzen Jahre nicht durchgestanden.
Ich habe auch fast keinen Kontakt zu meiner Mutter (alle paar Monate mal), aber damit gehts mir auch nicht gut, dann hab ich wieder ein schlechtes Gewissen, weil ich mich nicht um sie kümmere, sie ist jetzt 84 und hat immer noch meinen Bruder im Haus.
Langer Rede kurzer Sinn - mein damaliger Psychiater kennt meine Mutter auch sehr gut, und konnte deshalb meine Probleme sehr gut verstehen und nachvollziehen. Er hat dann aber vor 2 Jahren seine Praxis aufgegeben, und seitdem bin in einer anderen neurologisch/psychiatrischen Praxis, und meine jetzige Psychiaterin drängt schon sehr darauf, dass ich von dem Lorazepam wegkommen sollte. Sie wollte die Dosis gleich halbieren, das war mir aber zu heftig, und so haben wir uns auf das schrittweise Verringern geeinigt. Also ich mach das nicht auf eigene Faust, aber seit es mir jetzt wieder so schlecht geht, hatte ich keinen Termin mehr bei ihr, und als ich das letzte Mal bei ihr war, gings mir ja auch mit der verringerten Dosis relativ gut.
Zitat von Grizabella:... gehe zu einer tollen Feldenkraislehrerin ... Aber es passiert so oft, dass man wie du in diese Ecke geschoben wird und wenn man dann beim arzt ist, und er das auf der Überweisung liest, dann überlegt der gar nicht lang, ob er dir wirklich zuhören soll, ist ja eh klar...traurig.
Feldenkrais, ja das mach ich auch, natürlich Krankengymnastik, manuelle Therapie, progressive Muskelentspannung, Reizstromtherapie (das ist jetzt neu von der Schmerztherapeutin, mit nem Gerät zu Hause, wo ich nicht nur zweimal in der Woche irgendwo hintigern muss, sondern es eben auch öfter machen kann) - das hab ich alles im Programm. Das einzige, was mir immer geholfen hat, waren regelmäßige Mass., die mir mein damaliger Orthopäde auch problemlos verschrieben hat. Aber seit der gestorben ist, verschreibt mir kein Arzt mehr Mass. (doch: die Hausärztin - einmal im Jahr 6 Stück!). Und im Wasser gehts mir gut, aber nur, solange ich drin bin, kaum bin ich raus, sind auch die Schmerzen wieder da.
Ja, und du hast völlig recht mit der Überweisung. Die Klinik hat jetzt die "Somatoforme Schmerzstörung" zu meiner Hauptdiagnose gemacht und die steht auf der Überweisung, und auch wenn ich jetzt zu nem anderen Orthopäden gehe, dann steht das auf der Überweisung, und dann liest der das und denkt sich gleich "ach für die bin ich doch gar nicht zuständig, was soll ich mit der meine Zeit verschwenden, die soll lieber zum Psychiater gehen".
Zitat von Gina68:... Ärzte können manchmal so .... Grrrrrr! Wissen die nicht weiter, oder sie wollen nicht!! .... Durch MRT belegte Wirbelschaeden! Da sagen die,die Schmerzen kommen nicht davon? ...
Ich denke inzwischen, es ist beides: die wissen nicht weiter und wollen auch nicht richtig. ist ja viel einfacher, zu sagen "Tun Sie was wegen Ihre Depressionen, dann gehen auch die Schmerzen weg!"
Oh, mein Gott, bin ich eine Labertussi! Ich bin sonst eigentlich eher ein ruhiger Typ, aber mir scheint, im Moment brechen alle Dämme. Und natürlich bin ich schon längst wieder am Heulen ...
Danke an alle, die die Geduld aufbringen und das alles lesen ... liebe Grüße