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Hallo ihr Lieben,

lange habe ich überlegt, ob ich mich hier oder in einem anderen Forum anmelde, um Leuten mein Leid zu klagen, die sicherlich selbst genug um die Ohren haben, aber der Drang nach Aufmunterung und Hilfe hat gesiegt!

Erstmal zu mir, ich bin 24 Jahre alt, habe eigentlich ein wunderbares Leben, habe einen Job, einen tollen Partner und eine tolle Familie, keine Geldsorgen und auch sonst läuft mein Leben in geregelten Bahnen...wenn nicht diese massiven Verlustängste und daraus resultierenden Panikattacken wären.

Das Ganze hat schon ganz früh angefangen, eigentlich wollte ich damals schon nicht in den Kindergarten, weil das hieß ja, ich müsste mich von meiner Mutter trennen. Ich habe, laut Erzählungen, wohl immer einen Affenaufstand gemacht. Ebenso wie damals, als meine Mutter abends noch gearbeitet hat und ich dann mit meinem Papa allein zuhause war. Mein Papa ist einer der liebsten Menschen der Welt, wirklich, aber ich habe geschrien und mich gewunden, sobald meine Mutter mich allein gelassen hat. Das ging soweit, dass sie meinem Papa vorgeworfen hat, er würde mit mir irgendwas anstellen, sonst würde ich mich ja nicht so benehmen! Dann kam die Trennung meiner Eltern, ich war 7. Gut, wo ich lieber bleiben würde, die Frage gab es bei mir nicht, natürlich bei meiner Mama. Und ich wusste damals schon, meinem Papa hat das ganz doll wehgetan und allein der Gedanke daran könnte mich heute schon wieder weinen lassen. Ich wollte natürlich niemandem weh tun, wusste aber, ich hätte nie bei meinem Papa bleiben können (das ist übrigens selbst bis heute ganz schlimm, dass ich Heimweh kriege, sobald ich da bin, vermutlich einfach aus Gewohnheit).

Als dann die ersten Klassenfahrten anfingen, ihr könnt es euch ja sicherlich denken, bei mir ging gar nichts mehr. Krank mit 40 Grad Fieber, Erbrechen (übrigens bis heute noch mein häufigstes Paniksyndrom!) etc. Solange bis Mama mich abgeholt hat! Dann war alles super, ich war wieder quietschfidel. Bis es hieß, ich muss wieder weg (bspw. die 2 Wochenenden im Monat zu meinem Papa). Das wurde dann von 2 Nächten auf eine Nacht runtergestuft und irgendwann durfte ich sogar meinen Hund mitnehmen, weil ich sonst nicht schlafen konnte. Das gab mir wenigstens ein bisschen Zuhause-Gefühl. Auch übrigens so eine Sache. Ich liebe Tiere über alles. JEDES Tier. Bei mir darf nichts getötet werden, sonst kriege ich halbe Ausraster. Dann denke ich immer, dass das Tier vermutlich auch jemanden gehabt hat, der es lieb hatte (ob Mücken, Spinnen etc. so eine Familienstruktur haben?!). Ich fange dann auch einfach mal so an zu weinen, früher und heute immer noch gleichermaßen.

Meine Schulzeit verlief bis zur 7 Klasse problemlos. Klassenbeste, Klassensprecherin etc. Dann der Absturz. Wir sind umgezogen in die Stadt meines Papas, da meine Mutter meinte, es sei besser für mich, wenn wir uns vllt. näher sind, dann wäre die Entfernung ja nicht allzu problematisch. Pustekuchen, wurde natürlich nicht besser. Irgendwann durfte ich dann nach der Schule zu meiner Stiefmutter, bis meine Mama von der Arbeit wiederkam. Gut, viel Papa war das natürlich nicht, aber so gewöhnte ich mich zumindest an den Geruch des von mir verhassten Hauses (ja, ich bin da sehr empfindlich, noch heute, wenn ich den Duft des Waschmittels rieche, wird mir flau im Bauch wegen der Erinnerungen ((die ja wirklich nur aufgrund meiner Panik so schlimm ist)). Schule war der Horror, ich habe jeden Tag nur noch gelitten. Mobbing etc. Bilder von verbluteten Tieren auf meinem Tisch, Lehrer die darüber lachten, weil die Schüler genau wusten, wie sie mich fertig machen konnten. Zuhause immer dasselbe: "Du musst stark sein, darfst denen nicht zeigen, dass dich das verletzt". Unmöglich, dafür war ich viel zu sensibel. Daraus resultierend, sitzen bleiben in der 11ten, Schulabbruch in der 12ten. Mittlerweile schon eine gescheiterte Therapie durch, die Verlustangst wurde nicht besser, zwischenzeitlich kam auch eine Angst vor Menschen hinzu. Ich konnte nicht einkaufen, kein Hobby ausüben, nichts.

Besser wurde das erst mit meinem Job. Ich arbeite tagtäglich mit vielen Menschen zusammen in einem Saisonbetrieb, sprich die Sommermonate voll Power, die Wintermonate frei. Könnte eigentlich alles so schön sein. Eine Ausbildung habe ich versucht, aber abgebrochen wegen Mobbing des Chefs. Dann erneut eine dreimonatige Qualifikation (nur schulisch mit Praxisteil) gemacht, die habe ich super abgeschlossen, da lief es auch mit den Kollegen (da diese bis auf eine Ausnahme) alle älter und reifer waren. Problem hierbei: Ich war den ganzen Tag unterwegs, teilweise hunderte Kilometer von zuhause weg. Bam. Notbremse. Jeden Tag mit 60g Cymbalta im Blut zur Arbeit. Heulkrämpfe auf der Toilette inklusive. Der Entschluss: Es geht so nicht weiter. Kündigung. Erleichterung.

Mittlerweile richten sich meine Verlustängste nicht mehr ausschließlich auf meine Mutter, auch mein Freund, mit dem ich seit 2 Jahren zusammen bin, muss da mit mir sehr kämpfen. Er arbeitet im Schichtdienst, jede Ankündigung der Nachtschicht löst bei mir Magendarmkrämpfe vom Feinsten aus. Ist er nicht da, sobald ich schlafen gehe, wird sich ins Bett geweint. An entspannte Arbeit ist an diesen Tagen nicht zu denken. Das Gefühl, den Tag nicht mit ihm verbringen zu können, sorgt bei mir für zittrige Hände und wiederholte Weinattacken. Auch wenn er für eine Nacht zu Freunden will, ich werde sofort angespannt, warte quasi nur darauf, einen Unfall in den Nachrichten zu hören. Sobald er sich gemeldet hat, dass er heil am Ort der Wahl angekommen ist, geht es mir ETWAS besser. Allerdings muss er das ständig tun. Bandprobe, Arbeit, Kumpel. Immer brauch das Frauchen eine Sms, dass alles gut ist. Mit meiner Mutter ist es zumindest schon soweit, dass wir uns ca. 3 Tage nicht beeinander melden müssen, manchmal schaffe ich sogar 5, bin dann aber sehr erleichtert, wenn es dann zum Kontakt kommt (ich könnte sie jeden Tag anrufen, aber ich will sie nicht damit nerven, wie ich meinen Freund damit nerve). Aber manchmal erwische ich mich dabei, wenn ich sie nicht erreichen kann, an ihrem Haus vorbeizufahren, nur um zu schauen, ob Licht brennt oder das Auto da steht. Nur um dann noch unberuhigter zu sein, wenn es nicht der Fall sein sollte.

Zur Arbeit muss ich noch dazu sagen, dass es da nach meinem letzten Job (der mit den hunderten Kilometern von zuhause) auch nicht mehr reibungslos verläuft. Manchmal kriege ich auch da unbegründet Panikattacken, weil ich auf einmal Angst bekomme, meinem Freund oder meinen Eltern könnte was zustoßen, ich hätte vllt. die Fenster der Wohnung nicht ganz zu gemacht und die Katzen hängen dazwischen, wenn ich wiederkomme. Auch bei jeder Sirene denke ich sofort an Brand in meiner Wohnung und dass die Katzen drin sind und keiner holt sie raus. Eine Nacht weg bleiben geht wegen der Katzen bei mir übrigens auch nicht, ich bin ganz unruhig, kriege schwitzige Hände, nur um dann vor Erleichterung zu weinen, weil zuhause doch alles okay ist und die Zwergnasen völlig entspannt auf dem Bett vor sich hinschlummern.

Therapien habe ich jetzt 2 durch, beide ohne sichtlichen Erfolg. Im Winter geht es in eine Tagesklinik, aber die Zeit bis zum Winter ist sehr lang und mit diesen Problemen raste ich irgendwann noch aus. Ich will endlich mal ein unbeschwertes Leben führen, Spaß haben dürfen, ohne mich dauernd verrückt zu machen.

Ihr Lieben, wenn ihr meinen Roman bis hierhin durchgehalten habt, danke schon mal dafür!
Vllt. steckt ja jemand in einer ähnlichen Situation, kann mir Rat geben oder einfach die tröstende Schulter anbieten, wenn die Panik mal wieder zu schlimm wird.

Eure Anthana

PS: Ich habe nicht chronologisch mein Leben aufgezählt, sondern einfach geschrieben, was mich gerade bedrückt und wo die Knackpunkte liegen. Sollten Unklarheiten bestehen, dann schreibe ich natürlich gern noch mehr dazu.

21.07.2015 10:47 • 22.07.2015 #1


23 Antworten ↓


BBrecht
Ich bin grade auf Arbeit und hab nur kurz Pause, aber:Willkommen im Club.
Mir geht es so ähnlich wie Dir.Bin aber schon in den 50ger.

Ich werde Dir sehr ausführlich später schreiben.

21.07.2015 11:57 • #2



Massive Verlustängste!

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Hey,

ich kenne ebenfalls starke Verlustängste - wenn sie präsent sind, dominieren sie alles!

Mir hat dagegen jedoch etwas geholfen, was die Ängste zumindest abgeschwächt und kontrollierbarer für mich gemacht hat:
Ich habe in einer meiner Therapiestunden die befürchtete Situation detalliert durchlebt (ich hatte auch immer Angst, dass meinem Freund etwas passiert und hatte die schlimmsten Bilder vor Augen, wie er da leblos im Auto sitzt oder ähnliches). Und, was wahrscheinlich noch viel wichtiger war, ich bin in meiner Vorstellung ebenfalls die Monate und Jahre nach einem Tod meines Freundes durchgegangen - wie wird es mir in den ersten Tagen, Wochen, nach sechs Monaten usw. gehen, was werde ich tun ect.
Mir hat das alles plötzlich eine Gewissheit gegeben, dass das Leben weitergehen würde. Und auch ich "weitergehen" würde. Nicht direkt, nicht nach ein paar Wochen, aber irgendwann. Ich hab mir sozusagrn einen "Plan" zurechtgelegt für den schrecklichsten aller Fälle.

Ich würde sowas jedoch ausschließlich (!) im Beisein eines Therapeuten machen, weil es extrem aufwühlend ist und es wichtig ist, dass dich im Zweifel jemand auffangen kann.

Liebe Grüße!

21.07.2015 12:36 • #3


Erstmal danke an euch!

An so etwas dachte mein damaliger Therapeut auch, allerdings bin ich vorher schon in Tränen ausgebrochen, da wäre die Durchführung nicht möglich gewesen!
Ist eben auch schwierig in einer Therapiesitzung, 1 Stunde die Woche. Man hat ja die Woche unter schon so viele Sachen erlebt, die eigentlich einen ganzen Tag Therapiesitzung füllen könnten, deswegen ist für mich die Wahl ja auch auf die Tagesklinik gefallen, um sich auch mit anderen austauschen zu können.

Einen "Plan" gibt es bei mir natürlich auch, nur dass dieser vermutlich nicht der Plan ist, der mir und allen anderen helfen wird!

Selbst eben, trotz Zuhause sein im gewohnten Umfeld, kam eine minimale Panikattacke durch. Dann laufe ich bspw. im Flur an einem Delfin-Klangspiel vorbei, was ich wirklich sehr liebe. Das ist ein Geschenk von meiner Mama gewesen. Und jedes Mal, wenn ich daran vorbeikomme, habe ich das Gefühl, ich würde die Sachen nicht genug wertschätzen! Ebenso mit Essen. Wenn ich Essen, was mein Freund oder meine Mama gekocht hat, wegschmeißen muss, weil es nicht mehr gut ist, könnte ich weinen. Weil sie sich sicherlich viel Mühe gegeben haben und ich weiß das nicht wertzuschätzen. Aber ich kann ja auch nicht 10000 x sagen: "Es ist so toll, wow". Die Beiden würden sich doch auch völlig veräppelt vorkommen. Hach, diese Ängste und Zwänge sind echt blöde.

21.07.2015 12:44 • #4


Das klingt wirklich sehr belastend und tatsächlich eher in Richtung Zwänge. Ich denke auch, dass die Tagesklinik eine gute Option ist - ich hatte damals die Möglichkeit, eine Doppelstunde zum Bearbeiten dieses Themas zu nehmen und hätte auch öfter in der Woche kommen können.
Ich hatte im Übrigen auch "diesen Plan" bevor ich das durchgespielt habe. Und am Ende der Sitzung wusste ich plötzlich, dass es im Grunde meines Herzens nicht das ist, was ich will. Ich habe direkt im Anschluss und die Stunde meinen Papa angerufen und ihn gebeten, mich im Falle des Falles sofort zu Hause abzuholen - egal ob ich dann will oder nicht - und mich erst einmal bei sich unterzubringen, damit ich keinen Blödsinn machen kann.

Die Frage, die mich sehr interessieren würde, ist, welche Grundannahme hinter der Angst, etwas nicht genug wertzuschätzen, steckt. Sowas wie "wenn ich mir und anderen nicht oft genug versichere, dass ich alles am anderen liebe und schätze, wird er mir genommen" oder so. Es muss irgendeinen Satz geben, der dieses Verhalten einfordert, weil du scheinbar davon ausgehst, unmöglich kontrollierbare Ereignisse durch "gutes Verhalten" besser kontrollieren zu können. Oder es ist die Angst, Schuld zu tragen, weil du etwas nicht genug geschätzt hast.
Wenn du diese Grundannahme klar hast, kannst du amfangen dagegen oder mit ihr zu argumentieren. Solange, bis du Argumente findest, die dich wirklich innerlich überzeugen.

Ich hoffe, ich schreibe nicht zu verworren

21.07.2015 13:03 • #5


marlene 05
Das ist ja interessant, teilweise erzählst du hier mein leben als Kind. Lg

21.07.2015 13:19 • #6


Ich hatte glaube ich leider beide Male ziemlich Pech mit meinem Psychotherapeut! Meinen letzten fand ich selbst unheimlich sympathisch! Allerdings konnte er mir nicht wirklich helfen, er hat immer sehr, sehr viel geschrieben und ich hatte das Gefühl, ich erzähle zu schnell. Das hat mich dann unglaublich gehemmt, mehr zu erzählen. Außerdem habe ich Mitleid mit ihm gehabt. Ja, das klingt völlig banal, ich weiß. Aber er war schon etwas älter und für mich so der typsche Traum-Opa-Verschnitt. Ich habe jedes Mal, wenn ich zu ihm gekommen bin gehofft, dass es ihm gut geht und er eine Familie hat, die es zu schätzen weiß, so einen netten Menschen bei sich zu haben (da wäre übrigens wieder dieses Wertschätzen drin). Ich habe eh bei vielen Menschen Mitleid. Ich kann deswegen auch nicht in Großstäde fahren, wenn ich da die Menschen auf der Straße sehe, egal ob sie echt auf der Straße sitzen oder nur so tun, ich muss da immer anfangen zu weinen. Sowas kann ich einfach nicht ertragen.

Woher diese "nicht-genug-Wertschätzungsart" kommt, kann ich mir selber eigentlich nur damit erklären, dass meine Mama früher mal zu mir gemeint hat, ich würde sie nicht richtig lieben sondern nur als Putzfrau sehen, was nie, aber auch niemals so der Fall war (ich kenne kein Kind, was seine Mama mehr liebt als ich). Ich denke, das könnte damit zusammenhängen, um den Menschen einfach zu zeigen, ich schätze das wert, was du mir gibst und ich liebe dich als Person! Ich denke, ich drücke damit für mich meine Liebe für das entsprechende Gegenüber aus, auch wenn derjenige das gar nicht mitbekommt, dass mache ich ja immer für mich im Stillen! Ich kann auch ganz schlecht Sachen ausmisten, die mir geschenkt wurden! Ich sehe dann immer das Bild des "enttäuschten Gegenübers" im Kopf, der sich viele Gedanken gemacht hat und ich schmeiße das nun einfach weg (egal ob viel benutzt oder nicht). Teilweise sehe ich dann auch im Kopfkino die Person deswegen weinen, obwohl ich ganz genau weiß, dass sie sich nicht mehr dran erinnern, was sie mir mal geschenkt haben und was nicht! Sie haben mir auch schon des öfteren versichert, dass das gar nicht schlimm wäre, aber ich bring es nicht über das Herz.

21.07.2015 13:33 • #7


Hallo

Deine Therapie ist bestimmt ein Segen für dich. Ängste werden meist in der Kindheit geprägt aber das wissen wirst du bestimmt lernen.

Eine Therapie braucht Zeit, sie wirkt sofort aber sie ist ein Puzzle ,Form für Form werden von dir eingesetzt. Wie beim Puzzle greifst du manchmal zum falschen Form, und dies will nicht passen, suche weiter bis du die richtige Form gefunden hast.Ich wollte am Anfang meiner Therapie alles sofort wissen und vor allem gesund werden,aber bitte Sofort;) aber ,nein, ich habe irgendwann gemerkt das eine Therapie mit Druck nicht funktioniert. Das Leben besteht nicht nur aus dem jetztigen Zeitpunkt, du hast auch schon vorher gelebt .Lasse dir Zeit.
Gebe dir Zeit ,das ist das größte Gut, für uns alle ,Menschen . Ich musste ebenfalls . lernen ,wie man Geduld bekommt . Wenn ich ehrlich bin , bekomme ich auch hin und wieder einen Rückschlag und dann ist erstmal vorbei mit der guten Geduld.
Mir hat in der Anfangszeit ein Buch sehr geholfen .
Es befasst sich mit dem wundervollem Thema , Achtsamkeit.
Vielleicht hast du schon einmal von Achtsamkeit gehört ,ich vor gut 2Jahren das erste mal. .Als ich das Buch las ,da wurde mir innig bewusst wie viel Stress ,ich mir doch selber hinzufüge und Stress in hohem Massen ,macht ja krank.
Ich wünsche dir das du die Geduld ,die Kraft und die Motivation fürs immer wieder aufstehen für dich findest.
Du bist auf dem richtigen Weg.

21.07.2015 13:55 • #8


Hach tuffie, wie herlich! Danke für die aufbauenden Worte!

Meine Mama ist ausgebildete Achtsamkeitslehrerin!
Sie versucht mir natürlich hin und wieder Ratschläge zu geben, aber es ist natürlich schwierig, wenn man sich so nahe steht, als es mal von einer anderen, unbekannten Person zu hören.
Was wir in der Zeit stark umgestellt haben, ist die Ernährung! Tierische Produkte meiden wir fast völlig (für mich war das ja quasi schon immer undenkbar, Tiere tot zu machen für mich, wobei ich doch auch andere Sachen essen konnte). Damit wurde mir zumindest dieses "Den Tieren gegenüber schuldig" Gefühl fast gänzlich weggenommen. Sicherlich quält mich das ein oder andere immer noch, aber ich sage mir, ich mache da nicht mit! Und dann geht es mir in dem Aspekt besser (wenn man alles so einfach ausschalten könnte!)

Ja, die Zeit gebe ich mir! Ich lebe ja auch sonst ein Leben, was viele beneidenswert finden, da wäre es doch gelacht, wenn ich mit den Ängsten und Zwängen nicht irgendwann klarkommen würde.
Allerdings musste ich viel lernen, bin viel auf die Nase gefallen! Immer wieder aufgestanden, mal mit mehr Verletzungen, mal mit weniger Verletzungen. Ich kann auch von mir behaupten, schon viel geschafft zu haben. Vorher sorgten bei mir kleine Depri-Löcher sofort für große Abstürze! Mittlerweile kann ich meine Ängste mitteilen und auch sagen, was mich gerade bedrückt! Manchmal fällt es schwerer, manchmal geht es ganz leicht von der Hand! Manchmal rufen meine Mama oder meine Stiefmama eh schon ganz besorgt bei mir an, weil sie es im Gefühl haben, wenn mich was bedrückt! Da stehen wir uns alle sehr nah und merken sofort, wenn es dem anderen schlecht geht!

21.07.2015 14:05 • #9


BBrecht
Hallo Anthana,

ja, auch ich leide unter schlimmsten Verlustängsten derzeit. Bei mir begründet sich das auf zwei Verluste von Menschen, die plötzlich und unvorbereitet wie ein Blitz kamen,aus dem Nichts ohne jede Vorwarnung.

So etwas möchte ich NIE mehr im Leben nocheinmal durchleben müssen und ich bete darum, später imAlter vor meiner Frau sterben zu können und dass meiner Tochter niemals etwas passieren möge. Das ist meine grösste Sorge, dass sie später (ich bin Mitte 50, sie Ende 40) einmal vor mir sterben könnte. Ein Hellseher hat aber mal sehr viel richtige Dinge meiner Frau voraus gesagt, als sie selbst noch Jugendliche war und eben 10.000km von hier aufwuchs, sie würde demnach 82 oder 86 Jahre alt werden, eine Zahl stimmte. sie weiss aber nicht mehr, welche.

Ich habe zu meinen derzeitigen Problemen einen Thread aufgemacht, Du findest ihn unter dem Titel "Angst vor Abwesenheit der Familie" im Einsamkeit-Unterforum.

Ich erlebe es ähnlich wie Du, da ist ständig diese Angst, dass insbesondere meiner Tochter etwas passiert sein könnte, bzw meiner Frau, z.B. wenn die Verspätung haben oder jetzt bei deren 10.000km-Reise ohne mich.

Was soll man da mit Therapien? Die helfen nicht, und sie schützen nicht davor, dass etwas passieren kann.

Man kann eigentlich nur warten und hoffen, dass der Partner/die Partnerin Verständnis hat.

Aber diese Sorge zerfrisst einen irgendwie, und ich bin schon heute ausser Rand und Band, obwohl ich alle Alltagspflichten ganz normal und nach aussen "abgeklärt" verrichte. Ich habe allerhand Vorkehrungen getroffen und sofar Versicherungen fü die beiden abgeschlossen, gestern, die mir gewährleisten, im Notfall sofort hinterherfliegen zu können, aber nichts davon erzählt.

Man kommt da nicht gegen an. Ich wüsste nicht, wie man da rauskommen sollte. Man muss diese Verlustängste so, wie sie sind, ins eigene Leben integrieren und dabei versuchen, die Personen, auf die man so fokussiert sind,nicht allzusehr zu nerven, sonst macht man alles kaputt und man ist dann wirklich allein. Das ist der einzige realistische "Überlebenstip", den ich geben kann aus eigener Erfahrung.

Das Thema ist bei uns tabu und ich leide leise. Aber es hilft ja nichts.

Ich verstehe, was Du erlebst. Wenn wir uns austauschen wollen, gerne auch per pn.

21.07.2015 17:18 • #10


fraggle.s
Hallo Anthana,

Bezüglich der Verlustängste bist definitiv nicht alleine! Es gibt nur verschiedene Ausprägungen. Als ich Deinen Text las, habe ich mich des öfteren wieder gefunden. Mein Vater zog aus, da war ich neun, Scheidung war dann als ich 12 war. Ich fand die Frage "Wo möchtest Du leben?" allerdings schrecklich! Mir tat es im Herz weh zu sagen, bei meiner Mutter wohnen zu wollen, weil ich beide gleich lieb hatte. Seit dem Auszug meines Vaters habe ich alles aufgehoben, ob es kleine Briefchen, Geschenke oder sonst was war. Ich konnte nichts weg schmeissen. Kann ich prinzipiell nicht. Da geht es mir auch wie Dir. Ich bekomme dann ein schlechtes Gewissen. Auch rette ich, wenn möglich, jedes Tier...Spinne, Biene, Hummel sind bei mir immer sicher. Es ist doch sehr beruhigend, das es jemand anderem auch so geht....
Leider sind meine Eltern jetzt beide schon verstorben, was mich auch (immer noch) belastet. Ich muss dazu sagen, das ich inzwischen 43 bin. Ich habe damals, mit 17 eine Therapie gemacht, wollte aber nur, das die Ängste aufhören, egal wie und habe mich eigentlich nicht ernsthaft damit beschäftigt. Daher finde ich es von Dir toll und bemerkenswert, das Du da für Dich einen wirklich guten Blick hast und bereit bist für Änderungen! Bei mir hat das bis dieses Jahr gedauert...zwischendurch ging es mir auch gut, eher vermeindlich gut...Auf jedenfall herzlich Willkommen und ich freue mich, neues von Dir zu lesen!

@BBrecht: Ehrlich gesagt bin ich ein bisschen erschüttert von Deiner Einstellung! Das möchtest du doch nicht wirklich so weiter führen? Natürlich habe ich kein Patentrezept, gibt es ja auch nicht, aber so klingt das nach einem sehr belastenden Leben. Versteh mich bitte nicht falsch, ich möchte nicht Deine Meinung und Haltung in Frage stellen!
Zitat:
Was soll man da mit Therapien? Die helfen nicht, und sie schützen nicht davor, dass etwas passieren kann.

Es gibt keinen "Schutz" vor Unglück. Das ganze Leben ist eine Extremsituation und unberechenbar. Aber es kann einen auch mit schönen Dingen "überraschen". Ich kann mich von diesen Ängsten auch nicht frei sprechen! Ich versuche nur, anders damit umzugehen, was mir natürlich auch nicht immer gelingt. Aber du bist ja so immer in einer "Hab-Acht-Stellung" und das kann auf Dauer nicht gut sein.
Zitat:
Das Thema ist bei uns tabu und ich leide leise.

Eben. Du LEIDEST! Und das möchte weder Deine Frau, noch Deine Tochter!
Ich drücke Dir die Daumen, das Du an Deiner Sicht der Dinge noch was ändern kannst und das nicht einfach so hinnimmst!

Liebe Grüße

fraggle

21.07.2015 18:52 • #11


BBrecht
Zitat:
@BBrecht:


Ich antworte Dir darauf in meinem eigenen Thread , morgen.

21.07.2015 19:22 • #12


Ja, an meiner Pinnwand hängt auch eine Postkarte, die mir mein Papa zu dem ersten Ostern ohne ihn geschrieben hat. Dazu hat er mir dann eine Tüte mit Süßigkeiten auf den Balkon gehängt! So kleine Sachen vergisst man natürlich nicht, ich bin da einerseits sehr froh über diese Erinnerungen, andererseits sage ich mir: "Wie willst du damit mal irgendwann umgehen, wenn sie nicht mehr sind." Manchmal stelle ich mir die Beerdigungen der beiden vor. Welche Lieder wohl laufen würden, wie ich mich verhalten würde etc. Das ist natürlich schrecklich, aber ich kann es überhaupt nicht abstellen, vllt. sagt mir auch das Unterbewusstsein, dass ich mich da auf eine gewisse Art und Weise schon drauf vorbereite! Meine Eltern sind glücklicherweise noch recht jung, 45 und 49, daher versuche ich mir immer zu sagen, dass es doch sehr unwahrscheinlich ist. Die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls ist ja auch sehr gering. Aber man weiß ja nie.

Tut mir echt Leid, dass deine Eltern schon verstorben sind, oh je, ich wüsste nicht, wie ich damit umgehen könnte. Aber vermutlich funktioniert man dann einfach nur :/

Ich dachte schon, ich wäre sehr gestört, weil ich so empfinde (mit dem Wegschmeißen). Das schlechte Gewissen kenne ich nur zu gut. Ich habe auch eben mit meinem Freund versucht, ihm das zu erklären, aber er versteht das nicht so recht, kann man ja auch nicht erwarten. Er geht da sehr unkompliziert durch's Leben, was vermutlich für mich der Segen ist. 2 von meiner Sorte brauche ich nicht!

Das mit den Tieren ist super, da fühle ich mich gleich besser beim Beobachten unserer "Hausspinne" an der Decke (bei der sich vermutlich jedes andere Mädchen aus dem Schlafzimmer geflüchtet hätte). Ich finde, die haben eben so ein Recht auf Leben wie ich auch. Mich hat auch schon mal eine Biene bei einer Rettungsaktion gestochen und mich hat nicht mein angeschwollener Daumen interessiert, sondern das arme Tier, was ja daraufhin gestorben ist. Deswegen habe ich sogar damals mein Facebook Account gelöscht, weil ich viele Seiten, die ich durch zwangsläufige Interessen angezeigt bekommen habe, gar nicht vertragen habe. Da handele ich schon sehr für mich. Klappt leider nicht überall.

Und zu dir @ BBrecht:
Das klingt wirklich nicht gut. Ich kann deine Panik bzgl. der Reise verstehen, ich wäre vermutlich genauso. Allerdings könnte ich es meinem Partner gar nicht verschweigen, er würde es so oder so irgendwann mitbekommen. Und wenn deine Frau so dagegen ist, würde ich ihr noch mal erklären, wie schlecht es dir dabei geht, vllt. findet sich ja doch noch eine für beide Parteien annehmbare Lösung?!

21.07.2015 19:25 • #13


fraggle.s
@BBrecht: mach das gerne! fühl Dich aber nicht gedrängt!


Hallo Anthana,

weißt Du, was ich total toll fand? Nach dem Tod meines Vaters mußte ich ja auch seine Sachen sortieren und da habe ich einen Ordner gefunden, wo er MEINE Briefe an Ihn abgeheftet hat! Ich wusste gar nicht, das ich Ihm so viel geschrieben habe früher! Das ist jetzt eines meiner "Heiligtümer" und vielleicht ist das Sammeln auch eine genetische Sache...

Auf den Tod kann man sich nicht vorbereiten, so sehr man das auch versucht. Daher sollte man es am Besten lassen. Einfach gesagt, schwer getan. Aber immer wieder versuchen die negativen Gedanken abzustellen. Man ist auch mit "Vorbereitung" traurig, wütend, leer...aber es heisst auch nicht umsonst Trauer"Arbeit"....Es dauert seine Zeit und die sollte man sich auch nehmen. Das ist mir jetzt aber zu düster. Hab einfach eine tolle Zeit mit Deinen Eltern

Zitat:
Mich hat auch schon mal eine Biene bei einer Rettungsaktion gestochen und mich hat nicht mein angeschwollener Daumen interessiert, sondern das arme Tier, was ja daraufhin gestorben ist.


Könnt wirklich ich sein! Mich hat mal eine Maus gebissen, als ich sie vor einer Katze retten wollte...ja ich weiß, normaler Kreislauf der Natur, aber bitte nicht vor meinen Augen! Ich habe auch lieber 10 Spinnen als eine nervige Mücke in meinem Zimmer....Mücken und die schillernen Fliegen fallen bei mir leider durchs "Schema". Mag inkonsequent sein, aber da kann ich mich nicht mit anfreunden..

21.07.2015 19:45 • #14


Oh, ja, sowas kenne ich! Als ich das erste Mal bei meinem Papa in sein neues Haus kam, habe ich (obwohl wir eine Phase hatten, wo ich 4 Jahre lang keinen bzw. die obligatorische "Frohe Weihnachten" Sms Kontakt hatte) alte Bilder von mir im Treppenhaus hängen sehen. So Kleinigkeiten, die meine Mama damals mit mir für meinen Papa gemacht hat, z.B. ein Bild mit meinen Handabdrücken, wo dann drauf stand : "Für Papa". Und solch Kleinigkeiten bringen mich dann immer aus dem Konzept, weil ich dann immer denke: "Mensch, du hast soo lange den Kontakt nicht gewollt und er hat dich immer lieb gehabt." Das ist dann so die Zeit, wo ich sage, die fehlt mir dann vllt. später. Ich hatte früher ein sehr schlechtes Verhältnis zu meiner Stiefmutter, deswegen auch der wenige Kontakt zu meinem Papa. Mittlerweile hat sich das alles aber sehr geändert und wir verstehen uns wirklich gut und ich bin froh, dass mein Papa jemanden hat, der für ihn da ist. Mein Papa ist da so wie ich, er braucht auch immer jemanden, der da ist. Und meine Stiefmutter hat mir auch erzählt, dass mein Papa damals gelitten hat, aber das sich das jetzt wohl gebessert hat, weil wir jetzt ja wieder einigermaßen guten Kontakt haben. Also jetzt nicht so eng wie mit meiner Mama, aber bestimmt so alle 2-3 Wochen mal telefonieren.

Bei mir darf alles an Tier bleiben, auch Mücken, die werden aber meistens eh von meinen Katzen weggefangen und sofort aufgegessen. ;-D Die einzigen Fleischesser hier im Haus!

21.07.2015 19:58 • #15


BBrecht
Zitat:
Das klingt wirklich nicht gut. Ich kann deine Panik bzgl. der Reise verstehen, ich wäre vermutlich genauso. Allerdings könnte ich es meinem Partner gar nicht verschweigen, er würde es so oder so irgendwann mitbekommen. Und wenn deine Frau so dagegen ist, würde ich ihr noch mal erklären, wie schlecht es dir dabei geht, vllt. findet sich ja doch noch eine für beide Parteien annehmbare Lösung?!


Ich antwoirte in meinem Thread, damit der Thread der TE sozusagen für sie selber bleibt.
einsamkeit-forum-f37/angst-vor-abwesenheit-der-familie-panik-ergreift-mich-t65703-60.html#p812169

22.07.2015 08:18 • #16


So, es geht schon wieder los..muss gleich zur Arbeit..Herzrasen, Durchfall, Schweißausbrüche, Magenkrämpfe..bin mal wieder kurz vorm Weinen! Und ich weiß nicht warum..ich habe diese Arbeit bis dieses Jahr geliebt und seit ein paar Tagen ist mega der Wurm drin.

22.07.2015 08:47 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Vielleicht solltest du dieses Thema in deiner Therapie ansprechen, das jetzt der Wurm in dieser Zeit deines leben drin steckt.

22.07.2015 13:07 • #18


Ich stecke im Augenblick auch mal wieder fest.
Meine Verslustängste machen sich breit . Wenn ich für mich Endscheidungen treffe die ich für meine Gesundheit positiv finde , da bekomme ich sofort einen mit dem Hammer ,von meinen Bekannten auch vom Partner oder Kind.
Und genau da liegen zur Zeit meine Schmerzpunkte ,ich will etwas für mich machen aber es hagelt dann Vorwürfe oder sie drohen mit dem Aus .
Das nimmt mich im Augenblick mit. ich wei´ß das ich das Verhalten nicht auf meine Person übertragen soll aber es sit trauig für mich zu sehen das ich im Grunde ,wenn es drauf ankommt niemanden habe. Doch mich ,und dass ist gut so

22.07.2015 13:11 • #19


marlene 05
Ach meine liebe,
Du bist nicht allein . Heute morgen ging es mir auch nichts so gut. Wie bei dir die selben Symptome. Sicher ist es die Aufregung. Hattest du Urlaub?

22.07.2015 13:15 • #20



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