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Leide vermutlich auch seit geraumer unter Panikattacken. Ich schreibe vermutlich, weil ich mich einfach noch nicht traue einen Arzt zu Rate zu ziehen bzw. weil ich Angst habe zum Arzt zu gehen, da ich eine schlimme Diagnose bekommen könnte.

Wenn dann eine Attacke kommt habe ich Herzrasen, hohen Puls, das Gefühl ich kippe gleich um und muss sterben und die Gedanken kreisen immer darum dass ich einen Herzinfarkt oder eine Thrombose mit Lungenembolie erleiden könnte. Aber ich will nicht sterben. Das Leben ist zu schön und ich bin zu jung (27 Jahre). Ich reiße mich inzwischen bei so einer Attacke immer schon zusammen, versuche langsam zu atmen und mir einzureden, es passiert nichts, es ist noch nie etwas passiert. Aber ich weiß nicht wie lange ich das noch alleine schaffen werde.
Jetzt am Wochenende bin ich alleine zu Hause, weil mein Freund weggefahren ist, und gerade hatte ich es wieder Herzrasen, hoher Puls und schwindel Gefühl. Ich habe Angst alleine zu sein, weil wenn mir wirklich was passieren sollte, ist keiner da der Hilfe holen könnte. Und das obwohl ich 5 Jahre lang alleine gelebt habe. Paradox oder?

Zudem sollte ich vielleicht erwähnen, dass meine Mutter seit ihrer Kindheit unter starken Depressionen und Panikattacken leidet. Und eine große Angst von mir war es immer, irgendwann zu werden wie meine Mutter. Aber ich weiß dass psychische Störungen genetisch veranlagt sind. Und ich befürchte ich bin gerade auf dem guten Wege dahin wie meine Mutter zu werden

Das hier ist übrigens das erste mal das ich mich in der Richtung hin öffne.
Ich hab mich bisher noch nicht getraut darüber zu reden. In der Hoffnung es wird irgendwann besser.
Aber kann es wirklich irgendwann von alleine besser werden? Pack ich das alleine? Gibt es Hilfe wie ich das ganze ohne Arzt auf die Reihe bekomme?

05.04.2008 17:44 • 07.04.2008 #1


9 Antworten ↓


Freakazoid
Hallo Nelli und willkommen bei uns Panikern,

Panikattacken sind heutzutage leider weit verbreitet. Also tu dir selbst einen Gefallen und wende dich an einen Arzt! Sofern du einen Hausarzt hast kannst du ihn darauf ansprechen. Habe ich auch gemacht und mir geht es heute schon um einiges besser als damals! Er gab mir eine Überweisung zum Neurologen bei dem ich nun mitunter auch Medikamentös behandelt werde.

Ich denke die Chance selbst wieder aus dem ganzen rauszukommen liegt bei 5%. Ich möchte dir damit keine Angst machen aber glaub mir mit Hilfe ist es um einiges einfacher. Das kommt nicht nur deinem Körper sondern auch deiner Psyche zu gute wenn du dir Untersützung suchst.

Achso und es ist durchaus möglich das Panikattacken vererbar sind. Das hat mir mein Neurologe bestätigt als ich ihn fragte da meine Mutter auch unter Panikattacken leidet wenn auch nicht ganz so ausgeprägt wie bei mir.

LG Jan

05.04.2008 18:58 • #2



Leide wahrscheinlich auch unter PA

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Christina
Hallo Nelli,

willkommen hier! So unerfreulich die Gründe sein mögen, ein Forum wie dieses zu brauchen, so hilfreich kann es aber auch sein. Du bist nicht allein. Wie Du siehst, leiden sehr viele Menschen in irgendeiner Form unter krankhafter Angst. Insofern ist es nicht so, dass man wird wie Deine Mutter (quasi als Persönlichkeitsentwicklung), sondern man leidet unter einer Krankheit. Und da entscheidet u.a. die rechtzeitige Behandlung darüber, ob z.B. aus einem Husten eine chronische Bronchitis wird oder ob er nach zwei Wochen auskuriert ist. Gut, zwei Wochen für die Behanndlung einer Panikstörung wären sehr optimistisch, aber eine adäquate Behandlung kann fast immer dafür sorgen, dass kein lebenslanges Leiden daraus wird.

Zitat von Nelli:
Leide vermutlich auch seit geraumer unter Panikattacken. Ich schreibe vermutlich, weil ich mich einfach noch nicht traue einen Arzt zu Rate zu ziehen bzw. weil ich Angst habe zum Arzt zu gehen, da ich eine schlimme Diagnose bekommen könnte.
Wenn die Angst Dich von normalen Handlungen wie z.B. einem Check-up beim Arzt abhält, leidest Du mit ziemlicher Sicherheit unter einer Angststörung. Zur schlimmen Diagnose: Es gibt m.W. keine schlimme Krankheit, die zu Deinen Symptomen passt und die Dich trotzdem noch nicht mittels Notarzt auf die Intensivstation befördert hätte.

Zitat von Nelli:
Aber kann es wirklich irgendwann von alleine besser werden?
Wenn man Borwin Bandelow, einem Experten auf dem Gebiet der Angst, glauben darf, dann ja. Im statistischen Durchschnitt bessern sich Angststörungen im Lauf der Jahre von selbst. Aber: Niemand kann Dir sagen, ob Du zu den Glücklichen gehören wirst, bei denen das so ist. Niemand kann Dir sagen, im Lauf wievieler Jahre eine Besserung eintritt, wenn sie eintritt. Und: Du hast von Deiner Mutter nicht nur die Gene mitbekommen, ihr Verhalten und ihr Vorbild werden Dich geprägt haben. Da würde ich mich nicht auf eine Spontanheilung verlassen.

Zitat von Nelli:
Pack ich das alleine?
Du kannst es versuchen. Mit einem Selbsthilferatgeber wie dem von Doris Wolf (siehe links) oder von Reneau Z. Peurifoy (Angst, Panik und Phobien) kannst Du vielleicht selbst an Dir arbeiten. Mit einem Psychotherapeuten wäre es aber vermutlich einfacher.

Zitat von Nelli:
Gibt es Hilfe wie ich das ganze ohne Arzt auf die Reihe bekomme?
Nein. Und zwar aus folgendem Grund: Du musst abklären lassen, ob Du organisch gesund bist. Andernfalls hast Du keine Ruhe, die Angst(störung) lässt sich gern jede Woche etwas Neues einfallen, woran man sterben könnte. Außerdem sind Panikattacken für richtige Herzpatienten nicht so ganz unbedenklich. Es besteht auch die Möglichkeit, dass Deine Panikattacken gar keine sind, sondern z.B. Symptome einer Schilddrüsenerkrankung oder Hormonstörung. Die wäre nicht so schlimm, müsste aber behandelt werden. Usw. Wenn Du Dich entschließt, einen Psychotherapeuten aufzusuchen, muss ohnehin ärztlicherseits bestätigt werden, dass Deine Beschwerden nicht organischer Natur sind.

Liebe Grüße
Christina

05.04.2008 19:17 • #3


Hallo Nelli,

trau dich: Geh zum Arzt und lass dich schulmedizinisch untersuchen
und dann würde ich dir einen Psychotherapeuten empfehlen.

Lieben Gruß
ehemaliger Paniker, alter Therapiehase
Michael

05.04.2008 19:42 • #4


Trau dich ist einfacher gesagt als getan.
Denn jedesmal wenn ich zu einem Arzt muss, hab ich eine Nacht vorher das Komplettprogramm. Hoher Puls, Herzrasen, Übelkeit, Durchfall, Schwitzen, Zittern, Heulkrampf etc.

Gut bei Ärzten wo ich schon zigtausendmal war z.B. HNO hab ich es nicht mehr ganz so heftig, da bleibts meistens beim hohen Puls und Magen-Darm Problemen.

06.04.2008 07:57 • #5


Christina
Zitat von Nelli:
Gut bei Ärzten wo ich schon zigtausendmal war z.B. HNO hab ich es nicht mehr ganz so heftig, da bleibts meistens beim hohen Puls und Magen-Darm Problemen.
Gibt es denn einen Arzt, bei dem Du schon oft warst, und der so einen Check-up zumindest teilweise machen könnte? Also wenigstens eine Blutuntersuchung für den Anfang. Es ist natürlich schwer, eine Angststörung zu behandeln, wenn die am meisten gefürchtete Situation der Arztbesuch ist, der Voraussetzung für eine offizielle Therapie ist. Aber vielleicht gibt es ja Möglichkeiten, zuerst (mit Überweisung) zu einem psychologischen Psychotherapeuten zu gehen, der Dich dann auf den Arztbesuch vorbereiten kann. Bevor eine Therapie beantragt wird, hast Du ein Anrecht auf probatorische Sitzungen, die man dafür nutzen könnte.

Eine andere Möglichkeit wäre, den Hausarzt (oder Frauenarzt - je nachdem, wo Du hingehst) im Vorfeld zu kontaktieren, am Telefon die Problematik zu schildern und Dir für diese eine Untersuchung vorher (bzw. für den Tag vorher) ein Beruhigungsmittel geben zu lassen. Dann fällt das Komplettprogramm nämlich aus. Dir wird es immer noch nicht richtig gut gehen, aber voraussichtlich wird der Arztbesuch machbar.

Auf lange Sicht musst Du Dich ohnehin überwinden, man kann schließlich immer mal krank werden. Und falls Du Kinder haben möchtest, kommst Du ohne Frauenarzt auch nicht aus...

Liebe Grüße
Christina

06.04.2008 09:19 • #6


Frauenarzt ist inzwischen auch kein so großes Problem mehr, da ich da eh alle halbe Jahre hin muss, wegen Verhütung.

Es gibt bei mir eigentlich immer nur dann das Problem mit Ärzten wenn ich nicht im Vorfeld genau weiß, was die mit mir anstellen.
Und so ein Komplettcheck passt da bei mir irgendwie gar nicht rein. Das ist mir zu unvorhersehbar.

Selbst beim Frauenarzt letztens, ich weiß genau jeden Schritt der auf mich zukommt also kein Problem, aber dann ohne Vorwarnung ruft die Arzthelferin mich rein und misst Blutdruck. Erster Gedanke hilfe was macht die denn jetzt? Das passt hier jetzt gar nicht rein. Das hat die noch nie gemacht. Dementsprechend nervös wurde ich innerhalb von Sekunden und Blutdruck war dann mit 140/80 natürlich auch leicht erhöht

Ich mein, ich weiß woher meine Arztphobie kommt. Nämlich aus der Kindheit und einem speziellen Arztbesuch. Aber selbst das Wissen hilft mir nicht großartig weiter, wobei es doch eigentlich immer heißt wenn man die Ursache kennt, kann man sie auch bekämpfen.

06.04.2008 09:39 • #7


Christina
Zitat von Nelli:
Aber selbst das Wissen hilft mir nicht großartig weiter, wobei es doch eigentlich immer heißt wenn man die Ursache kennt, kann man sie auch bekämpfen.
Das Wissen um die Ursache könnte Dir zwar helfen, es erspart Dir aber nicht das Aushalten/Überwinden der Angst. Das ist ein so überlebensnotwendiges Gefühl, dass die Angst erstmal schneller ist als vernünftige Überlegungen. Die können Dir nur dabei helfen, Dich dann wieder einzukriegen. Du musst Dir immer wieder vor Augen führen, dass der Arztbesuch heute ein anderer ist als der damals, dass Du kein Kind mehr bist und dass letzten Endes Du bestimmst, was mit Dir gemacht wird und was nicht. Ärzte sind Dienstleister, wenn auch spezielle. Aber mit dem Frauenarzt, das ist doch eine Möglichkeit. Du könntest vorher anrufen, genau nachfragen, was gemacht werden muss, und - wie gesagt - notfalls mit Beruhigungsmittel hin. Außerdem kannst Du Dir sagen, dass Du die Aktion abbrechen wirst, wenn es Dir zuviel wird. Aber erst, wenn Du da bist...

Liebe Grüße
Christina

06.04.2008 10:05 • #8


Hallo Nelli,

mit Ärzten habe ich es auch nicht sonderlich. Wenn es sein muß etwas nicht so schönes auszuhalten rede ich mit ihnen über meine PAs. Mein Hausarzt kann damit umgehen.

Ich habe auch eine Mutter mit PAs. Sie war mir kein gutes Vorbild. Sie nahm Tavor und Beruhigungsmittel sowie Herztabletten. Ohne jemals etwas am Herzen gehabt zu haben. Ich gehe bewußt anders damit um.

Man muß sich nicht für die PAs schämen. Ich erzähle es selten, aber man bekommt trotzdem Einiges mit. Z.B. in unserem Altersheim haben Pflegekräfte PAs, weil sie innerlich nicht abschalten können nach dem Dienst.

Ich mache eine Therapie, Verhaltenstherapie. Da lerne ich mit meinen Problemen umzugehen.

Diesen Weg würde ich Dir auch raten.

Ich habe auch länger allein gelebt und trotzdem Angst meinen Freund zu verlieren. Ich habe schon keinen Kontakt mehr zu meiner Familie (wegen meines Traumas).

Mona Lisa

07.04.2008 09:45 • #9


Fallen Angel
Hallo Netti!

Du schaffst das schon, ich war letzten Donnerstag beim Arzt und hatte vorher auch PA´s, wenn ich nur daran dachte dort hinzugehen.
Es ist gar nicht so schlimm.
Ich hab mir meine Mama mitgenommen, weil ich mich nicht getraut habe alleine zu gehen. Vllt kommt dein Freund ja mit!

Dir viel Glück!

Liebe Grüße Fallen Angel

07.04.2008 10:30 • #10



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Dr. Hans Morschitzky