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Es ist schade, dass du noch keine der gut gemeinten Ratschläge angenommen hast. Wie stehst du denn zu den Vorschlägen? Ich habe heute Morgen schon mal geschrieben. Leider wurde die Nachricht nicht gesendet.
Du hast für meine Begriffe ein Trauma. Du warst schon sehr lange vorher krank, was für eine langwierige und tiefe Panikstörung spricht. Aber du hast einen Rettungsanker gehabt in Form deiner Mutter. Und dein selbst erschaffener Rettungsanker ist nun gestorben und einfach weg und du kannst nichts dagegen tun. Nun hast du dir einen neuen Rettungsanker erschaffen in Form deines Lebensgefährten und des Autos.
Du bist sowohl in dem Auto alleine als auch zu Hause. Das Allein sein ist auch gar nicht dein Problem. Denn im Auto kann dir alles passieren, was dir zu Hause auch passieren kann.
Du willst Aufmerksamkeit. Und die bekommst du ja auch. Du schreist förmlich danach, dass dir jemand hilft, was die Sache mit dem Auto ja ganz klar zeigt. Gleichzeitig bist du so voller Wut und Abwehr und willst dir mit aller Macht nicht helfen lassen.
Denn dann wäre da ja nichts mehr. Nichts mehr, womit du im Mittelpunkt stehen könntest. Glaube mir, mir geht es ähnlich und ich kann das schon gut nachvollziehen und einschätzen.
Ich denke seit heute Morgen: Was soll ich denn machen, wenn die Angst weg ist? Es ist irre! Ich habe Angst, keine Angst mehr zu haben. So lange ich Angst und Panik habe, spüre ich mich. So lange bin ich beschäftigt. So lange dreht sich in gewisser Weise alles um mich. Sei es was meinen Mann betrifft oder Ärzte. In dem Moment wird man beachtet, es werden sich Sorgen gemacht etc.
Man hat sich damit quasi selbst ein Gefängnis erschaffen. Ein zweites Leben, in dem man sich eingerichtet hat. Man hat sich erstens diese Ängste erschaffen und zweitens ein Leben damit. Und man ist den ganzen Tag damit beschäftigt, damit zu leben und danach zu leben. Das erscheint einem wichtig und nötig. Man hat ja regelrecht Angst, dass man "nichts mehr zu tun hat".
Geht es dir vielleicht auch so?
Du hast Angst vor der neuen Situation und kannst gar nichts dafür. Du hast kein Selbsbewusststein. So wie ein gesunder Mensch es hätte. Das ist wirklich schlimm. Aber mir geht es ja wirklich ähnlich. Früher waren meine Großeltern im Haus, früher hatte ich Selbstbewusstsein. Heute bin ich alleine, ich achte auf die Symptome, ich habe blanke Angst. Mein ganzes Denken und Fühlen ist darauf ausgerichtet. Ich kenne es doch gar nicht mehr anders.
Je öfter du noch in diesem Auto sitzt, desto mehr wird sich dein Gehirn darauf einstellen und je tiefer wird das Traume werden.
Du brauchst in dem Sinne ja keine Medikamente. Du musst jemanden finden, der dieses Trauma knackt. Und danach kannst du dich einer ganz normalen Therapie deiner Agoraphobie widmen. Wobei die ja bei dir gar nicht so ausgeprägt sein kann. Denn du gehst ja raus. Die meisten hier würden sich das ja gar nicht trauen in dem Auto, nicht wahr? Und deshalb ist es bei dir auch gut behandelbar. Denn du verlässt ja dein Haus.
Leider gehst du auf die Vorschläge, die gemacht wurden nicht ein.
Wie stehst du zu Pflegedienst, Krankenkasse, einer Dame, die du selbst engagierst etc.? Dem Notfallknopf? Nachbarn?
Hmm ich denke, du willst gar nicht darauf eingehen, weil es dir vor Augen führt, DASS es Hilfen gibt. Aber du bist noch so voller Wut, dass der Tod dir deinen Rettungsanker und dein Leben genommen hat, das du mit diesem Rettungsanker führen konntest. Du hättest das längst behandeln lassen müssen. Nun hat der Tod deiner Mutter dich in eine Zwangslange gebracht. Eine Situation, die du verdrängt hast. Aber verhindern konntest du sie nicht.
Und irgendwann wird durch irgendeinen Umstand auch dein jetziger Rettungsanker, der gar keiner ist, weg brechen. Ich kann es dir nur schreiben, wie ich es sehe.
Wir haben ja hier alle unsere eigenen, teils schlimmen Probleme. Und wir können dir nur Ratschläge geben. Den ersten Schritt musst du selbst tun.
Und der liegt entweder in einer Ambulanz oder darin, dass du dich morgen Früh bei einem Neurologen oder Psychologen in eine Praxis setzt. Ohne Termin. Begleitet von deinem Mann. Damit man in die Wege leitet, was zu tun ist. Und damit meine ich nicht unbedingt Medikamente oder eine stationäre Therapie. In einer großen Stadt wie Bremen gibt es sicher auch ambulante Möglichkeiten und Trauma-Therapeuten. Eine reine Psychotherapie kannst du später machen. Dafür stehst du ja auf Wartelisten.
Das ist die eine Alternative. Die andere ist, dass dein Mann morgen alleine weg geht und dich einschließt. Klingt hart und herzlos. Ist aber so. Aber das will man ja auch niemandem antun. Ich wette, dein Mann wollte dich schon in eine Klinik bringen und er hat dir bestimmt auch schon Vorschläge gemacht, was ihr tun könntet. Ich kann mir das gar nicht anders vorstellen. Aber du bist so wütend über den Wegfall deines Rettungankers, dass du gar nicht anders kannst.
Glaub mir, ich kann es so gut nachvollziehen. Wenn du magst, schreibe mich auch über PN an. Dein Fall geht mir wirklich sehr nah.