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Hi zusammen !

Ich war gestern beim Arzt, weil es mir mit der Angst sehr schlecht geht. Er meinte, ich soll noch einmal in die Tagesklinik gehen, wo ich Anfang März diesen Jahres entlassen wurde. Eventuell werde ich auch stationär aufgenommen. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt und mir ging es deutlich besser. Leider hat der Zustand rapide wieder abgenommen :/

Ist es denn überhaupt möglich nach 4 Monaten wieder in die selbe Klinik zu gehen? Denken die nicht, dass das viel zu früh ist oder so? Die haben mich immerhin entlassen, weil sie zu mir sagten, ich könne nicht ewig hier bleiben und ich wäre bereit es eigenständig zu versuchen.

Ich trau mich irgendwie nicht dort anzurufen, weil ich Angst habe, dass ich abgewiesen werde.
Kennt sich da jemand aus?

11.07.2015 13:34 • 11.07.2015 #1


3 Antworten ↓


Perle
Hallo LadyHope,

warum hast Du Dich denn in der Tagesklinik so wohl gefühlt und warum ging es Dir dort plötzlich besser? Warum geht es Dir seit der Entlassung wieder schlechter und was hast Du in den vergangenen paar Monaten getan bzw. in welcher Form hast Du an Dir gearbeitet?

Ich stelle diese Fragen absichtlich ein bischen provokativ, weil ich ähnliches erlebt habe und zwar nachdem ich Ende Oktober von der Akutstation entlassen wurde. Ich glaube, dass es mir dort besser ging, weil ich nicht mehr so einsam war, ich Gleichgesinnte hatte und man sich vor allem um mich gekümmert hat! All diese Komponenten waren Streicheleinheiten für meine Seele, die mir nach der Entlassung dann natürlich wieder gefehlt haben.

Du schreibst in Deinem Profil, dass Du hauptsächlich Angst vor Krankheiten hast. Also bei mir war das auch ganz stark ausgeprägt. Irgendwann kam ich darauf, dass da ein Prinzip dahinter stecken muss, was natürlich unterbewusst abläuft: Ich wollte Aufmerksamkeit. Und die bekam ich dann ja auch. Meine Krankheiten haben sozusagen ein Defizit kompensiert. Seitdem ich das kapiert habe, ist die Angst vor Krankheiten stark zurück gegangen und ich bin dabei, mein Leben neu zu ordnen, sowohl in Sachen Arbeitsplatz als auch (und vor allem!) im Aufbauen / Erweitern sozialer Beziehungen und Freundschaften. Und ich mache Sport, nicht extrem aber so viel, dass ich meinen Körper ruhig mal ein bischen belaste, damit er wieder verinnerlicht, vollkommen gesund zu sein!

Die Entscheidung, ob Du nochmal in die TK gehen möchtest, kannst Du am besten alleine treffen. Ich kann Deine Angst vor Abweisung durchaus verstehen. Oder hast Du vielleicht eher Sorge, dass man Dich tadelt oder Dir Vorwürfe macht? Hast Du 3ein schlechtes Gewissen Dir selbst gegenüber? Das brauchst Du nicht haben, wir alle sind Menschen und wir dürfen Fehler machen, uns weitentwickeln und auch mal ein paar Schritte zurück gehen.

LG, Martina

11.07.2015 21:55 • x 1 #2



In die selbe Tagesklinik nach 4 Mo ?

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Hallo Martina,

hmm... warum habe ich mich dort wohl gefühlt?
Ja, du hast recht. Ich war nicht mehr einsam, man hat sich um mich gekümmert und ich hatte eine Tagesstruktur.
Man war nicht böse mit mir, wenn ich Angst oder Panik hatte und man hat mich ernst genommen.
Zudem war ich im Krankenhaus, also wenn etwas passieren sollte (körperlich), könnte man mir eventuell direkt helfen. Das gab mir sehr viel Sicherheit.
Routine Untersuchungen wurden dort gemacht, die mir auch Sicherheit gaben.

Ich muss mir wohl eingestehen, dass ich nicht sehr viel an mir gearbeitet habe bzw. hat das schnell nach gelassen und ich bin wieder in alte Muster zurück gefallen. Nur, komme ich da jetzt nicht mehr raus... ich versuche es, aber die Angst lähmt mich komplett.

Ich habe mir auch schon überlegt, ob es vielleicht an der Aufmerksamkeit liegt, die ich versuche zu bekommen, unbewusst. Aber ich denke nicht. Ich weiß es nicht. Ich habe die Ängste ja auch sehr schlimm, wenn ich alleine bin und keiner da ist... in der Todesangst möchte ich dann eig. nur, dass mich jemand untersucht. Ist das Aufmerksamkeit wollen? Ich habe Angst zu sterben.
Ich finde es eher grausam so eine Todesangst zu haben. Ich würde dagegen sogar die Einsamkeit vorziehen... behaupte ich.
Deshalb weiß ich nicht, ob das passt. Von meinen Eltern, meinem Freund und Freunden bekomme ich deshalb auch keine Aufmerksamkeit mehr... bekomme sogar eher Ärger. Dennoch habe ich die Ängste noch.

Ich traue mich nicht zum Sport, weil ich dort niemanden kenne und neu zu sein und Leute kennen lernen ist für mich mit sehr viel Stress verbunden, wegen schlechter Erfahrungen. Ich würde so gerne tanzen gehen... aber andere können das eh besser und dann möchte ich nicht zum Gespött werden.

Du hast recht, ich habe eher Angst davor, dass man mich tadelt und Vorwürfe macht, weil ich nicht richtig an mir gearbeitet habe... aber ich habe auch Angst, dass mir einfach niemand helfen kann... alles ist so kompliziert

Wie hast du dich denn befreien können?

Liebe Grüße

11.07.2015 22:16 • #3


Perle
Also, ganz ehrlich: Mein großer Helfer war das und ist das Antidepressivum. Ich habe es sehr lange ohne AD probiert aber mich immer wieder im Kreise gedreht.

Entscheidend bei mir war neben dem AD sicher die Tatsache, dass mein Vater im März lebensbedrohlich erkrankte und ich schlicht und ergreifend gar keine Zeit mehr hatte, mich mit meinen Ängsten oder vermeintlichen Krankheiten zu befassen. Ich musste in den Bus steigen (und Bus fahren war für mich mit Todesangst verbunden), um zu meinem Vater auf die Intensivstation zu gelangen. Und das über viele Tage. Ich musste meine Mutter unterstützen und einiges organisieren. Mein Lebens-Fokus wurde in eine andere Richtung gelenkt, ich wurde gebraucht und konnte viel geben.

Ich habe auch heute immer noch oder immer mal wieder kurz aufflackernde Ängste. Sie zeigen sich in beschleunigtem Herzschlag, kurzem Schwindel und Schweißausbrüchen. Ich habe aber durch die ernsthafte Erkrankung meines Vaters begriffen wie froh und dankbar ich sein kann, wirklich kerngesund zu sein. Viele Ärzte haben mir das bestätigt und es ist sehr wichtig, diese Aussagen zu verinnerlichen!

Sport kannst Du auch für Dich machen, dazu brauchst Du nicht zwangsweise eine Gruppe. Ich habe verschiedene DVD´s. Der Couchtisch wird weg geschoben und dann wird geturnt. Wichtig ist aber auch die Ausdauer, ich gehe in meiner nahen Umgebung walken, man darf ruhig aus der Puste kommen. Wie gesagt, der Körper muss kapieren, dass er ganz gesund ist und dazu muss er gefordert werden in Form von Ausdauersport.

LG, Martina

11.07.2015 22:35 • #4




Dr. Reinhard Pichler