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Hallo,
heute war es wieder einmal soweit. Wollte ca. 100 km Autobahn fahren und zusammen mit meiner Frau einen Weihnachstmarkt besuchen... habe dann "aus Angst vor der Angst" entschieden, nicht zu fahren. Ein riesen Krach war die Folge, da meine Frau mein Problem nicht versteht und mein Verhalten als Willkür deutet... Habe mich dann am Abend nochmal ins Auto gesetzt bin einkaufen gefahren und habe auf dem Rückweg die Autobahn genommen (ca. 8 km). Es war dann so, dass sofort nach dem Auffahren das Herzrasen losging. Ich habe dann das Gefühl, als würde ich auf dem elektrischen Stuhl sitzen. Auch der halbe Betablocker (Belok-Zok Mite), den ich morgens einnehme, hat nichts gebracht. Da ich einen Herzklappenfehler habe, ist das Herzrasen für mich auch tatsächlich nicht gut...wohl der übliche Teufelskreis. Wäre ich in einen Stau geraten, wäre das ganze wohl in Dauerherzrasen umgeschlagen, was ich auch schon mal hatte. Je näher ich meiner Ausfahrt kam, desto mehr beruhigte ich mich. Nun habe ich schon öfters den Mut gehabt und bis auf die Autobahn gefahren, trotz Herzrasen. Die verhaltenstherapeutische Expositiontherorie besagt doch, dass das Gehirn dann irgendwann wieder verlernt auf der Autobahn diese PAs zu bekommen?? Scheinbar funktioneirt das bei mir nicht? Was kann ich tun? Hoffe auf Tipps von Betroffenenen mit ähnlichen Problemen?? Muss ich den Betablocker höher dosieren??

Viele Grüße
Chris

13.12.2011 21:55 • 20.12.2011 #1


13 Antworten ↓


Das Problem hatte ich auch und hab es mit Therapie nicht in den Griff bekommen. Mir hat die hier dann dabei geholfen: http://www.psychofragen.de. Sie hat mir erklärt, dass ich die Expos falsch mache, weil ich mich nicht auf die Angst einlasse. Und natürlich auch, wie ich es richtig mache. Man muss die Angst in dem Moment haben wollen, so blöd das auch klingt. Das ist extrem schwer, aber wenn man auf die Autobahn fährt und denkt, jetzt bloß keine PA, dann kommt ganz sicher eine.

13.12.2011 22:30 • #2



Immer wieder Panikattacken auf der Autobahn.Exposition?

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Hallo,

ich hatte mich letzt erst im netz ein bisschen durch das thema "verlernen von angst" gelesen, was da halt im gehirn für geschehen muss. wir erlernen angst halt sehr schnell aber verlernen sie wohl sehr langsam, da dieser prozess im gehirn umwege gehen muss.
sicher können wir ängste wieder verlernen, nur ist es wie immer beim lernen, bei dem einen gehts schneller bei dem anderen langsamer. du solltest dir da keine sorgen machen, dass du es nie verlernst. nur musst du deinem gehirn die chance geben zu erlernen das die angstreaktion falsch ist. dafür musst du halt wohl längere strecken autobahn fahren und auch wirklich die ängste durchstehen bis es immer weniger werden.

falls es wenn interessiert, was bei angst entsteht, sollte mal nach "angst verlernen" oder "amylgada" googeln. die amylgada ist wohl hauptsächlich für unsere angst zuständig und leute mit zerstörter amylgada empfinden keine angst, was natürlich auch nicht gut ist wenn man keine gefahren erkennt. ich fand es recht hilfreich das genauer zu wissen.

13.12.2011 22:32 • #3


Aber man kann Angst nur dann verlernen, wenn sie in der Situation auch mal verschwindet. Ich hatte bei meinen früheren Versuchen das Gefühl, dass die Angst sogar schlimmer wurde. Nix mit verlernen, ich hatte jedes mal mehr Angst.

13.12.2011 22:37 • #4


Hallo Chris,

ich kenne das Problem mit den Pa´s auf der Autobahn auch...ich hatte sie auch an bestimmten Stellen auf Landstraßen und in der Stadt...auf der Landstraße und in der Stadt sind sie mittlerweile weitestgehend verschwunden (manchmal kommt nochmal eine, aber in ganz milder Form, irgendwie fast im Hintergrund)..
Auf der Autobahn habe ich immer noch öfter PAs, das Problem ist, man kriegt ja immer gesagt, man müsse sich auf seine Angst einlassen, damit das Hirn "verlernt" an dieser Stelle oder diesem Ort Angst zu produzieren, ich habe jedoch ehrlich gesagt ein Problem damit mich bei der Geschwindigkeit auf der Autobahn drauf einzlassen, da hab ich ganz andere Sorgen...ich vermeide zwar keine Autobahnfahrten, aber in Griff hab ichs da auch noch nicht so richtig gekriegt, dauert wohl echt ein bisschen länger, heisst dann wohl immer wieder üben üben üben

14.12.2011 15:48 • #5


Hallo,

ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob es sonderlich hilfreich ist, das Expositionstraining ohne geschulte Hilfe alleine durchzuführen.
Unter Umständen kann man wirklich Pech haben und die Symptomatik verfestigt sich, alleine schon aufgrund der Tatsache, daß es nicht gleich und schnell funktioniert. Da könnten dann Gedankenmuster entstehen wie: "Mir hilft das sowieso nichts", "Gar nichts hilft mir" etc.
@zweifachmama, man könnte auch vorerst gedanklich, also in der Vorstellung (in sensu) sich der angstauslösenden Situation stellen. Das Gehirn kann nicht zwischen Vorstellung und tatsächlich erlebten unterscheiden.
Aber auch hierbei würde ich die Hilfe eines Therapeuten in Anspruch nehmen.

LG
Angela

14.12.2011 19:34 • #6


Autobahn ist für mich absolut unmöglich, nach 100 m gehts los, Pa`s vom feinsten, die erst verschwinden wenn ich von der Bahn runterfahre.... seitdem fahre ich da nimmer.
Hatte gestern wieder eine als ich mit meinem Sohn mit dem Auto unterwegs war, von jetzt auf gleich wurde mir in der Magen-Herzgegend heiss, mir wurde schlecht und die Angst war schlimm. Mein erster Gedanke... hilfe ich sterbe.. dann ich will anhalten, ging aber nicht, war mitten im Verkehr. OK, die Pa verschwand wieder, aber die Angst vor einer neuen blieb. Ich fange dann immer an zu weinen, als müsste ich Druck abbauen und bin dann körperlich absolut geschafft. Kennt ihr das?
Ich weiss man soll lernen die Pa`s anzunehmen, aber ich kann das nicht, ich den über 20 J: wo ich die habe hat es nie geklappt.
Jetzt grad hab ich Promethazin Tr. genommen weil ich mich so fühle, als könne ich die innere Unruhe die ich heute habe nicht mehr aushalten.. manchmal meine ich es geht alles nicht mehr....
LG

14.12.2011 23:28 • #7


@Angela
Meinst du man soll sich vorstellen dass man im Auto sitzt und auf der Autobahn fährt?
Weiss nicht, ob ich das hinkriege...werde aber mal meine Therapeutin danach fragen...

@himmelswesen
Aber immerhin hast du die PA doch durchgestanden ohne anzuhalten, oder? Das ist doch schon mal was, auch wenn es vllt schlimm war...
Das mit dem Weinen kenne ich auch, ist wie Druck abbauen, habe ich auch sehr oft, wenn die PAs häufiger oder heftiger sind...
Zitat von himmelswesen:
manchmal meine ich es geht alles nicht mehr....

gib nicht auf, es kommen auch wieder bessere Zeiten, daran müssen wir alle fest glauben, drück dich

Liebe Grüße
Martina

16.12.2011 11:23 • #8


@zweifachmama,

Zitat:
Meinst du man soll sich vorstellen dass man im Auto sitzt und auf der Autobahn fährt?
Weiss nicht, ob ich das hinkriege...werde aber mal meine Therapeutin danach fragen...
genau so meinte ich das, die Situation quasie in Gedanken durchspielen, aber ich habe auch geschrieben, mit geschulter Hilfe Das ist eine weitere Methode aus der Verhaltenstherpaie, Exposition in vivo - also das reale Erleben, Exposition in senso - erst einmal gedanklich erleben.

Bei beiden Verfahren werden vorher allerdings noch Entspannungstechniken eingeübt, weil ein entspannter Körper nicht unter Anspannung stehen kann, wie das die Vorstufe einer Panikattacke fordert (wiederum nur ganz kurz erklärt ).

LG
Angela

16.12.2011 18:03 • #9


@Angela
Das glaub ich das so etwas nur mit geschulter Hilfe richtig praktiziert werden kann
Würde ich wie gesagt alleine auch garnicht hinkriegen
Ist aber ein interessanter Ansatz finde ich...

17.12.2011 11:10 • #10


Hallo,

also ich würde mir das Herzrasen oder PA's auch nicht mit Autofahren abgewöhnen können, denke ich zumindestens.
Ich glaub da muß ich was anderes machen.

Ein paar Gedanken dazu von mir:

Generell halte ich Autofahren nicht für allzu gesund eigentlich... Vielleicht auch mit ein Grund, warum einem Autofahren nicht mehr bekommt. Vielleicht hat man da noch weiter ungesunde Verhaltensweisen auf Lager...
Und wenn ich was für meine Gesundheit machen muß, dann fahre ich auch nicht zum Weihnachtsmarkt.

Natürlich kann man mehr Tabletten nehmen, aber dabei lernt man eigentlich nichts. Überhaupt unterdrückt man damit nur Symptome und lernt seinen Körper nicht kennen.
Wenn ein Herz plötzlich losrast, da steckt aber nicht nur ein Weihnachtsmarktbesuch dahinter oder ein paar Autobahnfahrten...

Ich weiß jedenfalls das allein das schnelle Beschleunigen zur Auffahrt auf der Autobahn gesundheitlich nicht gut ist. Das geht auf Atmung, Körperverspannungen und innere Organe.
Ein gesundheitlich normaler Körper, der reagiert darauf dann auch nicht mit PA oder Herzrasen, aber so gesund ist man ja nicht und dann lösen auch solche Kleinigkeiten auch schon mal was aus.
Und dann ist man ja nicht allein auf der Autobahn. Da ist volle Konzentration gefordert wegen der Verkehrsdichte, hohe Geschwindigkeit, geringe Sicherheitsabstände...Anspannungen, feuchte Hände, falsche Atmung usw. sind die Folge.

Das hat alles auch etwas mit Streß zu tun. Wäre man der einzigste auf der Autobahn und könnte gemutlich auffahren, dann wird vermutlich auch weniger bzw keine PA's oder Herzrasen dabei eintreten.
Zumindestens kann man etwas seine Fahrweise dann anpassen, denn meist sind es die zu schnellen Anforderungen die Streß machen. Hat man mehr Zeit ist der Streß dann praktisch auch geringer.

Sowas sind dann aber nur Notlösungen, die bestenfalls einen Ausbruch einer PA oder Herzrasen unmittelbar vielleicht verhindern könnten. Aber Heilung von PA's sieht für mich anders aus.
Da muß ich schon mehr darüber nachdenken, was dieses oder jenes für meine Gesundheit gut wäre oder besser wie bisher.
Und Autofahrten stehen da bei mir erstmal auf der roten Liste.

Überhaupt erstaunt es mich, das man mit einem Herzklappenfehler so eine PA auch gut übersteht. Da scheint doch der Herzklappenfehler nicht so schwer zu wiegen, wie ich mir das vorgestellt hätte.
Mich würde sowas sogar etwas beruhigen und die Angst nehmen, das ich dann doch nicht so krank wäre, wenn ich einen Herzklappenfehler hätte. Da würde mir ein Stein vom Herzen fallen.

Und bei Herzasen achte ich auch darauf, wie es praktisch abläuft und wie lange und was ich dabei mache.
Ich kenne z.B. Herzrasen, welches rhythmisch verläuft, also ein paar Sekunden sehr hoher Puls, der danach deutlich einige Sekunden absinkt und dann wieder hochschnellt usw. Das dauert dann so 20 min bei mir.
Dann kenn ich noch Dauerherzrasen, welches plötzlich eintritt (bei der anderen variante setzen einige Sekunden zuvor noch ein paar Symptome ein) und dann nur ganz langsam etwas nachläßt und auch so ca. erst nach 20 Min erträgliche Werte erreicht.
Also da sehe ich dann auch unterschiedliche Ursachen, wenn das Herzrasen so oder so eintritt.


VG

18.12.2011 12:23 • #11


MichaPME
Hallo Chris,

deine Ängst kann nur allzugut nachvollziehen. Ich habe lange Zeit Panikattacken
auf der Autobahn gehabt. Manchmal kommen sie auch noch - aber lange nicht mehr
so heftig.
Während meines Reha-Aufenthalts habe ich zusammen mit meinem Psychologen
Fahrten auf der Autobahn unternommen (Beginn: Angst bei 8 - Ende: Angst bei 2).

Ich würde dir auf jeden Fall professionelle Hilfe empfehlen. Allein kann man einiges
falsch machen:
Ein kleiner Tipp:
Nicht hecktisch oder unter Zeitdruck die Autobahnfahrt beginnen, Zeit lassen.
Keinen Kaffee oder schwarzen Tee trinken (das erhöht die Angstschwelle).
Vorher schon zu Hause in der Vorstellung üben, dabei bewußt ruhig und lange
ausatmen.
Während der Fahrt ausprobieren: was sehe ich, was rieche ich, was höre ich.

Dann kann es losgehen. Suche dir bewußt zuerst eine kleine Strecke Autobahn aus,
vielleicht 15-20 km. Ein paar Tage danach wieder die gleiche Strecke ... nicht zu viel
auf einmal wollen... und lass deine Frau zu Hause (dann hast du noch mehr Verant-
wortung), fahre alleine.

Viel Erfolg! - Michael

18.12.2011 15:16 • #12


"Überhaupt erstaunt es mich, das man mit einem Herzklappenfehler so eine PA auch gut übersteht. Da scheint doch der Herzklappenfehler nicht so schwer zu wiegen, wie ich mir das vorgestellt hätte.
Mich würde sowas sogar etwas beruhigen und die Angst nehmen, das ich dann doch nicht so krank wäre, wenn ich einen Herzklappenfehler hätte. Da würde mir ein Stein vom Herzen fallen." (Zitatende)



Tja, leider ist es nicht so einfach. Klar halten Klappe und Aorta das aus. Allerdings sind solche Belastungen auf die Dauer nicht gut und die Tatsache, dass die PAs in der Vergangenheit gut gegangen sind, beruhigt mich nicht wirklich. Irgendwann könnte es eben doch schiefgehen.... Auch beim Sport habe ich Einschränkungen zu beachten: http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/ ... nal_bg.pdf

20.12.2011 21:22 • #13


MichaPME
Hallo Chris,

ich kämpfe mit der Technik. Irgendwie gelingt es mir nicht, dir die eine Nachricht zurückzuschreiben.
Neuer Versuch im allgemeinen Forum:
Also: Zugfahren ist klasse; ich bin 20 Jahr mit dem Zug zur Arbeit (45 km ein Weg im Saarland) gefahren. Vor einem Jahr war ich mit meiner Frau mit der Bahn in Dresden-kein Problem mit dem Zug.
Zum Autofahren: Weiterüben, nicht zu viel auf einmal verlangen; wenn du vermeidest, kann sich die Angst auch auf Landstraßen ausdehnen (war bei mir 2001 so, konnte damals
überhaupt kein Auto fahren; erst durch Medis, dann duch Reha wieder besser).

Nicht aufgeben, u. nicht zu viel auf einmal wollen.
Herzlich:
Michael (54 J.)

20.12.2011 22:23 • #14



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