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A
Ich muss euch mal fragen, ob ihr auch den Eindruck habt.
Ich komme einfach nicht damit klar, dass psychische Krankheiten keinerlei Stellenwert in der Gesellschaft haben.
Immer, wenn ich bei jemandem andeute, was ich habe oder die Symptome schildere, ernte ich nur Unverständnis und dummes Grinsen.
Oder ich bekomme zu hören: Na und? So Symptome hat jeder mal. Kann man sich nicht so anstellen. Muss man weiter machen und sich zusammen reißen.
Auf Top 1 steht der Satz: Ist kein Wunder, dass du sowas hast. Hängst ja nur daheim rum. Geh jeden Tag ne Runde spazieren. Dann geht es dir auch besser.

Im Gegenzug höre ich dann Erzählungen wie: XY hat jetzt ne Putzfrau. Die arme Frau hat Krebs. Die braucht ja Hilfe. Würde bei jemandem mit Angstattacken keiner sagen.

Es heißt nur, dass man sich gefälligst zusammen reißen soll. Für diese Art Krankheit ist man selbst schuld und man soll zusehen, wie man das gefälligst ganz schnell los wird.

Mein Mann wird mich wahrscheinlich irgendwann verlassen. Das hat er mir auch gesagt. Er sagt, er ist 31 Jahre alt und er wird nicht mit mir drinnen hocken. Auf so eine Frau hat keiner Lust und ich soll entweder zusehen wie ich das los werde und mich nicht so anstellen oder er ist irgendwann weg.
Ihm geht es schließlich auch oft nicht gut, aber er MUSS ja. Und ich würde nur sagen, ich KÖNNE ja nicht. Das wäre lächerlich und ich solle mich nicht so anstellen.
Ich wäre ja immer nur unzufrieden. Dann sollte ich halt weniger putzen. Hinter mir würde keiner stehen. Dann solle ich mich eben auf die Couch legen und relaxen.

Wie soll man aus dieser Krankheit jemals raus kommen? Wenn einem KEIN SCHWEIN hilft? Wenn man als eingebildeter Kranker abgestempelt wird?

Man ist ebenso wenig wert wir die Krankheit an sich.

geht es euch auch so?

30.01.2013 09:48 • 16.09.2013 #1


55 Antworten ↓


I
Mittlerweile geht es mir nicht mehr so, weil ich mich von den Menschen getrennt habe, die meine Krankheit nicht ernst genommen haben. Nun habe ich ein Umfeld, das mich so akzeptiert, wie ich bin. Die Sätze, die einen so verletzen, hat wahrscheinlich die Mehrheit hier im Forum irgendwann mal in einer Situation gehört. Viele Unwissende verstehen nicht den Unterschied zwischen normalen Ängsten oder einem schlechten Tag und einer echten Angsterkrankung und einer Depression. Und das ist das Hauptproblem. Ängste kennt jeder, eine Angsterkrankung wünscht man keinem. Für unser System, in dem wir leben, ist eine psychische Krankheit eine Katastrophe, denn es zählt leider nicht der Mensch, sondern die Produktivität. Und wenn jemand im Krankenhaus liegt und körperlich krank ist, sieht man das meist sofort. Wir alle hier aber tragen unsere Erkrankung in uns und man sieht es oft nicht offensichtlich. Ich kann dir nur raten, dich damit auseinanderzusetzen, wer dir wirklich wichtig ist und wer deine Gefühle, Ängste und Sorgen ernst nimmt.

30.01.2013 11:05 • #2


A


Ich komme mit der Abwertung psychischer Krankheit nicht klar

x 3


A
Mein Mann will mir ja nur helfen. Er hat mich zu allen Ärzten geschleift und er hat ja Recht, dass niemand was gefunden hat und dass ich Minderwertigkeitskomplexe habe und alles negativ sehe.
Ich sehe es so. Ich sehe nur Dreck, Unordnung und sehe, dass es allen Menschen besser geht als mir. Ich bin in meinen Augen die ärmste Sau der Welt. Keiner hat so viele Symptome, keiner fühlt sich immer schlecht. So dreht sich meine Gedankenkarrussel wie irre. Tag für Tag. Bei anderen ist es schöner, sauberer, die haben mir Geld, bessere Männer, ein schönes Leben. Nur ich bin eine arme Sau, die immer alleine ist. So sehe ich es. Und ich weiß nicht, wie ich da raus kommen soll.
Es ist wohl erblich. Sowohl meine Oma sprach von sowas, als auch meine Mutter oft.
Aber ich will so nicht mehr weiter machen.

Die Angst hat mich leider voll im Griff.

30.01.2013 14:04 • #3


novemberrain
Liebe Aladin,

ich kann Dich gut verstehen. Man sieht die Anderen und denkt, was haben die es gut, die leiden nicht unter Angst.
Aber wissen wir das??

Ich kann Deinen Mann auch verstehen. Und vielleicht hat er Recht. Er versucht alles, damit Du aufstehst. Etwas tust.
Soll er mit Dir jammern?
Glaub mir, DAS würde Dir nicht helfen.
Du MUSST raus. Stelle Dich Deinen Ängsten. Und wenn es nur kleine Schritte am Anfang sind.
Nimm ihn mit. Übt am Anfang zusammen.

Wie eingeschränkt bist Du denn?
Was meidest Du?

Du schaffst das!
Viel Glück

30.01.2013 14:10 • #4


A
Alles- Einkäufe, Ausflüge, Zahnarzt nur mit größter Not, spazieren gehen gar nicht. Ich suche immer einen Weg, damit ich daheim auf meinem Sofa sitzen kann und ich gehe nur raus, wenn ich es muss (familiäre Gründe, Einkauf). Fast nur in Begleitung meines Mannes kaufen. Sonst verzichte ich oft lieber. Mache mir tagelang Sorgen, wenn ich einen Termin habe.
Problem: Schwankschwindel und daraus resultierende Angst, umzufallen. Aufgrunddessen habe ich mein ganzes Leben eingeschränkt und sitze in einem Gefängnis, wie mein Mann so schön sagt.
Ich habe alles probiert. Habe aber auch ebenso schnell die Flinte ins Korn geworfen. Viel Geld ausgegeben. Kam aber kein sofortiger Erfolg. Also war ich wütend und habe es sein gelassen.
Raus kann und will ich nur noch eingeschränkt- Für familiäre Dinge, die sein müssen oder eben für dringende Einkäufe. Nur selten, wenn mich die blanke Wut packt, schaffe ich was alleine.
Ich gehe 2 Mal im Jahr zum Friseur. Mit Angst. Ich sitze mit allergrößter Panik beim Arzt, ich belüge Freunde und Bekannte, um Treffen bei denen zu vermeiden (gaukele Termine oder Krankheit vor), ich gehe am Liebsten anderen schon aus dem Weg. Ich mache alles schnell, schnell. Ich lese sehr sehr viel im Internet. Als ob dort der Stein der Weisen läge. Mal habe ich diese, mal jene Theorie.
Keine zehn Pferde würden mich freiwillig raus bewegen. Also zu Ausflügen, Kirmes, Karneval, Veranstaltungen in Hallen usw. Die meiste Zeit sitze ich wie gesagt drinnen, hantiere im Haushalt, surfe im Internet und gucke Fernseh.

30.01.2013 14:31 • #5


Schlaflose
Zitat von Aladin:
Wie soll man aus dieser Krankheit jemals raus kommen? Wenn einem KEIN SCHWEIN hilft?


Wie stellst du dir denn die Hilfe vor? Was hast du bisher unternommen, dass dir geholfen wird? Du hast nur von einigen Stunden Psychotherapie und beim Heilpraktiker erzählt, die du selbst bezahlen musstest und deswegen nicht weiter machen konntest. Hast du dich in der Zwischenzeit auf Wartelisten bei meheren Therapeuten setzen lassen? Von alleine wird nichts passieren. Oder erwartest du, dass aus dem Nichts jemand bei dir klingelt und sagt, ich habe einen Therapieplatz für dich.
Das Blöde bei psychischen Krankheiten ist, dass im Prinzip kein anderer einem helfen kann, nur man sich selbst. Sogar, wenn man in Therapie ist, ist es nicht so, wie bei einer körperlichen Krankheit, dass man durch eine Operation oder Medikamente geheilt werden kann. Der Therapeut kann einem sagen, was bei einem falsch läuft und was man tun muss um es ändern. Aber dieses Tun muss man selbst durchführen, das kann einem niemand abnehmen.
Dass psychische krankheiten keinen Wert in der gesellschaft haben stimmt mitllerweile nicht mehr. Erst vorgestern wurde in den Nachrichten gesagt, dass die Zahl der Krankmeldungen und von Erberbsunfähigkeitsrenten die von psychischen Krankheiten verusacht werden, die der körperlich bedingten überschritten hat.

Zitat von Aladin:
Man ist ebenso wenig wert wir die Krankheit an sich.


Mit diesem Denken wirst du da nie rauskommen. Dieses Denkmuster zu durchbrechen wäre z.B. ein Teilziel einer Therapie. Ich habe in meiner Therapie gelernt, dass mein Wert überhaupt nichts mit meiner Krankheit zu tun hat.

Außerdem kann ich deine Erfahrung, dass die Leute einen nicht ernst nehmen, wenn man eine psychische Erkrankung hat, überhaupt nicht teilen. In meinem Umfeld wird sehr viel Rücksicht auf micht genommen. Ich hätte meine jetzige Arbeit ohne die Erkrankung gar nicht bekommen. Ich bin allerdings auch jemand, der sehr leidensfähig ist, die Zähne zusammenbeißen und sich zusammenreißen kann, egal wie beschissen es mir geht. Das habe ich bewiesen, indem ich über 20 jahre im Lehrerberuf ausgehalten habe. Mein Therapeut sagte in fast jeder Stunde: Wie haben Sie es bloß geschafft, das so lange durchzustehen?

Du solltest die Energie, die du in deine Wut steckst, positiv nutzen und aktiv etwas für die Änderung deiner Situation tun und nicht nur schimpfen und lamentieren.

30.01.2013 14:45 • #6


novemberrain
Liebe Aladin,

das alles, was Du beschreibst, kenne ich auch.
Ich kann Dir nur eins sagen: Der Weg aus der Angst führt durch die Angst.

Mir half und hilft die gnadenlose Konfrontation.
Ist mega schwer, aber es hilft wirklich.

Der Körper kann nicht auf Dauer ein Angstlevel aufrechterhalten. Es kommt immer wieder zur Entspannung.
Somit merkst Du immer wieder, dass man es aushalten kann und einem nichts passiert.
Die Symptome sind unangenehm, aber es sind nur Deine Gedanken, die sie überhaupt erst entstehen lassen.

Du packst das! TRAU DICH !!

30.01.2013 14:57 • #7


S
Auch wenn das jetzt vielleicht krass klingt, aber DU musst selbst den Hintern hochbekommen und etwas dafür tun, um aus dieser Angstspirale herauszubrechen.
Deine Posts sind sehr negativ behaftet und ich glaube du bemitleidest dich und dein Leben selbst.
Von nichts kommt nichts. Wenn du wirklich raus willst aus diesem Loch, dann musst du es anpacken. Setz dich auf die Warteliste eines Therapeuten und such dir dort die Hilfe. Oder versuche in deiner Gegend eine Selbsthilfegruppe zu finden.
Ich kann deinen Mann schon irgendwie verstehen, auch wenn es krass ist, dass er dich verlassen will, wenn es so weitergeht. Aber er sieht das es dir schlecht geht, aber du auch nichts dafür tust, damit es dir irgendwann wieder besser geht. Du igelst dich zu Hause ein und das ist ja eigentlich genau der falsche Weg.
Gehst du eigentlich nicht arbeiten?

30.01.2013 15:04 • #8


Schlaflose
Zitat von Aladin:
Ich habe alles probiert. Habe aber auch ebenso schnell die Flinte ins Korn geworfen. Viel Geld ausgegeben. Kam aber kein sofortiger Erfolg. Also war ich wütend und habe es sein gelassen


Ja, das ist auch ein Problem bei psychischen Krankheiten. Man braucht Geduld. Schon eine Kurztherapie dauert 25 Sitzungen und die reichen in den meisten Fällen nicht.

Zitat von Aladin:
Keine zehn Pferde würden mich freiwillig raus bewegen. Also zu Ausflügen, Kirmes, Karneval, Veranstaltungen in Hallen usw. Die meiste Zeit sitze ich wie gesagt drinnen, hantiere im Haushalt, surfe im Internet und gucke Fernseh.


Ich schätze mal, dass die passende Therapie für dich genau das wäre, nämlich raus gehen und die Situationen durchhalten. Das ist ja das klassische Konzept der Konfrontationstherapie. Aber nicht in die Situation gehen und schnell, schnell wieder wegrennen, sondern trotz Panik und sonstigen Symptomen dableiben, bis diese nachlassen.
Ich weiß wovon ich rede, weil ich vor ca 25 Jahren auch einige Monate lang Panikattacken hatte, mit genau den Symptomen, wie du auch, hauptsächlich Schwindelattacken und das Gefühl umzukippen, dazu auch Tinnitus (den ich seitdem immer noch habe). Die ersten zwei Wochen (war während der Weihnachtsferien) habe ich mich auch nicht getraut aus dem Haus zu gehen, aber ich habe während dieser Zeit gemerkt, dass ich, egal wie schwindelig mir ist, nicht umkippe. Als die Uni wieder losging, bin ich einfach hin, weil das Studium mein Lebensinhalt war, und ich das um nichts in der Welt aufgegeben hätte. Es waren teilweise echt schlimme Zeiten, ich hatte die Attacken mehrmals am Tag, sie überklamen mich im Zug, im Bus, an der Haltestelle, in der Mensa, während den Veranstaltungen, während Gesprächen, einfach überall, aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, wegzurennen, weil das eh nichts geändert hätte. Und nach etwa 4 Monaten wurde es immer weniger und nach 6 Monaten war es ganz weg.

30.01.2013 15:09 • #9


B
Hallo,

diese Probleme kenne ich nicht, oder besser gesagt nicht in diesem Umfang. Von alleine käme ich aber auch nicht auf Idee Freunde oder Bekannte mit allzu vielen Details zu belästigen. Ich rede oft mit meiner Mutter über die verschiedenen Symptome und wie es mir geht, aber selbst mein bester Freund bekommt nur sehr grobe Umrisse zu hören, wozu auch ins Detail gehen?

Wer Angst und Panik nicht kennt, kann damit nichts anfangen und sich einfach nicht in diese Lage einfühlen. Und dass normale Menschen in der Regel keine Lust haben sich mit den Ängsten und Sorgen und Symptomen anderer zu beschäftigen, sich runterziehen zu lassen, leuchtet mir auch bis zu einem gewissen Punkt ein. Schließlich ergibt das ja alles irgendwo keinen Sinn und muss auf nicht Betroffene teilweise schon sehr seltsam und verstörend wirken.

Wenn man direkt gefragt wird, kann und sollte man natürlich antworten und ehrlich sein, das ist klar. Aber zu viel Verständnis sollte man nicht erwarten, denn das haben nur die Wenigsten.

Übel nehmen kann man es den Leuten aber finde ich nicht. Bevor ich eine Angsterkrankung bekam, wusste ich auch so gut wie nichts darüber und hätte wohl auch wenig Verständnis für Jemanden gehabt, der mir ängstlich von kribbeln, ziehen und pieksen erzählt, einfach aus dem Grund weil man es nicht kennt und es sich beim besten Willen nicht vorstellen kann.

Über die Fehleinschätzungen von Angst und Panik und die daraus resultierenden Tipps kann ich nur lachen. Meine Tante rief mich einmal an und fragte wie es mir geht. Ich antwortete mit einem unmotiviertem Es geht. woraufhin von ihr etwas genervt kam: Schon wieder Angst und Panik?, als ich das bejahte kam nach kurzer Überlegung ein grandioser Tipp.

Hm... hör doch einfach auf Angst zu haben.

Als ich dann aufgehört habe zu lachen, habe ich nur noch erklärt, dass es so einfach nicht geht, was sie dann auch nicht ganz vertanden hat und wohl etwas enttäuscht war, dass ihr Tipp nichts geholfen hat.

Man versteht einen Ängstler einfach nicht, wenn man nicht über längere Zeit sehr mit ihm beisammenwohnt oder ihn zumindest sehr oft und lange sieht und Zeit mit ihm verbringt. Nur dann kriegt man richtig mit, wie oft dieser Angst hat und wie schlimm die ganze Sache eigentlich wirklich ist, dass es das Leben teils erheblich beeinträchtigt und man einfach falsch eingeschätzt wird.

Deshalb nehme ich es den Leuten auch nicht übel, sofern es in einem normalen Rahmen bleibt und ich kann Dir auch nur raten: Mach Dich nicht so fertig deswegen und ganz wichtig: Mach eine Therapie um die Angst in den Griff zu bekommen.

Liebe Grüße und einen schönen Tag noch,

BrainTrain

30.01.2013 15:30 • #10


S
Zum Thema Konfrontation, mir ist da vor ein paar Wochen auch was passiert. War beim Optiker, neue Brille abholen. Leider hab ich schnell bemerkt, dass die Werte total falsch waren, also bin ich mit meinem Mann direkt wieder hin. Leichter Schwindel überkam mich schon auf dem Weg dahin und als wir im Laden standen das volle Programm! Ich musste da raus, bin also weggerannt in der Situation. War genau das Falsche, aber nungut.
Leider habe ich diese Attacke mit dem Laden in Verbindung gebracht und hatte eine Woche drauf auch schon ziemlich muffe wieder hinzugehen, weil die Angst kam das es wieder passiert. Ich hab´s trotzdem gepackt, bin rein, habe mir immer wieder gesagt, dass ich das schaffe und die Angst nicht über mich siegen wird. Und siehe da, es hat funktioniert. Ich war sogar so ruhig, dass ich ohne Probleme auch nochmal meine Augen hab vermessen lassen.
Lass die Angst nicht weiterhin dein Leben bestimmen. Dafür ist das Leben zu schön und zu wertvoll.

30.01.2013 15:38 • #11


A
Leidenfähig war ich eh nie- Habe immer den Kopf in den Sand gesteckt. Ging früher aber in meiner Familie auch immer gut. Bloß habe ich nun keine Oma mehr, die mir das Essen ans Bett bringt, Fieber misst und mich betüddelt. Ich habe immer den Weg des geringsten Widerstandes gewählt und ich bin IMMER durch gekommen. Ich habe mich irgendwie immer durchs Leben gewunden wie ein kleiner Wurm. Mit Attesten, mit Lügen, mit Ausreden. Irgendwann bekam ich immer, was ich wollte. Auch während meiner Angstkrankheit.

Ich hätte am Liebsten immer jemanden daheim. Und beneide fälschlicherweise diejenigen, die Männer haben, die a) arbeitslos oder b) in Rente sind oder c) andere Verwandte haben. Ich weiß ja selbst, dass es falsch ist. Aber man liest ja hier, dass ich nicht die Einzige bin, die ihr Leben an ihre Familie gekoppelt haben. Wie viele gehen denn hier nur in Begleitung raus? Sehr viele doch.

Ich habe eine blanke Wut, wenn ich anderen von meinem Schwindel erzähle und die raffen das gar nicht! Und wenn dann noch einer lacht, könnte ich echt aus der Hose springen. Warum haben die keine Angst davor, denke ich dann. Wenn die keine Angst haben, können die den ja kostenlos bei mir abholen.

Ich bin wohl einfach zu feige, um diese Konfrontation zu machen. Ich denke oft: Morgen, ein ander Mal, bei besseresm Wetter etc. Und? Ich habe es nie durchgezogen in den letzten Monaten, wo es wieder so schlimm war.

Nun habe ich ne dicke Erkältung. Mein Gedanke: prima. Haste ne gute Ausrede, dass du nicht zum Zahnarzt musst.

Oder ich denke: Komm. Fall schon um, so lang dein Mann noch hier ist. Dann bleibt er heute daheim. Ich wünsch mir oft regelrecht, dass ich umfalle. Damit alle sehen, dass ich wirklich was habe....

Klar sehe ich anderen das nicht an, ob die auch sowas haben. Aber ich bin echt ÜBERZEUGT: MIR sieht man es an und es gibt in meinen direkten Umfeld echt keinen, der das hat. Denn sonst würden die ja auch zu Hause hocken.

Ich weiß, dass meine Denkweise wohl falsch ist. Ich will eine Hauruck-Lösung. Die sah ich in Hypnose und in Arztbesuchen und in pflanzlichen Mitteln. Da ich mich aber auf nix einlassen kann... Hmm. Werden wohl auch andere Sachen wenig Erfolg zeigen. Ich bin jemand, der immer sofort Ergebnisse haben will und wenn die ausbleiben, bin ich trotzig und enttäuscht.

30.01.2013 15:49 • #12


S
Du solltest dringend was an deiner Einstellung ändern! Aber gewaltig! Wie alt bist du und wie muss man sich dein tägliches Leben so vorstellen? Leider bist du auf meine Frage nach dem Beruf nicht eingegangen. Dein Mann ist nicht gerade alt, also gehe ich mal davon aus, dass du wohl auch so in seinem Alter bist, oder? Du musst scheinbar noch lernen, dass man im Leben generell nichts geschenkt bekommt und du auch nicht von heute auf morgen deine Ängste loswirst. So funktioniert das nicht..... Auf was wartest du, damit du die Sache richtig anpackst? Sich selbst bemitleiden kann man zwar, hilft einem im Leben aber überhaupt nicht weiter. Sondern bringt einen soweit wie du mittlerweile bist.

30.01.2013 15:58 • #13


A
30. Und ich hatte es mit 20 schon mal. Damals erfolgreich bekämpft.
Ich habe einen Büroberuf. Gehe aber nicht arbeiten. Wie soll ich denn bitteschön dorthin kommen?? Ich lebe von Ersparnissen und von meinem Mann. Meinen Job habe ich geschmissen. Ich schaffe es mal eben so zum einkaufen, wenn mein Mann fährt. Wie soll ich denn in ein Büro gehen?? Ich sage ja. Ich schaffe alles nur, wenn es dringend sein muss und auf letzter Rille. Wie soll man denn arbeiten, wenn es einem nie gut geht und einem dauernd schwindelig ist?
Beim ersten Mal habe ich auch meinen Job für 1,5 Jahre geschmissen. Habe mal hier, mal dort angefangen. Mich aber immer absichtlich (ja, ich gebe das zu. Ich hatte sehr oft nen gelben Schein) gedrückt und war immer froh, wenn ich da weg war.
Nur an einer Arbeitsstelle war ich über viele Jahre uneingeschränkt glücklich. Lag daran, dass ich den Chef mochte und er mich mochte. Der hatte vor mir nur Pfeifen und ich habe zufälligerweise genau SO gearbeitet (in meinem Beruf bin ich nichtsdestotrotz gut) wie ER wollte. Das Büro zerschlug sich dann aber aus anderen Gründen und ich konnte da nicht mehr arbeiten.
Tja. Und nun bin ich soweit, dass ich beim Arbeitsamt war und die belogen habe als sie gefragt haben, ob ich arbeitsfähig bin. Weil wenn ich das sage, dann kriege ich ja kein Geld. Nun geht die Lügerei wieder los. Deswegen sitze ich sicher bald wieder bei Ärzten, hole gelbe Scheine, drücke mich, kassiere das Geld ab (denn nur darum geht es mir im Grunde - entschuldigt meine Offenheit) und dann bin ich erstmal wieder ein paar Monate versorgt. Ich habe das damals bis auf die Spitze getrieben und das komplette ALG I ausgeschöpft.
Und nun soll es wieder so los gehen? Ich bin überzeugt, dass sich viele Angstpatienten so durchs Leben hangeln. Nur sie geben es oftmals nicht zu. IST ja auch grottenpeinlich.

30.01.2013 16:48 • #14


Peppermint
Nichts ist an einer angsterkrankung grottenpeinlich....sage dem Amt offen und ehrlich das du an einer angsterkrankung leidest ....
Sich ewig durchs leben schummeln kann doch nicht auf Dauer gut gehn....

30.01.2013 16:52 • #15


W
Liebe Aladin,

wahrscheinlich bin ich die Letzte, die Ratschläge geben kann, weil ich selber immer noch nicht sehr weit bin.

Aber - ich lese Dich täglich hier in so vielen Themen, und ich lese ein Wut heraus. Eine Wut auf alles und jeden. Eine Wut auf Dich selber. Eine Wut auf die Krankheit. Aber mit Wut kommt man nicht vorwärts.

Irgendwann wird es Zeit, mal ans Eingemachte zu gehen. Du hast so viele Probleme, und keines gehst Du richtig an. Keine Therapie machst Du geduldig zu Ende. Psychische Krankheiten brauchen ihre Zeit und es geht nicht so schnell, wie wir es gerne hätten.

Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, so nach und nach in Deinem Leben aufzuräumen. Das Erste wäre, zu Deiner Angsterkrankung zu stehen. Gegenüber den Behörden z.B. Du bekommst zunächst Krankengeld, später, wenn es nicht besser wird, EU-Rente oder Ähnliches. Das steht Dir zu. Schlimm, aber nicht so schlimm, wie dieses ewige Lügen. Das alleine ist schon Streß ohne Ende.

Dann wird es Zeit, mit Deinem Mann zu reden, wie Du es Dir weiter vorstellst. Ihr habt Kinder. Es muß ein Weg gesucht werden, der Euch beiden gerecht wird. Wenn Ihr ein Abkommen habt, ist auch der Druck weg, daß Dein Mann Dich verlassen könnte, jedenfalls in absehbarer Zeit, wenn Ihr einen Kompromiss findet.

Unsere Angst wird eben durch zu viele Stresssoren ausgelöst. Und ja, auch ich hangle mich durch´s Leben, habe aber angefangen, in meinem Leben aufzuräumen, sei es mit der Vergangenheit, sei es, daß ich mit meinem Lebensgefährten nun gemeinsam an einem Strang ziehe.

Es liest sich sehr wenig, aber hilft ruhiger zu werden. Ich lese Dich, als wenn Du in einem Affentempo hier postest, atemlos und wütend auf jeden, der Dir nicht helfen kann.

Liebe Aladin. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß das viele Lesen hier auch nicht guttut. So lieb die Menschen hier im Forum auch sein mögen, so sehr sie sich auch bemühen zu helfen, so sehr gleicht ein Fall nicht dem anderen. Ich habe mir hier schon Symptome angelesen, die ich nie hatte. Es zieht einfach nur herunter, wenn ich lese, daß viele über Jahre nichts erreichen. Denn die, die es schaffen, sind nicht HIER. Sie leben nämlich ihr Leben.

Liebe Grüße,

Worrylein

30.01.2013 17:33 • #16


S
Ich glaube man kann sich bei dir die Finger wundschreiben, im Grunde genommen kommt es mir fast so vor, als wenn du eigentlich überhaupt nichts an deiner Situation ändern willst. Es kommt von dir nichts in der Form, dass du dir Hilfe suchen willst, dass du die Sache nochmal anpackst. Sorry, das kommt wirklich so rüber.
DU bist diejenige die ihr Leben ganz alleine wieder in die richtige Richtung drehen kann. Aber dafür musst du was tun und nicht die ganze Zeit Trübsal blasen und dich selbst bemitleiden.
Ich habe gerade gelesen, dass du Kinder hast....wenn du dich schon von alleine nicht aufraffen kannst, dann schau auf deine Kinder und tu es wenigstens ihnen zu liebe. Wie stellst du dir denn dein ganzes Leben weiterhin vor wenn nichts passiert? Was soll werden, wenn dein Mann wirklich Ernst macht und geht?

30.01.2013 17:57 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Peppermint
Erinnert mich stark an eine Userin die sich hier ständig mit neuen nicks anmeldet.....verstehe nicht was das bringen soll...immer neue threads immer neue Antworzen....

30.01.2013 18:05 • #18


W
Ihr Lieben,

auch ich habe das Gefühl, daß ich Aladin schon öfter unter anderen nicks hier gelesen habe. Sowas finde ich unfair gegenüber denen, die sich Mühe geben zu helfen, trotz ihrer eigenen Probleme.

Letztendlich sitzen wir alle irgendwie im selben Boot und versuchen, unser Leben irgendwie zu meistern.

Zunächst habe ich mich gefreut, von Aladin eine positive Resonanz zu meiner Hypnosetherapie zu finden, denke aber, man kann und sollte nur über etwas schreiben, was man auch selber kennt. Nun lese ich, daß sie selber nichts zu Ende gemacht hat, und werte diese Resonanz natürlich ganz anders...

Wie dem auch sei, ich halte mich jetzt an meine eigene Maxime, nämlich wo es geht, Streß abzubauen, und dazu gehört auch, hier wieder zu gehen. Solche Aktionen ärgern mich nämlich und - sie stressen.

Ich wünsche Euch allen, die Ihr so tapfer kämpft, alles, alles Gute, und denen, die mich hier unterstützt haben, sage ich nochmals ein Dankeschön.

Haltet Euch tapfer!

Liebe Grüße,

Worrylein

30.01.2013 18:21 • #19


Schlaflose
Zitat von Peppermint:
Erinnert mich stark an eine Userin die sich hier ständig mit neuen nicks anmeldet.....verstehe nicht was das bringen soll...immer neue threads immer neue Antworzen....[/color]


Ja, das kann echt kein Zufall sein. Erst Himmel..., kaum war sie weg, kam karla..., und in dem Moment wo sie verschwand, kam Aladin rein. Und bei allen so gut wie ein identischer Hintergrund, absolut gleiche Einstellung zum Thema...

30.01.2013 18:41 • #20


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