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Hallo, ich bin männlich, 41 und aus Berlin. Ich versuche mal, mein Problem zu erklären.

Bis 08/2008 war nie was bei mir, war 10 Jahre nicht wirklich krank oder beim Arzt, ausser Zahnarzt.
In 09/2008 war ich wegen Hexenschuss beim Arzt und der meinte dann noch nach der Messung, der Blutdruck ist viel zu hoch (180/120). Paar Tage später sollte ich wieder kommen, immer noch so hoch. Ohne irgendwelche weitere Untersuchungen verschrieb er mir Ramipril, davon sollte ich 10 mg tgl. nehmen. Gleich am 1. Tag der Einnahme war mir permanent extrem schwindelig. Ich wieder hin, war aber eine Vertretung da und dieser Doc meinte, viel zu viel, ich soll 5 mg nehmen.

Das ging dann so lala weitere 5 Monate, ich lief nur noch rum wie ein Gespenst, total schwindelig und täglich übelste Kopfschmerzen. Lebensqualität null.

Dann, wie gesagt 5 Monate dieser Zustand, stehe ich abends in der Küche beim Kochen, bin eigentlich soweit ganz gut drauf, wird mir plötzlich total schwarz vor Augen, Schwindel, taube Beine, Schweißausbruch, Herzrasen, Luftnot, Angst. Notarzt gerufen (als die kamen war der Puls 160), Krankenhaus, EKG gemacht, Blut. Alles in Ordnung.

Dann verschrieb mir mein Arzt noch Betablocker (Metoprolol). Es wurde alles nur noch schlimmer. In den nächsten Monaten wöchentlich übelste Panikattacken. Ich kam 1 Woche ins Krankenhaus auf die Kardiologie. Es wurde alles gemacht, selbst Herzkatheter. Alles 100% i. O., die Betablocker sollte ich absetzen.

Mal wieder im Krankenhaus in der Notaufnahme sagte eine Psychiaterin mir dann erstmalig, ich solle vielleicht mal in ihre Tagesklinik für Psychiatrie. Hab ich dann auch getan (Einweisung), allerdings bin ich da nach 4 Wochen freiwillig raus, weil das ging absolut nicht dort. Auch nach 4 Wochen konnte mir keiner da sagen, was genau ich haben soll.

Ich bin in der gleichen Klink aber weiter in der Ambulanz und hab da eine gute Ärztin.

Es ging die nächsten Monate so lala, phasenweise ging es mir aber sehr schlecht und wir haben es auch mit Medikamenten versucht. Cipralex hab ich aber nicht vertragen, ich bekam starke Nesselsucht. Von Stangyl hatte ich auch starken Ausschlag. Ich bin bei Medikamenten sehr empfindlich und darum bekam ich dann Trazodon. Nahm ich jetzt 2 Monate, hab ich aber vor 2 Wochen abgesetzt, weil ich da keinen Effekt spürte. Ohne geht es mir jetzt fast besser. Kurios.

Mit meiner Psychiaterin hab ich die letzten Monate viel geredet, meist ging es um Angst. Aber auch sie hat keinen richtigen Plan, was genau mit mir ist, weil es zu viele Wiedersprüche gibt.

Nämlich: Ich habe keine Angst vor Menschen oder Menschenmassen (arbeitete immer mit Menschen), keine Angst vor engen Räumen etc., hab keine Sorgen, keine Zukunftsängste, keinen Stress, ich fühle mich nicht einsam, hab keine Komplexe, bin sehr kontaktfreudig, komme überall gut an, keine Angst vor Krankheiten, lustig, nie traurig, optimistisch. Nichts also.

Ich hab viel geändert, Hund angeschafft, laufe etliche km täglich, 10 kg abgenommen, meine Blutwerte sind traumhaft, was vor 1 Jahr noch nicht so war. Alk. trinke ich seit 10 Monaten nicht mehr, null. War bis dahin aber sehr, sehr viel. Unternehme viel.

Trotzdem: Täglich Schwindel, permanent Gefühl von Erschöpfung in den Beinen, manchmal Kribbeln im li. Arm/Hand, manchmal Druck li. Brust, täglich starke Kopfschmerzen. Das mündet dann meist in Unruhe oder unterschwellige Angst. Totales Unwohlsein.

Angstzustände bekomme ich überall. In der Bahn, im Supermarkt, bei Freunden, beim Spazierengehen, im Kino, allein zu Hause, auf Reisen.

Es gibt bei mir aber keinerlei Vermeidungsverhalten. Es sind in den Momenten auch keinerlei Gedanken da, also nichts, was mich stört oder beunruhigt.

Ich hab jetzt mit Psychotherapie angefangen,hatte aber erst die 4. Stunde. Ist zwar noch zu früh, aber bisher findet das selbst die Psychologin merkwürdig. Sie meint auch, ich bin doch eigentlich ein Mensch, den nichts aus der Ruhe bringt und der sich keinen Kopf macht. Das ist für Angstpatienten völlig untypisch, meint sie.

Trotzdem sind diese Symptome da und leider schon chronisch, täglich. Kopfschmerzen hab ich täglich meist schon beim Aufstehen. Und dann täglich diese unterschwellige Angst oder besser, Unwohlsein, wie leichte Stromschläge.

Die Psychologin ist nicht wirklich überzeugt, dass das nicht doch körperliche Ursachen hat. Es wurde aber ziemlich alles gemacht. Tinnitus hab ich zwar, bin da aber jetzt in Behandlung. Die HNO Ärztin meinte, ich hatte wahrscheinlich vor 10 Monaten einen Hörsturz, weil zu dem Zeitpunkt auch Blutgefäße im Auge geplatzt waren. Hochfrequente Töne höre ich auf dem linken Ohr kaum noch.

Blutdruckmedikamente hatte ich schon vor Monaten abgesetzt, weil sich mein BD allein durch Gewichtsreduzierung reguliert hat. Herzrasen, was ich sonst viel hatte, hab ich nicht mehr.

Ich kann es mir eigentlich auch nicht erklären. Sorry wegen dem langen Text, aber gibt es hier vielleicht jemanden, dem es ähnlich geht oder hat jemand den Ansatz einer Erklärung? Mein neuer Hausarzt meinte neulich, es kann auch wegen dem langen und starken Alk. (nicht täglich) eine Nervenschädigung sein. Ist das denkbar?

Danke!

23.01.2010 00:59 • 27.01.2010 #1


27 Antworten ↓


Ja, ist vielleicht zu viel Text im Ausgangsbeitrag. Darum kurz gefragt, kann man bei den Punkten an einer Angststörung leiden, die 100% psychisch ist?
Zitat:
Ich habe keine Angst vor Menschen oder Menschenmassen (arbeitete immer mit Menschen), keine Angst vor engen Räumen etc., hab keine Sorgen, keine Zukunftsängste, keinen Stress, ich fühle mich nicht einsam, hab keine Komplexe, bin sehr kontaktfreudig, komme überall gut an, keine Angst vor Krankheiten, lustig, nie traurig, optimistisch.

23.01.2010 10:54 • #2



Ich kann es mir nicht mehr erklären

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Zitat:
Ich habe keine Angst vor Menschen oder Menschenmassen (arbeitete immer mit Menschen), keine Angst vor engen Räumen etc., hab keine Sorgen, keine Zukunftsängste, keinen Stress, ich fühle mich nicht einsam, hab keine Komplexe, bin sehr kontaktfreudig, komme überall gut an, keine Angst vor Krankheiten, lustig, nie traurig, optimistisch.


Ich kann nur sagen: Ich hab auch keine Angst vor Menschenmassen, keine Angst vor engen Räumen, mittlerweile keinen Stress mehr, ich fühle mich ebenfalls auch nicht einsam und hab keine Komplexe.
Angst vor Krankheiten habe ich bedingt - aber das liegt wohl daran, dass ich einen Ärztemarathon sondersgleichen hinter mir habe und gelegentllich bin ich schon recht traurig und niedergeschlagen. Liegt aber auch an meiner Situation.
Aber das ist alles auch eigentlich vollkommen irrelevant!

Es sagt ja niemand, dass du nur wegen Angstzuständen eine Angststörung hast. Angstzustände können genauso gut ein Symptom sein für eine psychovegetative Störung, für Stress (Ich weiß Du hast keinen, aber da komm das auch vor), posttraumatische Belastungsstörungen, usw...

Also, ich kann dir nur folgende Tipps geben:
1. Such dir einen neuen Psychologen. Und zwar keinen, der "nur" Psychologe bzw Psychotherapeut ist, sondern einen, der ne medizinische Ausbildung hat, d.h. ein ARZT für Psychotherapie, Psychosomatik und/ oder Psychatrie. Such mal auf http://www.gelbeseiten.de nach "Ärzte + Psychosomatik" oder achte darauf, dass vor dem Namen des betreffenden Therapeuten "Dr. med." steht.
So eine Person ist in deinem Fall besser und abgesehen davon finde ich es hochgradig unprofessionell, was deine Therapeutin sagt. Das ist - mit Verlaubt - grober Unfug! Ich kann Dir nur raten: Nichts wie weg da!
2. Wurden Deine Schilddrüsenwerte mal gecheckt? Wenn ja, wurden auch die Antikörper mitgemacht? Das würde ich noch versuchen.
3. Versuchs mal Yoga/Thai Chi/Atogenem Training.
4. NICHTS WIE WEG VON DIESER "PSYCHOTHERAPEUTIN"!

Viel Glück!

23.01.2010 14:03 • #3


Also ich wüsste nicht, welche Belastungssituation es gegeben haben sollte. Die einzige was für mich denkbar wäre, ist die Einnahme von Blutdruckmedikamenten und über Monate stake Nebenwirkungen. Und erst dann kamen ja die anderen Symptome.

Ansonsten gibt es bei mir nichts. Ich hatte eine super Kindheit, tolle Eltern, Geschwister. Es gab nie irgendwelche zwischenmenschlichen Probleme.

Lediglich durch viel Party über ca. 12-13 Jahre Unmengen an Alk.. Würde sagen 1 FL Wodk., 1-2 Fl. Wein und 10-20 B.. Pro Woche. Kann sicher auch Schäden verursachen.

Wegen der Psychologin, na ja, sie war 10 Jahre in der Charité, ist Verhaltenstherapeutin und ich denke, sie hat was drauf.

Und bis auf kardiologische Untersuchungen gab es ja auch nichts weiter. Und selbst 2 Ärzte (HNO, Internist) sagten mir in den letzten 2 Wochen: Man sollte nicht voreilig von psychischen Ursachen ausgehen, aus der Mühle kommt man dann auch schwer wieder raus. Beide Ärzte konnten mir etliche Fälle berichten, wo sich nach Jahren rausstellte, es war dann doch nicht die Psyche der Grund für die Störung.

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeut? Sorry, aber keiner von denen hat das Fachwissen eines Psychologen. Warum sagen denn genau diese Ärzte, ich soll zu einem Psychologen gehen?

23.01.2010 15:00 • #4


Zitat von crazy030:
Hallo, ich bin männlich, 41 und aus Berlin. Ich versuche mal, mein Problem zu erklären.

Bis 08/2008 war nie was bei mir, war 10 Jahre nicht wirklich krank oder beim Arzt, ausser Zahnarzt.
In 09/2008 war ich wegen Hexenschuss beim Arzt und der meinte dann noch nach der Messung, der Blutdruck ist viel zu hoch (180/120). Paar Tage später sollte ich wieder kommen, immer noch so hoch. Ohne irgendwelche weitere Untersuchungen verschrieb er mir Ramipril, davon sollte ich 10 mg tgl. nehmen. Gleich am 1. Tag der Einnahme war mir permanent extrem schwindelig. Ich wieder hin, war aber eine Vertretung da und dieser Doc meinte, viel zu viel, ich soll 5 mg nehmen.

Das ging dann so lala weitere 5 Monate, ich lief nur noch rum wie ein Gespenst, total schwindelig und täglich übelste Kopfschmerzen. Lebensqualität null.

Dann, wie gesagt 5 Monate dieser Zustand, stehe ich abends in der Küche beim Kochen, bin eigentlich soweit ganz gut drauf, wird mir plötzlich total schwarz vor Augen, Schwindel, taube Beine, Schweißausbruch, Herzrasen, Luftnot, Angst. Notarzt gerufen (als die kamen war der Puls 160), Krankenhaus, EKG gemacht, Blut. Alles in Ordnung.

Dann verschrieb mir mein Arzt noch Betablocker (Metoprolol). Es wurde alles nur noch schlimmer. In den nächsten Monaten wöchentlich übelste Panikattacken. Ich kam 1 Woche ins Krankenhaus auf die Kardiologie. Es wurde alles gemacht, selbst Herzkatheter. Alles 100% i. O., die Betablocker sollte ich absetzen.

Mal wieder im Krankenhaus in der Notaufnahme sagte eine Psychiaterin mir dann erstmalig, ich solle vielleicht mal in ihre Tagesklinik für Psychiatrie. Hab ich dann auch getan (Einweisung), allerdings bin ich da nach 4 Wochen freiwillig raus, weil das ging absolut nicht dort. Auch nach 4 Wochen konnte mir keiner da sagen, was genau ich haben soll.

Ich bin in der gleichen Klink aber weiter in der Ambulanz und hab da eine gute Ärztin.

Es ging die nächsten Monate so lala, phasenweise ging es mir aber sehr schlecht und wir haben es auch mit Medikamenten versucht. Cipralex hab ich aber nicht vertragen, ich bekam starke Nesselsucht. Von Stangyl hatte ich auch starken Ausschlag. Ich bin bei Medikamenten sehr empfindlich und darum bekam ich dann Trazodon. Nahm ich jetzt 2 Monate, hab ich aber vor 2 Wochen abgesetzt, weil ich da keinen Effekt spürte. Ohne geht es mir jetzt fast besser. Kurios.

Mit meiner Psychiaterin hab ich die letzten Monate viel geredet, meist ging es um Angst. Aber auch sie hat keinen richtigen Plan, was genau mit mir ist, weil es zu viele Wiedersprüche gibt.

Nämlich: Ich habe keine Angst vor Menschen oder Menschenmassen (arbeitete immer mit Menschen), keine Angst vor engen Räumen etc., hab keine Sorgen, keine Zukunftsängste, keinen Stress, ich fühle mich nicht einsam, hab keine Komplexe, bin sehr kontaktfreudig, komme überall gut an, keine Angst vor Krankheiten, lustig, nie traurig, optimistisch. Nichts also.

Ich hab viel geändert, Hund angeschafft, laufe etliche km täglich, 10 kg abgenommen, meine Blutwerte sind traumhaft, was vor 1 Jahr noch nicht so war. Alk. trinke ich seit 10 Monaten nicht mehr, null. War bis dahin aber sehr, sehr viel. Unternehme viel.

Trotzdem: Täglich Schwindel, permanent Gefühl von Erschöpfung in den Beinen, manchmal Kribbeln im li. Arm/Hand, manchmal Druck li. Brust, täglich starke Kopfschmerzen. Das mündet dann meist in Unruhe oder unterschwellige Angst. Totales Unwohlsein.

Angstzustände bekomme ich überall. In der Bahn, im Supermarkt, bei Freunden, beim Spazierengehen, im Kino, allein zu Hause, auf Reisen.

Es gibt bei mir aber keinerlei Vermeidungsverhalten. Es sind in den Momenten auch keinerlei Gedanken da, also nichts, was mich stört oder beunruhigt.

Ich hab jetzt mit Psychotherapie angefangen,hatte aber erst die 4. Stunde. Ist zwar noch zu früh, aber bisher findet das selbst die Psychologin merkwürdig. Sie meint auch, ich bin doch eigentlich ein Mensch, den nichts aus der Ruhe bringt und der sich keinen Kopf macht. Das ist für Angstpatienten völlig untypisch, meint sie.


Danke!


Hallo,

was heißt schon untypisch für Angstpatienten...

Ich habe auch gar keine Angst vor Menschen, vor Menschenmengen, kleinen Räumen usw. Ich war mein Leben lang erfolgreich, viele Freunde, beruflich erfolgreich usw....
Auch kein Vermeidungsverhalten und habe mein Leben nach dem Motto gelebt.."geht nicht gibs nicht" ich erreichte mir gesetzte Ziele...und war von mir überzeugt.

Bis vor 5 Jahren die erste PA kam, ab da bekam ich Medikamente. Hatte dadurch meine Ängste im Griff. Und natürlich musste ich kein Vermeidungsverhalten mir anlegen.

Ich habe vor 6 Monaten eine Therapie angefangen und wurde, was mich und meine Einstellungen, besseres belehrt.

Nur weil Du heute vielleicht denkst Du hast keine Probleme, keine Sorgen, keine Komplexe usw. muss es nicht unbedingt heißen, dass das wirklich stimmt. Ich habe mir mein Leben und meine Einstellungen so zurecht gelegt und eingeprägt, dass die tatsächlich auch glaubte und wie Du der Meinung war alles ist toll. Auch meine Einschätzung, ich währe eine Optimistin hat sich im nachhinein als Illusion herausgestellt. Am Anfang dachte ich was soll ich hier bei dem Therapeuten, ich habe gar keine Probleme....

Mit der Zeit habe ich sehr viel über mich erfahren und die Probleme erkannt.

So wie ich es verstanden habe, hattest Du bis jetzt nichts und leidest ers seit einigen Monaten. Um Vermeidungsverhalten zu entwickeln muss man glaube ich, einige Zeit krank sein. Im Grunde muss Du dich glücklich schätzen, dass Du so schnell eine Therapie angefangen hast..auch wenn ich vielleicht auch überlegen würde, ob es die richtige Therapeutin ist.

Aber ich finde an dem was Du geschrieben hast nichts ungewöhnliches für Angstpatienten. Dein Text vom Inhalt her könnte von mir sein...mir gings zu 100% genauso.

Und ich leide unter Panikstörung. Ich bekam PAs aber wurde nicht von ständigen Ängsten geplagt. Das was Du beschreibst, könnte heißen, dein Verstand und dein Empfinden sind vielleicht noch nicht so weit, aber deine Psyche schreit um Hilfe.
Auch wenns es im Moment verwirrend für dich ist, bist Du im Grunde , im Vergleich zu anderen Angstpatienten in eine besseren Ausgangsposition. Was nicht bedeutet, dass Du weniger leidest. Aber in diese Phase ist es einfacher da rauszukommen mit Hilfe von Therapeuten.

Ich hatte bis vor kurzem eine Gesprächstherapie um die Zeit bis ich meine Verhaltenstherapie anfangen konnte. Bei dem ersten Gespräch für Verhaltenstherapie musste ich einen Fragebogen ausfühlen. Bei Fragen, haben sie Angst :
-kleine Räume
-Menschen
-Brüchen
-Veranstaltungen wo viele Menschen sind
-Plätzen wo es keine Menschen gibt

usw...ganz viele Fragen. Musste ich feststellen, dass ich nicht eine einzige mit ja beantworten konnte. Ich habe keine Ängste die da rein gepasst haben. Und dennoch bin ich in der Verhaltenstherapie da meine inneren Einstellungen und Werte zu extrem waren und mein Leben so hart und schwer gemacht haben.

LG

23.01.2010 15:07 • #5


Zitat von crazy030:
Hallo, ich bin männlich, 41 und aus Berlin. Ich versuche mal, mein Problem zu erklären.

Bis 08/2008 war nie was bei mir, war 10 Jahre nicht wirklich krank oder beim Arzt, ausser Zahnarzt.
In 09/2008 war ich wegen Hexenschuss beim Arzt und der meinte dann noch nach der Messung, der Blutdruck ist viel zu hoch (180/120). Paar Tage später sollte ich wieder kommen, immer noch so hoch. Ohne irgendwelche weitere Untersuchungen verschrieb er mir Ramipril, davon sollte ich 10 mg tgl. nehmen. Gleich am 1. Tag der Einnahme war mir permanent extrem schwindelig. Ich wieder hin, war aber eine Vertretung da und dieser Doc meinte, viel zu viel, ich soll 5 mg nehmen.

Das ging dann so lala weitere 5 Monate, ich lief nur noch rum wie ein Gespenst, total schwindelig und täglich übelste Kopfschmerzen. Lebensqualität null.

Dann, wie gesagt 5 Monate dieser Zustand, stehe ich abends in der Küche beim Kochen, bin eigentlich soweit ganz gut drauf, wird mir plötzlich total schwarz vor Augen, Schwindel, taube Beine, Schweißausbruch, Herzrasen, Luftnot, Angst. Notarzt gerufen (als die kamen war der Puls 160), Krankenhaus, EKG gemacht, Blut. Alles in Ordnung.

Dann verschrieb mir mein Arzt noch Betablocker (Metoprolol). Es wurde alles nur noch schlimmer. In den nächsten Monaten wöchentlich übelste Panikattacken. Ich kam 1 Woche ins Krankenhaus auf die Kardiologie. Es wurde alles gemacht, selbst Herzkatheter. Alles 100% i. O., die Betablocker sollte ich absetzen.

Mal wieder im Krankenhaus in der Notaufnahme sagte eine Psychiaterin mir dann erstmalig, ich solle vielleicht mal in ihre Tagesklinik für Psychiatrie. Hab ich dann auch getan (Einweisung), allerdings bin ich da nach 4 Wochen freiwillig raus, weil das ging absolut nicht dort. Auch nach 4 Wochen konnte mir keiner da sagen, was genau ich haben soll.

Ich bin in der gleichen Klink aber weiter in der Ambulanz und hab da eine gute Ärztin.

Es ging die nächsten Monate so lala, phasenweise ging es mir aber sehr schlecht und wir haben es auch mit Medikamenten versucht. Cipralex hab ich aber nicht vertragen, ich bekam starke Nesselsucht. Von Stangyl hatte ich auch starken Ausschlag. Ich bin bei Medikamenten sehr empfindlich und darum bekam ich dann Trazodon. Nahm ich jetzt 2 Monate, hab ich aber vor 2 Wochen abgesetzt, weil ich da keinen Effekt spürte. Ohne geht es mir jetzt fast besser. Kurios.

Mit meiner Psychiaterin hab ich die letzten Monate viel geredet, meist ging es um Angst. Aber auch sie hat keinen richtigen Plan, was genau mit mir ist, weil es zu viele Wiedersprüche gibt.

Nämlich: Ich habe keine Angst vor Menschen oder Menschenmassen (arbeitete immer mit Menschen), keine Angst vor engen Räumen etc., hab keine Sorgen, keine Zukunftsängste, keinen Stress, ich fühle mich nicht einsam, hab keine Komplexe, bin sehr kontaktfreudig, komme überall gut an, keine Angst vor Krankheiten, lustig, nie traurig, optimistisch. Nichts also.

Ich hab viel geändert, Hund angeschafft, laufe etliche km täglich, 10 kg abgenommen, meine Blutwerte sind traumhaft, was vor 1 Jahr noch nicht so war. Alk. trinke ich seit 10 Monaten nicht mehr, null. War bis dahin aber sehr, sehr viel. Unternehme viel.

Trotzdem: Täglich Schwindel, permanent Gefühl von Erschöpfung in den Beinen, manchmal Kribbeln im li. Arm/Hand, manchmal Druck li. Brust, täglich starke Kopfschmerzen. Das mündet dann meist in Unruhe oder unterschwellige Angst. Totales Unwohlsein.

Angstzustände bekomme ich überall. In der Bahn, im Supermarkt, bei Freunden, beim Spazierengehen, im Kino, allein zu Hause, auf Reisen.

Es gibt bei mir aber keinerlei Vermeidungsverhalten. Es sind in den Momenten auch keinerlei Gedanken da, also nichts, was mich stört oder beunruhigt.

Ich hab jetzt mit Psychotherapie angefangen,hatte aber erst die 4. Stunde. Ist zwar noch zu früh, aber bisher findet das selbst die Psychologin merkwürdig. Sie meint auch, ich bin doch eigentlich ein Mensch, den nichts aus der Ruhe bringt und der sich keinen Kopf macht. Das ist für Angstpatienten völlig untypisch, meint sie.


Danke!


Hallo,

was heißt schon untypisch für Angstpatienten...

Ich habe auch gar keine Angst vor Menschen, vor Menschenmengen, kleinen Räumen usw. Ich war mein Leben lang erfolgreich, viele Freunde, beruflich erfolgreich usw....
Auch kein Vermeidungsverhalten und habe mein Leben nach dem Motto gelebt.."geht nicht gibs nicht" ich erreichte mir gesetzte Ziele...und war von mir überzeugt.

Bis vor 5 Jahren die erste PA kam, ab da bekam ich Medikamente. Hatte dadurch meine Ängste im Griff. Und natürlich musste ich kein Vermeidungsverhalten mir anlegen.

Ich habe vor 6 Monaten eine Therapie angefangen und wurde, was mich und meine Einstellungen, besseres belehrt.

Nur weil Du heute vielleicht denkst Du hast keine Probleme, keine Sorgen, keine Komplexe usw. muss es nicht unbedingt heißen, dass das wirklich stimmt. Ich habe mir mein Leben und meine Einstellungen so zurecht gelegt und eingeprägt, dass die tatsächlich auch glaubte und wie Du der Meinung war alles ist toll. Auch meine Einschätzung, ich währe eine Optimistin hat sich im nachhinein als Illusion herausgestellt. Am Anfang dachte ich was soll ich hier bei dem Therapeuten, ich habe gar keine Probleme....

Mit der Zeit habe ich sehr viel über mich erfahren und die Probleme erkannt.

So wie ich es verstanden habe, hattest Du bis jetzt nichts und leidest ers seit einigen Monaten. Um Vermeidungsverhalten zu entwickeln muss man glaube ich, einige Zeit krank sein. Im Grunde muss Du dich glücklich schätzen, dass Du so schnell eine Therapie angefangen hast..auch wenn ich vielleicht auch überlegen würde, ob es die richtige Therapeutin ist.

Aber ich finde an dem was Du geschrieben hast nichts ungewöhnliches für Angstpatienten. Dein Text vom Inhalt her könnte von mir sein...mir gings zu 100% genauso.

Und ich leide unter Panikstörung. Ich bekam PAs aber wurde nicht von ständigen Ängsten geplagt. Das was Du beschreibst, könnte heißen, dein Verstand und dein Empfinden sind vielleicht noch nicht so weit, aber deine Psyche schreit um Hilfe.
Auch wenns es im Moment verwirrend für dich ist, bist Du im Grunde , im Vergleich zu anderen Angstpatienten in eine besseren Ausgangsposition. Was nicht bedeutet, dass Du weniger leidest. Aber in diese Phase ist es einfacher da rauszukommen mit Hilfe von Therapeuten.

Ich hatte bis vor kurzem eine Gesprächstherapie um die Zeit bis ich meine Verhaltenstherapie anfangen konnte. Bei dem ersten Gespräch für Verhaltenstherapie musste ich einen Fragebogen ausfühlen. Bei Fragen, haben sie Angst :
-kleine Räume
-Menschen
-Brüchen
-Veranstaltungen wo viele Menschen sind
-Plätzen wo es keine Menschen gibt

usw...ganz viele Fragen. Musste ich feststellen, dass ich nicht eine einzige mit ja beantworten konnte. Ich habe keine Ängste die da rein gepasst haben. Und dennoch bin ich in der Verhaltenstherapie da meine inneren Einstellungen und Werte zu extrem waren und mein Leben so hart und schwer gemacht haben.

Ich musste feststellen, dass ich mehrere Traumas erlebt habe die mir nicht mal bewusst waren, die ich so tief in mir vergraben habe, dass ich erst jetzt mit 42 nach begonnenen Therapie auf die gestoßen bin. Daher kommen meine Ängste.
LG

23.01.2010 15:10 • #6


Hallo Crazy030!
Ich kann mich da Angsthasse nur anschliessen.
Auch ich hab gedacht: Alles schick, alles schön.
Naja, irren ist eben menschlich.
Es kamen die Panikattacken, es kam die Therapie und ich wußte, woran ich alles zu arbeiten hatte.
Ich denke auch, ein neue/r Therapeut/in kann nicht schaden.
Alles Liebe.... Simmi

23.01.2010 15:39 • #7


Christina
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeut? Sorry, aber keiner von denen hat das Fachwissen eines Psychologen. Warum sagen denn genau diese Ärzte, ich soll zu einem Psychologen gehen?Das sehe ich auch so. Ärzte für Psychotherapie haben in puncto Psychotherapie nicht einmal ein Zehntel der Ausbildung, die psychologische oder ärztliche Psychotherapeuten haben. Und die Charité ist eine sehr gute Adresse. Außerdem ist es m.E. positiv, nicht mit einem psychotherapeutischen Tunnelblick da ran zu gehen, sondern andere Ursachen in Betracht zu ziehen.

Ich finde auch, dass man die organische Seite im Auge behalten sollte. Falls die Schilddrüse noch nicht eingehend gecheckt wurde, solltest du das nachholen und dich ggf. informieren, ob deine Werte wirklich im grünen Bereich sind. Hier findest du Infos dazu. Auch wenn ich persönlich (als Nicht-Medizinerin ) so plötzlich auftretende Schäden durch Alk. eher seltsam finde, könntest du versuchen, ob dir mit einem Vitamin-B-Komplex ein wenig zu helfen wäre. Zumindest ist das unbedenklich, ebenso wie Magnesium - und gut für die Nerven.

Es ist möglich, dass sich Panikattacken verselbständigen, wenn sie mal aufgetreten sind. Das wäre jedenfalls eine Erklärung, die mir dazu einfällt. D.h., durch deine Blutdruckmedikation und folgende Blutdruckschwankungen bzw. zu starke Senkung könnte(n) die erste bzw. die ersten paar PA(s) ausgelöst worden sein. Das ist ein einschneidendes Erlebnis und steigert oft die Körperwahrnehmung. Ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein, "scannt" man ständig den Körper auf allererste Anzeichen solcher vermeintlicher Zusammenbrüche. Dadurch können winzige Veränderungen wie z.B. ein mal eben etwas erhöhter Puls die Angstkaskade lostreten - ein gigantischer Fehlalarm. Das muss nicht durch Vermeiden am Laufen gehalten werden. 30 % der Paniker haben keinerlei Vermeidungsverhalten. Zum Aufrechterhalten der Angst bzw. zum Wiederauftreten der PAs reicht es aus, dass du im Moment der PA Angst bekommst, vermutlich gegen sie mehr oder weniger ankämpfst, sie aber nicht "einfach so" kommen lassen kannst. Vielleicht machst du dir auch mehr oder weniger dauernd Sorgen oder hast sogar Angst, dass bzw. ob Panikattacken auftreten. Und das macht PAs noch viel wahrscheinlicher.

Wenn es wirklich "nur" psychisch bedingte Panikattacken sind (inzwischen), läge die Lösung zum Teil darin, das Akzeptieren der Angst zu lernen. Du hattest ja erst vier Therapiestunden. Wahrscheinlich werdet ihr im Folgenden Erklärungsmodelle für die einzelnen Symptome durchgehen, damit du weißt, dass sie ungefährlich sind. Und dann werdet ihr evtl. versuchen, Panikattacken zu provozieren (durch absichtliches Hyperventilieren z.B.), damit du üben kannst, sie gelassen über dich ergehen zu lassen. Zu Hintergrundinfos bei Panikattacken kann ich nur immer wieder diese Seite empfehlen, lass dich nicht vom oberen Teil abschrecken, sondern lies bis unten durch...

Liebe Grüße
Christina

23.01.2010 15:41 • #8


Interessante Beiträge bisher, danke.

Zitat:
. Im Grunde muss Du dich glücklich schätzen, dass Du so schnell eine Therapie angefangen hast.

Na ja, schnell? Ich war aber in der Zwischenzeit auch schon 4 Wochen in der Klinik und selbst nach 4 Wochen konnte mir da keine klar sagen, was mein Problem ist. Die Therapeutin jetzt ist auch der 3. Versuch. Die 1. wollte ich nicht, die 2. wollte mich nicht. Und bis man was Neues findet vergehen immer Monate.

Es finde es auch nicht falsch, was die jetzige Therapeutin sagt. Und Leute, die sich um nichts und niemanden einen Kopf machen, sind ja auch nicht die typischen Angstpatienten. Selbst bei GAS, wo die Angst ja erstmal unbegründet erscheint, die meisten Leute sorgen sich aber dann doch wegen etwas. Ausnahmen gibt es immer.

Zitat:
Das was Du beschreibst, könnte heißen, dein Verstand und dein Empfinden sind vielleicht noch nicht so weit, aber deine Psyche schreit um Hilfe.


Ja, so hat mir das auch ein Psychiater mal erklärt. Die Sachen die in Frage kämen, hab ich aber schon längst geändert. Arbeit hatte ich, als die Beschwerden anfingen und der Job war gut. Single bin ich zwar, aber gern, macht mir nichts aus. Kenne auch die andere Seite. Freunde hab ich auch. Die 3 Säulen, wie der Psychiater sagte "Beziehung - Arbeit - Freunde", also daran liegt es nicht.

Zitat:
Ärzte für Psychotherapie haben in puncto Psychotherapie nicht einmal ein Zehntel der Ausbildung, die psychologische oder ärztliche Psychotherapeuten haben.


Richtig.

Zitat:
Es ist möglich, dass sich Panikattacken verselbständigen, wenn sie mal aufgetreten sind. Das wäre jedenfalls eine Erklärung, die mir dazu einfällt. D.h., durch deine Blutdruckmedikation und folgende Blutdruckschwankungen bzw. zu starke Senkung könnte(n) die erste bzw. die ersten paar PA(s) ausgelöst worden sein. Das ist ein einschneidendes Erlebnis und steigert oft die Körperwahrnehmung. Ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein, "scannt" man ständig den Körper auf allererste Anzeichen solcher vermeintlicher Zusammenbrüche. Dadurch können winzige Veränderungen wie z.B. ein mal eben etwas erhöhter Puls die Angstkaskade lostreten - ein gigantischer Fehlalarm. Das muss nicht durch Vermeiden am Laufen gehalten werden. 30 % der Paniker haben keinerlei Vermeidungsverhalten. Zum Aufrechterhalten der Angst bzw. zum Wiederauftreten der PAs reicht es aus, dass du im Moment der PA Angst bekommst, vermutlich gegen sie mehr oder weniger ankämpfst, sie aber nicht "einfach so" kommen lassen kannst. Vielleicht machst du dir auch mehr oder weniger dauernd Sorgen oder hast sogar Angst, dass bzw. ob Panikattacken auftreten. Und das macht PAs noch viel wahrscheinlicher.


So sieht es aus. Und so fing es doch bei mir auch an. Nebenwirkung Schwindel und Kopfschmerzen, auf Arbeit, zu Hause, überall, über 5 Monate. Das nimmt doch jeder wahr. Wer kann das wegdrücken? Folge: 1. Panikattacke. Und dann fing ich an, auf alles zu achten. Täglich andauernd Blutdruck gemessen, ständig den Puls am Hals fühlen, Marathon bei den Ärzten.
Nun mache ich mir da zwar seit 6-7 Monaten keine Gedanken mehr, messe keinen BD mehr und fühle den Puls nicht mehr, aber die Angstsymptome blieben. Und ich weiß nicht, warum noch.

23.01.2010 16:37 • #9


Christina, die Seite (panikattacken.at) kenne ich auch. Also bei "Auslösefaktoren für die erste Panikattacke" dort finde ich schon ein paar Punkte. Eben z.B.: 1. "Nebenwirkungen von Medikamenten: Blutdrucksenkung, allergische Reaktion u.a.", 2. "Alk., Dro., Koffein und Nikotin: übermäßiger Konsum bzw. Entzug"

Das sind aber auch die einzigen 2 Punkte von 20, die zutreffen könnten.

23.01.2010 16:54 • #10


Ich weis "schnell" hört sich für dich komisch an. Aber ja schnell, viele Patienten leben mit Symptomen und wissen nicht was sie haben. So wie bei dir finden Ärzte keine Erklärung, die Zeit verstreicht bist dann doch am Ende ein Besuch beim Psychiater in betracht kommt. Die Zeit die bis dahin vergeht ist sehr kostbar. Es gibt Patienten die erst nach Jahren erst beim Therapeuten bzw. Psychiater landen. Deswegen ja bei dir ist es schnell gelaufen und das ist echt ein Vorteil.

Was die Säulen angeht "Familie, Beruf, Freunde" ich will keinen Teufel an die Wand malen, aber nur weil Du es im Moment so betrachtest, bedeutet immer noch nicht, dass es wirklich so ist. Ich will dir nichts einreden, aber vor meine aller ersten PA dachte ich zB. bin seit Jahren erfolgreich selbständig, ich mag mein Beruf.
In der Therapie hab ich für mich festgestellt, ja ich habe genug verdient, hatte keinen der mir sagte was ich tun soll usw. Leider hab ich mir das ganze selber so eingeredet, denn ansonsten könnte ich so nicht arbeiten.

Freunde...naja ich fand immer, ich werde von anderen gemocht weil ich so bin wie ich bin. Stellte in der Therapie fest...irrtum ich habe unterbewusst mich so gegeben wie meine Freunde mich haben wollten, ohne es wirklich gewusst zu haben.

Aber da Du bereits in Therapie bist, kann ich nur sagen der Weg ist ganz richtig...sollte alles was ich geschrieben habe nicht auf dich zutreffen, wird sich in der Therapie ganz bestimmt mit der Zeit heraus kristallisieren was dein Problem ist. Wichtig ist nur Geduld zu haben, Geduld nicht mit den Therapeuten oder Geduld beim warten auf Erfolg bei der Therapie..es geht um Geduld mit sich selbst...den wenn Du heute sagst es ist bei dir und in deinem Leben alles ok, dann dauert es ne Weile bist Du intensiver in sich hinein horchen kannst um vielleicht nur eine Kleinigkeit zu finden die dein Leben seit 7 Monaten durcheinander bringt.

LG

23.01.2010 17:07 • #11


Angsthasse, ja, genau betrachtet können es natürlich doch Lebensumstände sein, wo einem manche Dinge nicht bewusst sind. Klar. Man kann sich zwar als Singe ganz gut fühlen, aber Anerkennung und viele weiter Dinge fehlen halt. Vielleicht ist einem da vieles nicht bewusst, aber der Körper meldet sich.

Nur schade, weil ich hab meinen Bekanntenkreis erweitert, Hund angeschafft, bewege mich 20 mal mehr als früher, trinke nicht mehr und und und. Aber es wurde nicht besser. Aus 2-3 PA im Monat wurden chronische Beschwerden, täglich.

Selbst die starken Kopfschmerzen. Täglich und schon beim Aufstehen, über Monate? Mir fällt es oft schwer, da an psychische Ursachen zu glauben. Weil es müsste doch mal einen Tag anders sein. Selbst Depressive haben mal einen guten Tag. Nur ich nicht. Ich finde das merkwürdig.

23.01.2010 17:20 • #12


Genau das ist das Dilemma der Angsterkrankung..anders als bei Depressionen, es zu erkennen dass es nicht am Körper sondern an der Psyche liegt ist das schwierigste.

Ohne die Ängste zu verstehen, ohne die Ursachen die ganz tief in uns schlummern zu kennen, werden wir zwar lernen wie kann ich mit PAs umgehen und sie durchstehen, aber die körperliche Symptome werden nicht nachlassen. Aus eigene Erfahrung weis ich jedes mal, wenn ich neue Erkenntnisse erlangte, waren die Tage davor und auch einige danach echt manchmal die Hölle. Die Ursachen zu erkennen, die Ängste verstehen nimmt auch nicht sofort die Beschwerden, erst nach dem wir damit gearbeitet haben, die Erkenntnisse sich gefestigt haben, erlangt man Schritt für Schritt die Besserung.

Der Spagat aber zwischen unserem Denken es kann nicht nur die Psyche sein, es muss auch noch was körperliches dahinter stehen, der ist am schwierigsten und bis man es schafft wird man von körperlichen Beschwerden geplagt am Tage und in der Nacht.

Ich kann von mir sagen, dass erst als ich anfing es endlich anzunehmen was da mit meinem Körper passiert, und das es tatsächlich die Psyche mir so ein üblen Streich spielt. Erst ab da wurde es besser.

LG

23.01.2010 18:22 • #13


Christina
Zitat von crazy030:
Christina, die Seite (panikattacken.at) kenne ich auch. Also bei "Auslösefaktoren für die erste Panikattacke" dort finde ich schon ein paar Punkte. Eben z.B.: 1. "Nebenwirkungen von Medikamenten: Blutdrucksenkung, allergische Reaktion u.a.", 2. "Alk., Dro., Koffein und Nikotin: übermäßiger Konsum bzw. Entzug"

Das sind aber auch die einzigen 2 Punkte von 20, die zutreffen könnten.
Es reicht aus, wenn die erste PA irgendwie ausgelöst wurde. Also allein durch die Blutdrucksenker kann eine Panikstörung ausgelöst werden, die dann durch die vermehrte Selbstbeobachtung bestehen bleibt, obwohl die Medikamente abgesetzt wurden und obwohl du dein Leben verändert hast.

Zitat von crazy030:
Nun mache ich mir da zwar seit 6-7 Monaten keine Gedanken mehr, messe keinen BD mehr und fühle den Puls nicht mehr, aber die Angstsymptome blieben. Und ich weiß nicht, warum noch.
Man kann sich auf verschiedene Arten Gedanken machen. Du kannst Angst haben, doch ernsthaft krank zu sein. Die Zeit hast du anscheinend so einigermaßen hinter dir. Vermutlich hattest du dann bei einer PA, bevor die Angst so richtig losging, relativ deutliche körperliche Symptome und dann erst Angst. Jetzt kommen die PAs scheinbar aus heiterem Himmel, ohne dass du dir vorher wegen irgendwelcher Symptome (bewusst) Gedanken gemacht hast. Leider ist Angst aber ein evolutionär ungeheuer wichtiges Gefühl. D.h., wenn du einmal gelernt hast, dass irgendeine Empfindung ein Signal für eine Bedrohung sein könnte, wird die Angst mit ihren Symptomen viel schneller ausgelöst, als du denken kannst. Während der Blutdruckbehandlung hast du das gelernt. Und dann kann es eben sein bzw. ist sogar recht wahrscheinlich, dass kleinste Abweichungen von deinem "normalen" oder sogar von deinem "normal-schlechten" Körpergefühl den Fehlalarm auslösen. Du kommst vielleicht am ehesten drauf, was die PAs auslöst, wenn du darauf achtest, was du denkst, wenn die Angst los geht, welche Befürchtungen du im Moment der PA hast, nicht vorher.

Zitat von crazy030:
Trotzdem sind diese Symptome da und leider schon chronisch, täglich. Kopfschmerzen hab ich täglich meist schon beim Aufstehen. Und dann täglich diese unterschwellige Angst oder besser, Unwohlsein, wie leichte Stromschläge.
Du bist also in Daueralarmbereitschaft, das macht PAs natürlich wahrscheinlicher. Und gleichzeitig bildet das wieder einen Teufelskreis für sich, denn die Alarmbereitschaft erzeugt Anspannung, erzeugt Verspannungen, die wiederum u.a. Kopfschmerzen nach sich ziehen können. Tust du neben deinen psychosozialen Maßnahmen auch etwas rein für die Muskulatur (Krafttraining, Bäder, Wärme, Mass....)? Und wie sieht's mit dem Kreislauf aus? Ich habe z.B. wunderschön niedrige Blutdruckwerte - und deshalb häufig morgens Kopfschmerzen. Mein Kreislauf kommt nicht so richtig in Schwung. Wechselduschen sollen da helfen...

Zitat von crazy030:
Selbst die starken Kopfschmerzen. Täglich und schon beim Aufstehen, über Monate? Mir fällt es oft schwer, da an psychische Ursachen zu glauben. Weil es müsste doch mal einen Tag anders sein. Selbst Depressive haben mal einen guten Tag. Nur ich nicht. Ich finde das merkwürdig.
Das stimmt, es müsste mal anders sein. Aber das schätzt man oft falsch ein. Hast du mal Symptomtagebuch geführt und jeden Tag registriert, wie stark die Symptome (Skala 1-10 z.B.) waren und was sonst so vorgefallen ist?

Zitat von crazy030:
Man kann sich zwar als Singe ganz gut fühlen, aber Anerkennung und viele weiter Dinge fehlen halt. Vielleicht ist einem da vieles nicht bewusst, aber der Körper meldet sich.
Das kann natürlich sein, muss aber nicht. Gesunde Menschen können ihre Bedürfnisse meist gut wahrnehmen. Wenn dann im eigentlich glücklichen Singledasein doch die Zweisamkeit und Nähe oder was auch immer fehlen, darf das Gefühl des Mangels und der Sehnsucht da sein und es führt u.U. dazu, dass man etwas unternimmt, die Situation zu verbessern. Man braucht keine Symptome, die einen zu Veränderungen zwingen. Zu Symptomen kommt es eher, wenn man sich nicht erlauben kann, diese Bedürfnisse wahrzunehmen. Wenn man auf Teufel komm raus ein glücklicher Single sein muss. Ob du Symptome brauchst, um gut für dich zu sorgen, wird sich hoffentlich spätestens in der Therapie herausstellen.

Liebe Grüße
Christina

23.01.2010 18:24 • #14


Um dir vielleicht ein Weg zu Erkenntnis zu zeigen möchte ich dir ne Frage stellen.

Warum, aus welchem Grund hast Du Alk. getrunken, in diesem Maße wie Du es in deinen Beiträgen geschrieben hast?

Was wolltest Du betäuben....was hat es dir gegeben ...was hat der Alk. ersetzt??

Den ich weis es aus Gruppen Gesprächen, dass die meisten die Alk. regelmäßig getrunken haben es aus ganz bestimmten Gründen taten.

Ich denk wenn Du dir diese Fragen beantwortest ..wird dir klar was Du mit deine Therapeutin ansprechen möchtest.

LG

23.01.2010 18:27 • #15


Ja, an Tagen wo bestimmte Dinge passieren, meist nicht so tolle, sind die Beschwerden dann schon anders, stärker. Wenn irgendwie eine Anspannung entsteht, z. B. durch Streit, auch.

Aber auch Freude oder so. Beispiel: Ich hatte mir vor 2 Monaten ein neues Handy bestellt. Das kam dann, ich war total aufgeregt, wohl Freude/Spannung. Als ich das Handy dann ausgepackt hatte und in der Hand hielt, da fing meine Hand an zu zittern. Aber nicht nur ein wenig, sondern richtig heftig. Ich war nicht mehr in der Lage, meine Finger zu steuern oder die Tasten vom Handy zu bedienen. Dann fiel es mir noch aus der Hand. Ich war dann auch ziemlich fertig. Ist das nicht bekloppt? Was hat das mit Angstzuständen zu tun?

Wegen dem Alk.. Na ja, es war über die Jahre einfach Angewohnheit. Neben den Partys dann auch immer häufiger zu Hause, auch allein. Tja, warum? Langeweile sicher irgendwo, doch irgendwo eine Unzufriedenheit. Bestimmt. Ich hab das aber von heute auf morgen gelassen und ohne, dass das auch nur eine Sekunde ein Problem für mich war. Alk fehlt mir nicht.

23.01.2010 18:51 • #16


[quote="crazy030"]

Aber auch Freude oder so. Beispiel: Ich hatte mir vor 2 Monaten ein neues Handy bestellt. Das kam dann, ich war total aufgeregt, wohl Freude/Spannung.


Viele Angstpatienten haben einfach Probleme mit Emotionen. Egal ob positive oder negative, sie verursachen die PAs. Erst wenn man die Hintergründe erkannt hat erst dann lernt man damit umzugehen. Ich habe meine erste PA auch bekommen in einer angenehmen Situation, wo kein Grund gabs.



Wegen dem Alk.. Na ja, es war über die Jahre einfach Angewohnheit. Neben den Partys dann auch immer häufiger zu Hause, auch allein. Tja, warum? Langeweile sicher irgendwo, doch irgendwo eine Unzufriedenheit.

Hier deine Antwort auf die Frage, woran liegt es eigentlich ist doch alle gut.
Das mit dem Alk. ist kein Vorwurf es geht nur darum, dass man nicht ohne Grund öfter trinkt, auch nicht alleine, nicht aus Langeweile..dafür gibt es immer ein Grund. Partys na ja mal trinkt man was, aber es gibt nicht jeden Tag Party, also ich würde mich genauer fragen, warum war ich unzufrieden, was hat mir gefehlt...vielleicht ist das der erste Schritt für dich.

Du hast anfänglich geschrieben in deinem Leben ist alles ok...vielleicht ist es aber für deine Seele nicht ok. Vielleicht will dir deine Psyche damit sagen so jetzt schau mal genauer dorthin.

Und Alk. ist unter anderem auch manchmal der Auslöser für PAs, man versucht sich am Anfang zu betäuben ohne Panikstörung ohne Angst, ne Zeit geht das, aber deine Seele leidet weiter. Und irgendwann reicht es nicht sie fängt an zu schreien (mit PAs und Angst) denn wir haben nicht auf sie gehört, also muss sie uns wach rütteln. Auf jeden Fall würde ich das an deine Stelle in der Therapie ansprechen. Und versuch herauszufinden was die Gründe für deine Unzufriedenheit waren.

LG

23.01.2010 20:48 • #17

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Angsthasse, ja, Du kommst das der Wahrheit bestimmt sehr nahe.

Zitat:
Viele Angstpatienten haben einfach Probleme mit Emotionen. Egal ob positive oder negative


Ja, das ist bei mir so. Ich kann z.B. kaum Freude zeigen. Das war aber schon immer so, selbst als Kleinkind. Meine Geschwister freuten sich zu Weihnachten stundenlang über ihre Geschenke, ich aber stand nur da und ohne eine Miene zu verziehen. Als wenn es mich alles nichts angeht oder ich mich nicht freue. Meine Eltern fanden das nicht toll.
Und das ist heute noch so und darum vermeide ich es nach Möglichkeit, beschenkt zu werden.

Ich hab letztes Jahr in der Klinik eine ältere Frau kennengelernt (21 J. älter) und wir haben uns etwas angefreundet. Sie leidet an schwerer Depression und ist schon wieder gerade stationär in der Klink. Sie hat das bei mir sofort gemerkt, weil sie mir auch immer mal was schenkte. Dann hatten mir meine Eltern den Hund geschenkt im letzten August, dann noch einen Plasma TV. Da fragte meine Bekannte auch dann, ob ich mich denn nicht total freue, weil man merkt davon null. Doch, sagte ich.

Leider weiß ich nicht, wie ich das ändern soll. Ich war schon immer so.

Zitat:
Das mit dem Alk. ist kein Vorwurf es geht nur darum, dass man nicht ohne Grund öfter trinkt, auch nicht alleine, nicht aus Langeweile..dafür gibt es immer ein Grund.


Tja, wird wohl so sein. Irgendwas ist da wohl in meinem Leben doch nicht so ganz in Ordnung. Man sagt ja auch, wer zu Hause allein trinkt, ist einsam.

Meine Psychologin hat da ja nach den paar Sitzungen schon was entdeckt und obwohl sie nicht direkt danach gefragt hat. Und darum halte ich sie auch für fähig.

Sie meinte, man könnte glauben, ich sei total tolerant und super drauf. Stimmt aber nicht, denn eigentlich ist mir alles nur total egal. Nichts interessiert mich. Und ich schätze, da hat sie leider recht.

23.01.2010 21:21 • #18


So jetzt hört sich alle übersichtlicher an...besser als zu sagen alles ist ok und ich bin immer noch krank und die Angst frisst mich auf.

Das mit den Emotionen hatte ich auch seit der Kindheit, lob konnte ich nicht annehmen und auch mich selbst loben war nicht drin, wenn mir jemand sagte Du bist ein toller Mensch, dachte ich wovon redet der...
Aber das kannst Du alles in der Therapie lernen es geht..auch mit freude empfinden.

Ich konnte es auch nicht weil sobald ich was erreicht hatte, hatte ich schon neue Ziele und war schon auf dem Weg dorthin ohne anzuhalten und das erreichte zu genießen .

Das mit ich bin solo und glücklich ..habe ich mir auch lange eingeredet..aber ganz tief in mir drin fraß mich die Einsamkeit auf ...

Das sind wie Du merkst alles Themen die Du bei der Therapeutin ansprechen kannst. Öffne dich auch wenns schwer ist, aber nur dann bekommst Du dein Leben zurück

Ich drück dir die Daumen

LG

23.01.2010 22:19 • #19


Zitat von Angsthasse:
Das mit ich bin solo und glücklich ..habe ich mir auch lange eingeredet..aber ganz tief in mir drin fraß mich die Einsamkeit auf ...

Na ja, ich denke aber eher weniger, dass das bei mir was mit Einreden zu tun hat. Es war ja nicht immer so, aber nach mehreren Beziehungen wurde mir immer klarer, ich bin eher der Einzelgänger. Ich bin gern mal unter Menschen, hab Besuch oder fahre irgendwo hin, aber ich bin dann auch wieder froh, wenn ich meine Ruhe hab.

Ich bin 41 und bis zu meinem 35. Lebensjahr war ich nie allein, neben Beziehungen gab es auch 3 x WG. Es war ja nicht mal alles schlecht, aber so wie es jetzt ist, ich hab mir das bewusst ausgesucht, weil ich es besser finde.

Das kuriose ist dabei auch, Psychiater und Psychologen haben dazu 2 verschiedene Ansichten. Manche sagen, der Mensch braucht Beziehung und Arbeit, sonst wird er krank und andere sagen, wer sich so wohl fühlt und das sagt, bei dem muss man das so akzeptieren und es ist falsch, den Leuten da was einzureden.

Die jüngeren Psychologen und Psychiater haben übrigens andere Ansichten, weil die heute anders ausgebildet werden, als noch vor 20 oder 30 Jahren. Das mit den 3 Säulen (Beziehung-Arbeit-Freunde), da sagte mir mal eine Psychologin, dass das heute nicht mehr den Stellenwert in der Ausbildung hat, wie früher, weil die Zeit und die Menschen sich verändert haben. In Berlin ist heute jeder 2. Single und die Masse lebt das bewusst.

Wenn ich an die Klink denke und die Gruppengespräche..., ich war in einer Gruppe mit 15 Leuten. Fast alle waren dort wegen Beziehungsproblemen in der Ehe, Arbeitsstress oder starke Probleme mit den Kindern drin, litten an schweren Depressionen, manche wurden nach Selbstmordversuch eingeliefert. In den Gesprächen ging es fast nur um Ehepartner, Familie, Kinder, Job.

Die Masse in den Kliniken ist doch drin, weil sie eben genau mit den 3 Säulen Probleme haben.

24.01.2010 12:46 • #20



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