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Hallo alle zusammen hier im Forum,

ich bin ganz neu hier und habe endlich den Mut gefasst mich hier zu öffnen und zu schreiben. Ich bin 40 Jahre und leide nun seit einem dreiviertel Jahr an plötzlichem Herzrasen mit einem Puls bis 180 /`. Dieses Herzrasen mit hohem Blutdruck kam ganz plötzlich und ist mir vielen schlimmen Symptomen verbunden. Zwei stationäre Aufenhalte im KH habe ich hinter mich gebracht. Es wurde eine Sinustachykardie inadäquat festgestellt. Anfangs hatte ich noch Hoffnung das ich diese Anfälle verlieren werde über die Zeit, da ich an eine köperliche Ursache glaubte ( glaube). Ich glaube es immernoch ja....
Bevor das alles anfing hatte ich einen schlimmen Virusinfekt der sich fast 7 Monate hinzog. Ich denke auch heute noch es muss etwas damit zutun haben. Ich hatte noch niemals zuvor solche schlimmen Symptome.
Allerdings litt ich auch belgeitend schon seit Jahren an einer generalisierten Angststörung und schweren depressiven Phasen. Aber ich habe meinen Alltag noch alleine gemeistert. War unter Menschen. Heute ist alles anders .

Nachdem ich dann so langsam mitbekommen habe das sich die Anfälle eben nicht mehr bessern und das sich meine Ängste verstärkten, habe ich mich mehr und mehr zurückgezogen. Bis ich vor 3 Monaten meine erste Panikattacke bekam. Ich ging auch damals schon nur noch in Begleitung aus dem Haus. Wir waren damals zur Krankengymnastik, mein Mann begleitete mich. Es ging schon Wochen vorher so, dass ich noch nicht einmal mehr im Haus ohne Handy unterwegs war und ohne Blutdruckmessgerät. Bevor ich das Haus verlies hatte ich schlimme Angst das dieser Herzanfall in der Öffentlichkeit passieren könnte.
Und dann passierte es tatsächlich. Mitten im Wartebereich der Physiotherapie. .
Mein Herz raste los, mir wurde heiss und dann fing es an. Zittern, Schüttelfrost, Übelkeit und diese panische Angst in mir.
Dann konnte ich mich zum Glück auf die Gymnastikliege legen und das Ganze dauerte 1 Stunde. Es war schrecklich und mir war das so, so , so unendlich peinlich. Ich habe einen medizinischen Beruf erlernt und war immer mit vielen Menschen zusammen. Wir leben ausserdem auf dem Land und jeder kennt hier jeden. Ich fand das so schlimm das ich mir ab diesem Zeitpunkt schwor, ich gehe nie wieder raus.
Seitdem wird alles immer schlimmer.
Ich traue mich gerade noch allein an die Mülltonne. Ich kann keine Menschen mehr um mich haben, keine anstrengenden Unterhaltungen mehr führen.Lebe fast komplett isoliert. Esse kaum noch etwas.
Mir ist eine Freundin geblieben und mein Mann.Wofür ich unendlich dankbar bin!
Ansonsten haben sich alle von mir abgewandt. Selbst meine Eltern. Früher war ich viel unterwegs, hatte Freunde, alles im Griff. Auch wenn ich schon lange depressiv war und Ängste hatte.Es ging schon irgendwie. Ich war auch schon zweimal zur psychosomatischen Reha.

Ich habe überhaupt kein Leben mehr und gehe nur noch aus dem Haus wenn ich wirklich dringendst muss. Und das ist jedesmal wie im Horrorfilm. NIcht nur für mich
Heute hatten wir eine Geburtstagfeier im Haus. Ich habe es versucht hinzugehn. Nach 20 Minuten habe ich solches Herzstechen bekommen, ein Brennen in der Brust und Kopfschmerzen. Herzklopfen. Ich bin wieder gegangen.

Mein Arzt sagt es sind von Anfang an Panikattacken gewesen. Aber mir glaubt einfach niemand das diese Anfälle, wie ich sie nenne, ganz anders wie die Panikattacke sind.
Nun wurde mir vorgeschlagen in eine Akutklinik zu gehen, Psychosomatik. Ich traue mir das aber nicht zu und wenn dieses Herzrasen so richtig loslegt und der Blutdruck hochschiesst möchte ich nicht irgendwo 300 Kilometer von zuhause weg sein. Selbst der Gedanke an einen Speisesaal macht mich verrückt und ich fange an zu zittern. Was ist nur aus mir geworden
Andererseits will ich HILFE. Ich kann einfach nicht mehr. Ich sitze schon morgens am Bett und messe den Blutdruck. Sobald ich in eine Arztpraxis muss, gehe ich in kein Wartezimmer mehr. Messe sofort Blutdruck. Und jedesmal habe ich einen saftigen Bluthochdruck.
Schon zweimal mussten Sie mich hinlegen, weil ich fast ohnmächtig geworden bin. Der Arzt sagt sie haben einen viel zu hohen Puls. Ihr Herz rast. Das letzte mal in einer Uniklinik wollten sie mich behalten. Ich hatte solche Angst das ich ein Theater gemacht habe, nur damit ich ja nicht dortbleiben muss. Und peinlich war mir das dann danach auch so sehr. Ich habe mich bestimmt zwanzig mal beim Arzt entschuldigt.
Tja und nun bin ich gerade wieder hier in meinem Wohnzimmer und schreibe euch, weil ich wirklich verzweifelt bin. Ich habe Angst auch noch meinen Mann und meine Freundin zu verlieren. Ich habe nun auch insgesamt 10 Kilo abgenommen und bin jetzt im Untergewicht gelandet. Es ist ein Teufelskreis. Manchmal wünschte ich, ich würde morgens aufwachen und alles ist wieder gut. Ich kann nicht mehr.

Habt ihr vll. einen guten Rat für mich? Ich denke ich bin hier nicht alleine mit all den Symptomen und Ängsten. Würde mich ganz arg freuen wenn ihr mir schreibt und ich mich mit euch austauschen kann.
Oder ist vll. jemand hier der das Ganze bereits überwunden hat. Ich hoffe es sehr.
Danke euch fürs lesen !

Viele Grüße Fearless

03.10.2016 16:51 • 05.10.2016 #1


2 Antworten ↓


Das tut mir sehr leid und ich kann dir nachfühlen,wie sich das anfühlt.Ich hab hier schon mehrmals geschrieben,dass ich solche Ängste mit Pausen dazwischen seit fast 40 Jahren habe..und lebe immer noch...Ich hab alle mögl Diagnosen schon durch,viele Ärzte ausprobiert und glaube immer nur kurze Zeit,dass sie recht haben mit denPanikattacken.Doch 2 Wochen später ist die Angst wieder zurück,dass es keine Panik ist sondern doch vielleicht eine noch unentdeckte körperliche Bedrohung...könnte ja "diesmal" doch was sein?.Geht mir mit dem Ausserhausgehen oft wie dir und ich hab dann hundert Ausreden warum ich nicht gehe.Habe auch schon abgenommen,was f mich ja nicht schlecht ist,weil ich oft nicht einkaufen gehen kann oder will und dann halt die Reste esse ,die noch im Eiskasten sind.Ist typisch für Depressionen ,ich weiss es aber was hilft das schon.Also mach dir keine Sorgen ,es geht hier vielen so wie dir und uns hilft es sehr einfach darüber zu schreiben..ist echt entspannend und beruhigend.Hab auch schon eine Therapie probiert,hat aber nichts gebracht ,weil ich immer glaubte ,dass mich der Therapeut nicht versteht .Werde es mal woanders wieder probieren,denn so geht es nicht weiter,schade um alles was wir dadurch versäumen.Nicht machen zu können,was man gerne tun würde ist echt nervend
Hoffe,dass es dir bald wieder besser geht--darüber reden hilft mir persönlich sehr liebe Grüsse Tamara

03.10.2016 18:57 • x 1 #2


Liebe Tamara, Du sprichst mir aus der Seele.
Wir versäumen so viel schönes.Du hast so recht. Das Leben spielt sich draußen ab. Und wir haben doch nur dieses eine Leben.
Man wünschte sich so sehr das man aufwacht und alles wäre wieder gut. Man rausgehen könnte und einfach tun könnte wonach einem gerade ist.
Danke für dein Verständnis.
Hier sind so viele Leute betroffen,ja, aber schau nur DU hast mir geschrieben. Es ist wirklich schade. Und dennoch freue ich mich ganz sehr das Du mir geschrieben hast und auch aus deinem Leben schilderst wie es Dir ergeht. So fühlt man sich nicht alleine damit. DANKE.
Ich habe einige Therapien hinter mich gebracht. Aber leider ist mir immer wieder aufs Neue schlimmes widerfahren und jetzt stehe ich einfach an dem Punkt wo mein Körper STOP ruft! Ich kann nicht mehr.
Es gibt so viele Bücher über Panikattacken und Onlinevideos. Ach ja was habe nicht alles versucht. Trotzdem hat es sich nicht verbessert. Ich muss etwas falsch machen.
Hast Du Freunde, Familie, die Dich unterstützen, verstehen?
Es ist sehr schwer für Menschen die nicht betroffen sind, zu verstehen was denn auf einmal los ist.
Es lauert ja im Grunde keine Gefahr vor der Haustüre. Man wird leider auch schnell abgestempelt als sei man verrückt. Also hier auf dem Land ist es zumindest so. Als ich noch unter Leute gehen konnte, gelacht habe und mich um viele Dinge kümmern konnte war ich gerne gesehn und oft eingeladen.Ich hätte nie gedacht das mich fast alle einfach so fallen lassen würden.
Heute werde ich noch nicht einmal mehr gegrüßt.Geschweige denn es schreibt mir jemand mal eine kleine SMS. Nichts.Anfangs habe ich mich immer wieder gemeldet und geschrieben, aber als ich erkannt habe das ich längst raus bin, habe ich damit aufgehört und siehe da es wurde ganz still um mich.Aber ich bin dankbar für die Menschen die mich trotzdem noch lieben und begleiten obwohl ich nicht mehr am normalen Leben teilnehmen kann.Es ist dennoch hart zu sehn was man den anderen bedeutet hat. NICHTS! Selbst deiner eigenen Familie.Ich hoffe ganz sehr das ich wieder aus diesem Teufelskreis rauskommen kann und dasselbe wünsche ich Dir auch von ganzem Herzen!
Welche Therapie hast Du vor noch einmal zu versuchen?

Fühl Dich gedrückt

05.10.2016 19:09 • #3




Dr. Christina Wiesemann