@Maschmellow @windrunner:
Die dritte Säule basiert auf die medikamentöse Therapie, dir mir unglaublich geholfen hat, und gemeinsam in Kombination mit der Kognitiven Verhaltenstherapie der beste Weg zur Genesung ist... Ich arbeite seit paar Monaten nebenbei bei einer Psychiaterin und sehe wie es den Patienten vom ersten Besuch bis zur Nachkontrolle nach 3 bzw 4 Wochen schlagartig besser geht und der Patient fähig wird, sich der Exposition auszusetzen. Medikamente können wirklich eine gute Unterstützung sein und einem unter die Arme greifen... Es fällt einem deutlich leichter seine Gedanken um zu struktuieren und sich der Psychotherapie zu widem, natürlich geht das alles auch ohne Medikamente, aber in der Anfangsphase der Behandlung sehe ich sämtliche Psychopharmaka als ein Segen, insbesondere die neueren Medikamente....
Zu den Medikamenten:
Ich schreibe euch gerne ein paar Grundinfos und meine damalige Einstellung, bitte beachtet allerdings, dass ihr einen Psychiater braucht, der euch gut einstellt. Daher nur ein paar Grundinfos
Es gibt in der Angstbehandlung 2 Gruppen an Medikamenten, die bei Angststörung eingesetzt werden.
-Antidepressiva
-Anxiolytika (das sind Beruhingsmedikamente mit angstlösender Wirkung, man nennt sie Benzodiazepine bzw. kurz Benzos)
Beide haben ihre Vor- und Nachteile. Daher wird der Arzt je nach Krankheitsbild und Situation die richtigen Medikamente auswähle.
AntidepressivaWieso heißen diese Medikamente Antidepressiva, wenn sie doch Angst behandeln sollen. Ursprünglich wurden Antidepressiva vor allem dafür Entwickelt, um Depressionen zu behandeln. Man ist im Laufe der Zeit drauf gekommen, dass die selben Botenstoffe, die bei Depressionen in ein Ungleichgewicht geraten sind, auch bei einer Angststörung betroffen sind. Hier spielen vor allem 2 Botenstoffe eine Rolle: Serotonin und Noradrenalin.... Es gibt dann noch andere Botenstoffe und einige viele Rezeptoren, die auch noch eine Rolle spielen, aber dafür geht es hier zu weit
Jedenfalls ist es sehr wichtig, dass ihr wisst, dass Antidepressiva NICHT süchtig machen.
Das ist leider nach wie vor ein großer Irrglaube.
Nun, die Antidepressiva werden in einigen Gruppen unterteilt, ich nenne nur 3 davon:
-TCA (Tricyclische Antidepressiva): Dazu gehören die älteren Medikamente, also vor allem die ersten Antidepressiva, die auf den Markt gekommen sind, waren TCA
Die TCA wirken auf mehrere Rezeptoren und auf verschiedene Botenstoffe. Dadurch, dass sie auf viele verschiedene Rezeptoren und Botenstoffe wirken, haben diese auch tendenziell mehr Nebenwirkungen. Allerdings werden sie nach wie vor sowohl bei Angst als auch bei Depression eingesetzt, wenn andere Medikamente nicht gewirkt haben bzw. nicht vertragen wurden
-SSRI (Selektive Serotoninwiederaufnahme Hemmer): Diese gehören zu den moderneren Medikamenten und wirken selektiv aus das Serotonin. Dadurch das diese Medikamente Selektiv wirken, haben sie auch deutlich weniger Nebenwirkungen.
-SNRI (Serotonin Noradrenalin Wiederaufnahme Hemmer): Dazu zählen Medikamente die vor allem auf Serotonin und Noradrenalin wirken, dadurch sind sie sehr gut angstlösend und mit eher wenigen Nebenwirkungen gegenüber TCAs....
Bei Antidepressiva ist es wichtig zu wissen, dass man das Medikament einschleichen sollte, da sich der Körper daran anpassen muss und wenn man es einschleicht, dann kann man die Nebenwirkungen reduzieren bzw. ganz wegbekommen. Man fängt zb. mit 25 mg eines Medikaments an, nimmt es dann 1 Woche, dann steigert man auf 50 mg, nimmst es mal 2 bis 3 Wochen und steigert dann, wenns notwenig ist, zb. auf 75mg und und nach paar wochen vielleicht auf 100mg.... jenachdem wie hoch es dosiert werden sollte, das entscheidet allerdings alles der Arzt...
Wichtig ist zu wissen, dass Antidepressiva meist 3 Wochen oder manchmal auch länger benötigen, bis sie ihre Wirkung allmählich entfalten können... Also man muss hartnäckig sein und das Medikament brav nehmen und ausreichend hoch dosieren uns abwarten bis es nach paar Wochen seine Wirkung entfaltet. Also man muss da geduldig sein! Was die Nebenwirkungen angeht, so sind diese oft vermeidbar, wenn man langsam aufdosiert, und falls man doch welche hat, so vergehen die in der Regel nach paar Tagen, sobald sich der Köper an das Medikament gewöhnt hat.
Manchmal kann, wenn man zu schnell aufdosiert, am Anfang der Behandlung eine Unruhe beim Patient entstehen, die den Patient oft beunruhigt. Auch da ist es wichtig zu wissen, dass diese Unruhe nach paar Tagen bzw. wenigen Wochen verschwindet. Antidepressiva werden genauso wie sie eingeschlichen werden, auch langsam wieder ausgeschlichen. Man sollte lange genug mit Antidepressiva behandeln, damit auch die Angststörung vollkommen ausheilt. Oftmals mehrere Monate bis zu einige Jahre, jenach schwere der Erkranung.... antidepressiva müssen regelmässig genommen werden, man kann sie also nicht einmal nehmen und dann mal nicht nehmen usw.... so werden sie garantiert nicht wirken.... und darin unterscheiden sie sich von den Anxiolytica:
Anxiolytica (z.B.Benzodiazepine):Anxiolytica wirken bereits circa nach einer Stunde deutlich angstlösend und entspannend (wie zb ein Glas Rotwein

) Anxiolytica können also eingesetzt werden bei einer akuten Panikattacke oder z.B. vor einem Flug, wenn man davor Angst hat.
Anxiolytica sind aber nicht für die Dauerbehandlung gedacht, denn sie können nach mehrwöchiger (circa. 8 Woche) Einnahme bereits zu einer Abhängigkeit führen. Außerdem können Anxiolytica nicht heilen. (Antidepressiva können schon in gewissem Maße auch heilen)
Wenn man jetzt 1 mal pro Jahr fliegen muss und Flugangst hat, dann kann man natürlich ein Anxiolyticum einschmeissen, weils eh selten ist.
Oftmals verschreibt der Arzt in der Anfangsphase der Behandlung mit Antidepressiva parallel für einige Tage auch ein Anxiolyticum, um die anfängliche Unruhe durch Antidepressiva zu unterdrücken....
Anxiolytica dienen also eher als ein Notfallmedikament, sind aber für den dauereinsatz weniger geeignet....
Wenn ihr tiefer gehende Fragen habt, so schreibt hier einfach. Stellt Fragen, ich beantworte sie gerne, allerdings weiß ich ja nicht was euch interessiert, deshalb werd ich vorerst nicht weiter darauf eingehn, bis ihr konrekt schreibt, was ihr noch wissen wollt