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Hallo,
ich wollte euch mal fragen, ob bei euch die Ängste und PAs ( oder gar Depris) durch eure Eltern oder die familiäre Situation verursacht worden sind? Und vorallem, wie geht ihr jetzt mit den Eltern um? Habt ihr noch Kontakt zu diesen? Und wie ist dieser so: eher distanziert oder habt ihr gar keinen Kontakt zu diesen? Oder versucht ihr ihre (negativen) Reaktionen nicht so ernst zu nehmen und mit Abstand umzugehen? Könnt ihr da vielleicht ein paar Tipps geben?
Bei mir liegt die Ursache meiner Ängste in der Familie. Ich habe allerdings versucht so gut es geht dieser keiner Vorwürfe zu machen und mehr sich um mein Leben zu kümmern. Nur jetzt ist das Problem, dass , wenn ich davon erzähle, dass es mir gut geht oder mir etwas Gutes passiert im Job oder anderswo, da reagieren die sooo negativ und abweisend. Ich habe das Gefühl, die sind dann richtig böse, dass es mir gut geht. Da kommen Vorwürfe, man ist beleidigt, bezeichnet mich als egoistisch!, dass ich mich nur um mich und nicht! um die kranke Familie kümmere. Je mehr ich von meinen Erfolgserlebnissen erzählen tue (bin ja grad umgezogen und die Euphorie hält noch an *g*), desto schlimmer wird das Verhältnis.... . Gestern durfte ich mir am Telefon vom Vater solche Predigten anhören...boah... . Mir gings so schlecht danach. Jetzt traue ich mich schon gar nicht irgendwas Positives von mir zu erzählen... . Hab keine Ahnung WIE ich mir all dem umgehen soll. Am besten schweigen und alles, was bei mir so vorgeht VERSCHWEIGEN? Oder lieber sagen ( und lügen) , dass es mir sooo schlecht alleine geht und ich sooo heimweh habe??
Mir wurde schon gesagt, ich soll den Kontakt einfach abbrechen und mir meine Nerven schonen.... . Ich bin echt ratlos.Kann jemand was dazu schreiben? Das wäre echt nett.

11.07.2012 18:25 • 01.08.2012 #1


60 Antworten ↓


Eine von Vielen
Bei mir liegen die Ursachen zwar nicht in der Familie, jeden falls nicht konkret. ( Ich denke, dass meine Mutter aber auch etwas dazu beiträgt / beigetragen hat. )

Diese Woche meinte meine Therapeutin noch - was ich irgendwie ziemlich schockierend fand:

"Rufen sie sich Menschen ins Gedächtnis, die sie so lieben, wie sie sind und die sie immer noch lieben auch wenn mal was nicht klappt! Ihre Mutter halten sie da aber bitte raus, sie liebt sie bestimmt auch, auf ihre Weise aber sie hat sehr wahrscheinlich eigene Probleme an der Backe, die da mit reinspielen"

Vorallem, sagte sie das wirklich wortwörtlich so und das war ich sogarnicht von einer Therapeutin gewohnt.

Jedenfalls, bei mir ist es so, dass meine Mutter überhaupt kein Verständniss für meine PA und Agoraphobie hat.Sie setzt mich enorm unter Druck und wenn ich mal etwas nicht schaffe findet sie nur negative Worte.

"Was soll ich jetzt dazu sagen,das ist echt schei.. Oh man, Kind"
"War mir klar, dass du das nicht schaffst" usw.

Da bin ich doch wirklich froh um meinen Papa, der mich in den Arm nimmt, tröstet und aufbaut.

Meine Mutter hat mir großer Sicherheit eigene Probleme und vermutlich kann keiner, der nicht schon mal eine PA oder Ängste hatte, das so wirklich nachvollziehen.
Ich denke, dass deine Eltern auch nicht mit sich im Reinen sind.

Abgesehen davon, bin ich überzeugt, dass meine Mutter mich liebt und dass es eigentlich Sorgen sind, die sie sich um micht macht, dies aber eben nicht zeigen kann.
Bei dir wird etwas ähnliches im Spiel sein?
Haben sie Probleme damit dich loszulassen? Wäre doch möglich.

Raten kann ich dir nicht wirklich was..
Vielleicht bessert sich das Verhältnis von ganz alleine, wenn erstmal eine Weile vergangen ist.
Das du ausgezogen bist, ist ja was ganz neues und daran muss man sich erstmal gewöhnen.
Kann mir vorstellen, dass der Abstand, der sich dadurch ergibt vielleicht für etwas Ruhe sorgt.
Wenn nicht musst du das machen, von dem du glaubst, dass es dir gut tut.
Das kannst nur du entscheiden.

Eltern sind auch nur Menschen - hab ich mal gehört!

11.07.2012 18:44 • #2



Eltern als Ursache für Ängste und Panickattacken?

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HeikoEN
Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass eine Vielzahl psychischer Erkrankungen als Ursache das Elternhaus haben.

Viele Betroffene haben das gar nicht so auf dem Schirm und ihnen ist NICHT klar, dass z.B. eine Trennung der Eltern oder eine Suchtproblematik eines Elternteils, ein Trauma für das Kind bedeutet.

Vor allem fällt das alles grob erst im Alter zwischen 35 und 55 den Menschen auf die Füsse. D.h., in dieser Altersspanne meldet sich die Psyche zu Wort und möchte diese Probleme gelöst haben

Denn dann reicht die Kraft nicht mehr so aus, alles wegzudrücken an "schlechten" Gefühlen...und schwups hängt man in der Depri oder Angsterkrankung oder auch neumodischer, Burn-Out.

Da ist ein wenig Biographiearbeit ganz sinnvoll, um z.B. auch Familien-/Geschwisterkonstellationen sich bewusst zu machen und ggf. sich davon frei zu machen.

Jeder der so Probleme hat damit, sich selber einzuschätzen, gerne über seine Grenzen geht, nicht richtig entspannen kann, unter Druck steht usw., eben die bekannten Workaholics, sind für mich ganz typische Vertreter, deren Probleme in der Kindheit liegen.

Spannend sind auch Menschen, die sich Beziehungen immer wieder nach dem gleichen Schema suchen und nie so richtig "ankommen".

Alles so versteckte kleine Hinweise...

Aber zurück zur Eingangsfrage. Ich finde es ausgesprochen GUT, wenn man an sich selber denkt und nicht an die Familie. Das hat so gar nichts mit Egoismus zu tun, sondern nur mit gesunder Selbstliebe, denn welcher Mensch ist der Wichtigste im Leben?

Richtig!

Noch viel besser ist es, so wie Du es schreibst, das Alte in der Familie dort auch sein zu lassen und NICHT in sein Leben zu übernehmen. Also deutlich zu trennen. Das ist eine echte Qualität, die man als Mensch dann hat, denn man kann trennen und sich bewusst machen, dass das Alte vorbei ist und das HEUTE ein anderes Leben da ist, nämlich das eigene Leben!

Als Tipp kann ich Dir nur raten, trenne das deutlich und übernehme NICHT die Gefühle der anderen Familienmitglieder. Du lebst heute ein anderes Leben, nämlich DEIN Leben. Ggf. gibt es Familiemitglieder die haben es NICHT geschafft sich abzutrennen und hängen sozusagen noch voll drin.

Vielleicht meidest Du auch ein wenig die Familie, wenn Du merkst, es tut nicht gut. Wichtig ist, Du bleibst so, wie Du bist. NIE lügen, aber genauso wenig etwas annehmen von einem Gefühl, was der Gegenüber Dir "übergeben" möchte.

Sowas ist auch ganz spannend zu beobachten, wenn man Leute kennenlernt (z.B. in einer Selbsthilfegruppe), die sagen, dass sie z.B. sehr weit weg von zu Hause wohnen jetzt.

Für mich immer ein innerer Hinweis darauf: "Mein Gott, Du musstest von Kiel nach Frankfurt ziehen, damit Du endlich von den Fängen Deiner Familie loskommst."

11.07.2012 19:45 • #3


Cico005
Naja wenn ich mir meine Kindheit so anschaue (15 Jahre Misshandlung) kann das schon der Fall sein.

lg luna

11.07.2012 20:38 • #4


Bei mir liegen die Ursachen auf alle Fälle dort. Inzwischen habe ich keinen Kontakt mehr. Wo ich meinen Mann kennenlernte vor über 14 Jahren, habe ich den Kontakt wieder aufgenommen, dann habe ich mein Sohn bekommen und die Ängste gingen los. Ich habe im Rahmen meiner therapie meiner Mutter verziehen, allerdings ist ihr verhalten mir gegenüber unverändert grenzüberschreitend so das ich jetzt auch keinen Kontakt mehr habe. Mein Sohn hat regelmäßig Kontakt mit ihr und wird von meinem Mann hingebracht und abgeholt. Ich habe kein Interesse an einem matipulativen Kontakt mit meiner Mutter.

11.07.2012 21:21 • #5


@ HeikoEN

Naja, bei mir fingen die Ängste und später PAs im Jugendalter an... also SEHR früh und weit vor dem 35.ten Lebensjahr... leider.
Du schreibst ich soll die Gefühle der Familie nicht übernehmen. Das ist so schwer, man kommt sich so egoistisch vor.. . Aber ich denke mir halt: Wie soll ich denn dieser kranken Familie denn noch helfen? WIE ? Soll ich etwa mitjammern und mitleiden? Und dann? Was soll mir das bringen? Was soll das der FAMILIE bringen? So bin ich zu dem Entschluss gekommen, es sei besser für alle, wenn ich mich gut um mich selbst kümmere. Und eigentlich dachte ich mir, es würde der kranken Familie auch helfen, zu sehen, dass es wenigstens mir besser geht. Ich dachte nicht im Traum daran, dass es nun so ein Tamdam und Riesendrama geben würde. . Aber ich kann nicht mehr. Ich kann da nicht mehr über meine Grenzen gehen, wie du schreibst. Das habe ich die früheren Jahre gemacht. Irgendwann ist es GENUG. Es reicht einfach. Ich kann diese Depressivität dieser Familie nicht mehr sehen. Die Familie tut so als wäre es nicht belastend gewesen dort zu wohnen...Hallo?!
Auch ist interessant, wo du schreibt, man soll das Gefühl nicht annehmen, was der Gegenüber einem übergeben möchte. Das habe ich in der Tehrapie auch gehört. Das klang für mich schon da sehr diffus. Also so kompliziert. Also die Theorie ging so: Wenn z.b. dir jemand versucht, Schuldgefühle einzureden, dann hast DU die Wahl, ob du dich schuldig fühlst oder nicht. Aha. Das kam ganz groß zur Aussprache. Und allgemein auch bei anderen negativen Gefühle, die Andere Einem einflößen wollen. Nun ja, die Theorie, also das Gelernte in die Praxid umzusetzen ist viel schwieriger. Gestern bei dem Anruf da konnte ich mich gar nicht abgrenzen und als die ganzen Schuldzuweisungen und Vorwürfe kamen, da wars komplett bei mir vorbei.Ich fühlte mich SCHULDIG, schlecht, EGOISTISCH und habe angefangen zu weinen und konnte mich nicht mehr beruhigen. Und irgendwann dachte ich mir auch so, dass das alles doch voll schwachsinnig ist. Aber da wars schon zu spät.... . Also das mit dem Gefühle der Anderen nicht Übernehmen ist echt schwer.... .

Und wie meinst du das, dass in der Selbsthilfegruppe Menschen dabei sind, die weit weg von zu Hause weg müssen? Meinst du, das ist gut für sie oder meinst du, es gibt auch bessere Wege mit den Eltern umzugehen als weit weg zu ziehen?

LG Sumi

11.07.2012 22:41 • #6


HeikoEN
Ich finde Dein Thema hier SEHR interessant und hoffe, viele andere hier im Forum können etwas damit anfangen, denn wie schon gesagt, ist für mich die eigene Familie oft der Grund für spätere Probleme (wie auch immer geartet).

Darum finde ich es umso interessanter, dass jemand wie Du, es offenbar geschafft hat, sich von der eigenen Familie loszusagen und das auch schafft.

Zitat von sumi:
Naja, bei mir fingen die Ängste und später PAs im Jugendalter an... also SEHR früh und weit vor dem 35.ten Lebensjahr... leider.

Wenn man an Sozialphobiker denkt, die ihr "Problem" größtenteils seit Beginn der frühen Pubertät mit sich rumschleppen, kann man sicher keine feste Regel aufstellen. Nur ist man grob in dem Alter im Leben an einem Punkt angekommen, der eine "Neubewertung" des bisherigen Lebenslaufs zulässt und genau da kommen viele Betroffene eines psychischen Problems ins Grüblen und landen in Depris, Ängsten oder sonstwo...

Zitat von sumi:
Du schreibst ich soll die Gefühle der Familie nicht übernehmen. Das ist so schwer, man kommt sich so egoistisch vor.. .

Genau!

Der Satz: "Du stehst für die anderen Familienmitglieder, oder auch überhaupt für andere Menschen, NICHT mehr zur Verfügung", trifft es noch besser!

Und mache Dir einmal bewusst, dass genau das "schwere" daran, das eigentliche Problem ausmacht.

D.h., Du machst alles richtig

Und es ist ja völlig klar, dass eine eigene Reaktion, die man ja jahrelang oder sogar jahrzehntelang kannte, nicht so einfach abgelegt werden kann. Die Reaktion auf die Forderung Deines Vaters z.B., seine Probleme doch endlich anzunehmen, zu übernehmen, zuzuhören usw.

Zitat von sumi:
Aber ich denke mir halt: Wie soll ich denn dieser kranken Familie denn noch helfen? WIE ? Soll ich etwa mitjammern und mitleiden? Und dann? Was soll mir das bringen? Was soll das der FAMILIE bringen?

Du hast 100% Recht!

Und den Nagel auf dem Kopf getroffen, denn "helfen" in dem Sinne, kannst Du gar nicht.

So ein Familienbund hat eine UNGLAUBLICHE Kraft. In allen Familien, in denen etwas schief gelaufen ist, wird gerne der Deckmantel des Schweigens darüber gehalten und man glaubt nicht, wie stark dieser sein kann.

Mein eigene Thema ist eine Suchtproblematik eines Elternteils und Du glaubst gar nicht, wie sehr dieses Thema verschwiegen wird. Sogar bis über den Tod hinaus!

Als Betroffener hat man nur die Chance, es zu erkennen (womit man schon 50% des Weges gelaufen ist) und sich dann zu befreien von den "alten Fesseln".

Denn es geht um das eigene Leben.

Zitat von sumi:
Mein Vater ist SEHR beleidigt und enttäuscht von ALLEN Verwandten, die sich wie ich jetzt mehr um sich selbst kümmern und NICHT mit ihm mitleiden... .

Machen wir uns einmal klar, dass er als Vater, also als Erzieher der Kinder, einen schweren Fehler macht, wenn er seine Probleme auf die Kinder reflektiert und sie sogar überträgt.

Und heute weiss man, dass das ungewollt passiert. D.h., selbst wenn die Eltern das eigene Probleme gar nicht den Kinder "auferlegen" wollen, tun sie es trotzdem, unbewusst und das Kind nimmt den "Mist" mit. Darum ist es ganz wichtig, dass Betroffene mit Kindern eine entsprechende Therapie machen und der Ursache auf den Grund gehen, denn Angst oder auch Depressionen sind für mich KEINE Ursache! Es sind nur Symptome eines anderen, tieferen, ggf. aus der Kindheit stammenden Problems!

Und natürlich ist Dein Vater selber "gefangen" und hat wahrscheinlich ebenso Probleme aus der Kindheit, die ihn heute einholen bzw. schon lange einholen, er aber keinen Weg findet.

Darum ist meine Auffassung auch, dass Therapeuten "nur" Begleiter sein können. Helfer auf dem Weg, den man alleine gehen muss. Denn die Einsicht muss beim Betroffenen selber aufkommen, nicht beim Therapeuten.

Zitat von sumi:
Aber ich kann nicht mehr. Ich kann da nicht mehr über meine Grenzen gehen, wie du schreibst. Das habe ich die früheren Jahre gemacht.

Sumi, mache Dir mal ganz bewusst, dass das eine unglaubliche Qualität hat!

Das ist SUPER, wenn Du das so fühlen kannst und Dich endlich (!) nach Deinen eigenen Gefühlen richtest, die Dir sagen: "Geh in raus und lebe Dein EIGENES Leben!"

Ich finde, man kann das gar nicht hoch genug bewerten.

Zitat von sumi:
Die Familie tut so als wäre es nicht belastend gewesen dort zu wohnen...Hallo?!

Natürlich tut sie das!

Eine völlig normale Reaktion!

Das ist ein so typisches Verhalten gegenüber den Kindern...

Zitat von sumi:
Auch ist interessant, wo du schreibt, man soll das Gefühl nicht annehmen, was der Gegenüber einem übergeben möchte. Das habe ich in der Tehrapie auch gehört. Das klang für mich schon da sehr diffus. Also so kompliziert.

Ich kann Dir nur sagen, dass das einer der Kernsätze ist, einer Therapie, die Du machst. Es trifft für so viele psychische Probleme zu, die man selber hat und die einem "gar nicht gehören".

Sich selber schuldig zu fühlen für das, was z.B. die Eltern haben, DAS ist genau das Problem, warum die Kinder u.a. ins Trudeln kommen. Den Eltern ist überhaupt nicht ansatzweise bewusst, WAS sie den Kindern damit antun! Die kindliche Psyche funktioniert nämlich ein wenig anders, als die eines "reifen" Erwachsenen und das Kind kann u.U. richtige lebensbedrohliche Ängste entwickeln, weil es "sieht", dass die Eltern ihr Leben nicht auf die Reihe bekommen. Aus Solidarität stellt es sich auf die Seite der Eltern bzw. des Elternteils und übernimmt damit das Problem, die Schuld etc.

Wahnsinn, denn die Psyche des Kindes kann sich so überhaupt nicht entwickeln.

Zitat von sumi:
Also die Theorie ging so: Wenn z.b. dir jemand versucht, Schuldgefühle einzureden, dann hast DU die Wahl, ob du dich schuldig fühlst oder nicht. Aha. Das kam ganz groß zur Aussprache. Und allgemein auch bei anderen negativen Gefühle, die Andere Einem einflößen wollen. Nun ja, die Theorie, also das Gelernte in die Praxid umzusetzen ist viel schwieriger.

Ganz genau Sumi!

Und es ist BEI JEDEM GEFÜHL so!

Man muss sich fragen, ob das wirklich das eigene Gefühl ist!

D A S ist genau der Kern und so gerne würde ich jedem Sozialphobiker hier im Forum diesen Thread zeigen, damit er versteht, was genau falsch läuft, wenn er vor einem anderen Menschen steht und Ängste hochkommen.

Zu Deiner Therapie kann ich Dir nur raten, dass Du keine großen Ansprüche gegenüber Dir selber aufbauen solltest. Gib Dir Zeit! Aber alleine das WISSEN darum ist Gold wert! Denn so verstehtst Du endlich, warum Du in verschiedenen Lebenssituation so gehandelt hast, wie Du gehandelt hast. Und genau DAS jetzt ggf. nicht mehr brauchst.

Das Problem dabei ist, dass Du ein Trauma haben wirst. Trauma heisst, es konnten sich gewisse Dinge bei Dir im Nervensystem nicht so ausbilden, wie es "normal" gewesen wäre. Genau diese Blockaden gilt es aufzulösen und dann kommt so einiges in den Fluss, ganz automatisch und plötzlich KANNST Du dich abgrenzen von anderen Menschen bzw. auch von Deiner Familie und das sogar so, dass es für Dich völlig normal ist. D.h., Du bemerkst es irgendwann gar nicht mehr, sondern handelst so, wie es jetzt noch für Dich "schwierig" ist.

Zitat von sumi:
Gestern bei dem Anruf da konnte ich mich gar nicht abgrenzen und als die ganzen Schuldzuweisungen und Vorwürfe kamen, da wars komplett bei mir vorbei.Ich fühlte mich SCHULDIG, schlecht, EGOISTISCH und habe angefangen zu weinen und konnte mich nicht mehr beruhigen. Und irgendwann dachte ich mir auch so, dass das alles doch voll schwachsinnig ist. Aber da wars schon zu spät.... .

Sehe solche Momente echt als Lehre an. Du bist praktisch in der Ausbildung jetzt. Nutze solche Situation um sie Dir ggf. mit dem Therapeuten einmal genau anzusehen und z.B. den Moment herauszufinden, wo Du merkst, "jetzt rutsche ich ab". Genau dort musst Du lernen die Grenze zu ziehen.

Denn Du bist NICHT für das Wohl Deines Vaters verantwortlich!

Du bist für das Wohl KEINES Menschen auf der ganzen Welt verantwortlich.

Nur für EINEN Menschen, nämlich für DEIN Wohl!

Und genau das würdest Du z.B. tun, wenn Du dich "entziehen" würdest und wenn Du merkst, es geht über eine gewisse Grenze hinaus, die Dein Vater gerade überschreitet, lege auf am Telefon!

Ich weiss, das ist sehr schwer, weil Du dich ihm verpflichtet fühlst, aber damit machst Du ihm GANZ KLAR, dass er Dich nicht mehr in seinen Fängen hat. Denn genau das WILL ER und SCHAFFT ER aktuell noch. Er will sein Leid teilen, er will bemitleidet werden und das Schlimme ist, ALLE machen mit.

Zitat von sumi:
Also das mit dem Gefühle der Anderen nicht Übernehmen ist echt schwer.... .

Es ist nur schwer, weil es neu ist. Und deshalb, weil Du deiner Familie natürlich Nahe stehst. Gegenüber einer fremden Person wäre es ggf. leichter.

Die Bäckereiverkäuferin, die Dich z.B. anschnauzt, die kann man "einfach" stehen lassen in ihrem Frust und eine deutliche Grenze ziehen. Denn IHR Gefühl, brauchst/sollst/musst DU NICHT übernehmen. Denn warum sollst Du auch Frust und Ärger haben, "nur" weil sie von ihrem Chef zuvor angemacht wurde? Das ist ein einfaches, aber exemplarisches Beispiel für das, worum es geht.

Wie o.g. rate ich Dir, dass das Zeit braucht, aber Gold für Dein Leben wert ist!

Nur so kannst Du dich wirklich befreien von den Menschen, die zwar Deine Erzeuger sind, aber keine Verantwortung übernehmen mehr für Dich. Warum? Weil Du erwachsen bist! Weil Du dein eigenes Leben leben willst! Weil Du irgendwann eine eigene Familie, mit eigenen Kindern haben möchtest, den Du diesen MIST nicht mitgeben möchtest.

Von daher ist das wirklich ein toller Schritt, den Du da gehst!

Viele kommen NIE dorthin!

Zitat von sumi:
Und wie meinst du das, dass in der Selbsthilfegruppe Menschen dabei sind, die weit weg von zu Hause weg müssen? Meinst du, das ist gut für sie oder meinst du, es gibt auch bessere Wege mit den Eltern umzugehen als weit weg zu ziehen?

Wie oben angedeutet, war/ist mein eigener Weg ähnlich. Ich habe mich daher relativ intensiv mit dem ganzen Thema über Jahre hinweg auseinandergesetzt. Und heute, mit dem vielen Wissen was ich darüber für mich angehäuft habe, macht es mir richtig Spaß, Leute auf ihrem Weg zu beobachten, weil ich viele Schritte schon kenne, die diese Leute gerade gehen.

Und wenn da ein junger Mensch ist, der ganz weit weg von zu Hause studiert oder lebt und mir dann noch berichtet, dass im Elternhaus etwas nicht stimmte (Gründe sind egal), dann ist das für mich ein Zeichen dafür, dass er so weit weggehen musste, um aus den Fängen der Familie zu sein. Er musste regelrecht fliehen. Aber das Schöne ist, ER hatte die Kraft dazu, er hat es getan. Unbewusst! Mir ist das aber klar und je näher ich diesen Menschen dann kennenlerne, desto mehr werde ich in meiner Annahme bestätigt, dass der Umstand wirklich so wahr.

Und ganz klar, es ist GUT! ALLES IST GUT, was man selber macht. Immer und zu jedem Zeitpunkt! Warum? Man kann in der Situation oder Lebenslage nicht anders. Und jeder Mensch gibt IMMER DAS Beste in der Situation. Selbst die Mutter, die ihr Kind verkloppt gibt das Beste, was sie in dem Moment geben konnte! Man muss ggf. einen Moment darüber nachdenken, aber erkennt relativ schnell die Wahrheit an der Aussage. Von daher gibt es auch nichts, was man sich selber verzeihen muss.

Wichtig ist aber der Mut!

Ohne Mut trifft man KEINE ENtscheidungen. Genauso wie Du! Du triffst Entscheidungen. Darum ist alles GUT! Selbst wenn eine Fehlentscheidung getroffen wird, Fakt ist, es WIRD eine Entscheidung und damit eine Veränderung getroffen.

12.07.2012 08:02 • #7


Du tust genau dasnrichtige. Ich habenauchndennkontakt abgebrochen, weil ich es einfach nicht aushalten konnte. Erst mit meinem heutigen Mann habe ich ihn wieder aufgenommen und alles ist wieder hoch gekommen. Erst durch die Therapie konnte ich ohne schlechtes gewissen den Kontakt aufgeben. Du bist ihnen nichts schuldig und deine Familie wird alles tun, um die kranken Strukturen aufrecht zu erhalten. Ich habe sehr darum getrauert, dass ich eben keine Eltern habe, die mich als Person vorbehaltlos lieben und akzeptieren. Jedes Kind hat verdient so geliebt zu werden. Aber mir ist es eben anders ergangen. Mit einer Suchtkranken Borderlinemutter. Sie kann im Grunde selber nichts dafür, ist ja selber krank, aber das ändert ja nichts daran,dass ich mich vor ihr schützen muss und dafür sorgen muss, dass ich nicht die selben Verhaltensmuster an die nächste Generation, mein eigenes Kind, weiter gebe. Durch den Abstand konnte ich meiner Mutter verzeihen, dass hat mir bei den Ängsten sehr geholfen. Auch unternehme ich immer mal wieder Kontaktversuche weil ich natürlich immer noch das Bedürfnis nach der liebe und Anerkennung meiner Mutter habe. Stelle dann aber jedes mal wieder fest, dass sie nur will, dass ich ein Abziehbild ihrer selbst sein soll und das alles andere schlecht ist und ich schon auch noch drauf kommen würde. Dann eben kein Kontakt. Ich bin nicht beit mich den Manipulationen auszusetzen seit ich sie erkannt habe. Entweder darf ich sein wie ich will und werde so akzeptiert oder eben nicht. Aber das ist ein langer Prozess gewesen und ohne Therapie hatte ich es sicherlich nicht geschafft. Traurig darüber das ich keine Mutter habe die mich liebt, bin ich natürlich immer wieder, aber ich kann die Trauer darüber zulassen und mich ihr hingeben. Ich muss mir nicht mehr einreden, dass sie es doch tut und ich es nicht anders verdient habe.
Du hast dich auf den richtigen weg begeben, gehe ihn weiter. Auch wenn es schwer werden wird und Punkte kommen, wo deine Familie alles aufwarten wird um dich zu halten, ziehe es durch. Am Ende des Tunnels ist licht. Lass dich nicht von den Manipulationen deiner Familie beeinflussen, höre auf deine eigene stimme, dein Bauchgefühl. Du schuldest ihnen nichts.

12.07.2012 08:25 • #8


Hallo ihr lieben,

Ich kenne diese ganzen Probleme,die Schuldgefühle und das Hoffen,dass alles gut werden kann auch.Lest mal meinen tread "Schläge in der Kindheit" oder so ähnlich über die suchfunktion.

Liebe Grüße!

12.07.2012 11:51 • #9


"Wer wurde auch als Kind geschlagen " heißt der Tread.

LG

12.07.2012 11:55 • #10


Hallo,
wow, ihr habt aber ordentlich in die tasten getippt . Vielen Dank für eure Mühe.

Ja, ich wünschte auch, ich hätte normale und gesunde Eltern gehabt... . Dann wäre mein Leben bestimmt anders verlaufen, schöner, und diese Ängste und Depris hätte ich nicht erleiden müssen... . Aber was soll man machen. So ist das Leben. Ungerecht. Ich glaube diese Erfahrung hat mich auch stark geprägt, dass ich weiss was für heftige Auswirkungen die Familie auf ein Kind hat... . Und das Thema KInder schiebe ich gaaanz weit vor mich her. Andere in meinem Verwadntenkreis sind gar nicht so "verantwortungsbewusst", haben schon mit Anfang zwanzig Kinder gekriegt und machen sich da nicht so die Gedanken, wobei sie da auch etliche Fehler machen, wo ich mir dann denke, oh Gott, das arme Kind bzw. seine arme Psyche... . Wenn man das selbst so an seinem eigenen Leib erfahren hat, was es heisst Angst usw zu haben, empfindet man ganz anders.

Mich hat auch erhlich gesagt, das Leben meiner Eltern SEHR STARK abgeschreckt und mir zu meinem Entschluss verholfen, ein anderes Leben zu führen. Meine Mutter hat schon immer Ängste aller Art gehabt, konnte nicht alleine sein ( Oh Gott, ich bin alleine, ich sterbe, niemand ist da, ich kriege nichts alleine hin usw), sich KAtastrophen ausgemalt um NICHTS, hat sich IMMER in falsche Hände, was den Freundeskreis angeht, begeben, Hauptsache sie ist nicht alleine, hat immer nur auf die Meinung ANDERER gehört, sich an den Anderen orientiert, ihr war NIE etwas gut genug..Alle haben sie um meinen VAter beneidet, da er immer so hilfsbereit war und alles für sie gemacht hat, aber nein, das war ihr NICHT gut genug, das Ergebnis war: Streit, Streit, Streit vor den Augen der Kinder und später Scheidung. Nun ist sie immer noch alleine und sieht wohl jetzt ein, dass mein VAter gar nicht mal so ein schlechter Ehemann gewesen ist, aber jetzt ist es zu spät. Aber sie kann ja immer noch nicht alleine sein. Und stellt euch vor wo sie jetzt lebt?? In einer SEKTE.... und will es natürlich nicht einsehen, dass es eine ist... . Ja, sie braucht es, dass Andere für sie denken und kann keine eigenen Entscheidungen treffen und halt nicht alleine und selbstständig sein.... Tja... .

Mein Vater konnte nie Nein sagen und hat immer allen geholfen,konnte nie Hilfe von Anderen annehmen und ist IMMER über seine Grenzen gegangen. Also, wenn man ihn gefragte hat: Brauchst du Hilfe, ist dir das und das zu schwer? Die Antwort war immer: Nein, es geht mir gut. Nein, ich kriege alles hin. Und so ging es jahrelang. Da er nichr für sich selbst einstehen konnte und leicht zu manipulieren war, ist sein Leben katastrophal verlaufen. Er lebt nun in einer Stadt und an einem Ort, den er hasst und von dem er nun NICHT mehr weg kann, nur weil, Verwandte ihn gebeten haben vor Jahren hinzuziehen, um ihnen zu helfen, da sie gerade frisch geheiratet haben und noch jung waren und Hilfe brauchten... . Hat er getan ohne wenn und aber. Jetzt braucht man ihn nicht mehr und er ist beleidigt. Die Mutter(seine Ex-Frau) ruft immer noch ständig an und ruft nach hilfe. Obwohl er sie nicht ausstehen kann, hilft er ihr. Sie braucht nur am telefon ein wenig rumzu jammern und ein wenig zu weinen, da sie weiss, dass es bei ihm wirkt... . Und jetzt leidet er an Depressionen und hasst sein Leben und wünscht sich oft, nie geboren worden zu sein....Wo ich noch da lebte, meinte er oft, dass sein Leben für nichts war und er nur für Andere und nie für sich gelebt hat... .
Ja, DAS schreckt ab und das macht verdammt Angst. Wenn man keine eigenen Entscheidungen trifft und diese von Jemandem treffen lässt....Solche Lebensläufe... Und ich weiss, wenn ich SO weitergemacht hätte wie sie oder wenn ich auf sie und ihre "RAtschläge" höre, wo ich dann lande.... . Und das ist dann kein schönes Leben. Das mal zum Nachdenken.

Die Familie als Ursache ist kein Vorwurf. NUR: Als Kind sieht man wie die Eltern leben und ihr Leben meistern. Und DAS übernimmt man, ob man nun will oder nicht. Die Einstellung zum Leben, den Umgang mit sich und Anderen, was Entscheidungen treffen angeht, ja sogar das Denken der Eltern übernimmt man( Also z.b. rational oder total übertrieben und ägnlich), ob man sich selbst Dinge zu traut oder nicht und solche Dinge.

Wie ich da mit umgehen ,w eiss ich selbst noch nicht so genau. Aber nach dem Telefonat vor ein paar Tagen ist mir erstmal die Lust komplett vergangen, da anzurufen. Das tue ich erstmal ein paar Tage nicht und bin mal "egoistisch". ....ich muss mich auch um mich kümmern und nicht um die... .Ich glaube, ich muss echt egoistischer denken..verdammt...das ist so schwer...aber es wäre das einzig Richtige... .


@HeikoEN

wie bist du denn mit deinen Eltern umgegangen?

LG Sumi

12.07.2012 21:32 • #11


Alle die ich kenne , die psychisch krank sind und ne Therapie machen usw. Haben kathastrophale Erlebnisse in ihrer Kindheit oder Jugend gehabt , wie Alk. Eltern , schlagende Eltern bis hin zu Prügel, vergewaltigung im näheren Umfeld ( also durch angestellte der Eltern oder "Freunde" ) .. Sowie meistens Scheidung , Geschwister wurden bevorzugt, später dann selbst zum Teil Süchte entwickelt , beziehungs und Bindungsprobleme bzw. Sind nicht in der Lage eine zu führen, sowie Depressionen dann als folge , Panikattacken , starke Ängste , SSV, bis teilweise Endstation Psychiatrie ( einige Wochen , dann wieder raus ) ... Ich hab gelernt es kann jeden treffen. Nicht jeder hat ein anstrengendes Elternhaus gehabt , kenne auch welche wo Selbstmord innerhalb der Familie statt fand, und danach kamen dann die psychischen Probleme. Aber ich denke, das was einen schon früh prägt, hinterlässt immer Spuren. Einige kommen damit klar, andere nicht.

12.07.2012 22:18 • #12


Peppermint
Das ist ein sehr interessanter Thread..

Ich hatte auch eine schlechte Kindheit...lieblos,kalt voller lûgen und seelischer Misshandlungen...
Nachdenklich war ich schon immer im leben ,aber mit 35 kamen deppresionen dann die Angst ...jetzt bin ich 43 Jahre und habe von beiden etwas...

mein leben ist geprägt von meiner Kinderheit ,und leider kann man diese nicht vergessen oder ungeschehen machen...

12.07.2012 23:14 • #13


HeikoEN
Zitat von sumi:
@HeikoEN

wie bist du denn mit deinen Eltern umgegangen?


Nunja, ich habe mit meinem Vater das ERSTEN Mal über die Alk. meiner Mutter offen gesprochen, da war ich 30 Jahre.

DAS zeigt, wie sehr das Thema in der Familie sozusagen totgeschwiegen wurde.

Auf "die Füsse" viel es mir so grob mit 36, als die ersten Probleme anfingen.

Meine Mutter ist inzwischen tot (im übrigen nicht an Leberzirrhose o.ä. gestorben). Zu meinem Vater, der das bis heute (!) nicht wahr haben möchte, habe ich ein gutes Verhältnis. Nicht intensiv, aber er ist Teil der Familie.

Allerdings zu meinen Verwandten (Onkel, Tanten usw.) habe ich KEIN gutes Verhältnis. Ich habe sie in den letzten 20 (?) Jahren genau 2x gesehen

Das Gefühl, dass sie mir damals nicht geholfen haben, ist heute noch bei mir da und ich lebe es auch so...

Grob gibt es vier Kindertypen bzw. -rollen, die in einer "problembehafteten" Familie angenommen werden.

Ich habe die Rolle des "unsichtbaren" Kindes angenommen.

Forschungen bzw. Arbeiten dazu haben gezeigt, dass aus diesen vier Grundrollen auch das spätere Leben in Form von Eigenschaften, Charakterzügen usw. abgeleitet werden kann und das trifft bei mir fast zu 100% zu.

Wichtig ist wirklich, sich zu verdeutlichen, dass das "alt" und man heute erwachsen ist. Man braucht so nicht mehr handeln, weil man diese Rolle nicht mehr "spielen" muss, wie damals, als man das musste um zu überleben.

Dazu braucht man meiner Erfahrung nach unbedingt Hilfe, um sich von dem Trauma zu befreien.

Von daher ist jeder, der sich damit auseinandersetzt für sich, auf dem richtigen Weg.

13.07.2012 07:48 • #14


HeikoEN
Zitat von Peppermint:

mein leben ist geprägt von meiner Kinderheit ,und leider kann man diese nicht vergessen oder ungeschehen machen...

Nein, vergessen und ungeschehen machen kann man das nicht.

Aber man kann und muss es betrauern und danach durchfühlen in einer Therapie, dass man NICHT mehr dort steht und nicht mehr die Rolle annehmen muss, was man damals aber musste.

Das klingt erstmal ganz leicht, aber es geht nicht um das kognitive Verstehen, sondern darum, dass man es auch wirklich so fühlt und sich befreit von diesen Fesseln der Kindheit. Denn damals und bis zur Therapie, konnten sich Dinge nicht vollständig ausbilden. Es sind sozusagen Blockaden im Nervensystem, die einen z.B. im heutigen Leben behindern und man in Verhaltensweisen hineinfällt, die ganz alt sind, damals notwendig waren, heute aber behindern.

Und in meinem Fall bin ich z.B. auch überzeugt, dass die Angsterkrankung ihre Ursache dort hat. D.h., man kann zwar eine Therapie für die Angst machen, behebt damit aber nicht die Ursache, sondern nur ein Symptom. Erst mit der Traumatherapie kam bei mir einiges in den Fluss.

13.07.2012 07:54 • #15


Mir persönlich fällt es immer noch schwer , mich als eigenständigen Menschen zu sehen. In meinem tieferen inneren bin ich irgendwie noch "das Kind von ..."
Mag an meinem alter liegen ( 25 ) .. Diese Bindung zu den Eltern macht mich manchmal immer noch krank. Also ich muss dazu sagen, dass ich seit 6 Jahren alleine wohne und sie in der zeit nur 2x gesehen habe. Kontakt ist nur schriftlich. Telefonieren kann ich wenn es unbedingt sein muss, nur mit meinem Vater.
Ich will mich lösen von diesen Menschen, aber frage mich oft, ob es mit wegziehen und kaum Kontakt getan ist. ( ich bin in Therapie , aber erst am Anfang .. )


lg.. Kann mir da jemand helfen?

13.07.2012 14:58 • #16


Peppermint
Eigentlich glaubte ich ,meine Kinheitserlebnisse ziemlich gut verarbeitet zu haben....auf jeden Fall war mir klar,das ich viele Verhaltensmuster mitgenommen habe in mein jetziges leben...
Der Kontakt zu meiner Mutter riss ab nachdem mein Grossvater gestorben war und sie an sein Erbe gekommen war...von da an verbot sie, meinen Kindern und mir den Kontakt mit ihr.,,
5 Jahre habe ich gut damit gelebt ,irgendwann war sie mit gleichgültig geworden.
Bis im letzten Jahr meine erwachsene Tochter den Kontakt wieder belebt hatte,meine Mutter war inzwischen alleine ,ihr Partner war verstorben und sie war schwer krank und hatte niemanden mehr...
Meine Tochter drãngte mich quasi in meine Rolle als Tochter zurück und ich fing an mich um meine Mutter zu kümmern....
Sie lag lange im Krankenhaus und sitzt nun im Rollstuhl ...ich erledige ihre Einkäufe ,mache mehrmals in der Woche ihren Haushalt und und....
Fühle mich schlechter denn je dabei....ich will das eigentlich gar nicht....
Meine Tochter lebt inzwischen 700 km entfernt von uns....und ist fein raus aus der Sache....

Môchte am liebsten einfach den Kontakt wieder abbrechen...denn immer wieder reissen alte Wunden auf....
Fühle mich ziemlich unter druck gesetzt ...denn meine Kinder und mein Freund erwarten das einfach von mir...das ich mich kümmere
Vielleicht wird es echt mal Zeit für mich eine Therapie zu beginnen...

13.07.2012 15:33 • #17

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HeikoEN
Zitat von Peppermint:

Vielleicht wird es echt mal Zeit für mich eine Therapie zu beginnen...

Absolut, denn das, was Du so schreibst, zeigt ja, dass die "Fänge" noch nicht zu Ende sind. Du fühlst Dich immer noch verantwortlich und lässt Dir ggf. ein schlechtes Gewissen, eine Verantwortung usw. einreden, die Du selber gar nicht willst, wie Du schreibst.

So ein Verhalten is aber sehr sehr typisch für traumatisierte "untherapierte" Kinder.

Diese "Kinder" müssen erst lernen, dass sie ohne Gewissensbisse nur ihrem eigenen Gefühl gegenüber verantwortlich sind.

Und sowas wie Eigenliebe ist eher ein Fremdwort.

Wohlgemerkt, kognitiv, d.h., mit dem bewussten Verstand, begreift man die Zusammenhänge ALLE. Alles kein Thema. Aber gefühlt ist das ein unüberwindbares Problem, weil das Gefühl angesprochen wird, wenn die Mutter "ruft" bzw. jetzt Dir jemand einreden möchte, dass Du doch für das "Wohl" der Mutter verantwortlich bist.

Eigentlich müsste man sagen: "Liebe Tochter, wenn Du das so für Dich fühlst, verantwortlich für Deine Oma zu sein, dann übernehme doch auch die Verantwortung. Ich kann das nicht!".

Und man braucht sich NICHT zu rechtfertigen. Man braucht sich sowieso für NICHTS und vor NIEMANDEM rechtfertigen für sein Tun und Handeln.

Außenstehende kommen dann schnell mit dem Gewissen u.s.w. um die Ecke, was aber völlig fehl am Platz ist, denn diese Menschen waren damals nicht in der Situation.

Von daher Peppermint bestärke ich Dich auf jeden Fall darin, es so zu tun, wie Du es wirklich fühlst!

Und ja, eine Therapie kann helfen, endgültig die alten Fesseln abzuwerfen und frei zu werden in seinen Gefühlen.

13.07.2012 15:55 • #18


HeikoEN
Zitat von Amy87:
Kann mir da jemand helfen?


Amy, lese einfach diesen Thread hier.

So wie Du es machst, ist es richtig!

Immer seinem eigenen Gefühl entsprechen ist das Wichtigste bei der Sache!

Denn was passiert, wenn man das NICHT tut? Man kommt in ein seelisches Ungleichgewicht, welches ggf. in Depressionen oder Angst oder sonstwo endet.

Man darf bei der ganzen Sache auch nicht unterschätzen das allem eine gewisse Entwicklung unterliegt.

D.h., was heute gilt, kann in 6 Monaten schon anders aussehen.

Und das wiederum heisst, man muss jedesmal neu fühlen, wie man zu der Sache steht, was möglich ist usw.

Wie aber schon oben gesagt, bleibe bei Dir, sorge für Dich, entspreche Dir und deinen Bedürfnissen. Kurzum, LIEBE Dich! Nur dann geht es Dir gut, nur dann handelst Du so, wie deine Seele, Dein Geist etc. es wollen.

Unterwirfst Du dich irgendwelchen fremden Gefühlen, wirst Du Probleme bekommen.

Irgendwann und das wird Dir auch die Therapie zeigen, wirst Du mit Deinen Eltern frieden schliessen können! Das ist auch gut so. Genau dann kannst Du das alte und das, was passiert ist, auch betrauern, was SEHR SEHR hart sein wird, aber sowas von wohl tut und wichtig ist!

Genau dann ist der Augenblick da, an dem Du in der Lage sein wirst, auf die "kleine" Amy zu schauen und zu sagen: "Ja, schlimm was damals passiert ist. Schlimm was meine Eltern mir angetan haben". Aber genau auch in diesem Augenblick spürst Du vom Gefühl her, dass das die "kleine" Amy war und jetzt aber die "große" Amy da ist, erwachsen, selbständig, mit Phantasien, Träumen, Zielen im Leben.

Und genau DANN bist Du frei!

Wie gesagt, ein ggf. langer und harter Weg, der aber sowas von lohnend sein wird für den betroffenen Menschen, dass er alles daran setzen sollte, ihn auch zu gehen.

13.07.2012 16:05 • #19


Peppermint
Wie recht du doch hast heikoEn ,mit deinen Worten....

Leider hat man hier Wartezeiten von bis zu 2 Jahren für eine Therapie und da habe ich mich bei keinen auf die Warteliste setzten lassen...

13.07.2012 16:29 • #20



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