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Hallo Leute !

Heute hat es mich auch mal wieder erwicht. ich liege in meinem Bett und versuche meine Panikattake zu bekämpfen. Das schlimme ist ich bin auf Besuch bei Verwandten und 400 km weit weg von zu hause. Und ich schlafe im gleichen Zimmer wie mein Bruder. Nun versuche mal das unter Kontrolle zu bringen. Aber ich glaube ich bin mal wieder selber schuld. Ich habe schon so lange rumgegrübelt bis die Attacke da war und jetzt versuche ich sie zu bekämpfen. Manches mal kommt es mir vor als woller der Geist testen wie weit er gehen kann bis eine solche Attacke ausgelöst wird. Ich sagen mir auch den Text: Du must es einfach zulassen, lass die Angst raus. Aber so einfach ist das nicht. Und vorallen die Schaflosen Nächte machen mich fertig. Ich bin zwar todmüde, kann aber irgendwie nicht schlafen. Ein Zeitlang habe ich mir auf dem höhepunkt einer Attacke den Finger in den Hals gesteckt und alles raus gelassen. Dann hatte ich wieder eine halbe Stunde ruhe und so ging das die ganze Nacht. Stellenweise habe ich bei längeren Panikanfällen (manchmal bis zu 2 Wochen) an die 10 kg abgenommen. Ich wollte schon immer mal eine Therapie machen, aber zugar zum Arzt zu gehen, ja gut, aber meisten geht es mir irgenwann wieder besser und ich sage mir gehst du einfach nicht hin, dir geht es doch gut. Und an solchen Nächten wie heute sage ich mir: Du Idiot warum warst du nicht beim Arzt. Aber ich habe sogar beim Arzt Probleme mich zu öffnen. Das ist komisch, aber diese Krankheit ist mir als Mann einfach peinlich. Aber bei der Masse an "Panik-Menschen" ist es eigentlich schon eine Volkskrankheit ohne Volk . Viele habe die Krankheit, aber auch nach dem Tod von Robert Enke, wird sie immer noch einfach abgetan mit du spinnst ja und reiß dich mal zusammen du bist doch ein Mann usw. Auch einen Therapieplatz als AOK oder IKK-Mitgflied zu bekommen ist nicht so einfach. Mein letzter Arzt hat nicht mal mit mir darüber gesprochen. Rein gekommen: guten Morgen, was haben sie für Probleme. Ich sage ja schlaflosigkeit und Angsattacken. Ja wie lange haben sie das den schon. Ich sage seit zirka 20 Jahren. Er sagt gegen die Schlaflosigkeit verschreibe ich ihnen Pille A und gegen die Angst Pille B, Wir sehen uns in 8 Wochen wieder. Kein Wort über Problembehandlung oder Therapie. Und ich, so wie ich bin, habe mich auch nicht getraut zu Fragen. Ich dachte da wechsele ich den Arzt habe auch ein Termin bei einer Ärztin in der Nähe bekommen. Mußte natürlich auch 6 Wochen warten und da ging es mir schon wieder besser. Und wie der Mann so ist, habe ich den Termin sausen lassen. So und nun liege ich wieder hier und kämpfe und sage mir selbst schuld, wärst du zum Termin gegangen...... Auch der Umgang mit anderen Menschen ist mir fremd geworden. Ich meide möglichst Geburtstagsfeiern und der gleiche. An Telefon geht nur meine Frau, auch wenn es an der Tür Klingelt. Einkaufen gehe ich immer schon sehr früh so daß noch keine Menschenmasen anwesend sein. Über die Jahre habe ich mich immer weiter zurückgezogen, habe meine Job und mein Selbstvertrauen verloren und bin seither auf der Suche nach beiden. Ich traue mich auch nicht mehr arbeiten zu gehen aus Angst eine solche Attacke dort zu bekommen und bloßgestellt zu werden vor allen Kollegen, die ja solche tollen Männer sind.

Das schlimmer ist, diesmal kann ich nicht einfach wegrennen.

Kennt einer eine Selbsthilfe Gruppe in Magdeburg oder Umgebung. Ich würde mich so gern mal mit Leuten unterhalten die auch unter dieser Krankheit leiden.

Danke

ich mußte einfach mal wieder was loswerden.

Andreas

31.05.2011 00:34 • 10.12.2011 #1


4 Antworten ↓


Sonne1968
Hallo Andreas,

solche Nächte sind wirklich schlimm. auch wenn man sie schon kennt, dran "gewöhnen" kann man sich kaum. Auch wenn ich mir dann versuche klar zu machen -das kennst Du, es vergeht, kämpfe nicht dagegen an dann geht's schneller vorbei- bin ich manchmal in dem Gefühl der Panik einfach gefangen und meine klaren Gedanken kommen einfach nicht dagegen an.

Das mit den Ärzten ist auch so eine Sache, ich bin auch jedes mal auf neue erstaunt wie schnell einem Tavor und sonstige "Hilfsmittel" verschrieben werden. Zu dem Thema einen wirklich vernünftigen Arzt zu finden ist sehr schwer. Ich habe bisher bei keinem der Ärzte wirklich das Gefühl gehabt ich bin gut aufgehoben. Vielleicht deshalb auch dieses Problem zu akzeptieren dass wir eigentlich - körperlich - gesund sind und unsere Ängste tatsächlich nur durch unsere Gedanken hervorgerufen werden.

Wenn ich allein bin kann ich mich auch wunderbar in eine Panikattacke reinsteigern, von 0 auf 100, ganz schnell. In einem Moment denke ich noch "hey, es geht mir gut" und das ist dann der Anfang, dann horche ich in mich hinein, spüre irgendwo sicher etwas und schon ist die volle Konzentration bei der Sache (variiert: mal Kopf, mal Herz, mal Lunge, mal die Durchblutung der Arterien, mal Schwindel usw.)

Alles rauslassen wäre wichtig, aber ich denke vielleicht würde ein "raus schreien" oder "ausweinen" mehr Nutzen bringen. Irgendwann hab eich mal einen Bericht gesehen wie Menschen in China in extra dafür eingerichtete Räume gehen die Schallschutz haben und sich da - täglich - für 10 Minuten die Seele aus dem Leib schreien......wäre vielleicht einen Versuch wert.

Ansonsten, ich bin der Meinung diese Angsterkrankung sollte niemanden peinlich sein, egal ob Mann oder Frau. Im Grunde sind es so viele die davon betroffen sind und wie Du richtig schreibst, eine Volkskrankheit. Im Grunde erwischt es am schnellsten diejenigen die emotional offen sind, dadurch natürlich auch eher die Beschwerden bekommen. Im Grunde sind es, so wie ich es kenne, durchwegs Menschen die sehr stark sind, klug, immer alles geschafft haben und irgendwann einfach das Urvertrauen verlieren. In das leben, in den Körper, in den Sinn des ganzen....


Ich weiß nicht was die Ursache bei Dir war, wenn Du schreibst, Du hast die Ängste schon 20 Jahre, ich weiß nicht mal ob es EINE Ursache geben muss, ich denke oft, es ist vieles was zusammen kommt und einem in dem Moment erwischt wenn man am verletzlichsten ist. Und das ist keine Schande.
Nur da wieder raus zu kommen, die Sicherheit wieder zu erlangen ist schwierig.

Aber schau, Andreas, seit 20 Jahren "kämpfst" Du gegen etwas was Dich trotzdem immer noch leben lässt.
Wäre es nicht wunderbar das alles endlich abzuschließen?
Also, mach Dich auf die Suche nach einer Selbsthilfegruppe, nach einem Therapeuten und beende diese Phase in Deinem Leben die Dich so viel Kraft kostet.

Ich arbeite auch gerade daran meine Gedanken neu zu programmieren. So wie ich es mit den Gedanken schaffe die Angst /Panik heraufzubeschwören MUSS es doch möglich sein genau das umgekehrte zu schaffen! Zu verstehen dass es nur Gedanken sind.

Ich wünsche Dir alles Gute und hoffe bald meidest Du nichts mehr davon was Dir jetzt noch Angst macht. Und wenn Du siehst es funktioniert, Dich immer mehr traust.

Und noch eines zum Abschluss…..Du bist nicht weniger Mann durch Deine Ängste und all die „ach so tollen Männer“ – wer weiß was sie für Probleme haben (Alk., Medikamente, Dro., wer weiß was).

Viele Grüße und eine viel bessere Nacht!
Sonne 1968

31.05.2011 10:13 • #2



Eine harte Nacht

x 3


MichaPME
Hallo Andreas,

Sonne1968 hat dir ja schon eine wunderbare Antwort geschrieben.

Mir sind drei Begriffe in deinem Bericht aufgefallen: ... bekämpfen .... unter Kontrolle bringen ... selbst schuld.

Als Mann kann ich dir rückmelden: Der Druck wird kleiner, wenn du dich deinen Freunden u. deiner Familie anvertraust. Über die Angst zu reden tut gut. Es gibt ganz viele Männer mit Angst- und Panikattacken. Ich habe schon über 16 Jahre mit Ängsten/Panikattacken, Burnout, zu tun. Mir hat im Jahr 2001 der erste Aufenthalt in einer Psychosomatischen Klinik
sehr geholfen (du bist aus deinem Umfeld raus, lernst Leute, auch Männer kennen, denen es ähnlich wie dir oder schlechter geht u. kannst dich voll u. ganz auf deine Heilung konzentrieren).

Vielleicht kannst du dir einen Therapeuten/in suchen (Wartezeit!). In der Zwischenzeit kann ich dir aus eigener Erfahrung empfehlen: Such dir Gruppen für - Entspannungstraining Progressive Muskelentspannung Jacobson hilft
auch gegen Ängste)
- leichten Ausdauersport (walken, schwimmen).

Viel Mut und alles erdenklich Gute
Michael

31.05.2011 11:35 • #3


Hallo Danke für die lieben Antworten, das macht mir echt Mut und irgenwann werde ich es schaffen.

Viele liebe Grüße

Andreas

P.S. und auch allen anderen viel Glück und viel Mut und Selbstvertrauen im Ringen mit dem eigenen ich. Ich glaube das wird schon. Ich habe noch Glück das es bei mir nur Phasenweise auftritt. Dann meistens sehr heftig, aber es geht vorbei. Und das ist auch gut so

31.05.2011 14:06 • #4


Hallo Leute !

Heute hat es mich mal wieder erwischt. Nach einem Virusinfekt und starkem Husten. Haben mich meine lieben Angstzustände wieder. Aber mitlerweile habe ich versucht sie als normal zu empfinden und mir zu sagen auch das geht irgenwann vorbei. Hört sich immer schwer an und ist es auch. Ich hab es immer noch nicht geschaft eine Therapie zu machen, denn immer in guten Zeiten habe ich irgenwie nicht das verlangen an die schlechten Zeiten erinnert zu werden. Und in schlechten Zeiten nehme ich mir immer vor eine Therapie zu machen und jammere über meine Krankheit. Ich kann mich einfach nicht entscheiden. Die letzten Termine beim Psychologen habe ich sausen lassen. Ich kam mir bei den letzten malen einfach so abgefertigt vor (hier haste Pillen dann sieh zu wie du klar kommst). Das schreckt mich dann auch immer wieder ab. Irgendwie traue ich mich auch nicht richtig zu fragen, ich dachte immer ein Arzt verordnet eine Therapie am Bild der Symptome aber heute weiß ich das man selbst um eine Therapie kämpfen muß. Oder man kommt mit dem bössen S....m absichten, dann soll es ja schnell gehen. Aber soweit will ich nun auch nicht gehen.
So, dann schlage ich mir heute mal wieder die Nacht um die Ohren und sage mir sowie es hell wird ist der spuk vorbei. Und oft ist es auch so. Darum liebe ich die dunckele Jahreszeit nicht besonders gerne. Da ist die Nacht so lang und der Tag zu kurz. Sind ja nur noch 7 Stunden. Noch ein bisschen Brechen, noch ein bisschen Angst und dann ist es schon morgen. Aber ich sage euch, die ihr Angst- und Panikattacken habt, irgendwann ist es vorbei.

In dem Sinne danke fürs zuhören und eine gute Nacht. Denkt dran ihr seid nicht allein, viele habe diese Probleme und dieses Forum ist eine Super sache. Danke an die macher. Leider bin ich immer nur hier wenn es mir schlecht geht, doch Asche auf mein Haupt, wenn es weg ist versuche ich mich von dem Thema verzuhalten.

Viele liebe grüße an alle leidende und an alle tröstende

Danke

Andreas

10.12.2011 02:13 • #5




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