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Carla_1983
Liebes Forum,

ich habe hier noch nicht oft geschrieben, aber nun bin ich an einem Punkt andem ich wirklich gut einen Rat brauchen könnte....
Vor vier Jahren, wurde bei mir eine schwere Depression und eine Agoraphobie diagnostieziert. Mehrere Klinikaufenthalte, haben mir ermöglicht, die Ursachen zu erkennen und zu bearbeiten. Da war viel, was ich lange verdrängt habe. Einen gewalttätigen, alkeholkranken Vater, der starb als ich 16 war, eine Mutter die immer Krebs hatte, um die ich mich von klein mehr gekümmert habe, als sie um mich und die ich letztendlich bis zu ihrem Tod gepflegt habe. Da war ich 23. Jetzt bin ich 33. Bei meinem letzten Klinikaufenthalt kamen nun diverse sexuelle Missbrauchserlebnisse seitens beider Eltern hoch. Das war alles ein schwerer Weg, aber bin ich ihn gegangen und habe das alles so gut es geht bearbeitet.

Nun zum eigentlichen Thema: Ich habe einen Bruder, der fünf Jahre älter ist. Nach meinem letzten Klinikaufenthalt, habe ich ihm einen Brief geschrieben. Er lebt noch in unserem Elternhaus und jedesmal, wenn ich dorthin fahren wollte, habe ich so massive Panikattacken bekommen, dass mir dies nicht möglich war. Nachdem, meine Erinnerungen nun wieder da sind, ist ja auch logisch warum. Weil sich alles in mir streubt an diesen Tatort zurück zu kehren. Mein Bruder nimmt mir das seit langer Zeit übel. Vor allem, weil er im März letzen Jahres sein erstes Kind bekommen hat. Er wirft mir vor, ich wäre egoitstisch und würde mich für ihn nicht interessieren. Indem Brief, habe ich den Mißbrauch seitens meines Vaters offen gelegt und hatte die Hoffnung, dass er versteht warum ich dort nicht hin kann. Der Gegenteil war aber der Fall. Er war sehr wütend, dass ich ihn erneut mit meinen privaten Problemen belaste und findet es unverschämt, dass ich sein Haus negativ darstelle. Seitdem macht er massiv Druck, dass ich ihn besuchen muss, wenn mir noch etwas an der Beziehung liegt. Als Kompromiss, haben wir nun für nächsten Sonntag ein Treffen in der Nähe unserer Heimatstadt vereinbart, damit ich meine Nichte kennen lernen darf. Je näher das Datum nun rückt, destso massiver treten wieder Paniksymptome auf. Alles in mir schreit Ich will da nicht hin. Wenn ich aber diesmal absage, wird er fuchsteufelswild sein. Er weigert sich mich mit seiner Tochter zu besuchen, weil ich nach seiner Ansicht nun an der Reihe bin. Ich würde sein Kind sehr gerne kennenlernen, aber ist es den Preis wert? Macht es Sinn, sich durch diese Situation zu quälen, dort mit Panikattacken und Angst zu sitzen, nur um ihm einen Gefallen zu tun? Vielleicht bin ich einfach noch nicht so weit und brauche noch Zeit das Ganze mehr zu verarbeiten, zumal seine Reaktion auf meinen Brief natürlich sehr verletzend war, auch wenn ich verstehe, das er so reagiert, weil ihm das Ganze Angst macht.

Was würdet ihr tun? Würdet ihr um des lieben Friedens Willen fahren, oder absagen und das Risiko eingehen, dass dadurch die Beziehung zerbricht?
Bin grad so traurig und voller Spannungen und weiß nicht weiter und ich würde mich sehr freuen, wenn ihr eure Meinung schreibt.
Danke im voraus
Alles Liebe
Carla

06.01.2017 11:34 • 07.01.2017 #1


10 Antworten ↓


Das ist eine ganz schwere Sache, liebe Carla! Ich finde es einerseits wirklich unverschämt von deinem Bruder, dass so zu fordern, obwohl er weiß, wie es dir geht! Auch das er so wütend wird finde ich verwerflich und ich (aber da kann ich nur für mich sprechen) hätte nicht mehr den Bedarf, zu einer Person zu fahren, die meine Lage so gar nicht verstehen kann. Wer weiß, ob es dann nicht auch beim Treffen zu Vorwürfen kommen würde?! Andererseits muss man solche Ängste überwinden, damit der Kopf merkt: Ach, hier. Schau. Passiert nichts schlimmes! Ich musste da selbst durch und auch wieder in ein Haus fahren, indem ich schreckliche Erinnerungen hatte. Mittlerweile fahre ich sogar gern hin, weil die negativen Erinnerungen von schönen überdeckt wurden. Vielleicht wird das bei dir auch so, wenn du deine Nichte siehst? Letztendlich würde ich fahren, wenn dir an der Beziehung zu deinem Bruder Viel liegt, würde aber auch klar stellen, dass wenn du merkst, es geht nicht mehr, dass du dann fährst. Es hilft viel, zu wissen, man kommt aus unwegsamen Situationen raus. Nur so konnte ich damals dahin fahren. Mit dem Wissen, ich kann weg, wenn ich es gar nicht mehr aushalte. Allerdings muss man sich auch überwinden und kleinere Angstzustände aushalten. Aber wenn es gar nicht mehr geht, gehe ich auch aus solchen Situationen raus!

06.01.2017 11:46 • x 1 #2



Druck von der Familie - sich zwingen, oder nicht?

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Schwierige Situation. Wenn ihr euch auf neutralen Boden begegnet, wird es denke etwas entspannter. Ich würde es versuchen und wenn es gar nicht geht die Option wählen das du jederzeit wieder gehen kannst. Sagst ihm halt das du der Zeit krank bist und nachhause musst. Ich fand immer die Begegnungen auf neutralen Orten besser. Daheim bei mir z.B war das genauso schlimm und in ihrem Zuhause auch eben wegen den Traumata. Also ich denke das es dir vielleicht ähnlich ergeht. Ich finde nicht das es ein muss ist. Ich finde den neutralen Weg immer am besten und würde darauf immer bestehen. Auch wenn er das nicht versteht. Probier es aus und wenn es nicht geht brich es ab. Aber das Grüblen bringt dir vorher nichts. Du weißt erst wie es wird wenn du tatsächlich dann vor Ort bist.

Traurig was dir passiert ist. Ich kenne das mit vielen Traumata und weiß was man da durch macht gerade an gewissen Plätzen und Gerüchen oder Personen...aber man muss sich nicht zusätzlich belasten.

Grüßle
Melanie

06.01.2017 11:51 • x 1 #3


aldia249
Das kann ja wohl nicht wahr sein. Entschuldigung die harte Ausdrucksweise, aber ich halte deinen Bruder für einen Ignoranten.
Der spinnt doch völlig.
Eigentlich sollte er zu dir stehen und dich unterstützen. Es ist mehr, als nur selbstverständlich, dass du nicht an diesen Ort zurückkehren Kannst und möchtest.

Schau, dass es dir gut geht. Respektiere deine Gefühle und zieh eine klare Grenze. Wenn er deine Grenze nicht respektiert, dann ist es vielleicht auch besser, dass er sich aus deinem Leben fern hält.

Ich hoffe, du triffst die für dich richtige Entscheidung!
Ich wünsche dir alles Gute

06.01.2017 11:56 • x 1 #4


Dich als Egoistin zu bezeichnen,finde ich schon sehr hart von Deinem Bruder.
Oder hat er Deine Mutter mitgepflegt?Wurde er ebenfalls missbraucht?
Ich finde es ehrlichgesagt eher von ihm sehr egoistisch,dass er nur an sich und seine Familie denkt.
Und statt Mitgefühl zu zeigen sogar noch Vorwürfe macht.
Das ist auch mit Überforderung nicht zu entschuldigen.

Ich würde mich da selbst schützen und nicht hinfahren.
Dein Bauchgefühl schreit das ja auch geradezu.Und das aus meiner Sicht aus gutem Grunde.

Deiner Nichte tust Du auch keinen Gefallen,wenn Du Dich da hinzwingst.
Eine vergiftete Atmosphäre tut keinem der Beteiligten gut.

Ich würde den Kontakt vorerst auf Eis legen mit der Begründung,dass Du Dich nun erstmal um Dich kümmern musst weil es Dir sehr schlecht geht.
Die Wahrheit also.

Wenn Du Dich jetzt nicht um Dich selbst kümmerst,kannst Du für niemanden mehr dasein.
Ich muss das auch erst lernen und das hat absolut nichts mit Egoismus zu tun sondern ist zwingend notwendig zum Erhalt der seelischen Gesundheit.

06.01.2017 12:14 • x 1 #5


Hallo Carla

eine sehr verstrickte Geschichte mit Deinem Bruder.

Ich würde auch so verfahren, wie die Vorredner...mich nicht darauf einlassen, kein Druck mir machen,
achten auf meine Gefühle und für mich sorgen, Du bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben.
Bist Du noch in Therapie?

06.01.2017 13:32 • x 1 #6


Icefalki
Bissle dusslig ist er schon. Wirft dir egoistisches Handeln vor und handelt selbst nicht besser.

Wird daher schon ein Grund haben, warum du Panik bekommst.

Schau dir das mal an, warum, allein der Gedanke, ihn zu treffen, sogar auf neutralem Boden, dir Angst bereitet.

Dann kannst du vielleicht eine Entscheidung treffen.

06.01.2017 13:41 • x 1 #7


Carla_1983
Liebe Menschen,

danke für all die tollen Antworten. Das hat mir sehr geholfen. Ich denke, ich bin zu der Erekenntnis gekommen, dass dieses Treffen für mich noch zu früh ist, wenn ich jetzt schon mit so starken Symptomen reagiere. Nachdem letzten Kontakt mit meinem Bruder (da war er so agressiv, weil ich meinen Mißbrauch offen gelegt habe), habe ich versucht mir nicht anmerken zu lassen, wie weh mir das getan hat. Ich hab meine Wunden verbunden und versucht zu lachen und seinen Erwartungen zu entsprechen, indem ich heile Familie spiele. Aber meine Panik signalisiert mir gerade deutlich, dass ich das nicht kann. Ich muss bei mir und meinem Leben ankommen und vielleicht geht das erstmal nur, ohne den Bruder. Ich hab gerade natürlich Angst ihm das zu Schreiben und wieder einen Wutanfall abzukriegen, aber das ist glaub ich nicht so schlimm, wie mich durch Situationen zu quälen, die ich nicht will. Ich danke euch für eure erhrlichen Meinungen und eure Hilfe. Ihr seid toll! Lg Carla

07.01.2017 12:35 • x 3 #8


Das ist sehr taff liebe Carla. Ein Fortschritt du wehrst dich und du hörst auf dich was dir zu gute kommt

07.01.2017 12:38 • x 2 #9


Icefalki
Siehst du Carla, Angst bleibt nur bestehen, wenn man keine Entscheidung trifft. Tut man das, mag vielleicht noch ein ungutes Gefühl dabei sein, aber es ist keine Angst mehr.

Deine Entscheidung aus Überlegung frei und ehrlich getroffen. So schreibst du ihm das auch.
Seine Entscheidung, wenn er darauf ärgerlich reagiert.

Verstehen muss er das nicht, genau so wenig, wie du seinen Ärger verstehen musst.

Das ist dann Gelassenheit. Wenn er sich ärgern will, seine Sache. Du hast dich entschieden, keine Panik auszuhalten, weil dich das alles noch total überfordert.

So geht das. Bewusst und gewollt Ja oder Nein zu sagen. Bleib dabei ehrlich, deine Gründe sind nachvollziehbar. Du hast das Recht dazu.

07.01.2017 12:51 • x 4 #10


Liebe Carla, sorry aber ich finde das Verhalten Deines Bruders unmöglich! Was würde er wohl machen, wenn er an Deiner Stelle wäre? Ich würde erstmal Abstand nehmen und versuchen an mich selbst zu denken. Er läuft ja nicht davon und wenn Du stabil genug bist, kannst Du das Ganze ja nochmal angehen und vielleicht denkt er ja auch nochmal über sein Verhalten nach.

07.01.2017 13:55 • #11



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