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MoniHofft

MoniHofft
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Hallo liebes Forum!
Ich bin Moni, 26 Jahre alt und leide seit einigen Jahren an einer mittelschweren Depression und einer generalisierten Angststörung. Vor drei Jahren kamen auch noch Zwangsgedanken dazu. Seit letztem Jahr bin ich in tiefenpsychologischer Psychotherapie, nachdem eine Verhaltenstherapie nicht angeschlagen hat. Medikamentös bin ich auf 10 mg Escitalopram täglich eingestellt.

Jetzt zu meiner Situation: seit einigen Wochen ist meine Therapeutin im Urlaub. Ich dachte, ich könnte die Zeit recht gut selbstständig füllen, da ich mich bis letzte Woche noch recht stabil gefühlt habe. Momentan habe ich allerdings starke Angstgefühle, ohne zu wissen, weshalb. Es ist so komisch: ich habe KEINE AngstGEDANKEN, mache mir keine spezifischen Sorgen etc, aber trotzdem ist die ganze Zeit über ein gewisses Paniklevel spürbar, das mich echt fertigmacht. Ich versuche, das Gefühl so gut es geht zu akzeptieren und zu ertragen, aber egal was ich mache, es bleibt bestehen. Kennt das jemand von euch? Also dass man die Angst eigentlich hauptsächlich auf dieser somatischen, körperlichen Ebene spürt und nicht so mental? Bin über jede Rückmeldung dankbar!

12.08.2023 x 1 #1


33 Antworten ↓
M

moo
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Hallo Moni - ein nachträgliches Willkommen auch von mir Smile.

Zitat von MoniHofft:
Kennt das jemand von euch? Also dass man die Angst eigentlich hauptsächlich auf dieser somatischen, körperlichen Ebene spürt und nicht so mental?

Wir neigen dazu, Körper und Geist zu trennen und beides isoliert zu betrachten. Das kann therapeutisch (insbesondere in der Verhaltenstherapie) manchmal hilfreich sein. Aber es sollte schon bedacht werden, dass Körper und Geist zwar verschiedene, aber nicht voneinander getrennte "Dinge" sind. Darum gibt es ja auch "psycho-somatische" Kliniken.
Zitat von MoniHofft:
Wahrscheinlich ist es die Tatsache selbst, dass ich nicht weiß woher dieses Gefühl kommt, die Ursache der Angst.

Sehr einleuchtende These - vor allem, weil Du sie selber in Erwägung ziehst. Gehen wir mal davon aus, es wäre so, dann müsste doch eigentlich diese Einsicht (in die Ursache) das Angstgefühl auflösen. Klappt aber nicht so ganz, oder? Warum? Wegen dem Zweifel.
Der Zweifel ist ein - v. a. abendländischer - Grundzug des menschlichen Geistes. Descartes benannte es konkret: "Ich zweifle, also bin ich." Das Zweifeln kann hier durchaus dem Denken anheim-, wenn nicht gar gleichgestellt werden.
Zweifeln entzweit (eigentlich verzweit) - macht also aus einer Einheit eine Vielfalt.

Deshalb versuchen wir, körperliche "Symptome" geistig zu interpretieren. Was jedoch - absolut gesehen - nicht funktionieren kann!

Der Geist kann den Körper nicht "verstehen".
Der Körper kann den Geist nicht "fühlen".

Dieses (vermeintliche) Dilemma führt zu dem Erlebenskonflikt namens "Körper und Geist".

Als Einstieg könnte man mal beginnen, von einem "Geist-Körper" oder "Körper-Geist" zu sprechen. Der zweite Schritt wäre, Angst nicht lediglich "auszuhalten", sondern sie vollumfänglich mit dem Körper zu beantworten, indem man sie sich "ausfühlen" lässt (ohne sie "erklären" zu wollen).

Wenn dies gelingt, schwächt sich in der Folge die Begrifflichkeit "Angst" nach und nach ab. Wir erkennen, dass "Angst" nur ein Name, ein Narrativ war, den der Geist etabliert hat und von dem er im Laufe der Zeit "abhängig" wurde (= Angststörung).

Diese "körperliche Angst" ist letztendlich wie z. B. "körperliches Wohlgefühl": einfach genau so.

12.08.2023 12:05 • x 4 #32


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A


Bin ich alleine mit dieser Angst?

x 3


H

herrAngsthase
Mitglied

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Zitat von MoniHofft:
ich habe KEINE AngstGEDANKEN, mache mir keine spezifischen Sorgen etc, aber trotzdem ist die ganze Zeit über ein gewisses Paniklevel spürbar

Hey, habe auch eine GAS und kenne das sehr gut. Bei mir war es so: ich habe irgendwo was gelesen, was gehört oder aufgeschnappt, womit ich aber cool war. Der Tag verlief normal. Beispiel: hatte mal Druck im rechten Ohr. Hatte mit jemandem gesprochen und die Person sagte "jo, hatte ich auch schon mal, geht vorbei, vermutlich Druck auf irgend ein Gefäß oder so". Soweit war dann alles cool. Ging dann Abends joggen, da ich dachte, vielleicht würde das helfen. Nachts konnte ich dann schlecht schlafen, aber hatte trotzdem keine Angstgedanken, war nur nervös. Das ging paar Tage so, bis mir eines Tages nicht gut war. Schwindel und Benommenheit. Alles ganz merkwürdig. Hatte auch noch immer keine Angstgedanken, es nervte nur, da ich mich nicht konzentrieren konnte. Das hielt paar Tage an und dann ging ich zum HNO. Der fand nichts, also dachte ich "egal, kommt vom Nacken". Irgendwann saß ich auf dem Sessel, völlig entspannt und es schlich sich ein flacher Atem ein, ohne Grund. Ich dachte "ok, kommt wohl vom Joggen". Dann wurde das immer stärker, ich wurde nervös. Und nach 10 Minuten kam Schweiß dazu und dann wurde ich plötzlich sehr ängstlich. Panikattacke, ohne Grund. Ich hatte irgendwo aufgeschnappt, das 95 % der Gedanken unbewusst ablaufen. Ich denke, dass die Sache mit den Gefäßen dazu führte, dass ich das mit Schlaganfall unbewusst assoziiert hatte.
Dieser Zustand manifestierte sich und hielt mehrere Monate, also es war immer eine Grundangst da, ohne dass ich einen Grund hatte.

Bei einer Paniksituation wird die Schwelle für Adrenalinempfindlichkeit herabgesetzt. Man sagt auch Desensibilisierung des ZNS. Es reagiert schneller und sensibler auf Katecholamine. Dieser Zustand kann Wochen/Monate bestehen bleiben, ohne dass man einen Grund hat.
Also auch, wenn man keine Angst hat, reicht es manchmal aus, wenn man mal etwas angespannt ist. Dann reagiert der Körper schnell mit Stress/Angstsymptomen.

11.08.2023 22:33 • x 2 #12


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S
Hey,
ja ich kenne dieses Gefühl auch. Manchmal weiß ich gar nicht, warum und wovor ich jetzt schon wieder Angst hab. Dieses komische körperliche Unwohlsein, diese undefinierbare Ängstlichkeit. Das ist einfach nicht greifbar. Bin jetzt auch kein Experte, aber ich meine, dass diese Grundängstlichkeit und dieses Undefinierbare zur generalisierten Angststörung dazugehört.

x 2 #2


MoniHofft
Hallo @Schokowaffel_ !
Danke für deine Antwort. Es stimmt - die körperlichen Symptome sind immer extrem spürbar, aber auf einen mentalen Auslöser zurückführen kann ich sie nicht. Habe oft das Gefühl, dass mir einfach alles Angst macht, vom Alltag bis hin zu meiner Umwelt. Wahrscheinlich hast du recht und das ist einfach die GAS. LG Moni

x 1 #3


S
Zitat von MoniHofft:
Habe oft das Gefühl, dass mir einfach alles Angst macht, vom Alltag bis hin zu meiner Umwelt.

So geht es mir auch oft. Ich fühle mich dadurch sehr gestresst und habe ständig Angst, dass etwas passieren wird.

x 1 #4


MoniHofft
@Schokowaffel_ Ja, das kenne ich auch. Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin gar nicht für das erwachsene Leben da draußen "gemacht", also irgendwie viel zu ängstlich für alles. Wie gehst du am Besten damit um?

#5


Susanne05


Manchmal ist nur der Körper unruhig. Das darf man wahrnehmen ohne zu bewerten und einen realen Grund zu suchen.

x 1 #6


MoniHofft
@Susanne05 Vielen Dank für deine Antwort und für das Video! Ich schaue es mir direkt mal an. Es fällt mir sehr schwer, einfach das Gefühl anzunehmen, ohne zu werten. Das lerne ich hoffentlich irgendwann! LG Moni

x 1 #7


Susanne05
@MoniHofft
Hast du Ton im Video?
Ich hier nicht.
Sonst such mal selbst bei Youtube:
"Dami Charf - Wie aus Traumatischen Erlebnissen Angst entsteht."

x 1 #8


MoniHofft
@Susanne05 Also ich konnte es problemlos mit Ton abspielen. Aber danke für den vollen Namen - ich werde mir noch mehr Videos von diesem Kanal anschauen Smile

x 1 #9


weyoun
@MoniHofft

Mir geht es ähnlich. Allerdings überlege ich gerade, ob es bei mir tatsächlich Angst ist. Ich nenne es lieber "erhöhte Grundanspannung". Innere Unruhe, leicht zittrig, etwas benommen, inneres Vibrieren. Kleinste Trigger reichen dann schon, um die Anspannung weiter zu erhöhen, z. B. Krach auf der Straße, herumstehendes Geschirr. Meinst Du sowas?

x 2 #10


MoniHofft
Hallo @weyoun,
das mit den "kleinsten Triggern" ist bei mir definitiv auch der Fall. Allerdings würde ich das in mir vorherrschende Gefühl schon als Angst beschreiben. Es fühlt sich irgendwie unsicher und bedrohlich an, dazu kommen halt die ganzen somatischen Symptome, z.B. starker Druck auf der Brust, Zittern, Schwindel etc.

#11


H
Zitat von MoniHofft:
ich habe KEINE AngstGEDANKEN, mache mir keine spezifischen Sorgen etc, aber trotzdem ist die ganze Zeit über ein gewisses Paniklevel spürbar

Hey, habe auch eine GAS und kenne das sehr gut. Bei mir war es so: ich habe irgendwo was gelesen, was gehört oder aufgeschnappt, womit ich aber cool war. Der Tag verlief normal. Beispiel: hatte mal Druck im rechten Ohr. Hatte mit jemandem gesprochen und die Person sagte "jo, hatte ich auch schon mal, geht vorbei, vermutlich Druck auf irgend ein Gefäß oder so". Soweit war dann alles cool. Ging dann Abends joggen, da ich dachte, vielleicht würde das helfen. Nachts konnte ich dann schlecht schlafen, aber hatte trotzdem keine Angstgedanken, war nur nervös. Das ging paar Tage so, bis mir eines Tages nicht gut war. Schwindel und Benommenheit. Alles ganz merkwürdig. Hatte auch noch immer keine Angstgedanken, es nervte nur, da ich mich nicht konzentrieren konnte. Das hielt paar Tage an und dann ging ich zum HNO. Der fand nichts, also dachte ich "egal, kommt vom Nacken". Irgendwann saß ich auf dem Sessel, völlig entspannt und es schlich sich ein flacher Atem ein, ohne Grund. Ich dachte "ok, kommt wohl vom Joggen". Dann wurde das immer stärker, ich wurde nervös. Und nach 10 Minuten kam Schweiß dazu und dann wurde ich plötzlich sehr ängstlich. Panikattacke, ohne Grund. Ich hatte irgendwo aufgeschnappt, das 95 % der Gedanken unbewusst ablaufen. Ich denke, dass die Sache mit den Gefäßen dazu führte, dass ich das mit Schlaganfall unbewusst assoziiert hatte.
Dieser Zustand manifestierte sich und hielt mehrere Monate, also es war immer eine Grundangst da, ohne dass ich einen Grund hatte.

Bei einer Paniksituation wird die Schwelle für Adrenalinempfindlichkeit herabgesetzt. Man sagt auch Desensibilisierung des ZNS. Es reagiert schneller und sensibler auf Katecholamine. Dieser Zustand kann Wochen/Monate bestehen bleiben, ohne dass man einen Grund hat.
Also auch, wenn man keine Angst hat, reicht es manchmal aus, wenn man mal etwas angespannt ist. Dann reagiert der Körper schnell mit Stress/Angstsymptomen.

x 2 #12


S
Zitat von MoniHofft:
@Schokowaffel_ Ja, das kenne ich auch. Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin gar nicht für das erwachsene Leben da draußen "gemacht", ...

Ich auch...
Leider kann ich dir nichts hilfreiches sagen wie ich damit umgehe. Habe diesen Mist so lange mit ein paar Jahren Pause und trotzdem fühle ich mich jedes Mal ratlos, wenn es wieder soweit ist. Natürlich kann ich das durch die Erfahrung besser einordnen als am Anfang, aber so richtige Strategien hab ich nicht, außer es irgendwie auszuhalten 🙁

#13


MoniHofft
Hallo @herrAngsthase,
vielen Dank für deine ausführliche Nachricht! Diese "Übertragung" von der Angst, die dann erst später in anderen Situationen auftaucht, kann ich mir als sehr denkbar vorstellen. Natürlich hoffe ich jetzt, dass dieses ekelhafte Gefühl nicht wirklich wochen- oder sogar monatelang anhält! Ist es bei dir dann nach einer gewissen Zeit einfach vorbeigegangen oder hast du bestimmte Strategien dagegen angewendet? LG Moni

#14


MoniHofft
@Schokowaffel_ Ohje, das klingt sehr anstrengend. Aushalten ist momentan auch meine "Strategie"... ich drücke dir die Daumen, dass du entweder einen guten Weg findest um damit umzugehen, oder dass dieser Zustand nicht mehr so häufig bei dir vorkommen wird! LG Moni

x 1 #15


Susanne05
Zitat von MoniHofft:
Hallo @weyoun, das mit den "kleinsten Triggern" ist bei mir definitiv auch der Fall. Allerdings würde ich das in mir vorherrschende ...

Genau das meine ich. Lass die somatischen Symptome dort wo sie hingehören - beim Körper und erklär sie dir nicht im Kopf als Angst weil dein Kopf es in irgendeiner Schublade haben muss.
Dein Körper ist unruhig.
Sag dir das selbst, klopf ihn bisschen ab, schüttel alle Gliedmaßen ab und dann lass es so. Interpretier das im Kopf nicht als Angst sondern lass es was es ist - Unruhe im Körper.

x 1 #16


S
Zitat von MoniHofft:
@Schokowaffel_ Ohje, das klingt sehr anstrengend. Aushalten ist momentan auch meine "Strategie"... ich drücke dir die Daumen, dass du ...

Danke, das wünsche ich dir auch 🍀

x 1 #17

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weyoun
@MoniHofft
Meine Ärztin hat es mir mal so erklärt, daß bei uns GAS-Leuten wohl pausenlos der Scanner läuft und die Umgebung ständig nach kleinen und großen möglichen Gefahren abgescannt wird. Das sorgt für die Daueranspannung und die innere Unruhe; irgendwo muss der Säbelzahntiger ja sein.

Was mir manchmal hilft: es akzeptieren, daß es momentan so ist, aber mich nicht gedanklich drauf fixieren. Das macht es nur schlimmer. Kleine 'Entspannungsinseln' einbauen (Beruhigungstee, Baldrian, geführte Meditation, Traumreise, Stückchen Kuchen, irgendwas im Hintergrund hören und dabei wegdösen...). Ablenkung, bei der man sich konzentrieren muss (in meinem Fall: Backgammon aufm Tablet spielen 😉).

x 2 #18


T
Zitat von MoniHofft:
Hallo @weyoun, das mit den "kleinsten Triggern" ist bei mir definitiv auch der Fall. Allerdings würde ich das in mir vorherrschende Gefühl schon als Angst beschreiben. Es fühlt sich irgendwie unsicher und bedrohlich an, dazu kommen halt die ganzen somatischen Symptome, z.B. starker Druck auf der Brust, ...


Hört sich aber weniger an wie eine GAS, ich würde das eher in die Kategorie diffuse Ängste einordnen.
Die Symptome die du da beschrieben hast, hatte ich auch eine zeitlang. Ein Angstgefühl ohne Auslöser.
Leider bleibt dir da nichts anderes übrig als das auszuhalten und zu warten bis es sich legt oder du machst es so wie ich und nimmst Tavor. Mir hat es geholfen diese Angst zu durchbrechen. Habe aber nur 1,5mg gebraucht einmalig und dann ging es wieder. Ist aber keine Garantie.

x 1 #19


MoniHofft
@Susanne05 Danke für deine Antwort, allerdings habe ich irgendwie das Gefühl, mich besser damit abfinden zu können, wenn ich mir erklären kann, woher die körperlichen Empfindungen kommen. Immerhin ist dieses Gefühl der Angst so unangenehm, dass es mich mittlerweile schon stark im Alltag beeinflusst, auch wenn ich versuche, alles so normal und regulär wie möglich zu machen. Da kommt mir oft der Gedanke, dass es einfacher sein könnte, die Angst zu durchstehen, wenn ich auch den Zusammenhang zu den körperlichen Symptomen sehe...

#20


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