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Hallo,

Zunächst möchte ich mich vorstellen. Ich bin männlich 29 Jahre alt und leide an einer Agoraphobie mit Panikstörung seit 5 Jahren ca. Mit der Theorie der Erkrankung bin ich sehr gut vertraut. Ursache soll angeblich zu überfürsorgliche Erziehung sein. Was mir in der jetzigen Situation nicht wirklich hilft.
Ich habe jahrelang vermieden und hatte immer Hilfe von Mitmenschen bekommen um zur Arbeit zu kommen. Bis der Teufelskreis immer schlimmer wurde.

Ich War im März 2016 in stationärer Behandlung, weil ich nicht mehr alleine zu Hause sein konnte, obwohl meine Frau da War hatte ich Angst und Panikzustände. Nach 6 Wochen Aufenthalt wurde ich entlassen, weil ich erstmal runtergekommen bin und wieder innerliche Ruhe hatte. Natürlich blieben Medikamente nicht aus. Sodass ich aktuell auf Citalopram 20mg und chlorprotexin 60mg eingestellt bin.

Seit Ende Mai 2016 befinde ich mich in einer Tagesklinik mit dem Schwerpunkt auf Konfrontationtraining.

Ich konnte kleine Erfolge schon erzielen. Z.b Alleine zu Hause bleiben. Im Dorf einkaufen gehen. Ganz kleine Strecken mit dem Auto alleine absolvieren, jedoch nach langer Übungszeit.
Autofahren mit Begleitung macht mir nichts mehr aus.

Gibt es hier Mitleser den es auch so ergeht?
Angst alleine zu sein?

Welche Strategien habt ihr entwickelt um alleine den Alltag zu meistern und auf keine Hilfe mehr angewiesen zu sein?!?

Mein Ziel ist es wieder arbeitsfähig zu sein, allerdings ist der Ort 50km entfernt. Das schaffe ich aktuell nicht.

Viele Grüße

Micha

04.08.2016 16:06 • 01.01.2019 x 1 #1


11 Antworten ↓


angeltina
Hallo Micha...
ich kann dich sehr gut verstehen, mir geht es auch schon sehr sehr viele Jahre so, auch aktuelle bin ich bei meiner Tochter...weil ich warum auch immer einen ziemlichen Rückfall habe und sehr schlecht alleine sein kann.
Ich hatte aber auch immer wieder Phasen wo es dann besser lief und ich ein fast normales Leben führen konnte.
Ich habe aber auch immer sehr viel gebastelt oder mich anderweitig kreativ beschäftigt .....das half mir viel auf andere Gedanken zu kommen und gar nicht zu merken das ich alleine lebe.

Vielleicht wäre ja auch für dich eine Ablenkung sehr hilfreich


liebe Grüße tina

04.08.2016 16:19 • #2


anna violetta
Hallo Micha.

Danke für deinen Beitrag. Ich kenne das sooo gut...
Bin 30, weiblich, habe u.A. eine generalisierte Angststörung mit Agoraphobie, Panikstörung, soziale Phobie und das auch als Ursache meiner Erziehung... Soweit sogut.
Ich habe auch schon Klinikaufenthalte hinter mir, hab etliche Medis schon durch, ambulante Therapie usw.

Auch ich habe Angst, alleine zu sein (mein Mann ist gerade auf Geschäftsreise ;/ ) , aber auch, wenn mein Mann da ist...
Es ist manchmal wirklich zum Verzweifeln, ich kann dich so gut verstehen.
In der Theorie weiß ich auch Bestens Bescheid... das ist vielleicht das Problem
Habe so vieles an Strategien und Hilfen und Möglichkeiten schon kennengelernt, dass ich davon zu viel weiß und das Gefühl habe, es hilft nichts. Suche den Fehler bei mir...

Mh, ich muss dazu sagen, auch ich bin arbeitsunfähig... Schaffe das einfach nicht derzeit und auch schon so lange.

Dinge, die ich erledigen "muss" (Therapietermine, Arzttermine usw), die mache ich eben. Auch erledige ich Sachen, die ich hier im Städtchen erledigen kann... Manchmal muss man es einfach tun.
Am Besten danach ganz stolz auf sich sein

Ich glaube, wir sind da ähnlich, dass wir sehr streng mit uns selbst sind und schnell die Erfolge sehen wollen.
So leid es mir tut, aber ich denke, wir müssen da wieder ganz klein anfangen...
Step by step sozusagen...

Hast du denn das Gefühl, dass dir die Medikamente überhaupt helfen?
Bist du noch in der Tagesklinik oder hast du einen ambulanten Therapeuten?

Fühl dich mal ganz lieb gedrückt. Bist nicht alleine.

Liebe Grüße, Anna

P.S.: Und ich hoffe, das hört sich jetzt nicht lächerlich an... aber was mir geholfen hat und hilft... ist mein Hund.
Seit Februar hab ich einen und ich muss schon sagen, auch wenn es teilweise anstrengend war und ist: Mir hat der kleine Racker geholfen.
Wäre das denn eine Überlegung wert?

04.08.2016 16:53 • #3


Hallo,

danke für die schnellen Antworten und die Offenheit. Ich selber wohne im Eigenheim mit Frau und Kind der gerade 1Jahr alt geworden ist und Hund. Das heisst die sozialen bzw. Familiären Umstände sind soweit alles prima oder anders gesagt viele Menschen würden sich sowas gerne wünschen. Bitte nicht falsch verstehen.

Deswegen ärgert mich Es umso mehr, wie ein Kleinkind zu sein.
Nur ich weiß mir langsam keinen Ausweg mehr.
Ich bin noch in der Tagesklinik, jedoch gehe ich da nur noch sehr ungern hin, weil Sie der Meinung sind mir fehlt der Wille. Weil meine Fortschritte klein sind und mein Körper sich so wert vor Situationen. Das heisst ich hatte mal 3 Tage erbrechen und durchfall weil ich mich vor einer Expostionsübung verrückt gemacht habe, sodass ich kein Auto mehr bedienen konnte.
Ich will meinen Job nicht verlieren, weil daran die Existenz meiner Familie und mir hängt.

Ich bin am Überlegen zu einem Hypnosetherapeut zu gehen.

Was meint ihr.
Die Medikamente würde ich sagen sind nur Krücken.

04.08.2016 17:16 • #4


anna violetta
Hi Micha.

Danke auch für deine Offenheit.
Bei mir ist es auch so, dass ich nicht alleine bin. Hab einen Mann, er hat 2 Kids. Einen Hund hab ich wie gesagt auch.
Nur das Eigenheim fehlt noch

Wie lange bist du denn noch in der Tagesklinik? Weißt du das schon?

"Deswegen ärgert mich Es umso mehr, wie ein Kleinkind zu sein. " -> Kann ich absolut nachempfinden! Ich verstehe das. Geht mir auch oft so. Ich ärgere mich, dass ich zur Zeit für einen "normalen" Menschen die einfachsten Dinge nicht machen kann, ohne Angst zu empfinden, ohne dereal zu sein usw... Das ärgert mich auch sehr.
Besonders schlimm ist es wieder bei mir, wenn die Kinder meines Mannes da sind, weil ich ja eigentlich nicht will, dass die merken, dass es mir nicht gut geht...
Dieses ständige "sich verstellen", das strengt an.
Aber die ganzen Symptome, die mit meinen Ängsten zusammenhängen, die strengen auch an!

Ich kann dich verstehen, dass du vor der Expositionsübung Angst hattest. Wird das bei euch dann direkt mit einem Therapeuten durchgeführt oder wie ist das?
Ich selbst hatte so eine Übung mit Therapeut noch nicht.
Bei mir schleichen sich wie gesagt auch allerlei Symptome ein, wenn es darum geht, z.B. S- Bahn fahren zu müssen (zu meiner Therapeutin), mit den Kids und meinem Mann im Auto irgendwo hin zu fahren, mit meinem Mann im Auto irgendwo hin zu fahren... Irgendwo zu sein, wo Menschen sind... Restaurant... Einkaufsladen oder so.
Echt bitter.
Das kotzt so an.
Ja, ich hatte letztes Jahr auch mal eine bessere Phase... wahrscheinlich lag das daran, dass ich medikamentös schon besser eingestellt war.
Da ist bei mir grad einiges durcheinander.
Ich hatte das Venlafaxin und das Lyrica dieses Jahr abgesetzt. War Anfang Mai auf null... habe dann aber das Lyrica schnell wieder genommen, weil ich nur noch Angst hatte. Uncool.

Achja, bei einem Hypnosetherapeut war ich auch mal, so 3 oder 4 Sitzungen. Als es dann aber an die Hypnose ging, musste ich das abbrechen, weil ich mich nicht fallen lassen konnte.
Aber einen Versuch ist es vielleicht wert.
Von Mensch zu Mensch ist das ja unterschiedlich. Habe gehört, dass es manchen Leuten mit einer Angsterkrankung schon geholfen hat.

Viele liebe Grüße,
Anna

04.08.2016 18:45 • #5


Hallo,

ich habe noch 5 Wochen in der Tagesklinik.
Nur habe ich das Gefühl das Sie mit ihrem Latein am Ende sind. Wenn ich unterwegs mit Vertrauten Menschen bin geht alles. Sobald ich alleine bin habe ich ganz starke Angstgefühle.
Welche Strategien hast du um in der Situation zu bleiben und es auszuhalten?

Sobald ich die Gefühle habe versuche ich zu flüchten. Weil ich denke ohnmächtig und allein zu sein.

Viele grüße

05.08.2016 07:25 • x 1 #6


anna violetta
Hi Micha,

schön von dir zu lesen.
Und wie lange bist du schon in der Tagesklinik?

Mh, ich habe bei mir auch das Gefühl, dass meine Therapeutin mit ihrem Latein am Ende ist bei mir
Habe aber das Gefühl, dass ich bei ihr nicht weiter komme. Hab das nun auch schon mehrere Male angesprochen... dann meinte sie letzten Do. bei der Sitzung auf einmal, dass sie schauen will und mir einen neuen Therapeuten sucht... Ich war ganz kurz etwas baff... dann dachte ich aber schnell, dass es wohl besser sein wird.
Die Sache ist die, wahrscheinlich ist es bei dir ähnlich wie bei mir... Irgendwann erzählen sie dir nichts Neues mehr...

Naja, die Theorie besagt ja, dass man aus so Situationen, wo man Angst hat, eben NICHT flüchten soll... Und dass dann irgendwann die Angst weniger wird. Habe ich aber noch nicht so viel von gemerkt Haha.
Es gibt einige Situationen, aus denen ich immer wieder gerne flüchten würde, weil ich mich so unwohl fühle... z.B. S- Bahn fahren, in der Stadt irgendwo sein, im Auto mit den Kids irgendwo hin fahren...
Ich sage mir dann aber immer wieder, dass noch nie irgendwas passiert sei (und meine Angst sagt mir dann:"Aber vielleicht passiert ja DIESES Mal was!" Einfach zum Kotzen!)...
Ich versuche echt, in der Situation zu bleiben, auch wenn es sich oft so eklig anfühlt.
So allgemein denke ich dann immer, dass ich keine Lust habe, mich gerade wieder mehr und mehr einzuschränken... Es gab Phasen, da "konnte" ich irgendwie immer mal wieder mehr... Seit einigen Wochen fühle ich mich halt wieder so schlecht und würde am Liebsten gar nicht raus alleine, muss ich aber, weil ich ja den Hund habe.
Es bringt halt echt nix, immer nur zu vermeiden. Meine Therapeutin meinte, sie findet es z.B. gut, dass ich immer wieder zu ihr komme (muss immer mit der S- Bahn nach Stuttgart rein und dann von der Stadtmitte aus zu ihr laufen, für mich eigentlich der reine Horror!)... aber ich sehe das nie als Erfolg, weil ich immer denke (und das habe ich auch so schon zu meiner Therapeutin gesagt):
"Wenn es nach meiner Angst ginge, dann könnte ich ja sonst gar nichts mehr machen! Aber ich sehe es ehrlich gesagt nicht als Erfolg, wenn ich am Tag vor der Therapie Stunde schon mega Angst habe, am Tag der Sitzung schon mit Angst aufwache und völlig nervös in den Tag starte, weil ich weiß, dass ich wieder mit der S- Bahn nach Stuttgart rein muss. Ich gehe auch nicht gestärkt aus so einer Situation raus, wenn ich schon völlig durch den Wind und mega dereal bei meiner Therapeutin ankomme und wenn ich eigentlich nur will, dass die 50 Minuten schnell rumgehen und ich wieder heim kann!"

Ich kann das auch nicht als Erfolg verzeichnen, wenn ich was gemacht habe. Was bleibt, ist immer das eklige Gefühl, dass ich dann bei so einer "Unternehmung" hatte.

Aber... Was bleibt mir denn sonst anderes?
Was bleibt dir anderes...?
Es ist schon so, dass ich manchmal stark genug bin, mir selbst zu sagen, dass ich wirklich nicht gar nichts mehr machen will...
Irgendwann muss es doch besser werden. Irgendwann MUSS die Angst doch einfach weniger werden...

Was sagen die denn in der Tagesklinik so dazu, dass es dir so schlecht geht?

LIEBE GRÜSSE AN DICH,
Anna

P.s.: Micha, habe mal eine Frage noch:
Wer hat dir denn das "Chlorprotexin" verschrieben?

05.08.2016 07:51 • #7


Hallo,

Ich bin seit 11 Wochen in der Tagesklinik.
Dort wurden mir die Medikamente auch verschrieben. Wieso fragst du?

Ich muss irgendwie weitergehen.
Nur fehlt mir die passende Strategie in der Situation zu bleiben. Es auszuhalten.

05.08.2016 10:31 • #8


anna violetta
Oh, dann hast insgesamt 16 Wochen dort. Auch eine ganz schön lange Zeit... oder?

Mh, ich bin ja keine Ärztin... aber hab nochmal wegen deinen Medis überlegt.
Das Citalopram kenne ich (hatte ich auch schonmal), das ist ja ein SSRI.
Das Chlorprothixen sagte mir nix. Hab es mal nachgegooglet. Das ist ein Antipsychotikum... ist da bei dir die Indikation gegeben?
Habe mich nur ein bisschen gewundert...

Wie lange bist du immer in der Tagesklinik? Also jeden Tag.

Liebe Grüße an dich,
Anna

05.08.2016 11:52 • #9


Das Chlor. soll mich beruhigen. So wurde es mir gesagt. Es macht mich ein wenig müder.
Angst und Panik habe ich trotzdem. Naja sollen ja nur Krücken sein.
Ja lange Zeit.
Ich bin von Montags bis Freitag von 7:30uhr bis 14:30 in der Klinik. Habe gleich Kunsttherapie

Viele grüße

05.08.2016 12:10 • #10


anna violetta
Viel Spaß bei der Kunsttherapie
Bis 14.30 Uhr hast du täglich "Programm"? Das ist ja fair. Okay, aber um 07.30 Uhr dort sein müssen ist schon früh... Wie weit hast du es immer?
Gehst du immer mit dem Handy dann ins Internet, um hier zu schreiben?

Du kannst mir auch gerne eine PN mal schreiben, wenn du magst...

LG, Anna

05.08.2016 12:15 • #11


Zitat von master764:
Hallo,

Zunächst möchte ich mich vorstellen. Ich bin männlich 29 Jahre alt und leide an einer Agoraphobie mit Panikstörung seit 5 Jahren ca. Mit der Theorie der Erkrankung bin ich sehr gut vertraut. Ursache soll angeblich zu überfürsorgliche Erziehung sein. Was mir in der jetzigen Situation nicht wirklich hilft.
Ich habe jahrelang vermieden und hatte immer Hilfe von Mitmenschen bekommen um zur Arbeit zu kommen. Bis der Teufelskreis immer schlimmer wurde.

Ich War im März 2016 in stationärer Behandlung, weil ich nicht mehr alleine zu Hause sein konnte, obwohl meine Frau da War hatte ich Angst und Panikzustände. Nach 6 Wochen Aufenthalt wurde ich entlassen, weil ich erstmal runtergekommen bin und wieder innerliche Ruhe hatte. Natürlich blieben Medikamente nicht aus. Sodass ich aktuell auf Citalopram 20mg und chlorprotexin 60mg eingestellt bin.

Seit Ende Mai 2016 befinde ich mich in einer Tagesklinik mit dem Schwerpunkt auf Konfrontationtraining.

Ich konnte kleine Erfolge schon erzielen. Z.b Alleine zu Hause bleiben. Im Dorf einkaufen gehen. Ganz kleine Strecken mit dem Auto alleine absolvieren, jedoch nach langer Übungszeit.
Autofahren mit Begleitung macht mir nichts mehr aus.

Gibt es hier Mitleser den es auch so ergeht?
Angst alleine zu sein?

Welche Strategien habt ihr entwickelt um alleine den Alltag zu meistern und auf keine Hilfe mehr angewiesen zu sein?!?

Mein Ziel ist es wieder arbeitsfähig zu sein, allerdings ist der Ort 50km entfernt. Das schaffe ich aktuell nicht.

Viele Grüße

Micha

Und ob ich das kenne.Ich kann auch nicht alleine bleiben geschweige die Wohnung verlassen.Und das geht jetzt schon ein Jahr so.Ich fühle mich in meinem Körper und in der Wohnung gefangen.Selbst wenn ich nicht alleine bin hab ich Todesängste.Zum Glück fange ich jetzt im Januar eine Verhaltenstherapie an.Sonst weiß ich nicht wie lange ich das noch durchhalten kann.Es hat mein Leben komplett verändert.Ich erkenne mich selbst nicht wieder

01.01.2019 13:09 • #12




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