6

Nil97
Hallo zusammen,

warum fällt es Menschen schwer, die frühkindliche Traumata ( Gewalt) von Eltern erlebt haben Augenkontakt/ Blickkontakt in der Psychotherapie zu halten, wenn sie in ihrer Kindheit keine Nähe erfahren haben. Oder wenn der Kontakt in der Kindheit fehlte, der in der Therapie entsteht. Ich hoffe ihr versteht, was ich meine. Ich mache gerade eine Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie-+ Traumatherapie. In der Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist es ja so, dass PsychotherapeutenInnen warten und Raum für Gefühle und Gedanken geben. Demnach entsteht meistens auch Stille.

Und man wird auch angeschaut, auch wenn man nichts sagt. Es fällt mir schwer, das zuzulassen und auszuhalten und sage dann etwas ( dass es mir schwer fällt/ das unangenehm ist)ich unterbreche das meistens. Ich muss mich dann ablenken. Wir haben diese Woche geschaut, woran das liegt. Und meine Therapeutin wollte genauer wissen, warum es mir so schwer fällt es auszuhalten. Und dann habe ich erstmal gewartet. Meistens wenn ich dann überlege und dabei nichts sage, diese Stille zulasse, kommt ein Gedanke. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich in der Kindheit fast/ bis gar keine Nähe erfahren habe und dieser Kontakt gefehlt hat.

Ich finde die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie sehr interessant und glaube, dass ich davon sehr profitieren werde. Es geht ja in dieser Therapieform viel um Beziehung und innere Konflikte, frühkindliche Erfahrungen, die man gemacht hat.

Ich freue mich über Antworten und den Austausch.

Liebe Grüße

16.05.2020 21:11 • 17.05.2020 x 1 #1


7 Antworten ↓


cube_melon
Alleine die Traumata aus der Kindheit reichen schon aus um Probleme mit dem Blickkontakt zu bekommen.
Oder ein geschwächtes Urvertrauen.
Ein diffuses Angstgefühl.

16.05.2020 21:31 • x 2 #2


Idefix13
Blickkontakt fällt unter die Non-verbale bzw. unter die Körpersprache. Also selbst wenn du nichts sagst, spricht deine Körpersprache meistens Bände. Jetzt gilt es zu erkennen und zu wissen, was deine Körpersprache über dich aussagt und was dein Gegenüber davon fähig ist zu lesen.

Also ich habe selbst in der Öffentlichkeit Probleme "selbst gesehen" zu werden. Fühle mich andauernd beobachtet und unter strenger Beobachtung, selbst durch mich in dritter Person.

In den Sitzungen, kam es bei uns (meiner Therapeutin und mir) zu Pausen, langen Zeiten, wo keiner sprach, aber durch das Vertrauen nach etwa 40-50 Stunden war es für mich und für sie kein Problem mehr, dass es mal zu langen Episoden einer Stunde kam, wo kein Wort gewechselt worden ist. Weil, wie schon gesagt, dein Körper spricht auch Bände und vielleicht ist deine Therapeutin auch nicht in der Lage diese Non-verbale Sprache erfassen zu können. Sie deuten zu können und/oder du hast noch zu wenig vertrauen, dass du vorschnell 'die Stille' unterbrichst.

16.05.2020 22:13 • x 2 #3


Nil97
Zitat von Idefix13:
Blickkontakt fällt unter die Non-verbale bzw. unter die Körpersprache. Also selbst wenn du nichts sagst, spricht deine Körpersprache meistens Bände. Jetzt gilt es zu erkennen und zu wissen, was deine Körpersprache über dich aussagt und was dein Gegenüber davon fähig ist zu lesen.Also ich habe selbst in der Öffentlichkeit Probleme "selbst gesehen" zu werden. Fühle mich andauernd beobachtet und unter strenger Beobachtung, selbst durch mich in dritter Person.In den Sitzungen, kam es bei uns (meiner Therapeutin und mir) zu Pausen, langen Zeiten, wo keiner sprach, aber durch das Vertrauen nach etwa 40-50 Stunden war es für mich und für sie kein Problem mehr, dass es mal zu langen Episoden einer Stunde kam, wo kein Wort gewechselt worden ist. Weil, wie schon gesagt, dein Körper spricht auch Bände und vielleicht ist deine Therapeutin auch nicht in der Lage diese Non-verbale Sprache erfassen zu können. Sie deuten zu können und/oder du hast noch zu wenig vertrauen, dass du vorschnell 'die Stille' unterbrichst.


Vielen Dank für deine Antwort. Ich hatte erst meine 6. Therapiestunde und bin seit Ende Januar bei ihr.

16.05.2020 22:42 • #4


Nil97
Zitat von cube_melon:
Alleine die Traumata aus der Kindheit reichen schon aus um Probleme mit dem Blickkontakt zu bekommen.Oder ein geschwächtes Urvertrauen.Ein diffuses Angstgefühl.


Ich denke auch, dass es an den Traumata liegt und dass man das Gefühl nicht kennt. Und weil dieser Kontakt vorher gefehlt hatte, ist er so unbekannt/ schwer aushaltbar. Ich hatte bisher nur 6 Therapiestunden bei ihr, also kenne sie auch erst seit Ende Januar.

16.05.2020 22:44 • #5


cube_melon
Ich kenne Menschen mit einem Trauma Typ I wo Urvertrauen haben, aber damit Schwierigkeiten haben.
Welche mit Typ II und Urvertrauen die das ebenfalls nicht können.
Bei mir liegt ein Trauma Typ I und II, kein Urvertrauen, Wechselbad an Nähe und Vernachlässigung vor. Und ich habe es gelernt den Augenkontakt zu halten.

Traumata und die möglichen Folgestörungen sind ein komplexes Thema. Die Folgen und deren Zusammenhänge sind so individuell wie die Betroffenen und ihre Biographie.

Es ist gut zu hören das Du ein Vertrauensverhältnis zu deiner Therapeutin, einen emotionalen Zugang zu der Therapieform hast und das Du motiviert und wissbegierig bist.
Eine Menge an positiver Gegebenheiten, die dir helfen werden.

16.05.2020 23:10 • x 1 #6


Nil97
Zitat von cube_melon:
Ich kenne Menschen mit einem Trauma Typ I wo Urvertrauen haben, aber damit Schwierigkeiten haben.Welche mit Typ II und Urvertrauen die das ebenfalls nicht können.Bei mir liegt ein Trauma Typ I und II, kein Urvertrauen, Wechselbad an Nähe und Vernachlässigung vor. Und ich habe es gelernt den Augenkontakt zu halten.Traumata und die möglichen Folgestörungen sind ein komplexes Thema. Die Folgen und deren Zusammenhänge sind so individuell wie die Betroffenen und ihre Biographie.Es ist gut zu hören das Du ein Vertrauensverhältnis zu deiner Therapeutin, einen emotionalen Zugang zu der Therapieform hast und das Du motiviert und wissbegierig bist. Eine Menge an positiver Gegebenheiten, die dir helfen werden.


Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Es ist schön, dass du daran arbeiten konntest und diesen Augenkontakt halten kannst. Welche Therapieform hast du gemacht?

Ich fühle mich bei meiner Therapeutin auch sehr wohl und habe einen emotionalen Zugang zu der Therapieform.
Ich habe meiner Therapeutin meine Notizen vorgelesen und zitiere es mal:" Oft habe ich das Gefühl, dass mir das Gefühl von Umhüllung, Schutz, Nähe, Geborgenheit/ Sicherheit und Schutz fehlt. Wenn diese Gefühle dann aufkommen, fühle ich mich traurig, ausgeliefert, frustriert und schutzlos, nicht geborgen und sicher. Manchmal muss ich dann weinen oder kratze meine Arme auf, weil diese Bedürfnisse/ Gefühle und Bedürftigkeit mich traurig machen und frustrieren.

Sie konnte es auch besser verstehen.

Diese Gefühle fehlen mir ja sehr, gleichzeitig fällt es mir schwer Augenkontakt mit meiner Therapeutin zu halten. Es kann auch daran liegen, wenn man sich anguckt lassen sich diese Emotionen besser spüren, wenn man über etwas spricht. Ich denke der größte Kern liegt darin, dass diese Bedürfnisse in der Kindheit nicht gestillt wurden und in der Therapie entsteht ja ein Raum, wo auch Nähe im Raum ist. Und es deshalb jetzt schwer aushaltbar ist, weil es ein Unbekanntes Gefühl ist.

Und ich habe im Dezember eine Verhaltenstherapie abgeschlossen. Meine Therapeutin wurde schwanger wir haben meine Sitzungen komplett abgeschlossen. Ich habe sehr schwierige Gefühle entwickelt/ übertragen aufgrund ihrer Schwangerschaft. Heute habe ich sehr schwierige Gefühle. Letzes mal habe ich eine Sendung gesehen, wo zwei Frauen im Kreißsaal ihr Babybauch gestreichelt haben. Und plötzlich sind schlagartig Gefühle aufgetreten. Ich habe plötzlich meine Therapeutin vor meinen Augen gesehen und mein Handy auf den Boden geworfen. Meine Therapeutin hatte auch mal in einer Sitzung ihr Bauch gestreichelt und in dem Moment habe ich meine Gefühle unterdrückt. Ich habe sie so gesehen, was ich mir von einer Mutter gewünscht hätte.

Ich denke, dass ich von der Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie-+ Traumatherapie sehr profitieren werde. Meine aktuelle Therapeutin kennt sich mit Traumatherapie gut aus und das spüre ich sehr. Bei meiner ehemaligen Therapeutin ging es meistens darum den Erwachsenen Anteil zu stärken/ Freundschaften aufzubauen/ Aktivitäten finden. Meine jetzige Therapeutin versteht es auf einer ganz anderen Art.
Ich bin sehr froh, dass ich bei ihr bin und dass sie mich aufgefangen hat.
Was denkst du noch dazu.


Liebe Grüße

17.05.2020 00:01 • #7


cube_melon
Zitat von Nil97:
Welche Therapieform hast du gemacht?

Analytische Therapie, VHT, DBT, Skills, Zen, Imagination (PITT), EMDR, Neuro- und Biofeedback. (kopiert aus meinem Profil)

Meine Traumatherapeutin war super kompetent und hatte ein hohes Fachwissen. Auch m Bereich Schmerztherapie.

Bei Menschen wo das Urvertrauen und das grundlegende Gefühl der Sicherheit geschwächt ist, ist es wichtig eine Strategie zur Kompensation aufzubauen.

Dazu gehört:
- innere wie äussere Grenzen erkennen, definieren und beschützen.
- Ressourcenhaushalt aufbauen. Wissen über Energiehaushalt.
- Skillstraining für PTBS
- Wissen über Zusammenhänge von innerer Anspannung, Angst, Sensorische Warhnehmung und deren Filterung/Bewertung.
- Achtsamkeitsmodul - innere wie äussere Achsamtkeit
- Ungünstige Verhaltensmuster erkennen und aushebeln
- Notfallkoffer einrichten.
- Schlafhygiene
- Tagesstruktur

17.05.2020 00:41 • #8




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag


Dr. Christina Wiesemann