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Hallo!

Ich bin neu hier im Forum und will mich nun endlich mal mit anderen austauschen, da ich seit Jahren immerwieder unter Depressionen und Angststörungen leide.

Ich bin 39, Softwareentwickler, verheiratet mit zwei Kindern. Ich hatte 2014 zum ersten mal eine Depression. Zwar habe ich die Depression mit etwas Hilfe wieder in den Griff bekommen, aber eigentlich kommt jedes Jahr mindestens neuer Schub. Zum Glück war es nie so stark das ich mich hätte krank schreiben lassen oder gar einweisen lassen müssen, aber schlimm (!) ist es doch jedes mal.

Während meinen depressiven Phasen hatte ich immer auch schon Probleme mit dem Essen: Mir fehlt dann jeglicher Appetit und wenn es dann darum geht etwas essen zu müssen dann wird das echt schlimm. Vor allem wenn es in einer größeren Gruppe ist oder es ein besonderes Essen ist das alle geniessen wollen. Dann muss ich jeden Bissen hinunterwürgen - so gut es geht.
Inzwischen finde ich diese Angst vor dem Essen eigentlich schlimmer als meine Depression an sich und ich frage mich langsam was ich dagegen tun kann.

Gestern habe ich "Angststörung" mal auf Wikipedia etwas näher nachgelesen und bin dabei auf Folgendes gestossen:
Zitat:
Sigmund Freud kannte das Phänomen Angst in zwei Zusammenhängen:
1. als Ausdruck bzw. als Folge eines innerpsychischen Konfliktes, etwa zwischen einem verbotenen triebhaften Impuls und einem strengen Gewissen. Angst resultiert hiernach durch die unvollständige Unterdrückung einer Wunschregung, z. B. eines sexuellen Verlangens und der Angst vor Bestrafung, sie ist Ergebnis eines Abwehrvorganges (Freud, 1895).


In diesem Zitat habe ich mich voll wieder gefunden: Ich habe tatsächlich eine etwas exotische sexuelle Neigung die ich nicht wirklich ausleben kann da meine Frau diese Neigung nicht teilt. Wenn ich dann versucht habe diese Neigung für mich selbst auszuleben hatte ich anschließend immer ein schlechtes Gewissen. Das hat auch vor meiner ersten Depression schon zu "Angst vor Essen" geführt weil ich dann oftmals ein schlechtes Gewissen gegenüber meiner Frau hatte und ich mir immer im Klaren war das die Frage nach dem "Was ist denn los?" kommen würde wenn ich nicht essen konnte.
Ich habe daher immer so gut es ging versucht diese Neigung zu ignorieren oder gar zu unterdrücken, aber nun habe ich das Gefühl dass das Verdrängen meiner Neigung eben diese Probleme verursacht.

Ich liebe meine Frau und ich stelle mein sexuelle Bedürnis bewusst für sie nach hinten (so gut es eben geht), da kann es doch nicht wahr sein das es nun so mein Leben zerstört

Ich hoffe das ich meine aktuelle Depri- und Angstphase irgendwie in den Griff bekomme, aber gleichzeitig habe ich das Gefühl das es mich dann irgendwann wieder einholen wird. Ich habe jetzt schon irgendwie Angst vor dem gemeinsamen Urlaub in den Sommerferien.

Oh man, ich habe schon zu viel geschrieben.

Es wäre schön wenn jemand von euch seine Meinung und vielleicht sogar Tipps schreiben könnte wie ich meine Probleme ganzheitlicher angehen kann.

18.04.2021 06:31 • 19.04.2021 #1


7 Antworten ↓


Hallo, hast du dich den mit deiner Frau in letzter Zeit mal zusammen gesetzt und ausführlich über das Problem und deine Vermutung gesprochen? Bzw ihr es so erklärt wie uns hier?

18.04.2021 09:29 • x 2 #2



Angst vor Essen in Gesellschaft

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Nein, das hat in der Vergangenheit eher zu Frustration geführt, außerdem sind das ja alles nur Vermutungen. Letztlich kann ich nicht wirklich sagen was meine Ängste triggert.
Vor drei Wochen ging es mir noch glänzend und ich kann nicht mal richtig erkennen was der Auslöser war. Vielleicht ging es mir zu gut.

Sie schlägt vor das ich wieder zum Psychotherapeut gehe oder doch nochmal versuche einen Platz beim Psychater zu bekommen, aber da mache ich mir echt nicht viele Hoffnungen, zumal seit Corona die Praxen sich vor Patienten kaum noch retten können.

Ich konnte heute Nacht kaum schlafen, was bei mir echt selten ist. Das große Sonntagsfrühstück heute mit der Familie war eben OK, aber heute Abend kommen die Schwiegereltern vorbei zum Rehbraten essen :-\ das wird nicht einfach für mich...

18.04.2021 09:42 • x 2 #3


Versuche hier Hilfe zu bekommen. Zu schreiben und Dir Tipps zu holen. Vielen hilft es mehr als Therapie

18.04.2021 09:44 • x 1 #4


Zitat von RalfRalf:
Nein, das hat in der Vergangenheit eher zu Frustration geführt, außerdem sind das ja alles nur Vermutungen. Letztlich kann ich nicht wirklich sagen ...


Es ist nicht für jeden was aber mir hat sehr geholfen allen engen Personen zu sagen was mein Problem ist vor was ich Angst habe. Mit dem Wissen dass die andern einen nicht verurteilen oder denken "hä was ist den mit der los" hat mir sehr geholfen mit der Situation anders umzugehen. Ich würde trotzdem versuchen nochmal mit deiner Frau zu reden ihr seid schließlich ein Team zusammen und warum solltet ihr das Problem nicht zusammen schaffen

18.04.2021 09:48 • x 2 #5


Ja, ich habe mich gestern auch zum ersten mal einem alten Kumpel anvertraut bei dem wir zum Essen eingeladen waren. Es hat zwar nicht meinem Appetit geholfen, aber wenigstens meiner Seele.

Ich habe heute ein wenig mit meiner Frau über das Thema gesprochen, aber sie tut sich da wirklich schwer mir zu helfen. Ich glaube sie ist da etwas überfordert :-/

18.04.2021 10:53 • x 2 #6


Zitat von RalfRalf:
Ja, ich habe mich gestern auch zum ersten mal einem alten Kumpel anvertraut bei dem wir zum Essen eingeladen waren. Es hat zwar nicht meinem Appetit ...


Ich finde es gut das du diesen Schritt gemacht hast und auch nochmal mit deiner Frau geredet hast. Manche sind damit überfordert weil sie helfen möchten aber nicht wirklich wissen wie sie das können bzw was sie dir Gutes tun können

18.04.2021 10:56 • x 1 #7


Das Essen mit den Schwiegereltern gestern lief ganz OK... Nicht super toll, aber OK.

Ich merke aber das mir mein aktueller Zustand richtig an die Substanz geht, auch habe ich schon etwas abgenommen... Meine Frau hat zwar Verständnis, aber betont auch das sie mir da nicht helfen kann und will das ich ärztliche Hilfe suche.
Naja, dann geh ich mal zum Hausarzt und lass mir mal wieder ein SSRI geben... Ist nicht so das ich mich drauf freue, aber ich muss zugeben das mir das bisher immer geholfen hat (zumindest langfristig).

Trotzdem werde ich versuchen morgen mit ihr etwas mehr zu reden wenn die Kids in der Schule sind - ich habe echt das Gefühl das sie sich nur mehr vor mir zurückzieht desto schlechter es mir geht. Ich kann das zwar verstehen (wer will schon einen Depri-Partner), aber so wird es für mich eben noch schwerer...

19.04.2021 07:46 • #8





Dr. Christina Wiesemann