Zitat von Vana05:Ich habe echt Angst, dass ich wirklich was schlimmes habe und bald durchdrehen könnte.
Erstens gibt es auf dem psychischen Sektor da gar nicht so viel, was man haben könnte, zweitens hättest Du dann im Ernstfall keine solche Angst vor dem, was Du hast. Die Angst, durchzudrehen, ist paradoxerweise das sicherste Zeichen, es nicht zu tun...
Mir wurden noch keine schrecklichen Diagnosen genannt, aber als ich vor elf Jahren in einer psychosomatischen Klinik war, hatte ich mutmaßlich die (falsche) Diagnose einer Persönlichkeitsstörung im Gepäck. Jedenfalls bin ich nicht auf der Station gelandet, auf der die sonstigen sog. "Neurosen" waren, sondern bei "Persönlichkeitsgestörten" und Patienten, die vorher eine Psychose gehabt hatten... Im Umgang merkte man keinen Unterschied, auch nicht wirklich in der Behandlung. Erfahren habe ich das erst durch Nachfragen. Im Nachhinein würde ich sagen, dass auf "unserer" Station akute Symptome keine so große Rolle gespielt haben, irgendwie waren so ziemlich alle anderen "alltagstauglicher" als ich mit meiner ausgeprägten Agoraphobie. Meine Zimmernachbarin war eine promovierte Ärztin, die an Schizophrenie erkrankt war und drei psychotische Phasen hinter sich hatte. Ihren Erzählungen zufolge war das alles nicht halb so dramatisch, wie man sich das immer vorstellt, und außerhalb der akuten Phasen war sie sowieso völlig normal - nur dass sie absolut nicht nachempfinden konnte, wieso und wovor ich denn nun Angst hätte...
Was mich mal sehr verunsichert hat, waren die Drohungen meiner Verhaltenstherapeutin ganz am Anfang der Therapie, dass ich noch was viel Schlimmeres als Angst bekäme, wenn ich in der Konfrontationstherapie nicht "spurte" (= schwerer Therapeutenfehler!). Nach dem Misslingen dieser Therapie geriet ich an eine Psychoanalytikerin, die hinter jeder verhaltenstherapeutischen Maßnahme eine Symptomverschlimmerung oder -verschiebung vermutete und mich damit weiter verunsicherte. Die stellte die Diagnose, mit der ich in die Klinik kam. Sie machte auch noch ein paar Fehler, die zur Chronifizierung meiner Angststörung beitrugen. Ich kann Dich nur davor warnen, Diagnosen und Behandlermeinungen überzubewerten. Du solltest die immer hinterfragen, oft genug stecken simple Missverständnisse dahinter. Richte Dich danach, was Dich an Deinen Symptomen z.B. stört, schau, wie Du leben möchtest. Das allein ist wichtig.
Liebe Grüße
Christina